120-Zell
konvexes reguläres vierdimensionales Polytop
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Das 120-Zell ist eines der sechs konvexen regulären 4-Polytope (der Analoga der platonischen Körper im vierdimensionalen euklidischen Raum). Konvexe reguläre 4-Polytope werden von platonischen Körpern begrenzt, die in diesem Kontext Zellen genannt werden.[1.1] Beim 120-Zell sind dies 120 regelmäßige Dodekaeder. Das 120-Zell besteht außerdem aus 720 Flächen (regelmäßigen Fünfecken), 1200 Kanten und 600 Ecken. Das Schläfli-Symbol des 120-Zells ist . Es sagt aus, dass das 120-Zell aus Dodekaedern aufgebaut ist, von denen jeweils 3 an einer Kante aneinander grenzen.[2.1] Die Eckfigur ist ein regelmäßiges Tetraeder , was bedeutet, dass an einer Ecke vier Dodekaeder aneinander grenzen. Außerdem grenzen an einer Fläche zwei Dodekaeder aneinander. Das duale Polytop des 120-Zells ist das 600-Zell.
| 120-Zell | |
|---|---|
| Typ | Konvexes reguläres 4-Polytop |
| Schläfli-Symbol | {5,3,3} |
| Zellen | 120 ({5,3}) |
| Flächen | 720 ({5}) |
| Kanten | 1200 |
| Ecken | 600 |
| Eckfigur | {3,3} |
| Symmetriegruppe | [3,3,5] = H4, Gruppenordnung: 14.400 |
| Duales Polytop | 600-Zell |
Geschichte
Das 120-Zell wurde von Ludwig Schläfli entdeckt und in seiner in den Jahren 1850–1852 entstandenen[3][4] Arbeit Theorie der vielfachen Kontinuität vorgestellt.[5.1][6.1] In ihr beschrieb er als erster alle konvexen regulären 4-Polytope, alle Parkettierungen des vierdimensionalen euklidischen Raums, vier der zehn sternförmigen regulären 4-Polytope und alle regulären höherdimensionalen Polytope und Parkettierungen.
Da Schläflis Arbeit erst 1901, sechs Jahre nach seinem Tod, veröffentlicht wurde, wurden die regulären Polytope in den Jahren 1880–1900 mehrfach unabhängig voneinander wiederentdeckt,[2.2][7.1][8.1][1.2] unter anderem von Washington Irving Stringham,[9] G. Forchhammer,[10] Reinhold Hoppe,[11][12] Karl Rudel,[13] Victor Schlegel,[14] Anton Puchta,[15][16] Otto Biermann,[17] H. W. Curjel[18] und Thorold Gosset.[19] Außerdem entdeckte Edmund Hess 1885 alle zehn sternförmigen regulären 4-Polytope.[7]
In der Anfangszeit der Forschung zu den regulären Polytopen gab es noch keine einheitliche Terminologie. Beispielsweise bezeichnete Ludwig Schläfli n-dimensionale Polytope als Polyscheme.[5.2][6.2] Die heute gebräuchliche Bezeichnung Polytop wurde von Reinhold Hoppe eingeführt.[11.1][2.3] Ludwig Schläfli bezeichnete das 120-Zell als Hekatonkaieikosaschem,[5.3][6.3] während Washington Irving Stringham es Hekatonikosihedroid oder (120)-hedroid nannte.[9.1] Die heute übliche Bezeichnung[1.3] Hundertzwanzigzell wurde von Victor Schlegel eingeführt.[14.1]
Konstruktionen des 120-Zells
Der Beweis der Existenz der platonischen Körper (der regulären Polyeder im dreidimensionalen Raum) kann geführt werden, ohne sie explizit konstruieren zu müssen. Dazu müssen lediglich die fünf möglichen Anordnungen von regulären Polygonen um eine Ecke im dreidimensionalen Raum bestimmt werden. Hieraus und aus dem Eulerschen Polyedersatz kann unmittelbar bestimmt werden, aus wie vielen Ecken, Kanten und Flächen der jeweilige platonische Körper besteht.[20.1][5.4][6.4] Hierbei bezeichnet die Anzahl der Ecken, die Anzahl der Kanten und die Anzahl der Flächen des Polyeders.
Die vierdimensionale Version des Eulerschen Polyedersatzes lautet , wobei die Anzahl der Zellen bezeichnet.[5.5][6.5] Da dies eine homogene Gleichung ist, lassen sich aus der Konstruktion der Anordnung von Polyedern um eine Ecke im vierdimensionalen Raum nicht die Anzahl der Zellen, Flächen, Kanten und Ecken eines 4-Polytops herleiten, sondern lediglich die Verhältnisse dieser Zahlen.[5.6][6.6][20.2] Für das 120-Zell sind diese gegeben durch . Um die Existenz des 120-Zells zu beweisen, muss es daher explizit konstruiert werden.[5.6][6.6][2.1]
Im Folgenden werden verschiedene Konstruktionen des 120-Zells beschrieben.
Konstruktion als duales Polytop des 600-Zells
Das 120-Zell kann als duales Polytop des 600-Zells konstruiert werden. Dabei sind die Ecken des dualen Polytops durch die Mittelpunkte der Zellen des Ausgangspolytops gegeben.[2.4] Die Ecken des 120-Zells sind daher durch die Mittelpunkte der Tetraeder des 600-Zells bestimmt. Damit ist nachgewiesen, dass das 120-Zell aus 600 Ecken, 1200 Kanten, 720 Flächen und 120 Zellen besteht.
Zur Berechnung der Mittelpunkte der Tetraeder des 600-Zells können beispielsweise dessen Konstruktionen über vierdimensionale Kugelkoordinaten oder über kartesische Koordinaten verwendet werden. Ludwig Schläfli wies die Existenz des 120-Zells auf diesem Weg nach, gab aber keine explizite Koordinatendarstellung an.[5.7][6.3] Pieter Schoute verwendete dieselbe Konstruktion und gab als erster explizite Koordinaten des 120-Zells an.[21.1]
Die aus den kartesische Koordinaten des 600-Zells abgeleiteten Koordinaten des 120-Zells lauten in moderner Schreibweise:[2.5]
- alle Permutationen von (24 Punkte),
- alle Permutationen von (64 Punkte),
- alle Permutationen von (64 Punkte),
- alle Permutationen von (64 Punkte),
- alle geraden Permutationen von (96 Punkte),
- alle geraden Permutationen von (96 Punkte) und
- alle geraden Permutationen von (192 Punkte).
Hierbei bezeichnet den goldenen Schnitt.[2.6] Die Koordinaten der Ecken wurden so normiert, dass sie auf einer 3-Sphäre vom Radius 1 liegen. Die Kanten der Dodekaeder haben damit eine Länge von .
Aufgrund der Dualität des 120-Zells und des 600-Zells lassen sich bestimmte Eigenschaften der Konstruktion des 600-Zells auf das 120-Zell übertragen. Beispielsweise bilden die Ecken des 600-Zells in dessen Konstruktionen über vierdimensionale Kugelkoordinaten und über kartesische Koordinaten neun Schichten entlang einer Diagonalen zwischen gegenüberliegenden Ecken. Dual dazu bilden die Zellen (Dodekaeder) des 120-Zells neun Schichten entlang einer Diagonalen zwischen gegenüberliegenden Zellenmittelpunkten. Die Schichtung der Dodekaeder ist 1, 12, 20, 12, 30, 12, 20, 12, 1.[20.3]
Visualisierung der Konstruktion des 120-Zells

Das nebenstehende Video zeigt die Konstruktion des 120-Zells aus den oben beschriebenen neun Schichten von Dodekaedern. Dabei werden die Dodekaeder vom vierdimensionalen Raum mittels einer vierdimensionalen Version der Zentralprojektion in den dreidimensionalen Raum projiziert. Das Projektionszentrum liegt dabei im Punkt . Die Projektion erfolgt in die -Hyperebene. Hierdurch ergibt sich eine Projektion, wie sie bei einem Schlegeldiagramm verwendet wird.[14.2]
Im ersten Teil des Videos werden die Dodekaeder der einzelnen Schichten in denselben Farben und transparent visualisiert, um den inneren Aufbau des 120-Zells darzustellen. Jede Schicht wird nacheinander eingeblendet. Um zu zeigen, wie eine Schicht an die vorherigen Schichten angrenzt, werden die Dodekaeder nicht direkt in ihrer eigentlichen Lage eingeblendet, sondern eine bestimmte Distanz senkrecht über ihrer eigentlichen Position. Sie bewegen sich dann auf geradem Weg zu ihrer eigentlichen Position. Nachdem sie diese Position erreicht haben, werden alle bisher eingeblendeten Dodekaeder rotiert, um den inneren Aufbau des bis zu diesem Zeitpunkt konstruierten Teils des 120-Zells zu visualisieren. Während der gesamten Visualisierung werden die bisher eingeblendeten Schichten annähernd bildfüllend dargestellt. Um Platz für die nächste Schicht zu schaffen, werden die bisher eingeblendeten Schichten während der Rotation entsprechend verkleinert.
Eine Besonderheit ergibt sich beim letzten Dodekaeder. Da dieses in der Projektion, wie bei einem Schlegeldiagramm üblich, denselben Raum einnimmt, wie die 119 zuvor eingeblendeten Dodekaeder, wird es größer eingeblendet und schrumpft dann auf seine eigentliche Größe. Im vierdimensionalen Raum ist dieses Dodekaeder disjunkt zu allen übrigen.
Die Abbildung am Anfang dieses Artikels entspricht der Darstellung des 120-Zells nach Einblendung aller neun Schichten, wobei nur die Ecken und Kanten visualisiert werden. Die zweite Abbildung in diesem Abschnitt zeigt ein entsprechendes dreidimensionales Modell des 120-Zells. Das Modell kann im Medienbetrachter interaktiv gedreht, vergrößert, verkleinert und bewegt werden. Sowohl die Abbildung am Anfang dieses Artikels als auch das dreidimensionale Modell stellen ein Schlegeldiagramm des 120-Zells dar.
Im Anschluss werden die Dodekaeder undurchsichtig dargestellt und die Schichten werden in umgekehrter Reihenfolge wieder entfernt. Während des gesamten Videos werden in der linken unteren Ecke in schwarz die Anzahl der bisher eingeblendeten Dodekaeder und in der Farbe der aktuell hinzukommenden oder entfernten Dodekaeder deren Anzahl dargestellt.
Der erste Teil des Videos visualisiert auch die von Stringham angegebene Konstruktion des 120-Zells.[9.2] Die von Hand gezeichneten Abbildungen 18–21 in seiner Arbeit entsprechen dem Zustand nach der Einblendung von 13, 33, 45 und 75 Tetraedern. Die restlichen Schichten werden von Stringham nicht explizit konstruiert. Er gibt stattdessen an, dass ein weiterer Komplex aus 45 Dodekaedern, der symmetrisch zum ersten Komplex aus 45 Dodekaedern ist, das 120-Zell vervollständigt.
Der zweite Teil des Videos visualisiert die von Victor Schlegel beschriebene Konstruktion des 120-Zells.[14.3][14.1] Diese geht von einem 120-Zell mit einem daraus entfernten Dodekaeder aus, so dass die restlichen 119 Dodekaeder über die oben beschriebene Projektion in einem Schlegeldiagramm in den dreidimensionalen Raum transformiert werden können. Danach werden die Dodekaeder schichtenweise entfernt. Allerdings verwendet Schlegel eine andere Definition der Schichten als Schoute und Stringham: eine Schicht wird definiert als alle Dodekaeder, die über eine Fläche, Kante oder Ecke mit einem Fünfeck in der äußersten Schicht des Gebildes verbunden sind. Insgesamt ergeben sich fünf Schichten, die aus 12, 32, 42, 32 und 1 Dodekaedern bestehen. Die Schichten entsprechen daher im Video den Zeitpunkten, an denen 119, 107, 75, 33 und 1 Dodekaeder zu sehen sind.
Koordinatenstellungen des 120-Zells




In jedem 4-Polytop existieren vier Arten von Hauptstrahlen: die Geraden vom Mittelpunkt des Polytops zu einer Ecke, zum Mittelpunkt einer Kante, zum Mittelpunkt einer Fläche und zum Mittelpunkt einer Zelle. Wenn ein 4-Polytop in einem euklidischen Koordinatensystem so ausgerichtet ist, dass die vier Koordinatenachsen mit gleichartigen Hauptstrahlen zusammenfallen, wird die Ausrichtung des Polytops als reguläre Koordinatenstellung bezeichnet.[20.4] Jedes der regulären 4-Polytope außer dem 5-Zell lässt sich in eine reguläre Koordinatenstellung bringen. Die Koordinatenstellungen spielen beispielsweise bei der Berechnung von Projektionen und Schnitten von Polytopen eine wichtige Rolle.[20.5][22][23][21][24][2.7] Im Folgenden werden die vier Koordinatenstellungen als eckenzentriert, kantenzentriert, flächenzentriert und zellenzentriert bezeichnet. Im Englischen werden sie häufig vertex-first, edge-first, face-first und cell-first genannt.[2.7] Das Video im vorherigen Abschnitt zeigt eine zellenzentrierte Zentralprojektion des 120-Zells.
Die erste Abbildung in diesem Abschnitt zeigt eine Orthogonalprojektion des 120-Zells in zellenzentrierter Koordinatenstellung. Die projizierten Ecken werden durch farbige Kreise visualisiert. In dieser Projektion werden in den meisten Fällen mehrere Ecken auf einen Punkt projiziert. Auf rote Ecken werden jeweils eine Ecke, auf orangefarbene jeweils zwei, auf gelbe jeweils vier, auf hellgrüne jeweils sechs und auf grüne jeweils acht Ecken des 120-Zells projiziert. Die Abbildung visualisiert außerdem die projizierten Kanten des 120-Zells. Auch hier werden oft mehrere Kanten auf dieselbe Kante projiziert, was aber nicht durch Farben kodiert wird. Die Flächen und Zellen des 120-Zells werden in dieser Abbildung nicht dargestellt.
Die zweite und dritte Abbildung in diesem Abschnitt zeigen ein mit dem Zometool-System konstruiertes Modell einer Orthogonalprojektion des 120-Zells in zellenzentrierter Koordinatenstellung in den dreidimensionalen Raum. Die Blickrichtung der zweiten Abbildung entspricht der in der ersten Abbildung in diesem Abschnitt. Aufgrund der Orthogonalprojektion werden 540 der 600 Ecken in Paaren von zwei auf dieselbe Ecke des Modells projiziert, so dass dieses 330 Ecken hat. Die vierte Abbildung in diesem Abschnitt zeigt ein entsprechendes dreidimensionales Modell des 120-Zells. Das Modell kann im Medienbetrachter interaktiv gedreht, vergrößert, verkleinert und bewegt werden.
Die im vorherigen Abschnitt angegebenen Koordinaten sind zellenzentriert. Sie lassen sich mit folgender Drehmatrix in eine flächenzentrierte Koordinatenstellung transformieren:[20.6]
Eine kantenzentrierte Koordinatenstellung wird erreicht über die Drehmatrix[20.6]
Eine eckenzentrierte Koordinatenstellung ergibt sich durch die Drehmatrix[20.6]
Schoute hat für alle vier Koordinatenstellungen des 120-Zells deren Koordinaten vollständig aufgelistet.[21.2] Die eckenzentrierten Koordinaten lassen sich wie folgt kompakt darstellen:[2.8]
- alle Permutationen von mit einer geraden Anzahl von Minuszeichen (32 Punkte),
- alle Permutationen von mit einer geraden Anzahl von Minuszeichen (96 Punkte),
- alle Permutationen von mit einer geraden Anzahl von Minuszeichen (32 Punkte),
- alle Permutationen von mit einer geraden Anzahl von Minuszeichen (96 Punkte),
- alle Permutationen von mit einer ungeraden Anzahl von Minuszeichen (32 Punkte),
- alle Permutationen von mit einer ungeraden Anzahl von Minuszeichen (96 Punkte),
- alle Permutationen von (8 Punkte),
- (16 Punkte) und
- alle Permutationen von (192 Punkte).
Dabei sind und .
Visualisierung der Konstruktion des 120-Zells in eckenzentrierter Koordinatenstellung

Das nebenstehende Video zeigt die Konstruktion des 120-Zells in einer eckenzentrierten Koordinatenstellung. Im Gegensatz zur zellenzentrierten Koordinatenstellung ergeben sich hierdurch, wie von Pieter Schoute angegeben, 15 statt neun Schichten von Dodekaedern.[20.7] Dabei werden die Tetraeder vom vierdimensionalen Raum mittels einer vierdimensionalen Version der Zentralprojektion in den dreidimensionalen Raum projiziert. Das Projektionszentrum liegt dabei im Punkt . Die Projektion erfolgt in die -Hyperebene. Diese Art der Zentralprojektion hat den Vorteil, dass sich die Dodekaeder in der Projektion nicht gegenseitig durchdringen (bis auf die unten beschriebene Ausnahme). Sie hat den Nachteil, dass die nahe am Projektionszentrum liegenden Schichten des 120-Zells stark perspektivisch verzerrt dargestellt werden.
Die Schichten werden in unterschiedlichen Farben dargestellt und nacheinander eingeblendet. Während des gesamten Videos werden in der linken unteren Ecke in schwarz die Anzahl der bisher eingeblendeten Tetraeder und in der Farbe der aktuell hinzukommenden oder entfernten Dodekaeder deren Anzahl dargestellt. Im ersten Teil des Videos werden die Dodekaeder transparent visualisiert, um den inneren Aufbau des 120-Zells darzustellen. Um zu zeigen, wie eine Schicht an die vorherigen Schichten angrenzt, werden die Dodekaeder nicht direkt in ihrer eigentlichen Lage eingeblendet, sondern eine bestimmte Distanz senkrecht über ihrer eigentlichen Position. Sie bewegen sich dann auf geradem Weg zu ihrer eigentlichen Position. Nachdem sie diese Position erreicht haben, werden alle bisher eingeblendeten Dodekaeder rotiert, um den inneren Aufbau des bis zu diesem Zeitpunkt konstruierten Teils des 120-Zells zu visualisieren. Während der gesamten Visualisierung werden die bisher eingeblendeten Schichten annähernd bildfüllend dargestellt. Um Platz für die nächste Schicht zu schaffen, werden die bisher eingeblendeten Schichten während der Rotation entsprechend verkleinert.
Eine Besonderheit ist bei der letzten Schicht zu beachten. Die vier Dodekaeder dieser Schicht besitzen jeweils einen Punkt im Projektionszentrum. Daher würden diese Punkte auf einen unendlich fernen Punkt projiziert. Um diese Unbestimmtheit zu vermeiden, werden sie stattdessen auf den Nullpunkt in der -Hyperebene projiziert. Dies hat zur Folge, dass die letzte Schicht scheinbar die anderen 14 Schichten durchdringt. Dies ist aber nur ein Artefakt der Projektion. Im vierdimensionalen Raum ist die letzte Schicht disjunkt zu allen anderen Schichten.
Im Anschluss werden die Dodekaeder undurchsichtig dargestellt und die Schichten werden in umgekehrter Reihenfolge wieder entfernt.
Die zweite Abbildung in diesem Abschnitt zeigt ein dreidimensionales Modell der Projektion eines 120-Zells in eckenzentrierter Koordinatenstellung. Es entspricht dem Zustand im Video nach Einblendung aller 15 Schichten von Dodekaedern. Das Modell kann im Medienbetrachter interaktiv gedreht, vergrößert, verkleinert und bewegt werden.
Konstruktion des 120-Zells aus zwölf Dodekaederringen
Harold Scott MacDonald Coxeter hat eine Konstruktion des 600-Zells über Koordinaten angegeben, die eine besonders symmetrische Orthogonalprojektion des 600-Zells ergeben.[2.9] Die Koordinatenstellung des 600-Zells ist dabei so gewählt, dass die Projektion in eine Ebene erfolgt, die durch die Mittelpunkte der Kanten eines Petrie-Polygons des 600-Zells definiert wird. Ein Petrie-Polygon ist für ein 4-Polytop dadurch definiert, dass drei aufeinanderfolgende seiner Kanten, aber keine vier, zu einem Petrie-Polygon einer Zelle des 4-Polytops gehören, also in diesem Fall zu einem Tetraeder.[2.10] Ein Petrie-Polygon für ein Polyeder (eine Zelle) ist dadurch definiert, dass zwei aufeinanderfolgende seiner Kanten, aber keine drei, zu einer Fläche des Polyeders gehören.[2.11] Obwohl ein Petrie-Polygon eines 4-Polytops ein räumliches Polygon ist, seine Ecken also nicht in einer Ebene liegen, liegen die Mittelpunkte seiner Kanten in einer Ebene. Diese Ebene wird als Coxeter-Ebene bezeichnet.

Aus den Mittelpunkten der Tetraeder des 600-Zells lassen sich, wie im Abschnitt Konstruktion als duales Polytop des 600-Zells beschrieben, die Ecken des 120-Zells in der jeweiligen Koordinatenstellung berechnen. In der Koordinatenstellung relativ zur Coxeter-Ebene werden die 600 Ecken des 120-Zells in zwölf Konzentrische Kreise projiziert.[2.12] Die erste Abbildung in diesem Abschnitt zeigt, dass auf vier der Kreise jeweils 30 Ecken liegen und auf den restlichen acht Kreisen jeweils 60 Ecken. Neben ihrer hohen Symmetrie hat diese Projektion den Vorteil, dass alle Ecken des 120-Zells auf unterschiedliche Punkte projiziert werden.
Eine Zeichnung dieser Projektion wurde erstmals von Willem Abraham Wijthoff angefertigt, aber nie von ihm selbst veröffentlicht.[2.12][2.13] Die erste veröffentlichte Version dieser Projektion wurde von Bruce L. Chilton erstellt.[25.1][2.12][26.1] Die von Wijthoff angefertigte Zeichnung wurde schließlich 2006 in einem Nachruf auf H. S. M. Coxeter veröffentlicht.[27.1]
Wie bei der am Anfang dieses Abschnitts verlinkten Konstruktion des 600-Zells beschrieben, werden die Ecken des 600-Zells in der Koordinatenstellung relativ zur Coxeter-Ebene mittels der Hopf-Abbildung in zwölf planare Zehnecke unterteilt, von denen jeweils zwei miteinander eine Hopf-Verschlingung bilden. Da die Ecken des 600-Zells dual zu den Mittelpunkten des 120-Zells sind, bedeutet dies, dass das 120-Zell aus zwölf Ringen von jeweils zehn Dodekaedern besteht.[28.1][29.1][30.1]


Die zweite Abbildung in diesem Abschnitt zeigt einen der zwölf Dodekaederringe im 120-Zell in einer vierdimensionalen Version der Zentralprojektion. Die dritte Abbildung in diesem Abschnitt zeigt ein entsprechendes dreidimensionales Modell. Die Mittelpunkte der Dodekaeder liegen in der Hyperebene ; die Projektion erfolgt vom Punkt . Aufgrund der Zentralprojektion erscheinen die Dodekaeder leicht perspektivisch verzerrt. Im vierdimensionalen Raum sind sie reguläre Dodekaeder.
Jeder der Dodekaederringe ist topologisch ein Volltorus. Alle zwölf Dodekaederringe bilden paarweise eine Hopf-Verschlingung.[28.1] Der Aufbau des 120-Zells aus den Dodekaederringen stellt daher eine diskrete Version der Hopf-Faserung dar.[29.1]
Eine verwandte Konstruktion wird von Coxeter beschrieben.[31.1] Er geht von einer Säule von zehn aufeinander gestapelten Dodekaedern im dreidimensionalen Raum aus. Diese Säule lässt sich im vierdimensionalen Raum zu einem Dodekaederring falten, indem die Dodekaeder im vierdimensionalen Raum um die Ebene der Fünfecke, an denen sie paarweise aneinandergrenzen, rotiert werden. Dadurch entsteht der in der zweiten Abbildung in diesem Abschnitt dargestellte Dodekaederring. Der Ring wird aber nicht sofort erzeugt. Zunächst wird noch an jeder der 50 konkaven Kanten der Fünfecke, an denen die Dodekaeder aneinander grenzen, ein Dodekaeder angebracht. Hierdurch entsteht eine Säule von 60 Dodekaedern, die im vierdimensionalen Raum zu einem Ring zusammengefaltet werden kann. Der Ring aus 60 Dodekaedern besteht aus sechs Ringen von zehn Dodekaedern.[28.1] Er bildet eine Hälfte des 120-Zells und stellt topologisch einen Volltorus dar, dessen Oberfläche leicht nach innen und außen gefaltet ist.[31.1]
Die zweite Hälfte des 120-Zells besteht aus den restlichen 60 Dodekaedern. Sie bilden im vierdimensionalen Raum einen zur ersten Hälfte des 120-Zells kongruenten Volltorus.[31.1][28.1] Dies ist analog dazu, dass sich die 3-Sphäre aus zwei kongruenten Volltori zusammensetzen lässt.[32.1][33.1]
Visualisierung der Konstruktion des 120-Zells aus zwölf Dodekaederringen
Das erste Video in diesem Abschnitt visualisiert den Aufbau einer Hälfte des 120-Zells aus sechs Dodekaederringen. Das 120-Zell wird mit einer vierdimensionalen Version der Zentralprojektion vom Punkt projiziert. Diese Projektion hat den Vorteil, dass sich die Dodekaeder in der Projektion nicht gegenseitig durchdringen. Die sechs Ringe werden nacheinander in unterschiedlichen Farben eingeblendet. Sie rotieren während des gesamten Videos, um möglichst gut darzustellen, dass die Ringe miteinander Hopf-Verschlingungen bilden.
Im zweiten Video dieses Abschnitts wird der Aufbau des gesamten 120-Zells aus zwölf Dodekaederringen visualisiert. Der Fokus des Videos liegt auf der Darstellung der oben beschriebenen diskreten Hopf-Faserung des 120-Zells durch die Dodekaederringe. Um die Struktur der Hopf-Faserung möglichst gut zu veranschaulichen, wird eine Visualisierungstechnik verwendet, die von Thomas Banchoff eingeführt wurde.[32.2] Die Dodekaeder werden in Richtung senkrecht zu den kreisförmigen Achsen der Dodekaederringe auf 20 Prozent ihrer eigentlichen Größe verkleinert. In Richtung der Achsen behalten sie ihre Originalgröße. Dadurch werden die gegenseitigen Hopf-Verschlingungen besser erkennbar.
Die Dodekaederringe werden nacheinander transparent und in unterschiedlichen Farben eingeblendet. Sie rotieren während des gesamten Videos, um ihre Geometrie möglichst gut darzustellen. Nachdem sechs Ringe eingeblendet wurden, werden sie auf ihre tatsächliche Größe vergrößert. Dies visualisiert, dass sie aneinander grenzen und den Raum lückenlos ausfüllen. Im Anschluss werden die Ringe wieder auf 20 Prozent ihrer eigentlichen Größe verkleinert. Danach werden die restlichen sechs Dodekaederringe eingeblendet. Eine Besonderheit ergibt sich beim letzten Ring: seine kreisförmige Achse wird durch die Zentralprojektion auf eine Gerade projiziert. Daher erscheint dieser Ring als Säule. Da die Achse sehr nahe am Projektionszentrum verläuft, würden zwei der zehn Dodekaeder durch die Projektion sehr stark verzerrt dargestellt und würden die anderen Ringe durchdringen. Diese zwei Dodekaeder werden daher nicht visualisiert, so dass der Eindruck entsteht, der letzte Dodekaederring wäre kein Ring. Dies ist aber nur ein Artefakt der gewählten Darstellung. Im vierdimensionalen Raum ist der letzte Ring, wie alle anderen, ein geschlossener Ring aus zehn Dodekaedern, der mit allen anderen Ringen verschlungen ist. Zum Ende des Videos werden alle zwölf Dodekaederringe auf ihre tatsächliche Größe gebracht. Um das 120-Zell vollständig darstellen zu können, wird es hierzu zunächst im dreidimensionalen Raum geeignet verkleinert.
Schnitte des 120-Zells mit dem dreidimensionalen Raum
Neben den oben zur Visualisierung verwendeten Orthogonal- und Zentralprojektionen ist eine weitere Möglichkeit, die Geometrie des 120-Zells zu veranschaulichen, es mit einem dreidimensionalen Raum, also einer Hyperebene, zu schneiden. Dabei wird das 120-Zell in Richtung senkrecht zur Hyperebene bewegt. Abhängig vom Abstand des Mittelpunktes des 120-Zells von der Hyperebene und von seiner Koordinatenstellung ergeben sich als Schnitte unterschiedliche Polyeder. Ein analoges Vorgehen für Polyeder ist deren Schnitt mit einer Ebene. Wird beispielsweise ein Würfel in eckenzentrierter Stellung mit einer Ebene geschnitten, indem die Ebene entlang einer Eckendiagonalen bewegt wird, entstehen nacheinander ein gleichseitiges Dreieck, das sich vergrößert, ein Sechseck mit zwei unterschiedlichen Seitenlängen, in der Mittelstellung der Ebene ein regelmäßiges Sechseck, ein Sechseck mit zwei unterschiedlichen Seitenlängen und ein gleichseitiges Dreieck, das sich verkleinert.[2.14] Die Form der Polygone erlaubt Rückschlüsse über die Geometrie des Würfels. Analog dazu erlaubt die Geometrie der Schnittpolyeder Rückschlüsse über die Geometrie des 120-Zells.
Die Schnitte des 120-Zells in allen vier Koordinatenstellungen wurden von 1894 bis 1907 umfassend von Pieter Schoute und Alicia Boole Stott untersucht.[21][34][20.7][24]
Das erste Video in diesem Abschnitt zeigt die Schnitte des 120-Zells in zellenzentrierter Koordinatenstellung. Am Anfang ist ein sich vergrößerndes Dodekaeder zu sehen. Im Anschluss entsteht ein Polyeder, das einem Dodekaederstumpf aus zwölf unregelmäßigen Zehnecken und 20 gleichseitigen Dreiecken entspricht. In der Mitte dieser Phase entsteht für einen Moment ein regelmäßiger Dodekaederstumpf. Die Zehnecke entwickeln sich zu regelmäßigen Fünfecken weiter, so dass für einen Augenblick ein Ikosidodekaeder entsteht. Danach entwickeln sich die gleichseitigen Dreiecke zu unregelmäßigen Sechsecken weiter. Dieses Polyeder entspricht einem unregelmäßigen Ikosaederstumpf. In der Mitte dieser Phase entsteht für einen Moment ein regelmäßiger Ikosaederstumpf. Danach werden aus den Fünfecken unregelmäßige Zehnecke und zwischen den Sechsecken erscheinen Rechtecke. Dieses Polyeder entspricht einem unregelmäßigen Großen Rhombenikosidodekaeder. In der Mitte dieser Phase entsteht für einen Augenblick ein Rhombenikosidodekaeder. Am Ende dieser Phase entsteht ein Ikosaederstumpf. Bis zur Mittelstellung entwickelt sich der Ikosaederstumpf so weiter, dass seine Secksecke unregelmäßig werden. Der zweite Teil des Videos entspricht aufgrund der Symmetrie des 600-Zells dem ersten rückwärts abgespielt.
Das zweite Video in diesem Abschnitt zeigt die Schnitte des 120-Zells in eckenzentrierter Koordinatenstellung.
Der den beiden Videos zu sehenden Schnitte des 120-Zells in zellenzentrierter und eckenzentrierter Koordinatenstellung mit seiner Mittelebene wurden bereits 1894 von Schoute gezeichnet.[21.3] Die Abfolge der Schnittpolyeder in allen vier Koordinatenstellungen wurde 1905 und 1907 von ihm beschrieben.[20.7][24.1] Boole Stott stellte Kartonmodelle der Schnitte des 120-Zells und Zeichnungen von Netzen der Schnitte her.[35.1][36.1] In Boole Stotts Aufsatz von 1900 sind Netze von einigen der Schnitte des 120-Zells in zellenzentrierter Koordinatenstellung abgebildet.[34.1]
Symmetrien des 120-Zells
Die Symmetriegruppe des 120-Zells wird mit , oder bezeichnet.[2.15][37.1] Sie ist gleichzeitig die Symmetriegruppe des 600-Zells , des zum 120-Zell dualen 4-Polytops. Ihre Gruppenordnung ist 14.400. Es gibt also 14.400 vierdimensionale Kongruenzabbildungen, die das 120-Zell mit sich selbst zur Deckung bringen. Davon sind 7200 vierdimensionale Drehungen und 7200 vierdimensionale Drehspiegelungen.[20.8] Die 7200 Drehungen bilden eine Untergruppe von , die mit oder bezeichnet wird.
Die endlichen durch Spiegelungen erzeugten Gruppen des vierdimensionalen euklidischen Raums, inklusive der Gruppe , wurden erstmals 1889 von Édouard Goursat beschrieben.[38.1][2.16] Die in ihr enthaltenen Drehungen wurden 1899 von Salomon Levi van Oss anhand des 600-Zells klassifiziert und vollständig aufgelistet.[39.1]
Charakteristisches Simplex des 120-Zells

Die Symmetriegruppe definiert ein charakteristisches Simplex des 120-Zells.[40.1] Dieses ist ein Tetraeder, dessen Ecken durch eine Ecke des 120-Zells, den Mittelpunkt einer an angrenzenden Kante, den Mittelpunkt einer an angrenzenden Fläche und den Mittelpunkt einer an angrenzenden Zelle gegeben sind. Das charakteristische Simplex wird durch folgende Parameter beschrieben (hierbei ist ):[2.17][2.18]
- den Winkel zwischen einer Geraden vom Mittelpunkt des 120-Zells durch eine Ecke und einer Geraden von durch ;
- den Winkel zwischen einer Geraden von durch und einer Geraden von durch ;
- den Winkel zwischen einer Geraden von durch und einer Geraden von durch ;
- den Diederwinkel , der an der Kante durch die Flächen und gebildet wird;
- den Diederwinkel , der an der Kante durch die Flächen und gebildet wird; und
- den Diederwinkel , der an der Kante durch die Flächen und gebildet wird.
Die Diederwinkel an den anderen drei Kanten sind rechte Winkel.
Das charakteristische Simplex kann auf die Einheitssphäre projiziert werden. Die projizierten Punkte , , und definieren ein sphärisches Simplex, das auch als charakteristisches Simplex bezeichnet wird. Die Kanten des sphärischen Simplexes sind Großkreisbögen. Die Winkel , und sind dann die Längen der Großkreisbögen , und .[2.19]
Das charakteristische Simplex stellt den Fundamentalbereich der Symmetriegruppe dar. Es ist das Analogon des Fundamentalbereichs eines platonischen Körpers, der durch ein rechtwinkliges euklidisches oder sphärisches Dreieck definiert wird.
Die Symmetriegruppe wird durch Spiegelungen in den vier Hyperebenen , , und erzeugt.[2.20] Durch Anwendung aller 14.400 Symmetrieoperationen der Gruppe wird das 120-Zell vollständig durch die charakteristischen Simplexe aufgebaut. Jedes seiner Dodekaeder besteht aus 120 charakteristischen Simplexen.[38.2]
Darstellung der Symmetriegruppe des 120-Zells und der Ikosaedergruppe durch die Mittelpunkte der Zellen des 120-Zells
Die Ecken des 600-Zells stellen seine eigene Symmetriegruppe dar. Diese Repräsentation ist im Artikel über das 600-Zell im Abschnitt Darstellung der Symmetriegruppe des 600-Zells durch seine Ecken genauer beschrieben. Da das 600-Zell dual zum 120-Zell ist, entsprechen die Ecken des 600-Zells eineindeutig den Mittelpunkten der Zellen des 120-Zells. Nach Projektion auf die 3-Sphäre vom Radius 1 lassen sich die Mittelpunkte der Zellen des 120-Zells daher als Einheitsquaternionen interpretieren, die die Symmetriegruppe des 120-Zells darstellen.
Außerdem stellen die Ecken des 600-Zells, wie im Artikel über das 600-Zell im Abschnitt Darstellung der Ikosaedergruppe durch Ecken des 600-Zells beschrieben, die Ikosaedergruppe dar.[25.2] Daher repräsentieren die Mittelpunkte der Zellen des 120-Zells nach Projektion auf die 3-Sphäre vom Radius 1 die Ikosaedergruppe.[25.3]
Geometrische Parameter des 120-Zells
| Parameter | Wert |
|---|---|
Die nebenstehende Tabelle gibt die wichtigsten geometrischen Parameter des 120-Zells an.[2.18] Dabei bezeichnen , und , wie im Abschnitt Charakteristisches Simplex des 120-Zells beschrieben, die Winkel, die die Endpunkte der Kanten , und mit dem Mittelpunkt des 120-Zells bilden.[2.17][2.18] Der Winkel erlaubt es, aus , der halben Kantenlänge des 120-Zells, seinen Umkugelradius zu bestimmen: .[2.21] Der Winkel erlaubt es, den Diederwinkel, also den Winkel zwischen den Hyperebenen, in denen zwei angrenzende Zellen liegen, zu bestimmen. Dieser ist gegeben durch .[2.21] Die Winkel werden basierend auf dem Winkel berechnet.[2.18]
Die Längen- und Volumenparameter in der Tabelle werden in Bezug auf die halbe Kantenlänge angegeben. Der Umkugelradius des 120-Zells wird mit bezeichnet. Die Umkugel verläuft durch die Ecken des 120-Zells. Mit wird der Radius der Kantenkugel bezeichnet. Sie berührt die Mittelpunkte der Kanten des 120-Zells. Der Parameter bezeichnet den Radius der Flächenkugel. Diese berührt die Mittelpunkte der Flächen des 120-Zells. Schließlich bezeichnet den Radius der Inkugel des 120-Zells, also der Kugel, die die Mittelpunkte der Zellen berührt.[2.18] Die Summe der dreidimensionalen Volumen der Zellen wird mit bezeichnet. Sie ist das Analogon des Oberflächeninhalts eines Polyeders. Das vierdimensionale Volumen des 120-Zells wird mit bezeichnet. Es ist das Analogon des Volumens eines Polyeders.
Um die Werte der Längen- und Volumenparameter für die oben angegebenen Konstruktionen des 120-Zells zu erhalten, die auf einer 3-Sphäre vom Radius liegen, muss verwendet werden.
Netze des 120-Zells

4-Polytope können analog zu Polyedern zu Netzen aufgefaltet werden. Hierbei wird das Polytop an einer geeigneten Menge von Flächen aufgeschnitten. Die noch über Flächen verbundenen Polyeder werden um die Ebene der jeweiligen Verbindungsfläche gedreht, so dass alle Polyeder in derselben dreidimensionalen Hyperebene zu liegen kommen. Der so entstehende Verbund von Polyedern wird Netz oder Auffaltung genannt.
Das 120-Zell hat inkongruente Netze.[41.1] Im Vergleich hierzu haben das Ikosaeder und das Dodekaeder – die beiden platonischen Körper mit der größten Anzahl an inkongruenten Netzen – lediglich 43.380 unterschiedliche Netze.[41.2]
Alle Netze der fünf platonischen Körper sind nicht-überlappend: ihre Flächen lassen sich immer in die Ebene auffalten, ohne sich gegenseitig zu überlappen.[42] Für das 120-Zell ist nicht bekannt, ob alle Netze nicht-überlappend sind. Devadoss und Harvey haben die Vermutung aufgestellt, dass überlappende Netze des 120-Zells existieren.[43.1]
Einbeschriebene Polytope


Die Ecken des 120-Zells beinhalten die Ecken der übrigen fünf konvexen regulären 4-Polytope (5-Zell, 8-Zell, 16-Zell, 24-Zell und 600-Zell) sowie die Ecken aller zehn sternförmigen regulären 4-Polytope.[2.22] Das Dodekaeder, der analoge platonische Körper, besitzt diese Eigenschaft nicht: es beinhaltet die Ecken des Tetraeders, Würfels und Ikosaedersterns, aber nicht die des Oktaeders, Ikosaeders und die der übrigen drei Kepler-Poinsot-Körper.
In das 120-Zell können daher alle übrigen 15 regulären 4-Polytope einbeschrieben werden.[2.23] Da die einbeschriebenen Polytope weniger Ecken haben als das Polytop selbst, können mehrere gleichzeitig einbeschrieben werden, so dass sie dessen Ecken vollständig abdecken oder sogar mehrmals überdecken. In diesem Fall entsteht ein regulär zusammengesetztes 4-Polytop, in dem sich die einbeschriebenen Polytope gegenseitig kreuzen. Analoge Konstruktionen existieren für Polyeder im dreidimensionalen Raum, beispielsweise das zusammengesetzte Polyeder aus fünf sich kreuzenden Tetraedern oder das zusammengesetzte Polyeder aus zehn sich kreuzenden Tetraedern.
Um die regulär zusammengesetzten 4-Polytope zu beschreiben, hat Coxeter eine Erweiterung des Schläfli-Symbols eingeführt. Es gibt an, wie viele Polytope einer bestimmten Art in ein anderes Polytop einbeschrieben werden können und wie oft sie dessen Ecken überdecken. Außerdem gibt es an, in welchen Hyperebenen eines weiteren Polytops die Zellen des einbeschriebenen Polytops liegen und wie oft diese Hyperebenen überdeckt werden. Für das 120-Zell existieren unter anderem folgende regulär zusammengesetzte Polytope:[2.24]
- : in das 120-Zell können 120 sich kreuzende 5-Zelle einbeschrieben werden; ihre Zellen liegen in den Hyperebenen eines 600-Zells.
- : in das 120-Zell können 75 sich kreuzende 16-Zelle einbeschrieben werden; ihre Zellen liegen in den Hyperebenen eines 600-Zells und überdecken diese zweifach.
- : in das 120-Zell können 75 sich kreuzende 8-Zelle einbeschrieben werden, dessen Ecken sie zweifach überdecken; ihre Zellen liegen in den Hyperebenen eines 600-Zells.
- : in das 120-Zell können 25 sich kreuzende 24-Zelle einbeschrieben werden; ihre Zellen liegen in den Hyperebenen eines 600-Zells und überdecken diese fünffach.
- : in das 120-Zell können fünf sich kreuzende 600-Zelle einbeschrieben werden; die Zellen der 600-Zelle liegen nicht in den Hyperebenen eines regulären Polytops, weswegen der rechte Teil des Schläfli-Symbols fehlt. Ein einbeschriebenes 600-Zell ist aus dem Vergleich der kartesischen Koordinaten des 600-Zells mit den am Ende des Abschnitts Koordinatenstellungen des 120-Zells angegebenen Koordinaten ersichtlich: die kartesischen Koordinaten des 600-Zells sind eine Untermenge der letzten drei Koordinatensätze des dort angegebenen 120-Zells. Die Einbeschreibung ist chiral: sie kann auf zwei spiegelsymmetrische Arten durchgeführt werden.[2.25] Dies ist analog zum zusammengesetzten Polyeder aus fünf sich kreuzenden Tetraedern.
- : in das 120-Zell können zehn sich kreuzende 600-Zelle einbeschrieben werden, dessen Ecken sie zweifach überdecken; die Zellen der 600-Zelle liegen nicht in den Hyperebenen eines regulären Polytops. Dabei werden gleichzeitig die beiden chiralen Formen von einbeschrieben, weswegen achiral ist. Diese Einbeschreibung ist analog zum zusammengesetzten Polyeder aus zehn sich kreuzenden Tetraedern.
Insgesamt existieren 52 regulär zusammengesetzte 4-Polytope. Von diesen hat Coxeter 46 angegeben.[2.23][2.24] Er schreibt elf davon Pieter Schoute und eines Auguste Urech zu.[2.26] Peter McMullen hat weitere sechs gefunden und bewiesen, dass die Aufzählung damit vollständig ist.[44] Das 120-Zell kommt bei 43 regulär zusammengesetzten 4-Polytopen als Polytop, in das einbeschrieben wird, als Polytop, in dessen Hyperebenen die Zellen liegen, oder als Polytop, das einbeschrieben wird, vor.
Sternförmige reguläre 4-Polytope
Neben den sechs konvexen regulären 4-Polytopen existieren zehn sternförmige reguläre 4-Polytope. Sie stellen die Analoga der vier Kepler-Poinsot-Körper im vierdimensionalen Raum dar. Die sternförmigen regulären 4-Polytope sind dadurch charakterisiert, dass ihre Zellen oder Eckfiguren (oder beide) Kepler-Poinsot-Körper sind. Im Gegensatz zu den konvexen 4-Polytopen durchdringen sich die Zellen und Flächen der sternförmigen 4-Polytope gegenseitig.
Ludwig Schläfli entdeckte vier der zehn Sternpolytope.[5.8][6.7][2.27] Edmund Hess entdeckte 1885 unabhängig von Schläfli alle zehn Sternpolytope. Er formulierte außerdem den Satz, dass die Ecken jedes Sternpolytops identisch zu den Ecken eines regulären Polytops sind.[7.2] Dieser Satz wurde durch van Oss teilweise und durch Coxeter vollständig bewiesen. Beide zeigten außerdem über unterschiedliche Ansätze die Vollständigkeit der Liste von Hess.[45][2.28] Sowohl van Oss als auch Coxeter wiesen nach, dass eines der zehn Sternpolytope dieselben Ecken wie das 120-Zell hat. Das restlichen neun haben dieselben Ecken wie das 600-Zell.[45][2.29]

Die Sternpolytope haben in der deutschsprachigen Literatur keine Namen, sondern werden durch ihre Schläfli-Symbole gekennzeichnet. Diese sind:
- (*)
- (*)
- (*)
- (*)
Die mit (*) gekennzeichneten Sternpolytope wurden von Schläfli entdeckt. Das Sternpolytop hat dieselben Ecken wie das 120-Zell. Die übrigen haben dieselben Ecken wie das 600-Zell.
Weblinks
- Jürgen Richter-Gebert: Spaziergänge in der 4. Dimension auf YouTube, abgerufen am 14. Februar 2026 (Video über vierdimensionale Polytope und die Hopf-Faserung; zwischen Minute 8:10 und 13:30 wird das 120-Zell und zwischen Minute 22:00 und 23:20 die in ihm enthaltenen zwölf Dodekaederringe besprochen; Laufzeit: 26:06).
- Gian Marco Todesco: 120-cell auf YouTube, abgerufen am 14. Februar 2026 (Video über Konstruktion des 120-Zells aus Dodekaederringen; Laufzeit: 2:16).
- Sections in 4D regular polytopes Webseite mit einer CindyJS-Applikation, mit der dreidimensionale Schnitte der sechs regulären konvexen 4-Polytope in den vier Koordinatenstellungen visualisiert werden können.
- XScreenSaver XScreenSaver enthält ein Modul, das die regulären konvexen 4-Polytope anzeigt.