15th Army Group
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Die 15th Army Group (deutsch 15. Heeresgruppe) war eine Heeresgruppe der Westalliierten während der Schlacht um Sizilien und des Italienfeldzugs des Zweiten Weltkriegs. Aufgrund der multinationalen Zusammensetzung der alliierten Streitkräfte auf dem italienischen Kriegsschauplatz verfügte die Heeresgruppe über US-amerikanische, britische, freifranzösische, polnische, brasilianische, griechische und italienische Truppen.
7. US-Armee (Mitte 1943)
5. US-Armee (ab September 1943)
Mark W. Clark
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15th Army Group | |
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| Aktiv | Juli 1943 bis Juli 1945 |
| Staat | |
| Truppenteile | Britische 8. Armee 7. US-Armee (Mitte 1943) 5. US-Armee (ab September 1943) |
| Führung | |
| Kommandeur | Harold Alexander Mark W. Clark |
Am 11. Januar 1944 erhielt das Hauptquartier der 15th Army Group die Bezeichnung Headquarters Allied Forces in Italy („AFI“, deutsch Hauptquartier Alliierte Streitkräfte in Italien), wurde eine Woche später zum Headquarters Allied Central Mediterranean Force (deutsch Hauptquartier Alliierte Streitmacht Zentralmittelmeer) und am 9. März 1944 zum Headquarters Allied Armies in Italy („AAI“, deutsch Hauptquartier Alliierte Armeen in Italien).[1] Am 16. Dezember erhielt das Armeegruppenkommando erneut die Bezeichnung 15th Army Group, die sodann bis zum Kriegsende genutzt wurde.[2]
Das Hauptquartier der 15th Army Group wurde im Juli 1945 aufgelöst und ihr Personal ins Hauptquartier der U.S. Occupational Forces Austria (deutsch US-Besatzungstruppen Österreich) überführt.[3]
Aufstellung
Im Afrikafeldzug hatte das Middle East Command die Commonwealth-Streitkräfte geführt, die im Wesentlichen um die britische 8. Armee aufgebaut waren. Ab Mitte 1942 hatten Harold Alexander das Middle East Command und Bernard Montgomery die 8. Armee geführt. Nach dem endgültigen alliierten Sieg in Nordafrika im Mai 1943 wurden britische und amerikanische Offiziere für die neuen Planungsstäbe für den Angriff auf Sizilien herangezogen.[4.1]
Eine interalliierte Task Force 141 unter Alexander wurde hierbei von der amerikanischen Task Force 343 (zunächst in Rabat) und der britischen Task Force 545 (zunächst in Kairo) unterstützt, wobei die Koordination zwischen britischen und amerikanischen Stäben nicht immer reibungslos funktionierte.[5] Die Planungen für den Angriff auf Sizilien begannen am 10. Februar 1943 und fassten unter der Annahme einer Kapitulation der Achsenmächte im Tunesienfeldzug spätestens zum 30. April zunächst den 10.–14. Juni als Invasionsdatum ins Auge. Aufgrund der Verzögerungen in Tunesien wurde der Angriffszeitpunkt am 13. April in den Juli verschoben. Am Tag der Kapitulation der Achsenmächte in Tunesien, dem 13. Mai 1943, stimmten die Combined Chiefs of Staff während der Trident-Konferenz dem Vorschlag von Dwight D. Eisenhower zu, alle verfügbaren westalliierten Ressourcen auf die Südostspitze von Sizilien zu konzentrieren, wo die Voraussetzungen für eine Landung am günstigsten schienen.[6] Die Trident-Konferenz legte jedoch eine konservative Truppenzuteilung fest und befahl den Abzug vier amerikanischer und drei britischer Divisionen, die sich stattdessen auf einen Einsatz in Westeuropa vorbereiten sollten.[7.1]
Am Tag der gegen Sizilien gerichteten Operation Husky, dem 10. Juli 1943, wurde Alexanders Stab förmlich als 15th Army Group aktiviert.[5] Die 15th Army Group unter Alexander stellte die Landkomponente der unter dem Oberbefehl von Dwight D. Eisenhower stehenden Invasionstruppen dar, während Andrew Cunningham die See- und Arthur Tedder die Luftstreitkräfte befehligte.[8.1]
Operationsgeschichte
Sizilien

Die 15th Army Group diente als zentrales Oberkommando für Landoperationen der westalliierten Invasion von Sizilien (Operation Husky) und koordinierte die Truppen der von Bernard Montgomery kommandierten britischen 8. Armee an der Ostküste sowie der 7. US-Armee unter George S. Patton im Zentrum und Westen der Insel.[9.1] Zwischen den britischen und amerikanischen Armeebefehlshabern entwickelte sich eine Rivalität und ein Wettrennen zur Straße von Messina, da sich Patton mit seiner unterstützenden Rolle nicht abfinden wollte.[9.1]
Am 25. Juli koordinierten sich die Armeeführer im neuen Heeresgruppenkommando bei Cassibile, um die Augustoffensive am Ätna vorbei in Richtung Nordost zu planen.[4.2] Am gleichen Tag wurde der italienische Diktator Benito Mussolini vom Faschistischen Großrat in Rom abgesetzt, was die britische Position einer schnellen Übertragung der Operation in Südeuropa auf das italienische Festland gegenüber den US-amerikanischen Skeptikern stärkte. Erst Mitte Juli 1943 hatte sich auch Eisenhower dieser Haltung vorsichtig angeschlossen, um die Gebietsgewinne auf Sizilien abzusichern. Eisenhower widersetzte sich damit dem US-amerikanischen Generalstabschef George C. Marshall und dem US-Kriegsminister Henry L. Stimson, die beide einer Operation in Italien feindselig gegenüber standen.[10.1]
Zu den wichtigsten Gegnern der 15th Army Group zählte neben den italienischen Verteidigern auch die kampfstarke deutsche Panzer-Division Hermann Göring. Die deutschen und italienischen Verteidiger zogen sich angesichts überlegener westalliierter Angreifer schrittweise nordostwärts zurück und entkamen schließlich in einer effizient ausgeführten Evakuierungsoperation (Unternehmen Lehrgang) über die Straße von Messina aufs italienische Festland.[9.2] Dabei retteten die Achsenmächte 50.000 deutsche und 60.000 italienische Soldaten, zuzüglich zu 47 deutschen Panzern, 94 deutschen Geschützen und etwa 10.000 deutschen Militärfahrzeugen sowie 227 italienischen Militärfahrzeugen, 41 italienischen Artilleriegeschützen und 12 italienischen Maultieren.[7.2]
Die Truppen der 15th Army Group hatten den Sizilienfeldzug in 38 Tagen siegreich abgeschlossen und dabei 8781 amerikanische und 11.843 Commonwealth-Verluste (9617 Briten, 2226 Kanadier) hinnehmen müssen. Auf Seiten der Achsenmächte hatten die Deutschen annähernd 29.000 und die Italiener über 140.000 Verluste zu beklagen.[7.3] Trotzdem gilt die westalliierte Kriegführung auf Sizilien in der modernen Militärgeschichtsschreibung als unnötig langsam, wobei besonders der vorsichtige Montgomery an der Spitze der britischen 8. Armee für seine zögerlichen Vorstöße entlang der sizilianischen Ostküste heftig kritisiert worden ist. Besonders der gut koordinierte deutsche Rückzug hätte möglicherweise vereitelt werden können, wenn die Westalliierten in ihrem Vormarsch auf Catania und Messina schneller und entschlossener gewesen wären.[7.2]
Italien
Die Fortschritte auf Sizilien hatten Eisenhower am 18. Juli (noch während der Kämpfe auf Sizilien) bewogen, die Vorbereitung eines Angriffs auf Italien als nächstem Schritt der Operationen in Südeuropa zu befehlen. Zu diesem Zweck sollte die noch in Marokko in Aufstellung befindliche 5. US-Armee unter Mark W. Clark herangezogen werden.[7.1]
Landungen in Italien

Am 3. September landeten die ersten Verbände der britischen 8. Armee im Raum Reggio Calabria, gefolgt am Morgen des 9. September von der Landung der amerikanischen 5. Armee nahe Salerno und der Landung britischer Fallschirmjäger bei Taranto. Am Abend des 8. September hatte Eisenhower der Weltöffentlichkeit den bisher geheim gehaltenen Waffenstillstand von Cassibile mit der nach Mussolini ins Amt getretenen italienischen Badoglio-Regierung verkündet, was die deutsche Besatzungsoperation Fall Achse provozierte, von der sich die italienische Armee aufgrund widersprüchlicher und unzureichender Befehle der Badoglio-Regierung überraschen und entwaffnen ließ.[10.2] Bei Salerno, wo sich das VI. US-Korps und das britische X. Korps heftigen Gegenangriffen der Panzerdivision Hermann Göring und der 15. Panzergrenadier-Division ausgesetzt sahen, konnte der Brückenkopf bis zum 16. September gesichert werden. Zwischenzeitlich hatte Armeegruppenoberbefehlshaber Alexander die Landungsstrände besucht, um Gerüchte eines Rückzugs zu zerstreuen.[7.4]
Alliierte Eroberung Süditaliens
Die unerwartet geringe Truppenstärke der alliierten Invasion erlaubte es dem deutschen Oberbefehlshaber in Italien, Albert Kesselring, sich auf eine linienbasierte Verteidigungsstrategie einzustellen, bei der sich die deutschen Verteidiger langsam entlang mehrerer vorbereiteter Abwehrstellungen in West-Ost-Richtung von Süd nach Nord zurückziehen könnten. Der alliierte Einmarsch in Rom, ursprünglich für Oktober 1943 angedacht, wurde von den deutschen Abwehrkämpfen bis Juni 1944 verzögert. Am 1. Oktober 1943 stand die 5. US-Armee erst in Neapel, während die britische 8. Armee am 3. Oktober Termoli einnahm.[10.2] Die 5. Armee kämpfte an der Westküste, die 8. Armee an der Ostküste. Die 8. Armee bestand zu diesem Zeitpunkt aus dem V. Korps und dem XIII. Korps.[7.5] Im Winter 1943/1944 arbeiteten sich die alliierten Truppen an die Volturno-Linie, die Barbara-Linie und die Gustav-Linie heran, wobei es u. a. an der Ostküste zur hauptsächlich von den letztlich siegreichen Kanadiern ausgefochtenen Schlacht um Ortona (Dezember 1943) kam.[11] Auf die ab dem 5. November 1943 beginnenden Durchbruchsgefechte an der Westküste folgte ab dem 20. November eine alliierte Attacke in Richtung Sangro, wo die deutsche 65. Infanterie-Division empfindliche Verluste erlitt, und ab Anfang Dezember eine weitere Welle von Attacken gegen die westlichen Bergmassive Monte Camino, Monte La Difensa, Monte Maggiore und Monte Lungo, die bis Mitte Dezember von den alliierten Angreifern erobert wurden.[7.6] Im Dezember 1943 beklagte der Leiter für militärische Ausbildung der 15th Army Group mit Zustimmung von Harold Alexander, dass die Armeegruppe „aufgrund mangelnden Einsatzes bei der Ausnutzung selten den vollen Nutzen“ aus ihren geplanten Attacken ziehen könne und dass die taktischen Methoden der Armeegruppe „gründlich und methodisch, aber langsam und schwerfällig“ seien.[7.7]
Obwohl sich besonders Winston Churchill in den Jahren 1943/1944 wiederholt für die Vergrößerung der westalliierten Truppenkontingente in Italien sowie eine Ausweitung des Kriegsschauplatzes auf den Balkan einsetzte, traf er auf die Skepsis der US-Amerikaner, welche die für Mitte 1944 angepeilte Invasion Westeuropa priorisieren wollten. Die Konferenz von Teheran (November/Dezember 1943) war hierbei ein Rückschlag für Churchill, da sich US-Präsident Franklin D. Roosevelt den sowjetischen Diktator Josef Stalin als Schiedsrichter aussuchte und sich Stalin stark für die Landung in Frankreich aussprach, für die er zusätzlich eine sowjetische Großoffensive im Sommer 1944 versprach.[10.3]

Zu Jahresbeginn 1944 attackierten die alliierten Truppen das bei Cassino nahe der Westküste gelegene Bergmassiv Monte Cassino mit seinem frühmittelalterlichen Benediktinerkloster, womit der Beginn der Schlachten am Monte Cassino (Januar–Mai 1944) eingeläutet war („Erste Schlacht von Monte Cassino“). Zeitgleich versuchten die Alliierten, die deutschen Stellungen an der italienischen Westküste mit der riskanten Operation Shingle (ab 22. Januar 1944) zu unterlaufen, während derer das VI. US-Korps als Teil einer amphibischen Landung den Küstenstreifen bei Anzio und Nettuno attackierte. Truppen der britischen 1. Division und der 3. US-Division landeten im Rücken der am Garigliano stehenden Verbände des deutschen XIV. Panzerkorps. Der Befehlshaber des VI. Korps, John P. Lucas, war vom amerikanischen Armeebefehlshaber Clark vor verlustreichem Vorgehen gewarnt worden und verhielt sich eher vorsichtig. Der deutsche Oberbefehlshaber Kesselring widersetzte sich den Wünschen des Befehlshabers der deutschen 10. Armee Heinrich von Vietinghoff nach einem sofortigen Rückzug und befahl stattdessen eine riskante Strategie, die Stellung am Garigliano zu halten und am Brückenkopf von Anzio neue Verbände zusammenzuziehen, um Gegenangriffe durchzuführen. Durch das vorsichtige Vorgehen der Alliierten war diese Strategie jedoch erfolgversprechend.[7.8] Die Alliierten, die jetzt gegen die Zeit ankämpften, die eingeschlossenen Landungstruppen zu retten, unternahmen im Februar einen neuen Angriff bei Monte Cassino („Zweite Schlacht von Monte Cassino“), die Operation Avenger,[7.9] der schon im März die Operation Dickens („Dritte Schlacht von Monte Cassino“) folgte. Die an den Angriffen beteiligte 2nd New Zealand Division zeigte in diesen Wochen, auch vor dem Hintergrund einer politischen Krise in Neuseeland, Meuterei- und Auflösungserscheinungen.[7.10] Mit der Luftoperation Strangle (19. März – 12. Mai 1944) versuchten die Alliierten, die deutschen Straßen- und Eisenbahnverbindungen zu zerstören. Erst ab der Nacht vom 11./12. Mai 1944 gingen alliierte Bodentruppen erneut zum Großangriff über.[8.2] Den Angreifern gelang mit der Operation Diadem („Vierte Schlacht von Monte Cassino“) der Durchbruch am mittlerweile fast völlig zerstörten Bergkloster. Am 25. Mai trat auch das bei Anzio belagerte VI. Korps zum Ausbruchsangriff an und überrumpelte die deutschen Belagerer, die endgültig von der Gustav-Linie vertrieben wurden.[7.11]

Anfang Juni gab der deutsche Oberbefehlshaber Kesselring den Befehl, dass sich die deutschen Verteidiger in Richtung der sich am Nordende der Apenninhalbinsel in Vorbereitung befindlichen Gotenstellung zurückziehen sollten. Dadurch wurde u. a. die italienische Hauptstadt Rom den Alliierten preisgegeben, welche die Stadt, die für die Verhältnisse des Zweiten Weltkriegs nur geringe Schäden davongetragen hatte, am 4. Juni 1944 eroberten.[7.12]
Strukturänderungen im Jahr 1944
Im Verlauf des Jahresbeginns 1944 durchlief das Hauptquartier der 15th Army Group mehrere Umbenennungen. Am 11. Januar wurde das Oberkommando zum Headquarters Allied Forces in Italy umbenannt, bevor schon eine Woche später eine weitere Umbenennung zum Headquarters Allied Central Mediterranean Force erfolgte.[1] In einem Brief an den britischen Kriegsminister Percy James Grigg sowie an den imperialen Generalstabschef Alan Brooke vom 25. Januar 1944 beklagte sich daraufhin Winston Churchill, dass er an der Namensentscheidung nicht beteiligt gewesen sei und diese nicht hätte publik gemacht werden dürfen.[12] Am 9. März erfolgte daraufhin eine weitere Umbenennung des Hauptquartiers, die jetzt mit der Churchill genehmeren Bezeichnung Headquarters Allied Armies in Italy bedacht wurde,[1] die zunächst unter dem Befehl von Harold Alexander verblieb.[10.4] Alle diese Namensänderungen wurden im Dezember 1944 rückgängig gemacht, als das Heeresgruppenkommando erneut die Bezeichnung 15th Army Group erhielt.[2] Diese zweite 15th Army Group war jedoch ein viel stärker US-amerikanisches Kommando;[13.1] neuer Oberbefehlshaber der Armeegruppe wurde der vormalige Befehlshaber der 5. US-Armee, Mark W. Clark, dessen Armeekommando der US-General Lucian K. Truscott übernahm.[14] Bereits im November war Richard McCreery zum Armeebefehlshaber der 8. Armee geworden und hatte dort Oliver Leese ersetzt.[8.3]
Zu Beginn des Jahres 1944 gab es in den angloamerikanischen Kommandobehörden zahlreiche Umschichtungen, da sich die Westalliierten auf die Landungen in der Normandie (Juni 1944) vorbereiteten. Im März 1944 verließ Eisenhower das AFHQ, um sich auf seine künftige Rolle als Oberbefehlshaber für Westeuropa vorzubereiten; neuer Befehlshaber für den Mittelmeerraum (SACMED) wurde der britische General Henry Maitland Wilson.[10.5]
Kämpfe in Norditalien, 1944–1945
Nach der Einnahme Roms (4. Juni 1944) setzten die Alliierten ihren langsamen Vormarsch nordwärts fort, ohne dass sich dabei der fundamentale Gegensatz über die Fortsetzung des Feldzuges geändert hätte: Churchill wollte weiterhin Italien als Sprungbrett für Angriffe nach Nordosten nutzen und möglichst große Teile der Balkanhalbinsel vor dem sowjetischen Zugriff abschirmen, während die US-Amerikaner ihren Fokus auf Westeuropa als Hauptkriegsschauplatz legen wollten und Italien für sekundär hielten.[9.3] Die alliierten Landungen in Nordfrankreich im Juni 1944 („Overlord“) sowie in Südfrankreich im August 1944 („Dragoon“) führten jeweils zu Truppenabzügen in Divisionsstärke, welche die Kampfkraft der Alliierten in Italien schwächten.[8.4] Die geographische Lage Norditaliens bot für die deutschen Verteidiger ähnliche Vorteile wie Süditalien, da sich der Apennin auch hier für Abwehrstellungen gut eignete. Kesselring galt der deutschen Führung weiterhin als fähiger Abwehrstratege, der die Westalliierten in Italien mit möglichst geringen deutschen Kräften für möglichst lange Zeit verlangsamen konnte. Ende August 1944 war die zumindest stellenweise gut ausgebaute Gotenstellung bezugsfähig.[9.3]

Der Rückzug der deutschen 10. Armee und 14. Armee kam an der Gotenstellung zum Stehen, sodass die Alliierten am 25. August 1944 zur Operation Olive gegen die deutschen Stellungen antreten konnten. Die britische 8. Armee trat mit dem britischen V. Korps, dem kanadischen I. Korps und dem polnischen II. Korps zum Angriff an. Die 8. Armee verfügte für den Angriff über 1554 Panzer, 1121 Artilleriegeschütze und 1055 Panzerabwehrkanonen; während der 28 Tage der Operation flogen die alliierten Luftstreitkräfte 8507 Einsätze und warfen 6471 Tonnen Bomben ab. Trotz der materiellen Überlegenheit gewannen die Truppen der 8. Armee bis zum 21. September nur etwa 45 Kilometer an Boden, wofür sie 14.000 Verluste hinnehmen mussten, von denen allein 4511 auf die kanadischen Truppen entfielen. Die Deutschen erlitten im gleichen Zeitraum etwa 16.000 Verluste.[7.13] Am 1. September ging auch die 5. US-Armee zur Offensive über und erzielten bis Mitte September mehrere Durchbrüche durch die deutschen Stellungen.[8.3] Mitte Dezember wurden die Großangriffe zunächst eingestellt, wobei das Zwischenziel Bologna sich weiterhin in der Hand der Achsenmächte befand.[7.13]

Der Winter 1944/1945 war für die Truppen entlang der Front von den Gebirgspässen und Hügelkämmen geprägt, zwischen denen die beiden Seiten Beschuss austauschten.[9.3] Zwischen Dezember 1944 und März 1945 kam es jedoch generell zu einer Flaute der Kampfhandlungen der Bodentruppen.[8.5] Erst im März/April 1945 waren die alliierten Truppen zum entscheidenden Durchbruch ins Po-Tal in der Lage.[9.3] Am 9. April begann um 19:00 Uhr mit dem Angriff des britischen V. Korps und des polnischen II. Korps die Operation Grapeshot. Die deutschen Verteidiger der Heeresgruppe C, die seit der Ablösung Kesselrings am 10. März 1945 von Heinrich von Vietinghoff geführt wurde,[8.6] hatten den Alliierten nichts mehr entgegenzusetzen. Am 14. April brach der deutsche Widerstand vor dem V. Korps zusammen, während das polnische II. Korps unterstützt vom britischen XIII. Korps Imola einnehmen konnte. Ebenfalls am 14. April trat auch die 5. US-Armee unter General Truscott an und durchbrach mit einer hohen Truppenkonzentration entlang einer engen Front die deutschen Verteidigungslinien entlang der Berghänge und kämpfte sich ins Po-Tal vor, während gleichzeitig die 92. US-Division auf La Spezia vorrückte. Die deutschen Verteidiger litten an Treibstoffmangel, einer erdrückenden alliierten Luftüberlegenheit und dem Verlust lokaler Nachschubdepots während der Rückwärtsbewegung. Das bereits im Herbst 1944 angepeilte Bologna wurde am 21. April 1945 von alliierten Truppen erobert.[8.7]
Kapitulation der Achsenmächte
Am 29. April 1945 ergab sich ein deutsch-italienischer Großverband, die Armee Ligurien, mit sofortiger Wirkung den Westalliierten. Oberstleutnant Victor von Schweinitz (für Heinrich von Vietinghoff) und SS-Sturmbannführer Eugen Wenner (für Karl Wolff) unterzeichneten im alliierten Hauptquartier bei Caserta die Urkunde einer bedingungslosen Kapitulation der deutschen Streitkräfte in Italien, die am 2. Mai um 14:00 Uhr in Kraft treten sollte.[8.8] Am 4. Mai nahm der Armeegruppenoberbefehlshaber der 15th Army Group, Mark Clark, formell die Teilkapitulation der deutschen Truppen in Italien entgegen.[9.4]
Der Kapitulation waren seit Jahresbeginn 1945 Geheimverhandlungen in der Schweiz („Operation Sunrise“) vorausgegangen, die in den zuständigen deutschen Behörden seit Herbst 1944 konzipiert worden waren. Die Offiziere der deutschen Heeresgruppe C wollten sich in Angesicht des drohenden Kriegsendes und des wachsenden Kalten Krieges als mögliche Partner der Westalliierten profilieren und gleichzeitig ihre eigenen Überlebenschancen erhöhen. „Sunrise“ war die erste mehrerer deutscher Teilkapitulationen für einen gesamten Kriegsschauplatz.[8.9]
Kooperation mit Partisanen
Eine wichtige Funktion, welche die 15th Army Group bzw. die AAI insbesondere ab 1944 zunehmend wahrnahm, war die Unterstützung alliierter Kommandooperationen, etwa des britischen Special Operations Executive (SOE), zugunsten der italienischen Partisanenbewegung.[15.1] Im Stab der Heeresgruppe war Oberst John Riepe für die Partisanenarbeit zuständig.[15.2] Vorschläge, Operationen in enger Kooperation mit italienischen Partisanen hinter der Front der Achsenmächte durchzuführen, scheiterten gegen Jahresende 1944 aber mitunter an der Skepsis der alliierten Befehlshaber sowie der britischen Regierung, die eine Wiederholung der Zwischenfälle mit der kommunistischen ELAS-Bewegung im besetzten Griechenland verhindern wollten.[15.3] Die 15th Army Group lieferte insgesamt 951 Tonnen Nachschub an die italienischen Partisanen, was im Allied Force Headquarters (AFHQ) auf mitunter heftigen Unwillen stieß und einen bis Kriegsende ungelösten Streit zwischen den AFHQ-Offizieren und Oberst Riepe auslöste.[15.4]
Am 25. April 1945 rief das Nationale Befreiungskomitee (CLN) der Partisanenbewegung zum allgemeinen Volksaufstand auf, was in der italienischen Nachkriegszeit den jährlichen Tag der Befreiung Italiens inspirierte.[8.10]
Besetzung Österreichs
In den Anfangsmonaten des Jahres 1945 hatte sich auf allen Fronten die baldige Niederlage der deutschen Truppen abgezeichnet, wodurch sich für die Truppen der 15th Army zwangsläufig die Frage ergab, über Italien hinaus auch nach Österreich und in die damals zum vereinten Jugoslawien gehörenden Teile der heutigen Staaten Slowenien und Kroatien vorzustoßen. Harold Alexander hatte bereits während des Krieges Instruktionen an die untergebenen Verbände gegeben, im Falle eines überraschenden deutschen Zusammenbruchs soviel österreichisches Gebiet wie möglich so schnell wie möglich zu besetzen, um sowjetischen Vorstößen zuvorzukommen.[13.2]
Auflösung
Unterstellte Verbände
Im April 1945 umfasste die 15th Army Group mit ihren beiden unterstellten Großverbänden (5. US-Armee, britische 8. Armee) insgesamt 1.500.000 Menschen des militärischen und rückwärtigen Personals. Davon entfielen 266.000 Soldaten auf die 5. US-Armee und weitere 350.642 auf die britische 8. Armee.[8.11]
Beteiligte Nationen
Die wichtigsten Großverbände der 15th Army Group waren die britische 8. Armee sowie die US-amerikanische 7. Armee (auf Sizilien) bzw. die US-amerikanische 5. Armee (auf dem italienischen Festland).
Vereinigtes Königreich: Neben der britischen Eighth Army (Bernard Montgomery) war auch der erste Armeegruppenoberbefehlshaber, Harold Alexander, ein britischer Beitrag zur 15th Army Group.[5]
Vereinigte Staaten: Der wichtigste US-amerikanische Großverband während der Invasion von Sizilien war die 7. US-Armee (George S. Patton). Für die Landung auf dem italienischen Festland wurde die 5. US-Armee (Mark Clark, später Lucian Truscott) zum wichtigsten amerikanischen Truppenverband.[10.2] Mit den Umstrukturierungen zum Jahresende 1944 wurde die 15th Army Group zunehmend amerikanisiert; der vormalige Befehlshaber der 5. Armee Mark Clark wurde Oberbefehlshaber der gesamten 15th Army Group.[13.1] Nach Kriegsende wurde der Stab unter Clarks Aufsicht zur obersten US-Besatzungskommandobehörde für Österreich umgewandelt.[3]
Frankreich: Die Freien Französischen Streitkräfte (FFL) waren während des Italienfeldzugs präsent, da sich das Französische Nationale Befreiungskomitee (CFLN) unter Charles de Gaulle selbständig an alliierten Kampfeinsätzen beteiligen wollte.[16.1] Das Corps Expéditionnaire Français (CEF) unter Alphonse Juin wuchs bis Mai 1944 auf vier vollwertige Divisionen mit einer großen Anzahl nordafrikanischer Kolonialtruppen und einer Gesamtstärke von 115.000 Soldaten und war unter anderem ein entscheidender Faktor während der Schlachten am Monte Cassino sowie beim Durchbruch durch die Gustav-Linie.[16.2] Die französischen Truppen in Italien erkämpften sich auch die Anerkennung ihrer deutschen Feinde; Adolf Hitler sah im CEF die besten alliierten Großverbände auf dem italienischen Kriegsschauplatz.[17]
Kanada: Kanadische Truppen waren in enger Kooperation mit ihren britischen Commonwealth-Verbündeten an den Operationen der 15th Army Group beteiligt. Die 1st Canadian Division war als Teil der britischen 8. Armee am Sizilienfeldzug beteiligt.[7.3] Interne deutsche Dokumente warnten früh, dass sich die kanadischen Truppen auf Sizilien insbesondere bei Nacht durch hohe Mobilität und dynamische Überraschungsangriffe auszuzeichnen wüssten.[7.14] Die 1st Canadian Division war auch eine der Divisionen, die als Teil der Operation Baytown am 3. September 1943 das italienische Mutterland betraten.[7.15] Das kanadische I. Korps war ein eigenständiger Großverband während des Italienfeldzugs.[7.13]
Australien
Neuseeland: Die 2nd New Zealand Division war am Italienfeldzug beteiligt.[7.16]
Polen: Das II. polnische Korps war ein Großverband der Polnischen Streitkräfte im Westen, der im Italienfeldzug eingesetzt wurde.[7.13]
Brasilien: Das Brasilianische Expeditionskorps in Europa (FEB) trat ab Juli 1944 auf dem italienischen Kriegsschauplatz auf. Insgesamt setzte Brasilien 26.000 Soldaten in Europa ein. Den Kern des Expeditionskorps stellte die brasilianische Expeditions-Infanterie-Division (1. Division), die zusätzlich um mehrere Unterstützungsbataillone verstärkt wurde.[18]
Griechenland
Königreich Italien: Neben der Kooperation der 15th Army Group mit der italienischen Resistenza im faschistisch kontrollierten Norditalien waren italienische Soldaten und Zivilisten auch unmittelbar in der 15th Army Group beschärftigt; im April 1945 gehörten über 70.000 Italiener zur britischen 8. Armee.[8.5]
Wichtige Personen
- Harold Alexander (1891–1969): Armeegruppenbefehlshaber der 15th Army Group zwischen Sommer 1943 und Dezember 1944.[5]
- Mark W. Clark (1896–1984): 1943/1944 Armeebefehlshaber der 5. US-Armee, ab Dezember 1944 und bis Kriegsende Armeegruppenbefehlshaber der 15th Army Group.[14]
- Lyman L. Lemnitzer (1899–1988): stellvertretender Stabschef der 15th Army Group während der Sizilien- und Italienfeldzüge und Teilnehmer an den geheimen Waffenstillstandsverhandlungen in der Schweiz.[19] Später Divisions- und Armeebefehlshaber im Koreakrieg und NATO-Oberbefehlshaber Europa.[20]
- Bernard Montgomery (1887–1976), Armeebefehlshaber der britischen 8. Armee auf Sizilien sowie zu Beginn des Italienfeldzugs.[7.2]
Siehe auch
- Heeresgruppe C, Großverband der Wehrmachtstruppen in Italien
Literatur
- Elena Agarossi: The Italian Campaign. In: Thomas Zeiler (Hrsg.): A Companion to World War II. Wiley-Blackwell, 2013, ISBN 978-1-4051-9681-9, S. 841–858 (englisch).
- Pier Paolo Battistelli: Assault on the Gothic Line 1944: The Allied Attempted Breakthrough into Northern Italy (= Osprey Campaign. Band 387). Osprey Publishing, 2023, ISBN 978-1-4728-5014-0 (englisch).
- Pier Paolo Battistelli: The Winter Campaign in Italy 1943: Orosgna, San Pietro and Ortona (= Osprey Campaign. Band 395). Osprey Publishing, 2023, ISBN 978-1-4728-5571-8 (englisch).
- Richard Doherty: Victory in Italy: 15th Army Group's Final Campaign, 1945. Pen and Sword, 2014, ISBN 978-1-78346-298-8 (englisch).
- Jonathan Fennell: Fighting the People’s War: The British and Commonwealth Armies and the Second World War. Cambridge UP, 2019, ISBN 978-1-107-03095-4 (englisch).
- Angus Konstam: Salerno 1943: The Allies invade southern Italy (= Osprey Campaign. Band 257). Osprey Publishing, 2013, ISBN 978-1-78096-250-4 (englisch).
- Douglas Porch: Resistance and Liberation: France at War, 1942–1945. Cambridge UP, 2024, ISBN 978-1-00-916114-5 (englisch).
- Gerhard Schreiber: Das Ende des nordafrikanischen Feldzugs und der Krieg in Italien 1943 bis 1945. In: Karl-Heinz Frieser et al. (Hrsg.): Die Ostfront 1943/44: Der Krieg im Osten und an den Nebenfronten (= Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 8). Deutsche Verlags-Anstalt, 2007, ISBN 978-3-421-06235-2, S. 1100–1162.
- Steven J. Zaloga: Sicily 1943: The debut of Allied joint operation (= Osprey Campaign. Band 251). Osprey Publishing, 2013, ISBN 978-1-78096-127-9 (englisch).