(565) Marbachia
Asteroid des Hauptgürtels
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(565) Marbachia ist ein Asteroid des inneren Hauptgürtels, der am 9. Mai 1905 vom deutschen Astronomen Max Wolf an der Großherzoglichen Bergsternwarte in Heidelberg bei einer Helligkeit von 12,8 mag entdeckt wurde.
| Asteroid (565) Marbachia | |
|---|---|
| Eigenschaften des Orbits Animation | |
| Orbittyp | Innerer Hauptgürtel |
| Große Halbachse | 2,442 AE |
| Exzentrizität | 0,132 |
| Perihel – Aphel | 2,120 AE – 2,764 AE |
| Neigung der Bahnebene | 10,994° |
| Länge des aufsteigenden Knotens | 225,7° |
| Argument der Periapsis | 292,1° |
| Zeitpunkt des Periheldurchgangs | 3. November 2026 |
| Siderische Umlaufperiode | 3 a 298 d |
| Mittlere Orbitalgeschwindigkeit | 18,98 km/s |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mittlerer Durchmesser | 27,3 km ± 0,4 km |
| Albedo | 0,11 |
| Rotationsperiode | 4 h 35 min |
| Absolute Helligkeit | 10,9 mag |
| Spektralklasse (nach Tholen) |
S |
| Geschichte | |
| Entdecker | Max Wolf |
| Datum der Entdeckung | 9. Mai 1905 |
| Andere Bezeichnung | 1905 JE, 1912 DA, 1947 LE, 1949 WK |
| Quelle: Wenn nicht einzeln anders angegeben, stammen die Daten vom JPL Small-Body Database. Die Zugehörigkeit zu einer Asteroidenfamilie wird automatisch aus der AstDyS-2 Datenbank ermittelt. Bitte auch den Hinweis zu Asteroidenartikeln beachten. | |
Der Asteroid ist benannt nach der Stadt Marbach am Neckar im Südwesten Deutschlands, der Geburtsstadt des deutschen Dichters Friedrich Schiller.
Wissenschaftliche Auswertung
Aus Ergebnissen der IRAS Minor Planet Survey (IMPS) wurden 1992 Angaben zu Durchmesser und Albedo für zahlreiche Asteroiden abgeleitet, darunter auch (565) Marbachia, für die damals Werte von 27,6 km bzw. 0,10 erhalten wurden.[1] Eine Auswertung von Beobachtungen durch das Projekt NEOWISE im nahen Infrarot führte 2012 zu vorläufigen Werten für den Durchmesser und die Albedo im sichtbaren Bereich von 27,3 km bzw. 0,11.[2] Nach der Reaktivierung von NEOWISE im Jahr 2013 und Registrierung neuer Daten wurden die Werte 2015 zunächst mit 22,5 km bzw. 0,16 angegeben[3] und dann 2016 korrigiert zu 27,5 km bzw. 0,12, diese Angaben beinhalten aber alle hohe Unsicherheiten.[4]
Eine spektroskopische Untersuchung von 820 Asteroiden zwischen November 1996 und September 2001 am La-Silla-Observatorium in Chile ergab für (565) Marbachia eine taxonomische Klassifizierung als D-Typ.[5]
Photometrische Messungen des Asteroiden fanden erstmals statt am 1. März 2000 am Thornton Observatory in Colorado. Eine erste Auswertung ließ eine Rotationsperiode nahe bei sechs Stunden erwarten, was die Aufzeichnung einer Lichtkurve an einem Ort erschweren würde. Daher wurde um Unterstützung durch das Flarestar Observatory auf Malta gebeten. Mit kombinierten Beobachtungen bis zum 9. März am Thornton Observatory und am 3. und 7. März am Flarestar Observatory konnte schließlich eine vollständige Lichtkurve aufgezeichnet werden, aus der eine Rotationsperiode von 5,084 h abgeleitet wurde. Allerdings konnte auch eine mögliche Periode von 4,59 h nicht völlig ausgeschlossen werden.[6] Zur Klärung der Unsicherheit erfolgten weitere Beobachtungen vom 9. bis 17. August 2005 während vier Nächten am privaten R. P. Feynman Observatory in Italien. Dabei konnte die kürzere Rotationsperiode mit einem Wert von 4,587 h bestätigt werden.[7][8]
Im Jahr 2016 führte die Auswertung von archivierten Lichtkurven der Lowell Photometric Database und weiterer Beobachtungen aus dem Zeitraum 2000 bis 2013 erstmals zur Erstellung eines dreidimensionalen Gestaltmodells des Asteroiden für zwei alternative Rotationsachsen mit retrograder Rotation und einer Periode von 4,58782 h.[9] Neue photometrische Beobachtungen gab es noch einmal vom 17. bis 28. Juli 2016 an zwei Observatorien der APT Observatory Group in Spanien. Auch hier wurde eine Rotationsperiode von 4,588 h abgeleitet.[10]
Im Jahr 2021 wurde aus archivierten Daten und photometrischen Messungen von Gaia DR2 wieder ein dreidimensionales Gestaltmodell des Asteroiden für eine Rotationsachse mit retrograder Rotation sowie eine Periode von 4,58782 h berechnet.[11] Zwischen 2012 und 2018 wurden mit der All-Sky Automated Survey for Supernovae (ASAS-SN) auch photometrische Daten von 20.000 Asteroiden aufgezeichnet. Auf mehr als 5000 davon konnte erfolgreich die Methode der konvexen Inversion angewendet werden, darunter auch (565) Marbachia, für die in einer Untersuchung von 2021 ein verbessertes dreidimensionales Gestaltmodell für zwei alternative Rotationsachsen mit retrograder Rotation und einer Periode von 4,58782 h berechnet wurde.[12]
Aus archivierten Daten des Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System (ATLAS) aus dem Zeitraum 2015 bis 2018 konnte in einer Untersuchung von 2022 mit der Methode der konvexen Inversion eine Rotationsperiode von 4,5879 h bestimmt werden.[13] Im Jahr 2023 wurde aus photometrischen Messungen von Gaia DR3 erneut ein dreidimensionales Gestaltmodell des Asteroiden für zwei alternative Rotationsachsen mit retrograder Rotation und einer Periode von 4,58786 h berechnet.[14]
Siehe auch
Weblinks
- (565) Marbachia beim IAU Minor Planet Center (englisch)
- (565) Marbachia in der Small-Body Database des Jet Propulsion Laboratory (englisch).
- (565) Marbachia in der Datenbank der „Asteroids – Dynamic Site“ (AstDyS-2, englisch).
- (565) Marbachia in der Database of Asteroid Models from Inversion Techniques (DAMIT, englisch).