36 Strategeme

Sammlung von Überlistungstechniken From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Sechsunddreißig Strategeme (chinesisch 三十六計 / 三十六计, Pinyin Sānshíliù jì, auch 三十六策, Sānshíliù cè) sind eine Sammlung von Strategemen, die dem chinesischen General Tan Daoji († 436) zugeschrieben werden.

Die 36 Strategeme sind in China Allgemeingut. Sie sind Schullesestoff und werden als Cartoons gedruckt.

Strategeme in China

Zhuge Liang

Chinesische Autoren haben seit über 2000 Jahren unterschiedliche Überlistungstechniken benannt und systematisiert. Strategeme spielen bereits in Sunzis Werk Sunzi Bingfa (Sūnzi bīngfǎ) über die Kriegskunst (etwa 500 v. Chr.) eine wichtige Rolle. Sein Kernsatz lautet: „Alle Kriegshandlung beruht auf Täuschung“. Besonders bekannt sind in China die Sechsunddreißig Strategeme, die auf General Tan Daoji († 436) zurückgehen sollen. Schriftlich wurden sie durch das Traktat Sanshiliu Ji. Miben Bingfa (Die 36 Strategeme – Geheimbuch der Kriegskunst, entstanden um 1500) überliefert. Der Verfasser ist namentlich nicht bekannt, wurde jedoch vermutlich von Zhao Benxue, einem Militärhistoriker aus der Ming-Zeit (1368–1644), oder einem seiner Schüler beeinflusst.

Die 36 Strategeme sind in eine Vielzahl von Geschichten über militärische, diplomatische und private Themen eingeflossen. Hierzu gehören u. a. die Geschichten um Zhuge Liang, Cao Cao und Liu Bei.

Zu Überlistungstechniken außerhalb Chinas vgl. den unten stehenden Abschnitt Strategeme in anderen Kulturkreisen.

Die 36 Strategeme

Strategem 1: Den Kaiser täuschen und das Meer überqueren

Das „Vollendete Tatsachen“-Strategem (Zieltarnung und Kursverschleierung): Der Kaiser soll gegen seinen Willen dazu gebracht werden, das Meer zu überqueren, indem man ihn in ein Haus am Meer einlädt, das in Wirklichkeit ein Schiff ist. Angespielt wird hier auf ein Ereignis um den Tang-Kaiser Tang Gaozong, der im 7. Jahrhundert n. Chr. das Reich Koguryo angreifen wollte.

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第1計 瞞天過海 / 瞒天过海, Mántiān guòhǎi
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
mánverheimlichen, verschweigen guòüberqueren
tiānHimmel = Kaiser hǎiMeer
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Strategem 2: Wei belagern, um Zhao zu retten

Angriff auf ein wichtiges bzw. empfindliches Ziel des Gegners, um von dem eigenen abzulenken. Das Strategem beruht auf einem realen Kriegszug des Reiches Qi auf Rat des Militärstrategen Sun Bin in der Zeit der Streitenden Reiche.

Wei befand sich zwischen den Staaten Qin und Qi. Zhao grenzte an Qin, Wei und Yan. Zhao wurde 354 v. Chr. von Wei angegriffen und rief Qi um Hilfe. Dieses sandte keine Entsatztruppen nach Zhao, sondern griff die ungeschützte Hauptstadt von Wei an. Die Armee von Wei musste daraufhin den Angriff abbrechen.

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第2計 圍魏救趙 / 围魏救赵, Wéiwèi jiùzhào
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
wéiumkreisen, belagern jiùretten, zur Hilfe eilen
WèiWei (ein ehem. Staat) ZhàoZhao (ein ehem. Staat)
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Strategem 3: Mit dem Messer eines Anderen töten

Strategem für den Einsatz von Verbündeten, die einen Stellvertreterkrieg führen, oder für einen Gleichgesinnten, den man dazu motiviert, eine schwierige Aufgabe zu erledigen (vgl. auch „Kastanien aus dem Feuer holen“).

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第3計 借刀殺人 / 借刀杀人, Jièdāo shārén
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
jièleihen shātöten
dāoMesser rénMensch, Person
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Strategem 4: Ausgeruht den erschöpften Feind erwarten

Im Jahr 342 v. Chr. trat Sun Bin vor der Übermacht des Feindes einen Scheinrückzug an. Dabei hinterließ er anfangs 100.000, dann 50.000 und am Ende nur noch 30.000 Feuerstellen. Die Verfolger glaubten nun, viele Soldaten seien desertiert und machten sich mit einer leicht ausgerüsteten Truppe auf die Verfolgungsjagd. Sun Bin aber wartete in einem Hinterhalt und konnte die feindliche Truppe vernichten.[1]

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第4計 以逸待勞 / 以逸待劳, Yǐyì dàiláo
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
mit dàierwarten
Ruhe láoErschöpfung
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Strategem 5: Ein Feuer für einen Raub ausnutzen

Das bedeutet, Chaos erzeugen und für den Angriff ausnutzen, indem man aus den Schwierigkeiten eines anderen Nutzen zieht und das Chaos in den Reihen des Feindes nutzt, um ihn zu besiegen.

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第5計 趁火打劫, Chènhuǒ dǎjié
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
chènausnutzen, Gelegenheit ergreifen schlagen
huǒFeuer, Brand jiérauben
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Strategem 6: Im Osten lärmen, im Westen angreifen

Durch einen Scheinangriff wird der Feind dazu gebracht, dort seine Truppen zu verstärken und an der Stelle die Ressourcen abzuziehen, wo dann tatsächlich der Angriff stattfindet.

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第6計 聲東擊西 / 声东击西, Shēngdōng jīxī
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
shēngverkünden, Nachricht, Geräusch, Stimme angreifen
dōngOsten 西西Westen
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Strategem 7: Etwas aus einem Nichts erzeugen

1. Pausenlose Fehlalarme, die zu nachlassender Aufmerksamkeit führen
2. Das Vorgaukeln eines Trugbildes für einen Vorteilsgewinn oder Gesinnungswandel nutzen
3. Diffamieren, Gerüchte streuen, „aus einer Mücke einen Elefanten machen

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第7計 無中生有 / 无中生有, Wúzhōng shēngyǒu
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
nichts haben shēnghervorbringen
zhōngin yǒu(etwas) haben
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Strategem 8: Heimlich nach Chencang marschieren

1. die Marschrichtung verschleiern
2. die ungewöhnliche Absicht, Kritik hinter normalem, unverfänglichen Tun verbergen

Liu Bang, der Begründer der Han-Dynastie, ließ einen verbrannten Holzweg durch Berge mühsam instand setzen, was seine Gegner in der Sicherheit wiegte, dass die Arbeiten noch eine Weile in Anspruch nähmen. Tatsächlich aber nahm Liu Bang einen anderen Weg und schlug den überraschten Feind.

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第8計 暗渡陳倉 / 暗渡陈仓, Àndù chén cāng
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
ànim Dunkeln – heimlich chéndie beiden Teile
überqueren cāngdes Ortsnamens
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Strategem 9: Das Feuer am gegenüberliegenden Ufer beobachten

Eigene Aktionen unterlassen, bis sich die Lage zum eigenen Vorteil entwickelt hat, dabei jede Aktion des Gegners unterbinden, die ihm einen Vorteil bringt.

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第9計 隔岸觀火 / 隔岸观火, Géàn guānhuǒ
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
separieren, entfernt liegen guānanschauen
ànUfer huǒFeuer, Brand
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Strategem 10: Hinter dem Lächeln den Dolch verbergen

Den Feind durch Freundlichkeit in Sicherheit wiegen, um ihn im Moment der Schwäche anzugreifen.

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第10計 笑裏藏刀, Xiàolǐ cángdāo
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
xiàolachen cángverbergen, aufbewahren
in, innerhalb dāoMesser
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Strategem 11: Der Pflaumenbaum verdorrt anstelle des Pfirsichbaums

1. sich selbst opfern, um andere zu retten
2. den anderen opfern, um sich selbst zu retten
3. irgendjemanden opfern, um einen Dritten zu retten
4. ein kleines Opfer bringen, um etwas Wertvolles zu gewinnen

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第11計 李代桃僵, Lǐdài táojiāng
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
Pflaume táoPfirsich
dàivertreten, ersetzen jiāngsich festfahren, verwelkten, eingehen
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Strategem 12: Mit leichter Hand das Schaf wegführen

Die Gelegenheit beim Schopf packen. Mit geringem Aufwand ein Maximum erreichen.

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第12計 順手牽羊 / 顺手牵羊, Shùnshǒu qiānyáng
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
shùnin gleicher Richtung, nebenbei qiānetwas hinter sich herziehen, schleppen
shǒuHand yángSchaf, Ziege
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Strategem 13: Auf das Gras schlagen, um die Schlange aufzuscheuchen

„Auf den Busch klopfen“-Strategem. Den Gegner aus der Reserve locken, die Stärke des Gegners prüfen. Auch: Die Aufmerksamkeit des Gegners auf sich ziehen.
Das Erschrecken des Gegners durch etwas Unerwartetes, z. B. durch einen Scheinangriff, der ihn in die Irre führt. Ist der Gegner kurz erschrocken, so wird seine Gegenwehr unterwandert und seine Reaktionsfähigkeit gemindert.

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第13計 打草驚蛇 / 打草惊蛇, Dǎcǎo jīngshé
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
schlagen jīngerschrecken
cǎoGras shéSchlange
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Strategem 14: Für die Rückkehr der Seele einen Leichnam ausleihen

Etwas Gefürchtetes, Geliebtes, Traditionelles zwecks Einschüchterung bzw. Ermutigung wieder aufleben lassen.

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第14計 借屍還魂 / 借尸还魂, Jièshī huánhún
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
jièausleihen huánzurückkommen, zurückgeben
shīLeichnam húnSeele
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Strategem 15: Den Tiger vom Berg in die Ebene locken

1. den Tiger aus dem vertrauten Terrain weglocken, um ihn leichter zu erlegen
2. den Tiger weglocken, um sich seines leichter zu verteidigenden Berges zu bemächtigen
3. den Tiger schwächen, indem man seine wichtigsten Helfer entfernt
4. die Kinder des Tigers fangen, wenn der weggelockt ist

Entspricht der deutschen Redewendung „aufs Glatteis führen“.

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第15計 調虎離山 / 调虎离山, Diàohǔ líshān
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
調diàowechseln, transferieren, versetzen verlassen, entfernt sein von
Tiger shānBerg
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Strategem 16: Will man etwas fangen, muss man es zunächst loslassen

Unterwanderung der gegnerischen Truppen durch freigelassene Kriegsgefangene, die man zuvor freundlich behandelt hat.

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第16計 欲擒故縱 / 欲擒故纵, Yùqín gùzòng
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
begehren, haben wollen absichtlich, daher
qínfangen zòngfreilassen
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Strategem 17: Einen Backstein hinwerfen, um Jade zu erlangen

Etwas Kleines opfern, den Gegner dadurch auf eine falsche Fährte führen, um sich dann im Rücken des Feindes des Großen zu bemächtigen.

Eine deutschsprachige Entsprechung dieses Strategems ist die Redensart „Mit der Wurst nach der Speckseite …“ oder „… nach dem Schinken werfen“, der in früheren Zeiten, um ihn trocken und vor Mäusen geschützt aufzubewahren, oft an einer Schnur hoch oben in der Speisekammer aufgehängt wurde, so dass, wenn der Schinken von der Wurst getroffen herunterfiel, man dadurch mit etwas Glück und der Opferung von etwas Wertloserem etwas wesentlich Wertvolleres erlangte.

Beispiel: Durch eine gezielte Maßnahme ohne größeren eigenen Aufwand (zum Beispiel Streuung von Informationen, schwache Befestigung einer eigenen Festung) den Feind zu einem raschen Vorgehen verleiten, um ihn dann aus einem Hinterhalt an seiner schwächsten Stelle anzugreifen.

Wird auch als Höflichkeitsformel verwendet, etwa im Sinne von: Ich hoffe, dass mein bescheidener Beitrag (Ziegelstein) zu einer angeregten Diskussion (Jade) führt.[2]

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第17計 拋磚引玉 / 抛砖引玉, Pāozhuān yǐnyù
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
pāowerfen yǐnanlocken
zhuānZiegelstein Jade
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Strategem 18: Den Gegner durch Gefangennahme des Anführers unschädlich machen

Der Schlange den Kopf abschlagen.
Gelingt es, den feindlichen Kommandanten gefangen zu nehmen, so sinkt die Moral des Feindes und die Schlacht ist entschieden.

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第18計 擒賊擒王 / 擒贼擒王, Qínzéi qínwáng
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
qínfangen qínfangen
zéiDieb, Bandit, Verräter, Feind wángHerrscher, König
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Strategem 19: Das Brennholz heimlich unter dem Kessel wegnehmen

Das Wasser abgraben; dem Gegner seine Ressourcen oder dem Krieg den Grund entziehen, um den Konflikt frühzeitig zu beenden oder gar zu vermeiden.

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第19計 釜底抽薪, Fǔdǐ chōuxīn
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
Kochkessel chōuabziehen
Boden, Grund xīnBrennholz
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Strategem 20: Im Trüben fischen

Im Trüben fischen – wörtlich etwa: in der Desorientierung und das Durcheinander im Wasser nach Fischen grapschen – die undurchsichtige Lage nutzen, um selbst zu profitieren. Dem Gegner die Übersicht nehmen, um ihn im blinden Zustand leichter zu überwältigen.

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第20計 混水摸魚 / 混水摸鱼, hùnshuǐ mōyú
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
húntrüb, durcheinander tasten
shuǐWasser Fisch
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Strategem 21: Die Zikade wirft ihre goldglänzende Haut ab

Zikaden-Larve

Falsche, zu strategischen Zwecken ersonnene Äußerlichkeiten hinter sich lassen. Wie die Haut der Zikade bleibt die Fassade intakt, doch das eigentliche Geschehen spielt sich nun anderenorts ab. Angeblich hat die unterirdisch lebende Larve der Zikade eine goldglänzende Hülle. Für das oberirdisch lebende erwachsene Tier ist diese Hülle zu gefährlich, sie streift sie ab und tarnt sich.

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第21計 金蟬脫殼 / 金蝉脱壳, Jīnchán tuōké
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
jīnGold tuōausziehen, abstreifen, abwerfen
chánZikade Hülle, Gehäuse, Panzer
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Strategem 22: Die Türe schließen, um den Dieb zu fangen

Den Feind lässt man ins Leere laufen, um ihn dann einkesseln zu können. Dem Gegner jeden möglichen Fluchtweg abschneiden.

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第22計 關門捉賊 / 关门捉贼, Guānmén zhuōzéi
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
guānschließen zhuōfangen
ménTür, Tor zéiFeind, Verräter, Dieb
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Strategem 23: Sich mit dem fernen Feind verbünden, um Nachbarn anzugreifen

Ein General, der sich von mehreren Feinden bedroht fühlt, kann sich mit einem fernen Feind verbünden, um den nahen Feind einzukreisen. Dieses Strategem ist auch in anderen Kulturkreisen wohlbekannt, als „Der Feind meines Feindes ist mein Freund.“

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第23計 遠交近攻 / 远交近攻, Yuǎnjiāo jìngōng
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
yuǎnfern jīnnah
jiāobefreunden gōngangreifen
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Strategem 24: Einen Weg für einen Angriff gegen Guo ausleihen

Im Jahr 658 v. Chr. erbat der Staat Jin vom Staat Yue das Recht zum Durchmarsch, um den Staat Guo anzugreifen. Nach zwei Feldzügen gegen Guo nahm der Staat Jin auch noch den Staat Yue ein, in dem sich seine Soldaten ohnehin schon befanden.

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第24計 假道伐虢, Jiǎdào fáguó
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
jiǎausleihen, unecht, falsch angreifen
dàoWeg GuóGuo (ein ehem. Staat)
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Strategem 25: Die Balken stehlen und gegen morsche Stützen austauschen

Ohne Veränderung der Fassade eines Hauses die Tragbalken stehlen und die Stützpfosten austauschen. Anderen die Spitzenkräfte abwerben; eine Mogelpackung präsentieren.

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第25計 偷梁換柱 / 偷梁换柱, Tōuliáng huànzhù
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
tōustehlen, heimlich huàntauschen
liángTragbalken zhùPfeiler, Säule, Stütze
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Strategem 26: Die Akazie schelten, dabei aber auf den Maulbeerbaum zeigen

Den Sack schlagen und den Esel meinen. Die Akazie war der Lieblingsbaum der Kaiser. Der Maulbeerbaum war wichtig für die Seidengewinnung des einfachen Volks. Kritik gegenüber Vorgesetzten wurde indirekt vorgebracht, indem man sich zum gleichen Sachverhalt über andere Personen beschwerte.

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第26計 指桑罵槐 / 指桑骂槐, Zhǐsāng màhuái
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
zhǐzeigen schimpfen
sāngMaulbeerbaum huáiAkazie
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Strategem 27: Verrücktheit mimen, ohne das Gleichgewicht zu verlieren

Der Feldherr lässt sich von seinem Feind als unfähig betrachten, damit dieser vielleicht Zeit verstreichen lässt, die er nutzt, um seine Ausgangslage zu verbessern.

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第27計 假癡不癲 / 假痴不癫, Jiǎchī bùdiān
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
jiǎausleihen, unecht, falsch nicht
chīWahnsinn diānverrückt sein
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Strategem 28: Auf das Dach locken, um dann die Leiter wegzuziehen

Dem Gegner ein leichtes Ziel bieten und ihn damit in eine Gegend locken, aus der es nur wenige Fluchtmöglichkeiten gibt. Diese Fluchtmöglichkeiten müssen dann abgeschnitten werden, damit sich die Falle schließt.

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第28計 上屋抽梯, Shàngwū chōutī
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
shànghinaufsteigen, auf, oben, beste chōuwegziehen
Haus Leiter
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Strategem 29: Dürre Bäume mit künstlichen Blüten schmücken

Ein verdorrter Baum erscheint durch künstliche Blüten gesund und stark. Täuschung des Gegners hinsichtlich der eigenen Truppenstärke und Bewaffnung, z. B. durch Attrappen. Die eigene Armee größer und stärker aussehen lassen.

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第29計 樹上開花 / 树上开花, Shùshàng kāihuā
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
shùBaum kāiöffnen
shànghinaufsteigen, auf, oben, beste huāBlüte
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Strategem 30: Die Rolle des Gastes in die des Gastgebers umkehren

Die Position des Gegners usurpieren. Nach der erfolgreichen Abwehr eines Angriffs den Gegenangriff einläuten und den Gegner zum Verteidigen zwingen in einem Terrain, das ihm fremd ist, aber auch „vom Jäger zum Gejagten werden“. Im Kern geht es darum, die – reaktive – Rolle des „Gastes“ in die – aktive – Rolle des Gastgebers umzukehren, um Handlungsfähigkeit zu erlangen, eine schwache Position in eine starke umzuwandeln, um den Gegner in eine für ihn defensive bzw. reaktive Rolle zu zwingen.

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第30計 反客為主 / 反客为主, Fǎnkè wéizhǔ
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
fǎnumkehren, umdrehen, gegen wéimachen
Gast, Besucher, Kunde zhǔGastgeber, Herr, Besitzer
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Strategem 31: Die List der schönen Frau

Dieses Strategem steht für Informationsgewinnung oder Korrumpierung. Meist bedeutet es, eine Frau einzusetzen, um eine wichtige Persönlichkeit zu beeinflussen. Dazu sagte der Sänger Sima Xiangru:

„Ein Blick – und ganze Städte fallen, ein zweiter Blick – und Reiche stürzen ein.“

Der bekannteste Fall ist der Fall der Diaochan, einer der vier schönen Frauen des alten Chinas. In Luo Guanzhongs Roman Die Geschichte der Drei Reiche beteiligt sich Diaochan an einer Verschwörung des Beamten Wang Yun, um den Krieger Lü Bu dazu zu bringen, seinen Herrn und Adoptivvater Dong Zhuo zu ermorden.

In der Welt der Spionage wird das Verfahren „Romeo-Variante“ genannt. Eine intime Beziehung soll helfen, die Zielperson „abzuschöpfen“. Es kommt darauf an, Informationen zu gewinnen, die der oder die Betreffende im Schutze der Vertrautheit einer Beziehung äußert.

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第31計 美人計 / 美人计, Měirén jì
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
měischön List
rénMensch, Person
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Strategem 32: Die List der offenen Stadttore

Einen Hinterhalt vortäuschen, der die eigene Schwäche verschleiert. Zhuge Liang war mit 5.000 Soldaten nach Xicheng gezogen, als der feindliche General Sima Yi mit einem Heer von 150.000 Mann gegen die Stadt vorrückte. Zhuge Liang ließ die vier Stadttore öffnen und setzte sich mit einer Zither auf die Stadtmauer. Sima Yi verzichtete auf einen Angriff, da er eine Falle befürchtete. Er schätzte Zhuge Liang als so vorsichtig ein, dass er ein derart offenkundiges Risiko niemals auf sich genommen hätte. Nach dem Abzug des Feindes sagte Zhuge Liang: „Hätten wir die Stadt aufgegeben und die Flucht ergriffen, dann wären wir bestimmt nicht weit gekommen.“

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第32計 空城計 / 空城计, Kōngchéng jì
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
kōngleer List
chéngbefestigte Stadt, Stadt
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Strategem 33: Die List des Zwietrachtsäens

In Sunzis Kunst des Krieges (孫子兵法, Sūnzǐ bīngfǎ) wird die besondere Bedeutung von Doppelagenten betont (1. Alt.). Vgl. Kapitel „Das Schwert in der Scheide“: Höchste militärische Führungskunst ist Sunzi zufolge das Angreifen/Durchkreuzen der gegnerischen Strategie, danach folgt als zweitbeste Option das Spalten der Allianzen des Gegners, drittbeste Alternative wäre der (direkte) Angriff des Gegners und die schlechteste militärische Lösung wäre das Belagern der Hochburgen des Gegners. Das Strategem des „Zwietrachtsäens“ stellt auf die Lösung Sunzis ab, die Allianzen des Gegners zu spalten. (2. Alt)

Zwei befeindete Parteien gegeneinander ausspielen, um dann selbst einen Nutzen daraus zu ziehen.

Streiten sich zwei, so freut sich der Dritte.

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第33計 反間計 / 反间计, Fǎnjiān jì
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
fǎnumkehren, umdrehen, gegen List
jiānRaum, trennen, befremden, zwischen
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Strategem 34: Die List der Selbstverstümmelung

Sich selbst verletzen, um Mitgefühl zu erregen und eigene Schwäche vorzutäuschen
Sich selbst verletzen, um es dem Gegner zuzuschieben

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第34計 苦肉計 / 苦肉计, Kǔròu jì
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
bitter, elend, schmerzvoll List
ròuFleisch
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Strategem 35: Die Ketten-Strategie

Zwei oder mehrere Strategeme verknüpfen

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第35計 連環計 / 连环计, Liánhuán jì
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
liánverbinden List
huánKettenglied
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Strategem 36: Weglaufen ist die beste Methode

Rechtzeitiges Weglaufen ist bei sich abzeichnender Aussichtslosigkeit das Beste. Wenn die anderen 35 Listen versagen, ist die 36. List, die Flucht, die beste Strategie.
Dieses Strategem wird im Volksmund alternativ auch als 三十六計,走為上策 ,sānshíliù jì,zǒu wéi shàngcè wiedergegeben.

Sich ergeben ist eine vollständige Niederlage, ein Vergleich ist eine halbe Niederlage. Flucht bietet die Chance, später doch noch zu gewinnen. Der Rückzug war dann nur ein taktischer Zug.

Weitere Informationen Chin., Pinyin ...
第36計 走為上計 / 走为上计, Zǒu wéi shàngjì
Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung Chin.[Fn. 1]PinyinBedeutung
zǒuweggehen, fortlaufen shànghinaufsteigen, auf, oben, beste
wéimachen Plan, Strategie
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Strategeme in anderen Kulturkreisen

In der Antike kursierten wohl eine Reihe von Schriften mit Strategemsammlungen. Davon sind jedoch alle bis auf zwei verloren gegangen. Die ältere der beiden verfasste der römische Staatsmann und Feldherr Sextus Iulius Frontinus (* um 40, † 103) als Ratgeber für Offiziere. Die zweite stellte der griechische Rhetor (Redner) und Anwalt Polyänus (* um 100) zusammen.

Kunstgriffe aus europäischen Fürstenspiegeln lassen sich als Strategeme lesen, wie etwa die Ratschläge aus Machiavellis Der Fürst. Ebenso lassen sich die von Arthur Schopenhauer aufgeführten Kunstgriffe seiner Eristischen Dialektik als Strategeme auffassen. Das von Schopenhauer kongenial übersetzte Handorakel und Kunst der Weltklugheit des Baltasar Gracián enthält viele der Strategeme in seiner prägnanten und kurzen Art. Harro von Senger, der die 36 Strategeme umfangreich kommentiert ins Deutsche übersetzt hat, weist auf Reineke Fuchs (s. a. Reynke de vos) von Johann Wolfgang von Goethe als Beispiel für europäische Strategeme hin.

Im arabischen Raum finden sich ein halbes Dutzend Abhandlungen, die sich mit Listen im (derzeit angewendeten) islamischen Recht beschäftigen. Zudem existiert ein allgemeineres Werk namens Raqa’iq al-hilal fi daqa’iq al-hiyal aus dem 15. Jahrhundert. Ein weiteres stammt von dem Sizilianer Ibn Zafer aus dem 12. Jahrhundert.

Ihm steht das indische Lehrbuch Arthashastra von Kautilya (4. Jahrhundert v. Chr.) gegenüber.

Literatur

  • Sextus Iulius Frontinus: Kriegslisten. (Strategematon libri IV, 97 n. Chr.) Lateinisch und Deutsch von Gerhard Bendz. 2. Auflage. Berlin 1978.
  • Polyaenus: Strategems of war. (Strategemata, um 161 n. Chr.) Herausgegeben und übersetzt von Peter Krentz und Everett L. Wheeler. 2 Bände. Chicago 1994.
  • Haichen Sun: The Wiles Of War: 36 Military Strategies from Ancient China. Foreign Languages Press, Peking 1993.
  • Yuan Gao: Lock den Tiger aus den Bergen. 36 Weisheiten aus dem alten China für Manager von heute. Droemer Knaur, München 1995.
  • Robert Greene: (The 48 Laws of Power, 1998) Power – Die 48 Gesetze der Macht. dtv, ISBN 3-423-36248-0.
  • Stefan H. Verstappen: The Thirty-Six Strategies of Ancient China. China Books & Periodicals, San Francisco 1999.
  • Marco Althaus: Strategien für Kampagnen. Klassische Lektionen und modernes Targeting. In: Marco Althaus (Hrsg.): Kampagne! Neue Strategien für Wahlkampf, PR und Lobbying. (= Medienpraxis. 1). Münster 2001, S. 11–44.
  • Harro von Senger: Strategeme, Die berühmten 36 Strategeme der Chinesen – lange als Geheimwissen gehütet, erstmals im Westen vorgestellt. Scherz, München 2003, ISBN 3-502-15660-3.
  • Harro von Senger: Strategeme. Lebens- und Überlebenslisten aus drei Jahrtausenden. 10. Auflage. Scherz, Bern / München / Wien 2000.
  • Harro von Senger: 36 Strategeme für Manager. Piper, München 2006, ISBN 3-492-24649-4.
  • Gianluca Magi: 36 Strategeme für Erfolg und Wohlstand: Die altbewährte chinesische Kunst der Strategie. Kailash, München 2009.
  • Adam Matuschczyk: Kreative Strategeme: kreatives und systemisches Denken bei der Austragung sozialer Konflikte. Kardinal, Hannover 2009.
  • Julia Kotzschmar, Josef K. Pöllath: Strategeme. Etwas aus einem Nichts erzeugen. Marixverlag, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-86539-235-0.
  • Harro von Senger: Die Klaviatur der 36 Strategeme. In Gegensätzen denken. Hanser, München 2013, ISBN 978-3-446-43684-8.
  • Christian Rieck: Die 36 Strategeme der Krise – erfolgreich werden, wenn andere scheitern. Selbstverlag, Frankfurt/Main 2020.[3]

Siehe auch

Einzelnachweise

Fußnote

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