Terroranschläge am 11. September 2001

Flugzeugentführungen mit anschließenden Selbstmordattentaten in den Vereinigten Staaten From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Terroranschläge am 11. September 2001, kurz [der] 11. September (deutsches Wort des Jahres 2001) oder englisch 9/11, waren vier koordinierte Flugzeugentführungen mit nachfolgenden Selbstmordattentaten auf symbolträchtige zivile und militärische Gebäude in den USA. Sie wurden vom islamistischen Terrornetzwerk al-Qaida unter der Führung von Osama bin Laden geplant und von 19 seiner Mitglieder verübt, darunter 15 Staatsangehörige Saudi-Arabiens. Die Täter steuerten zwei Flugzeuge in die Zwillingstürme des World Trade Centers in Manhattan, die infolgedessen einstürzten, ein weiteres in das Pentagon bei Washington, D.C. Das vierte brachten sie im Kampf mit Passagieren bei Shanksville (Pennsylvania) zum Absturz.

Datum 11. September 2001 (Dienstag)
Uhrzeit 8:46 Uhr bis 10:03 Uhr Ortszeit
(14:46 Uhr bis 16:03 Uhr MESZ)
Land Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Orte WTC 1 / Nordturm
WTC 2 / Südturm
Pentagon
Shanksville
Schnelle Fakten Terroranschläge am 11. September 2001, Datum ...
Terroranschläge am
11. September 2001
Datum 11. September 2001 (Dienstag)
Uhrzeit 8:46 Uhr bis 10:03 Uhr Ortszeit
(14:46 Uhr bis 16:03 Uhr MESZ)
Land Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Orte WTC 1 / Nordturm
WTC 2 / Südturm
Pentagon
Shanksville
Tote 2996
Verletzte mehr als 6000
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Mit insgesamt 2996 Toten und mehr als 6000 Verletzten war das Ereignis der bisher schwerste Terroranschlag der Geschichte. Hauptfolge war der langjährige Antiterrorkrieg der USA und ihrer Verbündeten. Das Anschlagsdatum wird daher mitunter als historische Zäsur gedeutet.

Zu den Gedenkstätten für die 9/11-Opfer gehören das National September 11 Memorial and Museum, das Pentagon-Denkmal und das Flight 93 National Memorial in den USA.

Anschläge

Ablauf

Am Morgen von 9/11 stiegen die 19 Täter in drei Fünfergruppen und einer Vierergruppe in vier zuvor gebuchte Linienflüge, zwei davon am Logan International Airport in Boston, die dritte am Washington Dulles International Airport, die vierte am Newark Liberty International Airport. Jede Gruppe entführte kurz nach dem Start ihr Passagierflugzeug und tötete dessen Piloten. Die ersten beiden Gruppen steuerten ihre Flugzeuge nacheinander in die WTC-Türme, die dritte Gruppe flog die Maschine in das Pentagongebäude, den Hauptsitz des US-Verteidigungsministeriums in Arlington (Virginia). Das vierte Flugzeug ließen die Entführer im Kampf mit Passagieren bei Shanksville abstürzen, so dass es Washington D.C. nicht erreichte.[1]

Die durch die Einschläge und das Flugbenzin ausgelösten anhaltenden Innenbrände ließen die WTC-Türme in den nächsten 102 Minuten einstürzen. Auch die durchschlagene Außenmauer des Pentagon stürzte ein. Trümmer des einstürzenden Südturms beschädigten das World Trade Center 7 stark und setzten einige Stockwerke in Brand, sodass es nachmittags ebenfalls einstürzte. Folgende Uhrzeiten der Einzelereignisse wurden festgestellt:[2]

Weitere Informationen Ortszeit, Ereignis ...
OrtszeitEreignisBild
8:14 5 Täter entführen American-Airlines-Flug 11.
8:42–46 5 Täter entführen United-Airlines-Flug 175.
8:46 Flug AA11 schlägt im WTC 1 ein.
8:51–54 5 Täter entführen American-Airlines-Flug 77.
9:03 Flug UA175 schlägt im WTC 2 ein.
9:28 4 Täter entführen United-Airlines-Flug 93.
9:37 Flug AA77 fliegt in das Pentagon.
9:59 WTC 2 stürzt ein.
10:03 United-Airlines-Flug 93 stürzt bei Shanksville ab.
10:10 Die getroffene Pentagonfassade stürzt ein.
10:28 WTC 1 stürzt ein.
17:20 WTC 7 stürzt ein.
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Reaktionen der Flugüberwachung

Weil die Entführer die Transponder ihrer Flugzeuge abstellten, konnten Fluglotsen diese nicht mehr automatisch orten. Ab 8:19 Uhr informierten zwei Flugbegleiterinnen von Flug AA11 die Federal Aviation Administration (FAA) über die laufende Entführung und nannten drei Sitzplatznummern der Entführer.[3] Um 8:37 Uhr informierte die FAA das North American Aerospace Defense Command (NORAD) und bat darum, Kampfjets aufsteigen zu lassen. Den NORAD-Fluglotsen war anfangs unklar, ob die Meldung Teil der gleichzeitigen Antiterrorübung Vigilant Guardian war, die auch simulierte Flugzeugentführungen umfasste. Um 8:46 Uhr starteten zwei Kampfjets von der Otis Air National Guard Base, deren Piloten jedoch keine Zielangaben erhielten. Sie wurden in einen Luftraum vor der Küste von Long Island geleitet, wo sie bis 9:13 Uhr hin- und herflogen.[4.1]

Nach dem Flugzeugeinschlag im Pentagon befahl das FAA-Hauptquartier um 9:42 Uhr allen Passagierflugzeugen im Luftraum der USA, beim nächstgelegenen Flughafen zu landen. Zehn Minuten zuvor hatte das vierte entführte Flugzeug seinen Kurs Richtung Osten geändert. Um 9:55 Uhr gab einer der Entführer eine Navigationsfrequenz des Ronald Reagan Washington National Airport in den Bordcomputer ein, um dorthin navigiert zu werden.[4.2] Einige Flugpassagiere erfuhren bei Bordanrufen von den Anschlägen auf das WTC und versuchten ab 9:57 Uhr in das Cockpit vorzudringen, um die Entführer zu überwältigen. Daraufhin lenkte deren Pilot das Flugzeug um 10:03 Uhr zu Boden.[4.3] Es zerschellte bei Shanksville, rund 100 Kilometer östlich von Pittsburgh. Erst um 10:15 Uhr erfuhr NORAD davon. Erst um 10:31 Uhr erhielt der Northeast Air Defense Sector (NEADS) in Rome (New York) den Befehl, entführte Flugzeuge abzufangen und abzuschießen.[4.4]

Rettungseinsätze

Den Einschlag im WTC 1 hielten die Behörden in New York City für einen Unfall. Folglich forderten sie die Menschen im benachbarten WTC 2 auf, Ruhe zu bewahren und am Arbeitsplatz zu bleiben. Weil Fernsehsender weltweit ab 8:48 Uhr berichteten, erfolgte der Einschlag ins WTC 2 vor laufenden Kameras. Damit war klar, dass es sich um gezielte, koordinierte Terroranschläge handelte. Daraufhin versuchten das New York City Fire Department (FDNY) und hunderte Ersthelfer, die oberhalb der Einschlagstellen eingeschlossenen Menschen zu retten, und begannen die Evakuierung aller WTC-Gebäude.

Auch das Büro des für Rettungseinsätze zuständigen New York City Emergency Management (OEM) im WTC 7 wurde evakuiert. Darum mussten das FDNY, das New York City Police Department (NYPD) und das Port Authority of New York and New Jersey Police Department (PAPD) die Rettungseinsätze unkoordiniert und mit verschiedenen Kommunikationssystemen durchführen.[4.5] FDNY-Einsatzleiter Joseph W. Pfeifer sah den ersten Flugzeugeinschlag und meldete ihn sofort der Einsatzzentrale. Das PAPD befahl daraufhin, den Nordturm komplett zu evakuieren. Minuten später trafen die ersten Feuerwehreinheiten ein und errichteten einen provisorischen Kommandostand in der verwüsteten Lobby des Nordturms. Anfangs wollten sie Verletzte aus den Einschlagszonen bergen und die Brände dort löschen. Nach dem zweiten Einschlag erkannten die Einsatzleiter, dass es dazu keine Chance gab, und konzentrierten sich auf die Evakuierung beider Türme.[4.6] Da alle Fahrstühle ausgefallen waren, hätte der Transport schwerer Löschmittel durch die Treppenhäuser in die brennenden Etagen zu lange gedauert. Zwar ließen sich alle Bürotüren zu Treppenhäusern trotz der Brände manuell öffnen, doch nicht die Türen zu den Dächern. Diese hatten keine Landeplätze für Helikopter. Bei Notfallübungen hatte man die WTC-Mitarbeiter nicht darüber informiert.[4.7] Daher standen viele, die sich über die Dächer retten wollten, vor versperrten Türen und wurden dann in den oberen Etagen von Bränden und Rauch eingeschlossen.[4.8]

Das NYPD sicherte zuerst die Umgebung des WTC ab, unterstützte dann die Evakuierung und begann, den Ablauf der Anschläge zu ermitteln. Mit drei Helikoptern beobachteten die NYPD-Leiter die Lage in den Türmen, erreichten die FDNY-Leiter jedoch nicht. Bald überlasteten tausende Notrufe die Notrufleitungen, vor allem der oberhalb der Einschlagszonen Eingeschlossenen. Weil herabstürzende Menschen und Trümmer die Rettungskräfte am Boden gefährdeten, richtete das FDNY eine Kommandostelle im Hotel Marriott (WTC 3) ein. Über dessen Seitenzugang zum Südturm und Zugänge des WTC 5 und WTC 6 wurden viele Menschen evakuiert.[4.9] Insgesamt konnten mehr als 15.000 von 17.400 Personen (87 Prozent) die Türme rechtzeitig verlassen.[5]

Der Einsturz des WTC 2 riss hunderte noch darin befindliche Menschen, Rettungskräfte und viele Passanten in den Tod und zerstörte auch das WTC 3 mit der Kommandostelle.[4.10] Danach zogen die meisten Einsatzleiter die Rettungskräfte aus WTC 1 ab; doch einige erfuhren in dessen fensterlosen Treppenhäusern nichts vom Geschehen. Der folgende Einsturz des WTC 1 begrub 1.355 noch in den oberen Stockwerken Eingeschlossene, viele Ersthelfer und Passanten am Boden.[6] Nur in einem fast unversehrten Treppenhaus überlebten 18 Personen.[4.11]

Getötete und Verletzte

Der terroristische Massenmord jenes Tages kostete insgesamt 2.996 Menschen aus 92 Staaten ihr Leben.[7] 372 Opfer waren keine US-Bürger,[8] darunter elf Deutsche und zwei Schweizer.[7]

Weitere Informationen Flug, Getötete Passagiere ...
FlugGetötete PassagiereAm Anschlagsort GetöteteGesamt
AA 11
UA 175
92
65
WTC 1+2: 26062763
AA 7764Pentagon: 125189
UA 9344Shanksville44
Gesamt[9]26527312996
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Die meisten Opfer hatten in Büros oberhalb und rund um die Einschlagstellen der WTC-Türme gearbeitet. Vor deren Einsturz stürzten sich geschätzt etwa 200 Menschen, die von Fluchtwegen abgeschnitten und dem Verbrennen oder Ersticken ausgesetzt waren, aus den Gebäuden in den Tod.[10]

438[11] bis 478 von rund 1.000 Ersthelfern, darunter 343 Feuerwehrmänner, starben bei den WTC-Einstürzen.[4.12] Mehr als 6.000 Menschen wurden durch die Anschläge akut verletzt.[12] Geschätzt mehr als 10.000 Kinder verloren dabei mindestens einen Elternteil.[13] Mit diesen Opferzahlen war 9/11 der schwerste Terroranschlag der Geschichte.[14]

Sämtliche Trümmer und Reste der eingestürzten Gebäude und dabei zerstörter Objekte, etwa Autowracks, wurden auf die ehemalige Bauschuttdeponie Fresh Kills Landfill auf Staten Island gebracht. Dort suchten Spezialisten der World Trade Center Recovery Operation nach Genmaterial der Getöteten. Bis Ende 2006 identifizierten sie 1.603 Opfer, davon 86 Prozent durch fortlaufend verbesserte DNA-Analysen. Ab 2003 wurden pro Jahr jedoch nur noch wenige Tote identifiziert,[15] so bis 2008 auch 13 der 19 Entführer.[16] Bis August 2025 stieg die Gesamtzahl der identifizierten New Yorker Opfer auf 1.653.[17]

37.305 der rund 65.000 Aufräumarbeiter und Ersthelfer erlitten in den Folgejahren posttraumatische Belastungsstörungen, Erkrankungen der Atemwege oder Krebs, verursacht durch die bei den Einstürzen freigesetzten toxischen Schadstoffe am Ground Zero. Bürgermeister Rudy Giuliani und die Environmental Protection Agency hatten diese Gesundheitsgefahr geleugnet.[18] Bis September 2025 starben nochmals um die 400 Rettungskräfte an solchen Erkrankungen.[19]

Gebäudeschäden

Nach dem Abschlussbericht des National Institute of Standards and Technology (NIST) zerstörte der erste Flugzeugaufprall im WTC 1 auf sieben Stockwerken 35 von 236 Außenpfeilern und sechs von 47 Innenpfeilern sowie an 43 davon die Brandschutzbeschichtung. Alle drei Treppenhäuser stürzten ein und unterbrachen die Fahrstuhlverbindungen oberhalb des 60. Stockwerks. Etwa 15 % der 38.000 Liter Kerosin an Bord explodierten beim Aufprall, weitere 35 % verteilten sich in Feuerbällen durch die Aufzugsschächte, sprengten Türen, Wände und viele Fenster; der Rest lief im Gebäude aus.[20] Der zweite Aufprall im WTC 2 erfolgte mit höherem Tempo, tiefer, und zerstörte auf neun Stockwerken 33 von 236 Außenpfeilern, darunter einen Eckpfeiler, sowie zehn von 47 Innenpfeilern. An 39 davon löste er die Brandschutzbeschichtung ab. Auch hier verbrannten etwa 15 % von 34.500 Litern Kerosin sofort.[21]

Trümmer der einstürzenden WTC-Türme zerstörten fünf weitere WTC-Gebäude oder beschädigten sie so stark, dass alle sieben Gebäude der World Trade Center Site abgerissen werden mussten. Zerstört wurden zudem zwei U-Bahnstationen, die benachbarte St. Nicholas Greek Orthodox Church und mehrere Radio- und Fernseh-Antennentürme. Beschädigt wurden insgesamt 25 Gebäude in Lower Manhattan. Daher wurden später auch das Deutsche Bank Building und die Fiterman Hall der City University of New York abgerissen oder abgetragen.[22] Zu den stark beschädigten Gebäuden gehörte auch das New York Telephone Building.[23] Der Einschlag im Pentagon schlug eine Bresche durch drei Gebäudeteile der Westseite. Das explodierte Kerosin löste einen Großbrand aus.[22]

Untersuchungen

Zum Anschlagsplan und zum Verhalten der US-Sicherheitsbehörden

Das FBI begann am Anschlagstag unter dem Decknamen PENTTBOM Ermittlungen zu Tätern, Hintermännern und Helfern. Beteiligt waren bis zu 7.000 FBI-Agenten und Experten, die FBI-Direktor Robert Mueller in 30 Staaten sandte.[24]

Die Geheimdienstausschüsse des Senats und des Repräsentantenhauses der USA führten von Februar bis Dezember 2002 die Joint Inquiry into Intelligence Community Activities before and after the Terrorist Attacks of September 11, 2001 zu Vorkenntnissen der US-Geheimdienste von den Attentätern und ihren Plänen durch.[25]

Auf Drängen von Opfervereinen und gegen den Willen der Regierung setzte das Repräsentantenhaus im Herbst 2002 die 9/11-Kommission ein. Je fünf Abgeordnete der Demokraten und Republikaner sowie 78 Stabmitglieder untersuchten von Januar 2003 bis August 2004 auftragsgemäß die Planung der Anschläge, ihren Verlauf und die Reaktionen der US-Behörden. Sie befragten etwa 1200 Zeugen, darunter 120 Regierungsangehörige, inklusive US-Präsident George W. Bush, Vizepräsident Dick Cheney und Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice.[4.13] Weil Exekutivdirektor Philip Zelikow als Regierungsberater Kontakte zu Rice und Bushs Chefberater Karl Rove hatte, warfen Opferverbände und einige Kommissionsmitglieder ihm einen Interessenkonflikt vor.[26] Die Kommissionsleiter Thomas Kean und Lee H. Hamilton erfuhren Anfang 2004, dass die CIA angeforderte Verhörsvideos von al-Qaida-Mitgliedern zerstört hatte.[27] Im Februar 2004 erhielt die Kommission alle PENTTBOM-Funde; das FBI setzte seine Ermittlungen fort.[28]

Der Abschlussbericht vom Juli 2004 zeigte gravierende systemische Fehler aller beteiligten US-Behörden vor 9/11 auf: CIA und FBI hatten ihre Kenntnisse nicht ausgetauscht, eingereiste Al-Qaida-Mitglieder in den USA nicht überwacht, verdächtige Inlandspassagiere an Flughäfen waren nicht kontrolliert worden, Befehlswege der NORAD zu entführten Flugzeugen dauerten zu lange. Bush hatte von Januar 2001 bis 9/11 mehr als 40 Tageskurzberichte zu Bin Laden und al-Qaida erhalten; der vom 6. August 2001 hatte vor einem multiplen Anschlag in den USA mit entführten Flugzeugen und möglichen Zielen in New York gewarnt.[4.13]

Für die Fehler Verantwortliche benannte der Bericht jedoch nicht und forderte keine persönlichen Konsequenzen. Besonders skandalöses Versagen blieb unerwähnt, etwa dass zwei Warnungen von FBI-Agenten vor terrorverdächtigen Flugschülern und Hinweise der Defense Intelligence Agency (DIA) auf vier al-Qaida-Mitglieder in den USA ans Weiße Haus unbeachtet geblieben waren.[29] Der Bericht empfahl eine humane Behandlung aller Inhaftierten gemäß den Genfer Konventionen, stützte sich aber selbst auch auf durch Folter erhaltene Verhöraussagen mutmaßlicher al-Qaida-Mitglieder. Eventuell hatten Nachfragen an die CIA unabsichtlich sogar Folterverhöre veranlasst.[27]

Nach Angaben des Offiziers Anthony Shaffer von 2005 hatte das United States Special Operations Command (SOCOM) mit seinem Programm Able Danger alle vier späteren Entführerpiloten schon 1999 als Mitglieder einer al-Qaida-Terrorzelle identifiziert und dem FBI im Frühjahr 2001 gemeldet. Bis Sommer 2001 hatte die DIA sämtliche Spuren des Programms zerstören lassen. Der Geheimdienstausschuss des US-Senats prüfte den Vorgang und berichtete im Dezember 2006, Able Danger habe keinen einzigen Terrorpiloten identifiziert.[30]

Spätere Netzwerkforschung an der University of Florida und am Complexity Science Hub Vienna analysierte die Fortbewegungsmuster und engen sozialen Beziehungen der Attentäter vor 9/11 und erklärte damit die Resilienz und Handlungsfähigkeit von al-Qaida.[31]

Zu Rettungseinsätzen und Gebäudeeinstürzen

Der Bericht der Beratungsfirma McKinsey & Company von 2002 zu den Rettungseinsätzen der FDNY im und am WTC an 9/11 empfahl, die Kommunikationssysteme, Führungsstrukturen und Einsatzrichtlinien zu verbessern, um künftig bei solchen Ereignissen mehr Menschenleben zu retten.[32]

Die Federal Emergency Management Agency (FEMA) untersuchte bis Mai 2002 vorläufig die bautechnischen Ursachen für den Einsturz der WTC-Gebäude.[33] Am 1. Oktober 2002 erhielt das National Institute of Standards and Technology (NIST) einen gesetzlichen Forschungsauftrag dazu,[34] dessen Einzelaufgaben es an Experten verschiedener Vertragspartner delegierte.[35] Es gab in der Folge mehrere Berichte zu den Einsturzursachen heraus.[36] Dazu gehörte eine von mehr als 300 Experten und Wissenschaftlern erstellte ausführliche Studie zu WTC 1–6 (erschienen September 2005).[37] Der mehrfach verschobene Abschlussbericht zu WTC 7 erschien im November 2008.[38] Fact Sheets fassten die wichtigsten Fragen zu den Einsturzursachen und Antworten des NIST darauf zusammen.[39]

Wissenschaftler ohne Regierungsauftrag hatten die Einsturzursachen der WTC-Türme schon wenige Tage nach 9/11 berechnet und Aufsätze dazu veröffentlicht.[40] Wissenschaftler der Purdue University (Indiana) belegten bis 2007 mit einem neuen hochpräzisen Simulationsmodell, dass der Einschlag im Nordturm 17 von 47 tragenden Stützen zerstört hatte und der Einsturz nach knapp zweistündigem Feuer unausweichlich wurde. Schon die vom NIST angenommene Zerstörung von sechs Stützen hätte bei den anhaltenden Innenbränden zum Kollaps genügt.[41]

Täter

Osama bin Laden und al-Qaida

Al-Qaida-Gründer Osama bin Laden

Nach späteren Ermittlungsergebnissen hatte Osama bin Laden, der Gründer des Terrornetzes al Qaida, den Anschlagsplan mit Chalid Scheich Mohammed und Mohammed Atef seit 1993 entwickelt und mitfinanziert, die Flugzeugentführer Ende 1999 ausgewählt und ihnen befohlen, in die USA zu reisen und sich dort zu Piloten ausbilden zu lassen.[42]

Bin Laden wählte die WTC-Türme als Ziele aus, weil sie die Finanzmacht der USA symbolisierten. Er erwartete, ihre Zerstörung werde die Finanzmärkte verwüsten und eine Rezession in den USA auslösen. Zudem wollte er den weitgehend erfolglosen Bombenanschlag auf das World Trade Center 1993 wettmachen. Das Pentagon wurde ausgewählt, um das US-Militär zu beschämen, einen Angriff der USA auf afghanische al-Qaida-Einrichtungen von 1998 zu rächen und einen sofortigen Gegenschlag der USA zu erschweren. Als viertes Ziel sollte die politische Führung der USA getroffen werden.[43] Dazu bevorzugte Bin Laden im Januar 2001 das Weiße Haus und ließ dies dem Koordinator der Flugzeugentführer Mohammed Atta ausrichten.[4.14] Nach Angaben von Chalid Scheich Mohammed und Ramzi Binalshibh im Juni 2002 wählte Atta jedoch das Kapitol als viertes Ziel aus, da es leichter anzufliegen gewesen sei.[44]

In seinem Terrorismusbericht vom 10. September 2001 hatte der Congressional Research Service al-Qaida als Hauptgefahr für die USA genannt, auf höchst aktive al-Qaida-Zellen im Land und auf Bin Laden auf dem FBI-Steckbrief der zehn weltweit meistgesuchten Straftäter verwiesen. Sofort nach dem zweiten Flugzeugeinschlag vermutete Bushs CIA-Berater, Bin Laden und al-Qaida seien die Urheber. Um 9:15 Uhr Ortszeit fing die National Security Agency (NSA) ein Telefonat ab, in dem ein afghanischer al-Qaida-Vertreter seinem Gesprächspartner „gute Nachrichten“ mitteilte: „Wir haben die Ziele getroffen.“[45]

Ab 12. September 2001 begrüßte Bin Laden die Anschläge öffentlich als Willen Allahs und dankte den Attentätern, behauptete aber zunächst, er habe ihr Vorhaben nicht gekannt und nicht geplant. Der Islam verbiete streng, unschuldige Menschen zu verletzen. Al Qaida lehne das amerikanische System, nicht die Amerikaner ab. Bald darauf verherrlichte er die Attentäter als Helden, die die Schlacht ins Herz Amerikas getragen hätten. Seine (Bin Ladens) Worte hätten sie zu dieser „Selbstverteidigung“ für die Palästinenser angestiftet. Wenn man das Terrorismus nenne, dann bezeuge er: „Wir sind Terroristen.“ Kurz darauf wurde bekannt, dass er am Abend von 9/11 mit seiner Mutter telefoniert und sie auf Allahs große Tat zuvor hingewiesen hatte.[46]

Im November 2001 fand die US-Armee in Dschalalabad ein Videoband von einem Gespräch auf Arabisch, das Bin Laden einige Wochen nach 9/11 mit einem al-Qaida-Mitglied geführt hatte. Darin nannte er einige Entführer namentlich, lobte sie und erklärte, er habe ihnen die Anschlagsziele erst in den USA genannt und nicht mit dem vollständigen Einsturz der WTC-Gebäude gerechnet. Dies stellten unabhängige Übersetzer fest, die die fehlerhafte Erstübersetzung des Pentagon überprüften.[47] Das Video galt als ultimativer Beweis für Bin Ladens Schuld. Zudem schrieben die USA 20 al-Qaida-Führer als Mittäter zur Fahndung aus, darunter Ayman al-Zawahiri und Abdul Hadi al-Iraqi.[48]

Am 29. Oktober 2004, kurz vor der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2004, wandte sich Bin Laden an die US-Bürger, erklärte, wann und warum er auf die Idee von 9/11 gekommen sei, und drohte mit weiteren solchen Anschlägen, falls die USA ihre Nahostpolitik nicht änderten.[49] In weiteren Video- und Audiobotschaften machte er seine Anschlagsplanung deutlich. Als Hauptmotiv dafür nannten er und seine Mitplaner stets die Unterstützung der USA für Israel und dessen Politik gegenüber den Palästinensern.[50]

Im Februar 2002 hatte FBI-Vizedirektor Dale Watson vor dem US-Kongress die Kontakte der 19 Attentäter zu al-Qaida belegt und Bin Ladens Verantwortung für 9/11 „klar und unwiderlegbar“ genannt.[51] Dagegen erklärte FBI-Pressesprecher Rex Tomb noch 2006, das FBI habe für eine förmliche Anklage Bin Ladens in den USA „nicht genug harte Beweise“.[52]

In einem 2011 in Abbottabad gefundenen Brief vom September 2002 mit der Überschrift „Der Ursprung der Idee zum 11. September“ verwies Bin Laden auf den absichtlich herbeigeführten Absturz von Egypt-Air-Flug 990 am 31. Oktober 1999: „So wurde die Idee von 9/11 in meinem Kopf geboren und entwickelt, und zu diesem Zeitpunkt begannen wir mit der Planung.“ Nur Mohammed Atef und Abu al-Khair hätten davon gewusst.[53]

Attentäter

Bis zum 13. September 2001 ermittelte das FBI aus vier gefundenen Reisepässen,[54] Passagierlisten, Buchungen von Mietwagen, Hotels und Flügen sowie Eincheckdaten die Klarnamen aller 19 mutmaßlichen Flugzeugentführer.[4.15] Sieben davon identifizierte Abu Jandal, ein seit 2000 im Jemen inhaftierter langjähriger Leibwächter Bin Ladens, auf Fotografien als al-Qaida-Mitglieder.[55]

Am 27. September 2001 veröffentlichte das FBI Fotografien und Namen der 19 angenommenen Täter.[56] Ein BBC-Bericht über die mit lebenden Personen verwechselbare Schreibweise einiger Namen wurde später korrigiert.[57] Ihre Namen lauten:[4.16]

Weitere Informationen Flug, Pilot ...
FlugPilotFotoÜbrige Entführer
AA11Mohammed Atta (33)
Abdulaziz al-Omari
Satam al-Suqami
Wail al-Shehri
Waleed al-Shehri
UA175Marwan al-Shehhi (23)
Fayez Banihammad
Mohand al-Shehri
Ahmed al-Ghamdi
Hamza al-Ghamdi
AA77Hani Handschur (29)
Khalid al-Mihdhar
Majid-Moqed
Nawaf al-Hazmi
Salem al-Hazmi
UA93Ziad Jarrah (26)
Saeed al-Ghamdi
Ahmed al-Nami
Ahmed al-Haznawi
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15 davon waren Staatsbürger Saudi-Arabiens, Banihammad und al-Shehhi stammten aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Atta kam aus Ägypten, Jarrah aus dem Libanon.[58]

Bis zum 28. September 2001 fand das FBI an drei Stellen eine Geistliche Anleitung und ordnete sie drei der vier Entführerpiloten zu. Attas Exemplar lag in seiner Reisetasche am Flughafen Boston und war mit einer „Fibel für Selbstmordattentäter“ kombiniert.[59] Darin stand etwa: „Öffne dein Herz, heiße den Tod im Namen Gottes willkommen […] denn du bist nur einen kurzen Moment entfernt von dem guten, ewigen Leben in der Gesellschaft von Märtyrern.“[60]

Im Jahr 2002 veröffentlichte das FBI weitere biografische Details der 19 Täter. Alle stammten aus wohlhabenden, angesehenen, eher säkular eingestellten Familien und waren zu Auslandsstudien qualifiziert gewesen. Erst dabei hatten sie Kontakte zu radikalislamischen Predigern gefunden, die den Dschihad gegen den Westen propagierten. Zu ihrer Ideologie gehörten der Glaube an eine jüdische Weltverschwörung, das Bild eines imperialistischen Westens, der die islamische Welt kolonisiere und fortgesetzt demütige, und ein Hass auf die von der Globalisierung erzeugte weltweite soziale Ungerechtigkeit.[61]

Atta, Binalshibh, Jarrah und al-Shehhi hatten zuvor jahrelang als Technologiestudenten in Hamburg gelebt und dort ab 1998 mit weiteren Gleichgesinnten die Hamburger Terrorzelle gebildet.[62] Sie besuchten regelmäßig die al-Quds-Moschee Hamburg und hatten engen Kontakt zu deren islamistischem Prediger Mohammed Fazazi.[63] Im Herbst 1997 war Atta einige Monate ins Ausland gereist, hatte dann seinen Pass als verloren gemeldet und im Oktober 1999 zunächst eine United States Permanent Resident Card beantragt. Daher wird vermutet, dass er seit 1997 Kontakt zu al-Qaida hatte und Bin Ladens Anschlagsplan kannte.[64]

Im November 1999 trafen Binalshibh, Jarrah und al-Shehhi den al-Qaida-Rekruteur Mohamedou Ould Slahi, der ihnen ein Dschihadtraining in Afghanistan nahelegte, sie anwies, sich dazu Visa für Pakistan zu besorgen, und ihnen einen Taliban als Kontaktmann zur Weiterreise nach Afghanistan nannte. In den Folgewochen reisten die drei und Atta getrennt dorthin.[4.17] Im Dezember 1999 nahmen drei der vier in der Provinz Paktia an einem ersten Vorbereitungskurs für die Anschläge teil. Dort wählte Osama Bin Laden sie wegen ihrer technischen Kenntnisse zu künftigen Anschlagspiloten aus und machte Atta zum Leiter der gesamten Operation.[4.18] Nach ihrer Rückkehr nach Hamburg im März 2000 besorgten sie sich wie befohlen neue Reisepässe, um in die USA einzureisen und sich dort an Flugschulen zu bewerben.[65]

Bis Anfang 2001 erwarben Atta und al-Shehhi an einer Flugschule in Florida, Jarrah zudem in Mülheim an der Ruhr ihre Pilotenlizenzen. Dann begannen sie das Training am Simulator für Passagierflugzeuge und unternahmen Erkundungsflüge. Weil die US-Behörden Binalshibh nicht einreisen ließen, bestimmte Bin Laden den schon dort studierenden Hani Handschur als Ersatzpiloten.[66] Im Frühjahr 2001 informierte er nur Atta über die Anschlagsziele. Atta koordinierte in den USA dann alle übrigen ausgewählten und eingereisten Attentäter. Er soll das Anschlagsdatum 9/11 festgelegt haben.[67]

Saudi-arabische Unterstützer

Da 15 der 19 Attentäter saudische Staatsbürger waren, vermuteten Ermittler Beihilfen zur Anschlagsvorbereitung aus Saudi-Arabien. Der Bericht der Joint Inquiry vom November 2002 stellte fest: Khalid al-Mihdhar und Nawaf al-Hazmi waren der CIA als al-Qaida-Mitglieder bekannt und wurden nach ihrer Ankunft in Kalifornien im Februar 2000 überwacht, ohne das FBI darüber zu informieren. Sie hatten damals Kontakte zu den mutmaßlichen saudischen Geheimdienstagenten Omar al-Bayoumi und Osama Bassnan sowie zu dem Diplomaten Fahad al-Thumairy am saudischen Konsulat in Los Angeles. Die drei Kontaktmänner halfen ihnen bei der Wohnungssuche und finanziell. Bassnan erhielt (angeblich für die beiden) eine Geldspende der saudischen Königstochter Haifa bint Faisal, der Gattin von Prinz Bandar ibn Sultan, dem damaligen saudischen Botschafter in den USA. Kontakte der saudischen Helfer zu anderen 9/11-Tätern nannte der Bericht nicht und betonte, die Schlüsse aus den Funden seien vorläufig. 2004 schloss der Bericht der 9/11-Kommission jede Beteiligung von Saudi-Arabiens Regierung oder einzelnen ihrer Mitglieder an der Anschlagsplanung und jede wissentliche oder unwissentliche Beihilfe dazu aus. Auch für direkte oder indirekte Spenden an die Täter habe man keine Beweise gefunden, wohl aber für private Geldspenden saudischer Bürger an al-Qaida.[68]

Der Verdacht zu Regierungsbeihilfen für al-Qaida blieb jedoch bestehen, weil die US-Regierung das Kapitel der Joint Inquiry (28 Seiten) dazu sowie die Interviews der 9/11-Kommission mit Bandar und dem Geheimdienstchef Turki ibn Faisal geheim hielt. 2007 bezeugte Bandar, der saudische Geheimdienst habe die Reisewege der meisten Attentäter in den USA präzise überwacht. Wären die US-Sicherheitsbehörden ernsthaft auf ihre saudischen Partner eingegangen, hätte man 9/11 verhindern können.[69] Dagegen bezeugte der in den USA verurteilte al-Qaida-Terrorist Zacarias Moussaoui im Februar 2015 unter Eid, Mitglieder der Saudi-Dynastie, darunter Bandar, hätten an al-Qaida gespendet.[70] Bin Laden habe direkte Geschäfte mit saudischen Beamten gemacht.[71]

2015 überprüfte das FBI alles seit 2004 gefundene Material zur 9/11-Planung, darunter Verhörsprotokolle von inhaftierten al-Qaida-Mitgliedern und Dokumente aus Bin Ladens Versteck in Pakistan. Laut dem Leiter Bruce Hoffman bestätigte die Prüfung die Funde der 9/11-Kommission zu den verantwortlichen Tätern. Doch die damalige US-Regierung unter Barack Obama hielt das Spurenmaterial weiter geheim.[72]

US-Senator Bob Graham durfte die 28 gesperrten Seiten lesen und bekräftigte im April 2016, sie enthielten Belege für „substantielle Hilfe“ der saudischen Regierung, saudischer Wohlfahrtsverbände und Einzelpersonen für die beiden in Kalifornien eingereisten Attentäter. Bayoumi soll ihnen auch einen Sprachkurs und die Anmeldung zum Flugunterricht vermittelt, Bassnan seinerseits al-Qaida unterstützt und regelmäßig Spenden von Bandar und dessen Frau erhalten haben.[73] Der mutmaßliche saudische Agent Bayoumi hatte am Ankunftstag von Midhar und al-Hazmi ausgiebig mit dem späteren al-Qaida-Sprecher Anwar al-Awlaki telefoniert. Weitere Saudis sollen den beiden Ausweispapiere besorgt haben.[74]

Im Juli 2016 gab der US-Kongress die 28 Seiten frei.[75] Demnach hatten saudische Regierungsvertreter in den USA eventuell auch unabhängig von den Attentätern Bezüge zu al-Qaida. Laut dem 9/11-Kommissionsbericht hatten US-Geheimdienste verdächtige Saudis in den USA vor 9/11 wegen der damaligen guten Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Staaten kaum überwacht. Danach habe Saudi-Arabiens Regierung die US-Ermittlungen mehrfach behindert.[76]

Der Historiker Daniel Pipes hatte schon 2010 geurteilt: „Die Anschläge von 9/11 basierten auf saudischer Ideologie, saudischer Finanzierung, saudischem Personal und saudischer Organisation.“[77]

Militärische Reaktionen

George W. Bush am 20. September 2001

US-Präsident

US-Präsident George W. Bush erfuhr bei einer Schülervorlesung in Sarasota (Florida) ab 9:00 Uhr Ortszeit vom ersten, kurz darauf vom zweiten Anschlag auf das WTC. Er setzte die Lesung zunächst fort, telefonierte dann mit Beratern und Vizepräsident Dick Cheney; dabei soll er ihm den Abschuss entführter Passagierflugzeuge befohlen haben. Dann flog man ihn zu seinem Schutz mit der Air Force One zu verschiedenen Luftwaffenstützpunkten. Gegen 19:00 Uhr erreichte er das Weiße Haus und gab CIA und FBI freie Hand zur Täterermittlung.[78] In seiner Rede an die Nation um 20:30 Uhr sprach er von „bösen Terrortaten“ und kündigte eine militärische Vergeltung an.[79]

Am 20. September 2001 erklärte er in einer außerordentlichen State of the Union Address vor dem US-Kongress den Krieg gegen den Terror. Al Qaida hasse die Demokratie. Jede Nation überall müsse sich nun entscheiden: „Entweder seid ihr mit uns, oder ihr seid mit den Terroristen.“ Von nun an würden die USA jede Nation, die Terroristen weiter unterstütze und beherberge, als Feind ansehen. Terrorismus als Bedrohung „unserer Lebensweise“ müsse gestoppt, eliminiert und zerstört werden, wo immer er wachse. Auf dem Spiel stehe nicht nur Amerikas Freiheit. Es sei ein Kampf der ganzen Welt und der Zivilisation. Der Fortschritt menschlicher Freiheit hänge nun von Amerikas Antwort ab. Damit beanspruchte Bush eine moralische Autorität der zivilisierten Welt, besonders der USA, und stellte rhetorisch die Weichen für eine weltweite Mobilisierung der Staatsmacht gegen den islamistischen Terror im Namen der Nationalen Sicherheit.[80]

Die Rede wurde parteiübergreifend begrüßt. Danach stimmten bis zu 90 Prozent der befragten US-Bürger Bushs Amtsführung zu.[81]

UNO, NATO, Drittstaaten

Am 12. September 2001 verurteilte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mit Resolution 1368 einstimmig die Anschläge und erlaubte den USA militärische Selbstverteidigung. Am selben Tag erklärte der NATO-Rat, es liege ein Bündnisfall vor, sobald ein Angriff auf die USA vom Ausland aus erwiesen sei. NATO-Generalsekretär George Robertson verkündete am 2. Oktober, da die USA Beweise dafür vorgelegt hätten, trete Artikel 5 des Nordatlantikvertrags in Kraft. Am 4. Oktober beschlossen die 19 NATO-Staaten einstimmig den Bündnisfall und verpflichteten sich damit zur militärischen Unterstützung der USA.[82] Sie beschlossen politische Solidarität, militärlogistische Hilfen, verstärkte Zusammenarbeit der Geheimdienste, Blankoüberflugrechte für die United States Air Force und wollten ständige Seestreitkräfte in den östlichen Mittelmeerraum verlegen, bei Bedarf auch luftgestützte NATO-Frühwarneinheiten. Den bewaffneten Einsatz eigener Streitkräfte boten sie nicht an.[83]

Russlands Staatspräsident Wladimir Putin schloss den Einsatz russischer Truppen an der Seite von USA und NATO nicht aus, falls der UN-Sicherheitsrat dies beschließen würde. Der Iran schloss seine Grenze nach Afghanistan und kündigte die Unterstützung der dortigen Nordallianz gegen das Talibanregime an.[84] Ab Dezember 2001 unterstützten einige Staaten Europas den Krieg der USA in Afghanistan, darunter Deutschland mit dem Bundeswehreinsatz in Afghanistan.[85]

Krieg in Afghanistan

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wollte ab 9/11 mehrere Staaten zugleich angreifen, darunter den Irak, um dessen Regime zu stürzen; nicht aber Saudi-Arabien. Dagegen erreichte Außenminister Colin Powell, dass dem afghanischen Talibanregime zuerst ein Ultimatum zur Auslieferung Bin Ladens an die USA gestellt wurde. Die Taliban boten stattdessen an, Bin Laden selbst vor Gericht zu stellen oder an ein Nachbarland auszuliefern. Die US-Regierung ließ das Angebot unbeachtet und schloss Verhandlungen darüber aus.[86]

Am 7. Oktober 2001 begann die US-Armee die Operation Enduring Freedom mit dem Ziel, das Talibanregime unter Mullah Omar zu stürzen und das mit ihm verbündete Terrornetz al-Qaida zu zerstören. Dazu bombardierte sie Talibanstellungen und Infrastruktur in Afghanistan. Am 13. November 2001 nahm die mit ihnen verbündete Nordallianz Kabul kampflos ein. Bis zum Jahresende wurde das Talibanregime gestürzt.[87]

Bin Laden gelang bei der Schlacht um Tora Bora im Dezember 2001 die Flucht,[88] auch, weil Bush keine US-Bodentruppen nach Afghanistan senden wollte.[89] Am 2. Mai 2011 spürte eine Spezialeinheit der US-Armee Bin Laden in Abbottabad auf und tötete ihn bei der Operation Neptune Spear im Auftrag von US-Präsident Barack Obama.[90]

Krieg im Irak

Schon vor 9/11 hatte Bush den Diktator des Irak, Saddam Hussein, für die größere Gefahr gehalten und seinen Sturz angestrebt.[89] Im September 2002 leitete er aus dem Antiterrorkrieg ein Recht der USA auf Präventivschläge ab (Bush-Doktrin). Zur Begründung des Irakkriegs behauptete seine Regierung eine Zusammenarbeit Saddams mit al-Qaida und seine Verfügung über auch entfernt einsetzbare Massenvernichtungsmittel. Dem widersprachen UN-Waffeninspektoren und einige Staaten. Deutschland, Frankreich, Russland und die Volksrepublik China lehnten die Bush-Doktrin und die Teilnahme am Irakkrieg ab. Nachdem der UN-Sicherheitsrat den USA im Februar 2003 kein Mandat dafür gab, bildete die US-Regierung eine „Koalition der Willigen“ und begann den Irakkrieg im März 2003 ohne UN-Mandat. Dabei wurde Saddam Hussein rasch gestürzt, doch es folgte ein jahrelanger, opferreicher Bürgerkrieg im Irak. Al-Qaida bildete dort neue Zweige und beging weitere verheerende Terroranschläge in anderen Staaten. 2007 folgte ein Aufstand gegen die US-Truppen im Irak. Darum galt der Antiterrorkrieg als gescheitert und wurde zunehmend auch in der US-Bevölkerung abgelehnt.[91]

Laut einer Studie an der Brown University starben von 9/11 bis Ende 2023 an direkter Gewalt im Antiterrorkrieg in Afghanistan, Irak, Jemen, Pakistan und Syrien insgesamt geschätzt mehr als 940.000 Menschen, davon 432.000 Zivilisten. An indirekten Kriegsfolgen starben geschätzt weitere 3,6 bis 3,8 Millionen, insgesamt also bis zu 4,7 Millionen Menschen.[92]

Illegale Formen der Terrorbekämpfung

Gefangene im Camp X-Ray, Januar 2002

Im Kriegsverlauf nahmen die US-Armee und ihre Verbündeten mehr als 1.200 Personen als Terrorverdächtige fest, meist Muslime, Araber oder Asiaten.[93] Rechtlich definierte die US-Regierung diese Häftlinge als „ungesetzliche Kombattanten“ und versuchte so, sie geltendem Völkerrecht, etwa Artikel 4 des 3. Genfer Abkommens über die Behandlung von Kriegsgefangenen, und Folterverboten im US-Strafrecht zu entziehen.[94]

Man brachte sie in Black Sites (Geheimgefängnisse) außerhalb der USA wie das Militärgefängnis Bagram und in das Gefangenenlager der Guantanamo Bay Naval Base. Dort wurden sie isoliert und jahrelang ohne Bekanntgabe ihrer Identität, Anklage und Rechtsbeistand festgehalten.[95] Mindestens 136 davon ließ die CIA im Ausland entführen oder illegal gefangen halten, darunter auch zwei deutsche Staatsbürger. Dabei halfen insgesamt 54 Staaten, darunter Deutschland, Österreich und fünf weitere EU-Staaten. Auch Polen und Rumänien richteten Geheimgefängnisse für sie ein. Pakistan, Ägypten, Afghanistan und Jordanien unterzogen sie in ihren Haftanstalten auch der Folter.[96]

Ab Januar 2002 verhörten CIA-Spezialisten zunächst 158 dieser Gefangenen im neugebauten Camp X-Ray in Guantanamo.[97] Dabei setzten sie mutmaßliche Hauptverdächtige Methoden wie Schlafentzug und Waterboarding aus, die international als Folter verboten sind.[98] Das System geheimer Militärgefängnisse und die Foltermethoden wurden im Frühjahr 2004 durch den Abu-Ghuraib-Folterskandal bekannt und führten zu starken internationalen Protesten.[99] Im Juni 2004 setzte die CIA die Folter in ihren Lagern daher aus.[100]

Barack Obama hatte vor der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2008 versprochen, das Grundrecht jedes Häftlings auf ein rechtsstaatliches Verfahren (Habeas Corpus) wiederherzustellen und das Lager Guantanamo aufzulösen. 2009 ließ er das CIA-Folterprogramm einstellen und die geheimen Haftzentren schließen. Die für die Folter Verantwortlichen blieben jedoch straffrei. Zugleich weitete Obama Bushs Überwachungsprogramme aus und ließ Whistleblower dazu strafverfolgen.[101] Sein Vorhaben, Guantanamo zu schließen, scheiterte am Widerstand im US-Kongress.[102] Zudem vermehrte er gezielte Tötungen von Terrorverdächtigen mit Drohnen enorm. Dies kritisierten Juristen als Versuch, die Rechte von Gefangenen zu umgehen; andere verteidigten die Tötungen als notwendige Terrorprävention in einem bewaffneten Konflikt.[103]

Bis Ende 2016 wurden die meisten Guantanamohäftlinge freigelassen oder von Herkunftsstaaten aufgenommen. Die übrigen 41 wollte kein US-Bundesstaat in seine Haftanstalten aufnehmen. Ihre Freilassung galt als zu gefährlich. Darum bestand ihre unbefristete Haft fort.[104] Von anfangs rund 780 Personen waren im Oktober 2025 noch 15 in Guantanamo gefangen.[105]

Folgen in den USA

George W. Bushs Rede an die Nation am Abend des 11. September

Bevölkerung

9/11 erfüllte viele US-Bürger mit Angst, Wut und einem Gefühl der Verwundbarkeit. Viele griffen daraufhin andere Bürger, die sie wegen ihres Aussehens und Kleidungsmerkmalen für Muslime oder Araber hielten, verbal und körperlich an. Jeder, der Islam in den Vereinigten Staaten praktizierte, wurde als möglicher Terrorist betrachtet und zum potentiellen Ziel gewaltsamer Übergriffe, so dass sich viele Muslime wochenlang nicht mehr öffentlich zu zeigen wagten. In vielen Institutionen wurden Muslime diskriminiert und einem Racial Profiling ausgesetzt. Medien, die Terror weltweit dem Islam insgesamt anlasteten, aber auch manche landesweite und bundesstaatliche, primär gegen Muslime gerichtete Gesetzgebung bestätigten und verstärkten diese schon vor 9/11 in den USA verbreitete Haltung.[106] Auch Turban tragende Sikhs wurden in den USA beleidigt, angegriffen, bedroht und einige ermordet. Die US-Bürgerrechtskommission und das FBI registrierten einen 20-fachen Anstieg solcher Angriffe nach 9/11.[107] Bush besuchte daraufhin am 17. September 2001 öffentlich eine Moschee, verurteilte die Angriffe als illegale Racheakte, unterschied den Islam vom Terror und rief zu Toleranz gegenüber muslimischen US-Bürgern auf.[108]

Zugleich ließ Innenminister John Ashcroft bis 2004 willkürlich rund 5.000 Migranten in den USA ohne konkrete Verdachtsmomente verhaften, meist junge männliche Araber oder Muslime oder Bürger mit Nahostkontakten. Viele davon wurden wegen geringfügiger Vergehen gegen das Einwanderungs- oder Visarecht angeklagt oder als angeblich unentbehrliche Zeugen monatelang festgehalten und verhört. Letztlich konnte keinem einzigen Verhafteten der unterstellte Bezug zu al-Qaida nachgewiesen werden.[109]

Die Historikerin Jill Lepore hält eine angebliche neue nationale Einigkeit nach 9/11 für einen Geschichtsmythos und verweist auf heftige Angriffe auf Kritiker wie die Essayistin Susan Sontag, die die Außenpolitik der USA mit ihrer Unterstützung von Diktaturen als Mitursache von 9/11 benannten. Die rechtskonservative Autorin Ann Coulter forderte, die USA sollten auch ohne genauere Ermittlungen der Attentäter in deren „Länder einmarschieren, ihre Anführer töten und sie zum Christentum bekehren“. Der evangelikale Fernsehprediger Jerry Falwell erklärte Homosexuelle, Abtreibungsbefürworter und alle von seiner Vorstellung eines gottgefälligen Lebens Abweichenden für mitschuldig an 9/11. Solche Aussagen wurden öffentlich wiederum scharf kritisiert.[110]

Exekutive

Wegen 9/11 beanspruchte US-Präsident Bush eine alleinige Exekutivmacht über alle Regierungsbehörden. Dazu berief er sich als Oberbefehlshaber der US-Armee auf die seit den 1980er Jahren entwickelte Verfassungstheorie der „einheitlichen Exekutive“: Diese behauptet, der Präsident könne seine Exekutivmacht zum Schutz der nationalen Sicherheit ohne Kontrolle durch die Legislative und Judikative (US-Kongress und Gerichte) ausüben und allein über die Anwendung von Bundesgesetzen entscheiden. Diese Auslegung der Verfassung löste anhaltende Kontroversen in den USA aus, wurde jedoch auch nach Bushs Amtszeit beibehalten.[111]

Am 14. September 2001 verhängte Bush den Ausnahmezustand und verlängerte diesen jährlich in seiner achtjährigen Amtsdauer.[112] Dies taten auch die folgenden US-Regierungen, zuletzt 2024.[113] Damit wurde die Ausnahme zum Normalzustand.[114]

Am 18. September 2001 gab der Kongressbeschluss Authorization for the Use of Military Force (AUMF) Bush vorab und unbefristet freie Hand für Antiterrormaßnahmen aller Art, auch gegen Zivilisten, US-Bürger und zur Verhütung künftiger Anschläge.[115] Damit rechtfertigte Bush dann die rechtsstaatswidrige Einrichtung von Sondergerichten auf Guantanamo, Geheimgefängnissen im Ausland und ein geheimes Abhörprogramm der NSA gegen viele US-Bürger, das 2005 bekannt wurde.[116]

Im Oktober 2001 wies Vizepräsident Dick Cheney acht Inlandsgeheimdienste an, ein bestehendes Gesetz von 1978 zu umgehen, das unautorisierte Schleppnetz- und Rasterfahndung verboten hatte. Ab 26. Oktober 2001 erlaubte der USA Patriot Act Bundesbehörden zur Terrorbekämpfung weitreichende Eingriffe in Bürgerrechte, etwa Überwachen verdächtigter Personen ohne Richterbeschluss, geheimes Abhören von Telefonaten, Speichern von Verbindungsdaten, Ausspionieren von E-Mail-Kontakten, Einholen von personengebundenen Informationen bei Versicherungen, Geldinstituten und Arbeitgebern, Inhaftieren und Ausweisen von Ausländern ohne Angaben und richterliche Prüfung von Verdachtsmomenten und mit erschwerten Haftprüfungsrechten. Zwar erklärte der Supreme Court einige dieser Regeln ab 2004 für verfassungswidrig, doch im März 2006 verlängerte der US-Kongress unbefristet fast alle davon. Bush brach die Gesetzesauflage, den Kongress vollständig über die Umsetzung der Maßnahmen zu informieren.[117]

Im November 2002 wurde das Department of Homeland Security (DHS) gegründet, um die Sicherheitsbehörden der USA zu zentralisieren. Bis 2011 wuchs es mit 200.000 Mitarbeitern und einem Etat von 56 Milliarden US-Dollar zur zweitgrößten Bundesbehörde nach dem Pentagon.[118] Bis dahin wurden in den USA 263 Sicherheitsbehörden neu gegründet oder organisiert. 1200 staatliche Organisationen und 1931 private Firmen befassen sich seither mit Gefahrenabwehr.[117]

Wirtschaft

Die ökonomischen Folgen von 9/11 in den USA waren kurzfristig dramatisch, besonders in den Anschlagsgebieten und für bestimmte Branchen, mittel- und langfristig jedoch überschaubar. Die Anschläge dämpften das für das vierte Quartal 2001 erwartete Wirtschaftswachstum, lösten aber keine Rezession aus. Die Federal Reserve Bank kündigte sofort eine Erhöhung der Liquidität an und erhöhte diese bis zum 14. September 2001 um 100 Milliarden täglich. Die Europäische Zentralbank und Staatsbanken unterstützten die FED durch Dollarankäufe und Senkung von Kreditraten. Dies vermied wahrscheinlich eine Finanzkrise. Auch eine Ölpreiskrise und Panikverkäufe von auf dem US-Dollar basierenden Aktienanteilen blieben aus. Wegen der erhöhten Staatsausgaben für Sicherheitsmaßnahmen wurden jedoch ein Rückgang der Produktivität in den USA und des freien Welthandels erwartet.[119]

Am 17. September 2001 wurde der New York Stock Exchange wieder geöffnet; der Dow-Jones-Index verlor danach zunächst 7,1 Prozent.[120] Fluggesellschaften der USA verloren nach 9/11 täglich geschätzt 330 Millionen, bis Jahresende insgesamt 17,7 Milliarden US-Dollar. Bis zum 16. September 2001 gingen Flugbuchungen in den USA um 74 %, Hotelbuchungen um 19 % zurück. Die Tourismusbranche machte weltweit enorme Verluste. Dabei beschleunigte 9/11 vielfach nur tieferliegende strukturelle Ursachen der Einbrüche.[121]

Mehr als 18.000 Firmen und Geschäfte wurden durch 9/11 zerstört, unterbrochen oder verloren ihren Stammsitz. In New York City ging das Bruttosozialprodukt bis Ende 2002 um etwa 27,3 Milliarden US-Dollar zurück. Damit sanken auch die Steuereinnahmen der Stadt; zugleich stiegen deren Ausgaben für Schadensausgleich und Wiederaufbau enorm. Diese Folgen versuchte die US-Regierung mit günstigen Krediten für kleinere Unternehmen, diversen Schadensersatzmaßnahmen, Hilfen zur Schadensbeseitigung, Anreizen zum Wiederbeleben der lokalen Wirtschaft und Infrastruktur aufzufangen. Diese Hilfen beliefen sich bis Ende 2002 auf insgesamt 21,7 Milliarden US-Dollar. Rund 130.000 Beschäftigte, die infolge direkter Anschlagswirkungen entlassen wurden, erhielten verlängertes Arbeitslosengeld.[122]

Führende Forschungsinstitute der USA senkten ihre Prognosen für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA im Jahr 2001 nach 9/11 von 1,6 auf 1,1 %. Man erwartete den Verlust von etwa 598.000 Arbeitsplätzen und damit einen Anstieg der Arbeitslosenquote um 0,15 auf 4,73 %. Diese Prognosen wurden bis Jahresende beibehalten und entsprachen dem realen BIP. Im Jahresverlauf 2002 stieg das BIP entgegen ersten Prognosen kontinuierlich und erreichte insgesamt mit 2,4 % fast den vor 9/11 erwarteten Stand (2,7 %). Die Arbeitslosenquote dagegen blieb so hoch wie nach 9/11 erwartet (jobless recovery).[123] Das Wirtschaftswachstum zog in den USA ab 2002 auch wegen des enormen Deficit spending für die folgenden Kriege wieder an.[124]

Die durch 9/11 verursachten Gesamtschäden wurden auf 50, 200 oder 500 Milliarden, bei Einschluss der Sicherheitsausgaben in den USA bis 2011 auf mehr als eine Billion US-Dollar geschätzt.[125] Der gesamte Versicherungsschaden an Leben und Sachwerten durch 9/11 wird auf 40 bis mehr als 50 Milliarden US-Dollar geschätzt, die höchste Versicherungssumme der Geschichte.[126] Die Kosten des Antiterrorkriegs, der Verlust an Menschenleben und Sachwerten, die dadurch verringerten Staatsausgaben für Infrastruktur, Wissenschaft und Bildung hatten erheblichen Einfluss auf die Weltwirtschaft. Besonders der Irakkrieg erhöhte insgesamt die Terrorgefahr und damit die Ausgaben für Rüstung und Terrorbekämpfung in vielen Staaten. Dadurch wuchs zwar deren BIP, doch die Wirkung auf die Wohlfahrt bzw. das Allgemeinwohl waren insgesamt negativ.[127]

Strafrecht und Strafverfahren

Bushs Befehl, die Planer und Unterstützer von 9/11 vor neue Militärtribunale zu stellen und nach besonderen Regeln zu behandeln, entzog hunderte Gefangene dem zivilen und militärischen US-Strafrecht. Von 2004 bis 2008 bekräftigte der Supreme Court daher in mehreren Urteilen die Geltung rechtsstaatlicher Prinzipien wie Habeas Corpus. Die Urteile betrafen jedoch nicht die Definition von „ungesetzlichen Kombattanten“ und die Legalität weltweiter Festnahmen und Haftzentren im Ausland.[128] Der US-Kongress beschloss daraufhin Gesetze, die diesen Häftlingen verwehrten, die Legalität ihrer Festnahme und Haft vor US-Gerichten anzufechten. Darauf reagierte der Supreme Court bis 2015 nicht, so dass die Verfassungskrise ungelöst blieb.[129]

Der vor 9/11 in den USA inhaftierte Zacarias Moussaoui wurde im Dezember 2001 als mutmaßlich 20. Flugzeugentführer wegen Terrorplänen angeklagt und gestand nach widersprüchlichen Eigenaussagen ein Mitwissen vom 9/11-Plan. Dass sein rechtzeitiges Geständnis die Anschläge verhindert hätte, konnte das FBI nicht beweisen. Im Mai 2006 wurde er zu lebenslanger Haft ohne Begnadigungsmöglichkeit verurteilt.[130]

Am 11. Februar 2008 klagten US-Militärstaatsanwälte sechs al-Qaida-Mitglieder in Guantánamo wegen ihrer Rollen bei 9/11 als Massenmörder an und suchten die Todesstrafe für sie. Im November 2009 kündigte Obamas Justizminister Eric Holder an, die bisherigen Militärtribunale durch reguläre Strafverfahren zu ersetzen und Chalid Scheich Mohammed, Ramzi Binalshibh, Ali Abdel Asis Ali, Mustafa Ahmed al-Hausaui und Walid bin Attasch vor ein Zivilgericht in New York City zu stellen. Dies löste eine starke Kontroverse aus. New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg zog seine anfängliche Zustimmung wegen Sicherheitsbedenken und Kosten zurück. Daraufhin ließ Obama den Plan im Januar 2010 fallen.[131]

2023 wurde Ramzi Binalshibh aus Gesundheitsgründen, die sein Anwalt der Folter zuschrieb, für prozessunfähig erklärt. Ein Richter führte das Geständnis von Ammar al-Baluchi auf Folter zurück und verwarf es. Die Ankläger fochten beide Urteile an und streben zugunsten der Opferfamilien weiter einen gemeinsamen Prozess für die fünf Hauptverdächtigen an. Im Sommer 2024 vereinbarten die übrigen drei Angeklagten mit den Anklägern, sich schuldig zu bekennen, um lebenslängliche Haft anstelle der erwarteten Todesstrafe zu erhalten. Verteidigungsminister Lloyd Austin hob die Vereinbarung auf, da ihre Rechtsgültigkeit zweifelhaft war.[132]

Entschädigungen

Sofort nach 9/11 bildeten sich in New York viele Selbsthilfegruppen von Überlebenden und Opferangehörigen. Sie beeinflussten alle Aspekte der Aufarbeitung und drängten die Politik zu raschen Opferhilfen. Darum beschloss der US-Kongress schon am 21. September 2001 den 9/11 Victim Compensation Fund.[133] Er wurde von Kenneth Feinberg geleitet, mit sogenannten Liberty Bonds verbunden und erhielt insgesamt 7,375 Milliarden US-Dollar Bundesmittel.[134] Für eine individuell bestimmte Entschädigung daraus mussten Antragsteller auf Rechtsklagen gegen die beiden Fluggesellschaften American Airlines und United Airlines verzichten.[135] Der Air Transportation Safety and System Stabilization Act (ATSA) vom November 2001 für Katastrophenschutz, Flughafensicherheit und Luftsicherheit[136] schloss diesen Opferfonds ein, schützte zugleich aber die Fluggesellschaften vor Opferklagen und garantierte ihnen Kredite von insgesamt 15 Milliarden US-Dollar.[137]

Im November 2010 bewilligte die Stadt New York ein Hilfspaket von 625 Millionen US-Dollar für 10.000 Ersthelfer und Aufräumarbeiter, die dabei geschädigt worden und erkrankt waren. Mit dem James Zadroga 9/11 Health and Compensation Act wurden von Januar 2011 bis 2016 weitere rund 37.000 geschädigte Einsatzkräfte, Überlebende und sonst Betroffene medizinisch versorgt und entschädigt.[18]

Zivilrechtliche Verfahren

Viele 9/11-Opfer verzichteten auf ihre Ansprüche aus dem Opferfonds, um Zivilklagen gegen Fluggesellschaften, Sicherheitsbehörden und/oder ausländische Personen, Firmen und Regierungen anzustrengen. Sie machten erstere für ein Versagen mitverantwortlich, 9/11 zu verhindern, und/oder wollten letztere als Terrorhelfer haftbar machen. Sie hofften, so auch die Geschichtsschreibung zu 9/11 zu ergänzen und ein öffentliches Forum für ihr persönliches Leiden zu finden. Fast alle diese Klagen, bis 2011 mehr als 10.000 von verletzten Rettungskräften und knapp 100 von Opferangehörigen, löste der zuständige Bezirksrichter Alvin Hellerstein durch außergerichtliche Vergleiche. Er begrenzte die Aussagedauer der Kläger und blockierte damit ihr Anliegen, Gehör für ihren Verlust zu finden.[138]

Nach mehreren erfolglosen Klagen gegen saudiarabische Banken, Regierungsmitglieder und andere mögliche Helfer von al-Qaida beschloss der US-Senat im Juli 2016 den Justice Against Sponsors of Terrorism Act (JASTA). Dieses Gesetz hob die Staatenimmunität für Personen auf, deren Handlungen zu Terrorakten in den USA führten und damit Tod und Verletzungen von US-Bürgern verursachten.[139] Um das Gesetz zu verhindern, hatte Saudi-Arabien den USA zuvor den Verkauf von 750 Milliarden US-Dollar hohen Staatsanleihen und weitere finanzielle Restriktionen angedroht. Im September 2016 hob der US-Kongress ein Veto von Präsident Barack Obama gegen das Gesetz auf. Das ermöglichte den 9/11-Opferfamilien zivilrechtliche Klagen gegen ausländische Staaten und Finanzpartner von Terrorgruppen. Sie sahen JASTA auch als Chance, bisher verdeckte Hintergründe von 9/11 aufzudecken, etwa mögliche Verbindungen Bin Ladens zu saudiarabischen Firmen, die islamischen Fundamentalismus (Salafismus, Wahabismus) förderten und ökonomisch-finanziell mit US-Interessen verknüpft waren.[140]

Im März 2017 reichten 1500 verletzte Überlebende von 9/11 und 850 Opferangehörige eine Klage gegen Saudi-Arabien ein: Dessen Regierung sei an 9/11 beteiligt gewesen. Deren Antrag, die Klage zu verwerfen, wies ein Bezirksrichter im März 2018 zurück.[141] Im selben Monat setzte ein Bundesgericht Saudi-Arabiens Staatenimmunität außer Kraft. Falls eine Tatbeteiligung saudischer Regierungsvertreter vor Gericht bewiesen werden kann, kämen Regressforderungen in Milliardenhöhe auf Saudi-Arabien zu.[140] Am 11. September 2020 verurteilte eine Bundesrichterin Bandar ibn Sultan und weitere Mitglieder der Regierung Saudi-Arabiens dazu, im laufenden Prozess als Zeugen auszusagen.[71]

2011 urteilte der New Yorker Bezirksrichter George B. Daniels, der Iran und die von ihm abhängige Terrororganisation Hisbollah seien haftbar für Schäden an 9/11-Opferangehörigen, da sie al-Qaida unterstützt hätten.[142] Im Mai 2018 erließ Daniels ein Versäumnisurteil: Der Iran müsse den 9/11-Opferangehörigen insgesamt mehr als sechs Milliarden US-Dollar zahlen, weil er die Entführer mit Schulungen und anderem unterstützt habe. Dagegen hatte die 9/11-Kommission keine direkte Unterstützung des Iran für al-Qaida festgestellt.[143]

Im Juni 2002 erhielt der Eigentümer des zerstörten WTC 7 Larry Silverstein 861 Millionen US-Dollar Schadensersatz, die er in den Neubau der WTC-Site investierte.[144] Silverstein Properties hatte die WTC-Türme im Juli 2001 für 99 Jahre gepachtet und für jedes Schadensereignis für rund 3,5 Milliarden US-Dollar versichert. Bis 9/11 waren die Details nicht fertig ausgehandelt. Daraus folgte ein jahrelanger Rechtsstreit, ob die WTC-Einstürze ein oder zwei Schadensfälle waren. 2006 sprach ein Berufungsgericht Silverstein schließlich 4,6 Milliarden Dollar Entschädigung zu und belastete mit der Zuzahlung vor allem die deutsche Allianz SE.[145]

2012 verklagte Silverstein American Airlines und United Airlines wegen mangelhafter Sicherheitskontrollen, die die Flugzeugentführungen fahrlässig ermöglicht und so die Zerstörung der WTC-Gebäude mitverursacht hätten. Im November 2017 erreichte er eine Vergleichszahlung von rund 95 Millionen US-Dollar.[146]

Gedenken

Von 9/11 bis zum Kriegsbeginn im Oktober 2001 entstand eine große Vielfalt spontaner Gedenk- und Beileidsformen, etwa Suchposter zu Vermissten und Erinnerungsstücke aller Art am Ground Zero, am Union Square, an Brücken, Zäunen und Wänden, in Läden, Parks und zwischen Wolkenkratzern. Die New York Times (NYT) begann mit ihrer Serie Portraits of Grief für Todesopfer.[147] Es gab viele Hilfsangebote und Aktionen für Opferangehörige und Verletzte, etwa Blutspenden, kostenfreie Medikamente, Wohn- und Büroräume, Benefizveranstaltungen und Spenden.[148] Erlöse gingen zum Beispiel an den New York Firefighters 9/11 Disaster Relief Fund und den New York Police and Fire Widows’ and Children’s Benefit Fund.[149]

Schon die ersten Symbolhandlungen von US-Präsident Bush, etwa sein Besuch der Aufräumarbeiter am WTC und sein Verspechen, die Welt vom Terror zu befreien, hatten die doppelte Funktion, die erschütterte Nation zu trösten, ihr Selbstvertrauen zu stärken und zugleich, sie auf den Antiterrorkrieg vorzubereiten und diesen zu legitimieren. Beidem diente auch der landesweit übertragene Gebetsgottesdienst A Prayer for America am 23. September 2001 im Yankee Stadium von New York. Darin gedachten New Yorker Vertreter von Religion, Politik und Kultur der Toten und Überlebenden. Viele Redner stellten Gut (Amerika) und Böse (islamistischer Terror) gegenüber, kündigten einen Triumph des Guten an, spiegelten damit die nationale Stimmung und legten die emotionale Basis für den kommenden Antiterrorkrieg.[150]

Am 11. März 2002 erleuchtete erstmals der Tribute in Light den New Yorker Nachthimmel, eine seitdem jährlich in der Nacht von 9/11 wiederholte Lichtinstallation: Zwei hochintensive blauweiße Lichtsäulen an der Stelle der früheren WTC-Türme strahlen senkrecht hoch in den Himmel und sind noch weit entfernt sichtbar.[151] Sie sollten die Lücke in der Skyline provisorisch ausgleichen, die ungebrochene Vitalität New Yorks zeigen und symbolisch einen triumphalen Wiederaufbau ankündigen.[152]

An der Feuerwache Ten House in der Liberty Street (Manhattan), die an 9/11 als erste am WTC eingetroffen war und sechs Männer verloren hatte, wurde 2006 das Ten House Bravest Memorial eröffnet. Später kam die FDNY Memorial Wall für alle an jenem Tag gestorbenen 343 Feuerwehrleute dazu.[153] Deren Bronzeskulptur bildet eine legendäre Fotografie von drei Feuerwehrleuten ab, die eine US-Flagge auf den WTC-Trümmern hochhalten, und betont damit einen nationalen Heroismus.[154]

Der seit 2002 jährlich am 11. September begangene Patriot Day wurde nach Bushs Amtszeit ab 2009 zum National Day of Service and Remembrance umbenannt.[155] Das National September 11 Memorial and Museum wurde am 11. September 2011 auf dem alten WTC-Gelände mit dem angeschlossenen Liberty Park eingeweiht. Auf den Flächen der früheren Fundamente von WTC 1 und 2 befinden sich zwei große rechteckige Hohlräume mit tiefer gelegenen Wasserbassins. Diese fangen ihrerseits fallende Wasserkaskaden auf und sind als Reflecting Absence („Spiegelnde Abwesenheit“) bekannt. In die Wände der Bassins sind die 2791 Namen aller Anschlagsopfer sowie der Opfer des Bombenanschlags auf das WTC von 1993 eingraviert.[156] Angehörige verlesen sie bei den Jahresfeiern in New York üblicherweise in alphabetischer Abfolge. Weitere Gedenkstätten sind das Pentagon-Denkmal, das Flight 93 National Memorial und das Staten Island September 11 Memorial.

Die an 9/11 zerstörte St. Nicholas Greek Orthodox Church wurde nach einem Entwurf von Santiago Calatrava neu gebaut und am 4. Juli 2022 mit dem National Shrine eingeweiht.[157]

Internationale Reaktionen

Europa

Mit einer Schweigeminute und Trauerfeiern gedachten viele Menschen weltweit in den Folgetagen der Opfer der Anschläge. Führende Politiker vieler Staaten verurteilten diese und sandten Beileidsschreiben an die USA.[158]

Der deutsche Bundespräsident Johannes Rau erklärte am Abend des 11. Septembers 2001:[159] „Hass zerstört die Welt und Hass vernichtet Menschen. Darum geht es überall […]: Dem Hass zu widerstehen und der Nächstenliebe Raum zu schaffen. Wer nicht hasst, sagt auch Nein zur Gewalt. Wer Nein zu Gewalt sagt, macht das Leben unserer Kinder erst möglich.“ Am 14. September 2001 bei einer von rund 200.000 Personen besuchten Solidaritätsdemonstration in Berlin sagte Rau:[160] „Hass darf uns nicht zum Hass verführen. Hass blendet. […] Der beste Schutz gegen Terror, Gewalt und Krieg ist eine gerechte internationale Ordnung.“ Dies wurde als Absage an einen Krieg im Kontrast zu der von Bundeskanzler Gerhard Schröder zuvor erklärten „uneingeschränkten Solidarität“ aufgefasst.[161]

In der St. Paul’s Cathedral in London fand ein Trauergottesdienst statt. Die Guards vor dem Buckingham Palace spielten die Nationalhymne der USA.[162]

Der Europäische Rat beschloss am 21. September 2001, den Terrorismus im Gebiet der Europäischen Union (EU) vorrangig zu bekämpfen. Mit dem Gemeinsamen Standpunkt 931 vom 27. Dezember 2001 trafen die EU-Mitgliedstaaten einstimmig zusätzliche Maßnahmen zur Terrorbekämpfung. Besonders mit Verordnung (EG) 2580/2001 wurde eine einheitliche Liste mit Personen, Vereinigungen oder Körperschaften beschlossen, die zur Terrorbekämpfung und -prävention mit Finanzsanktionen belegt werden (Einfrieren von Geldern und wirtschaftlichen Ressourcen, Bereitstellungsverbot von Geldern und wirtschaftlichen Ressourcen) dürfen. Damit und mit der sogenannten EU-Terrorliste erfüllte die EU die UN-Resolution 1373.

Mounir al-Motassadeq wurde nach einem mehrjährigen Verfahren in Deutschland schuldig gesprochen, bei der Entführung der Flugzeuge und der Ermordung der Passagiere und Besatzungsmitglieder mitgewirkt zu haben und somit für al-Qaida an den Vorbereitungen der Terroranschläge beteiligt gewesen zu sein. Der Einsturz des WTC war ihm strafrechtlich aus Sicht des Gerichts hingegen nicht anzulasten. Als letzte Instanz verurteilte ihn das Hanseatische Oberlandesgericht wegen Beihilfe zum Mord in 246 Fällen und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung am 8. Januar 2007, rechtskräftig seit 2. Mai 2007, zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren.[163]

Infolge der Anschläge erließen viele Staatsregierungen bis mindestens 2011 neue Gesetze zur Terrorismusbekämpfung, die die Bürgerrechte häufig einschränkten.[164] Sie verschärften Einreisebedingungen und weiteten Personenüberwachung aus. Die Bundesrepublik Deutschland führte die Rasterfahndung und Kronzeugenregelung aus der RAF-Bekämpfung der 1970er Jahre wieder ein und verabschiedete zwei „Antiterrorpakete“, die das Terrorismusbekämpfungsgesetz enthielten. Gesetzesentwürfe zur Einführung einer Präventionshaft (2004), zur Telekommunikationsüberwachung (2005), zur Erlaubnis von Abschüssen entführter Flugzeuge und zur präventiven Rasterfahndung (2006), zur geheimen Online-Durchsuchung privater Computer (2008) sowie zur Vorratsdatenspeicherung (2010) erklärte das Bundesverfassungsgericht jeweils für verfassungswidrig.[165]

Islam

Wenige Tage nach 9/11 verurteilten muslimische Gelehrte und Organisationen diese öffentlich. Am 13. September 2001 erklärte der islamische Rechtsgelehrte Yusuf al-Qaradawi, trotz seiner starken Opposition gegen die Israelpolitik der USA blute sein Herz wegen der Angriffe. Der Islam als „Religion der Toleranz“ betrachte den Angriff auf unschuldige Menschen als schwere Sünde. Dazu verwies er auf den Koran-Vers 5:32: „Wenn jemand einen Menschen tötet, der keinen anderen getötet, auch sonst kein Unheil auf Erden gestiftet hat, so ist's, als töte er die Menschen allesamt“.[166]

Am 14. September 2001 verurteilten 46 Vertreter der Muslimbrüder, von Jamaat-e-Islami und anderen islamischen Organisationen in der Zeitung al-Quds al-arabi „mit aller Festigkeit und Schärfe diese Geschehnisse, die zu allen menschlichen und islamischen Werten im Widerspruch stehen“.[167]

Muhammad Sayyid Tantawi, Scheich der Azhar, veröffentlichte mehrere Erklärungen zu 9/11. Am 14. September verurteilte er diese als „nicht mutig“. Die Täter würden am Tag des Gerichts verurteilt werden.[168] Später sagte er im Namen der Azhar, diese islamische wissenschaftliche Institution trete gegen Terrorismus jeder Art ein. Die Anschläge verstießen gegen alle religiösen Normen und rationales Denken.[169]

Manche Muslime begrüßten die Anschläge. So schrieb der saudische Gelehrte Safar al-Hawālī in einem offenen Brief an George W. Bush, den Schock der Muslime darüber habe eine „gewaltige Welle der Freude“ begleitet.[170]

Einordnungen

Ursachenforschung

Der Kriminologe Sebastian Scheerer kritisierte 2002 mangelnde rationale Erforschung der Ursachen von 9/11 und eine Tendenz zur „Pathologisierung“ und „Mythologisierung“, etwa durch Rückgriff auf vorwissenschaftliche Ideen von „Gut und Böse“. So habe Hans Magnus Enzensberger in seinem Artikel Die Wiederkehr des Menschenopfers (FAZ, 18. September 2001) alle religiösen Tätermotive geleugnet und sie auf einen „individuellen Todestrip“ reduziert. André Glucksmann habe die Täter in Dostojewski à Manhattan (Paris 2002) zu nihilistischen Atheisten gemacht.[171] Der bewährte analytische und werturteilsfreie Terrorismus-Begriff könne die Phänomene von 9/11 jedoch ebenso gut erklären wie den Linksterrorismus der 1970er und 1980er Jahre. Auch bei 9/11 handele es sich um Gewalttaten im Rahmen einer politischen Strategie und mit dem Ziel psychischer Wirkung auf andere als die physischen Opfer.[172]

Auch Peter Waldmann hielt angesichts der hauptsächlich religiös motivierten 9/11-Anschläge an seiner Terrorismusdefinition fest („schockierende Gewaltanschläge gegen eine politische Ordnung aus dem Untergrund, die Angst und Schrecken verbreiten sollen“).[173] Wie bei früheren neuen Terrorstrategien seit dem 19. Jahrhundert habe es auch bei 9/11 einen Strategiewechsel gegeben, diesmal weg von festen Organisationen hin zu offeneren Strukturen. Doch dies genüge nicht, um von einer Zäsur zu sprechen.[174]

Zum Antiterrorkrieg

Der Politikwissenschaftler Jochen Hippler ordnete den Afghanistan- und den Irakkrieg der USA 2003 auch als Fortsetzung einer unilateralen US-Außenpolitik ein. Die USA hätten ihre Stellung als einzige verbliebene Supermacht nach dem Kalten Krieg genutzt, um ein seit etwa 1995 vorliegendes neokonservatives Programm zu verwirklichen, „Schurkenstaaten“ und feindliche Regimes zu entmachten, US-Macht im Mittleren Osten und Zentralasien auszudehnen und ihre weltweite Führungsrolle zu stärken. Diese Sicht vertreten auch Wissenschaftler in den USA, etwa George Leaman.[175]

Laut Hippler hatte 9/11 diese Politik zunächst erheblich erleichtert, doch der mit Vorwänden herbeigeführte Sturz des Baath-Regimes im Irak habe Gewalt und Terror dort enorm verschärft, die Kluft zwischen vom Westen unterstützten arabischen Diktaturen und ihrer Bevölkerung vertieft und so die Instabilität der Nahostregion verstärkt. Zugleich habe er die internationale Solidarität mit den USA beendet, die Autorität der UNO und des Völkerrechts und das Verhältnis des Westens zur islamischen Welt beschädigt, eine Kluft zwischen USA und Europa und zwischen Unterstützer- und Ablehnerstaaten in der EU erzeugt und so eine einheitliche Außen- und Militärpolitik der EU erschwert.[176]

Die Kriege der USA seit 9/11 und das neokonservative Projekt zur Verbreitung von Demokratie und Marktwirtschaft im Mittleren Osten wurden ab 2003 vielfach als imperiale Überdehnung angesehen.[177]

Zur historischen Zäsur

Zeitzeugen und Medien nahmen 9/11 als historische Zäsur wahr: Nichts werde mehr wie vorher sein.[178]

Dagegen betonten manche Historiker und Politikwissenschaftler ab 2002, die USA hätten nach 9/11 nur ihr Hegemoniestreben gegenüber der islamischen Welt und ihre Neigung fortgesetzt, internationale Konflikte manichäisch als Kampf zwischen Gut und Böse zu deuten.[179] Noam Chomsky betonte eine Kontinuität des Imperialismus und Strebens der USA nach globaler Dominanz.[180]

Laut dem Amerikanisten Michael Butter beschleunigte 9/11 laufende Entwicklungen bis 2011 eher als sie auszulösen.[181] Laut Martin Sabrow ließ die „orthodoxe Zäsur“ von 9/11 anders als die „heterodoxe Zäsur“ des Mauerfalls am 9. November 1989 geltende Basisnormen und -vorstellungen intakt und bestätigte schon bekannte Sichtachsen und Denkhorizonte.[182]

Der Sozialwissenschaftler Samuel Salzborn sieht die Anschläge als „Auftakt einer antisemitischen Revolution, die sich gegenwärtig weltweit im Gange befindet“. Sie richte sich nicht nur gegen Juden, sondern bedrohe alle Werte der Aufklärung und deren Versprechen, jedes Individuum könne zu einem sich selbst bestimmenden Subjekt werden.[183]

Laut Manfred Berg verursachte 9/11 eindeutig den Antiterrorkrieg und die enorme Ausdehnung der Exekutivmacht in den USA. Doch wegen der zunehmenden Rivalität der USA mit China könne man 2011 nicht mehr von der seit 2000 oft erwarteten „unipolaren Welt“ reden. Auch präge die Gefahr neuer, gleichartiger Anschläge das Alltagsleben in den USA und Europa nicht. Daher habe 9/11 die längerfristigen politischen und ökonomischen Trends in der Welt offenbar nicht entscheidend verändert.[184]

Verschwörungstheorien

Seit 9/11 wurden viele Verschwörungstheorien zu den Anschlägen verbreitet, besonders im Internet. Deren Vertreter gehen meist davon aus, dass die US-Regierung oder ihre Geheimdienste die Anschläge wissentlich zugelassen oder selbst durchgeführt haben. Sie bezweifeln die ermittelten Ursachen für die Anschlagsschäden und behaupten andere Ursachen, etwa eine kontrollierte Sprengung der WTC-Gebäude. Anhänger des sogenannten 9/11 Truth Movement forderten seit 2005 eine neue Untersuchung der Ereignisse. Ihren Thesen widersprechen neben den Experten der FEMA und des NIST auch regierungsunabhängige Wissenschaftler.

Rezeption in Kunst und Kultur

Filme

Theater

The Mercy Seat von Neil LaBute handelt von der fiktiven Geschichte eines Ehemannes, der im WTC arbeitete und die Anschläge überlebte, weil er heimlich seine Geliebte traf. Das Stück stellt die Überlegungen des Paares am 12. September 2001 dar, mit dieser Lüge umzugehen. Es wurde 2002 unter der Regie des Autors mit Liev Schreiber und Sigourney Weaver in den Hauptrollen am Broadway uraufgeführt, 2003 am Deutschen Theater Berlin. Das Theaterstück Reich des Todes von Rainald Goetz wurde unter Regisseurin Karin Beier am 11. September 2020 am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg uraufgeführt. Darin werden die Einschläge in das WTC mit Einsatz von weißem Nebel nachgespielt.[185]

Belletristik

Frühe deutschsprachige 9/11-Texte verstanden das Ereignis als biografische und ästhetische Zäsur, oft in Form eines persönlichen Krisentagebuchs: so Kathrin Rögglas Reportage really ground zero. 11. september und folgendes (Dezember 2001). Durs Grünbeins September-Elegien (2001) vergleichen die 9/11-Fernsehbilder mit historischen Kriegsbildern und biblischen Mythen. Dabei stellt das Sprecher-Ich Vergleiche und Metaphern, ja überhaupt Sprache als adäquate Darstellungsform von 9/11 in Frage. Auch Ulrich Peltzers Roman Bryant Park (2002) problematisiert Sprache als Bewältigungsmittel von 9/11. Peter Glasers Geschichte von Nichts (2002) spielt auf 9/11-Verschwörungstheorien an, ohne deren Bedeutung zu entschlüsseln. Katharina Hackers Roman Die Habenichtse (2006) spielt das Gefühl „Alles wird anders“ an verschiedenen Figuren durch und zeigt deren Unfähigkeit, dem Ereignis eine persönliche Bedeutung zu geben. Der Modus der Selbstreflexion, der Versuch, die Integrität der Autoren zurückzugewinnen, die Orientierung an der Ereignisabfolge ohne Deutungshoheit kennzeichnet alle frühen deutschen 9/11-Texte.[186]

In seinem Roman Windows on the World (2003) erzählt Frédéric Beigbeder minutiös von einem Vater und seinen zwei Söhnen, die sich während der Anschläge im Restaurant Windows on the World im WTC 1 befinden.

Jonathan Safran Foers Roman Extrem laut und unglaublich nah (2005) erzählt die Geschichte eines traumatisierten neunjährigen Jungen, dessen Vater durch 9/11 starb.

Der Protagonist von Don DeLillos Roman Falling Man (2007) ist ein Überlebender der Anschläge. Leitmotive sind die Auftritte eines Performancekünstlers namens Falling Man, der an einem Seil hängend die berühmt gewordene Fotografie The Falling Man von Richard Drew nachstellt.

Im Roman Das Hohe Lied von Nell Zink (2019) treibt 9/11 die Handlung voran.[187]

Malerei und Bildhauerei

Die von Eric Fischl gestaltete Werkreihe ten breaths zeigt mit Gouachen und Plastiken stürzende und abgestürzte Personen. Sie verarbeitet die Pressebilder der Verzweifelten, die aus den brennenden WTC-Türmen in den Tod stürzten, um dem Feuertod zu entgehen. Die Skulptur Tumbling Woman, die eine Frau im freien Fall darstellt, wurde in den USA kontrovers diskutiert.

Gerhard Richter schuf das Bild „September“ zu dem Ereignis.[188] Den Opfern von 9/11 und dem Anschlag auf das WTC von 1993 ist das Kunstwerk To the Struggle Against World Terrorism gewidmet.

Die Große Kugelkaryatide N.Y. (The Sphere) von Fritz Koenig hatte seit 1971 auf dem WTC-Vorplatz gestanden. Sie wurde nach 9/11 beschädigt aus den Trümmern geborgen, zu einem 9/11-Monument umgewandelt und am 16. August 2017 am Liberty Park neu eingeweiht.[189]

Humor und Satire

Schwarzer Humor unter dem Motto Wo war King Kong, als wir ihn brauchten? und auf 9/11 bezogene Witze kamen ab dem Folgetag auf.[190] Sie wurden gesammelt und in der Volkskunde erforscht.[191]

Traditionelle Late-Night-Shows in den USA stellten Trauer und Anerkennung der Rettungskräfte in den Vordergrund und verzichteten anfangs auf Kritik an der Regierung. Der Satiriker Bill Maher stimmte am 17. September 2001 einem Gast seiner Show Political Incorrect zu, der die medial übliche Einstufung der Attentäter als Feiglinge in Frage stellte und eher Drohnenangriffe der US-Armee aus sicherer Entfernung feige nannte. Daraufhin ließ die American Broadcasting Company (ABC) die Show bis Juni 2002 ersatzlos auslaufen.[192]

Musik

Direkt nach 9/11 empfanden viele Musik als unpassend und sagten Musikveranstaltungen ab. Manche DJs und Journalisten meinten, 9/11 werde Musik für alle Zeit verändern. Bald jedoch benutzten Großveranstalter Musik wieder für traditionelle Rollen, auch zum Bilden einer nationalen Identität. Dabei erfolgten auch Zensurversuche: So riet das 2001 Clear Channel Memorandum den 1170 Radiosendern des Unternehmens, 164 Songs nicht zu spielen, die man als unpassend für das nationale Gedenken ansah. Darunter waren alle Stücke der Band Rage Against the Machine,[193] alle Songs des Muslims Cat Stevens, Imagine von John Lennon, It's Raining Men von Geri Halliwell und Knockin' on Heavens Door von Bob Dylan.[194] Die Plattenfirma von The Coup zog ein schon gedrucktes Cover mit brennenden WTC-Türmen zurück. Der Komponist John Adams geriet unter Druck, seine Oper The Death of Klinghoffer nicht aufzuführen, da ihr Thema als antiamerikanisch gedeutet wurde. Die Webseite March on Hollywood griff etliche Schauspieler und Musiker als unpatriotisch und antiamerikanisch an, darunter Sheryl Crow, Madonna, George Michael, Queen Latifah, Michael Stipe und Barbara Streisand.[193]

Sting eröffnete ein Privatkonzert am Abend von 9/11, das seine Mitmusiker nicht absagen wollten, mit dem Song Fragile und widmete es allen Opfern. Später erschien das Konzert als Live-Album All This Time.[195] Beteiligte beschrieben es als besonders berührend.[196]

Die Musikindustrie reagierte auf 9/11 mit Benefizkonzerten, Fernseh- und Radioshows zum Spendenerwerb für die Opfer, etwa America: A Tribute to Heroes. Diesen Titel trug dann auch ein CD-Sampler mit bekannten Stücken, die die Herausgeber als „patriotisch“ und situationsbezogen einstuften, darunter Imagine in einer Version von Neil Young. Neue Songs für die Opfer wurden kaum präsentiert. Beim Concert for New York City am 20. Oktober 2001 im Madison Square Garden traten viele Musiker und Bands unentgeltlich auf, die schon die Live-Aid-Konzerte mitgestaltet hatten. Paul McCartney führte dort seinen neuen Song Freedom auf. Das Konzert erzielte rund 14 Millionen US-Dollar Eintrittserlöse sowie geschätzt 125 Millionen Spenden von Fernsehzuschauern. Zum Spendenerwerb versammelte Michael Jackson in seinem Song What More Can I Give eine Reihe von Stars. Viele Samplertitel appellierten an das Nationalgefühl, etwa The Spirit of America von Daniel Rodriguez, American Anthem von Denyce Graves, The Majesty of America des Mormon Tabernacle Choir oder God bless America von Columbia Records. Darauf wurden auch Protestsongs der Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre dekontextualisiert und zum Einigen der Nation benutzt. Die Musikindustrie begriff 9/11 also als Chance, älteres Material neu zu verpacken und damit Geld zu verdienen. Auch sozialkritische Musiker sahen ihre Wohltätigkeit nach 9/11 als Pflicht zum Nationbuilding der USA.[197]

New Yorker Bands des Underground, Independent und Anti-Folk erlebten nach 9/11 einen medial geförderten Aufschwung, etwa Moldy Peaches mit ihrem Debütalbum und dessen Song New York City is Like a Graveyard. Vor dem Irakkrieg entstand aus dieser Subkultur die Kampagne Bands against Bush, um die Szene zu vernetzen und Protestkonzerte gegen den Krieg zu organisieren.[198]

Dagegen versprach der Vorstand von Clear-Channel-Communications als Veranstalter des Konzerts United we stand in Washington D.C. (21. Oktober 2001), alle mitwirkenden Musiker würden das US-Militär im Antiterrorkrieg unterstützen. Richard Gere, der dort seinen Friedenswunsch äußerte, wurde beschimpft und ausgebuht. Die United Service Organizations, Coca Cola, Yahoo und MTV organisierten im November 2001 Livekonzerte für kriegsbeteiligte US-Soldaten, wo Stars wie Jennifer Lopez, Ja Rule und Kid Rock auftraten.[199]

Im Hauptstrom der Popmusik, Rockmusik, des Hip-Hop und Jazz entstanden hunderte Werke mit Bezug zu 9/11 oder zum Antiterrorkrieg danach.[200] Einige Beispiele:

  • Iced Earths Song When the Eagle Cries verknüpfte das Wappentier der USA und Symbol unbesiegbarer Macht mit Verletzlichkeit und Trauer.[201]
  • Alan Jacksons Song Where were you when the world stopped turning? führte ab Dezember 2001 fünf Wochen lang die Country Music Charts der USA an.[202]
  • Enyas Song Only Time wurde mit Stimmen Betroffener unterlegt und als Remix zur inoffiziellen Hymne zu 9/11.[203]
  • Bruce Springsteens Album The Rising enthält acht Stücke mit 9/11-Bezug.[204]
  • Neil Youngs Let’s Roll heroisiert den Widerstand der Passagiere auf Flug UA-93.[205]
  • Der deutsche Rapper Curse veröffentlichte am 16. September 2001 den Freetrack Nichts wird mehr so sein wie es war.[206]
  • Darryl Worleys Song Have You Forgotten? vom Februar 2003 begrüßte den Irakkrieg.[207]
  • Yellowcards Song Believe integrierte Nachrichten über Rettungshelfer in den Text.[208]

In vielen Songtexten dominierten nach 9/11 Motive von Rache, Vergeltung und Vernichtung des im Namen Osama bin Laden personifizierten Bösen. Erst zu Beginn des Irakkriegs im März 2003 erschienen wieder hunderte Popsongs mit einer etablierten Antikriegshaltung, etwa War is not the Answer von Sheryl Crow, No War von den No Angels oder I can make Peace on Earth with my two Hands von Ben Harper. In dieser Phase erschienen im bundesdeutschen Raum auch einige antiamerikanische und nationale Songtexte. Spätere islamistische Terroranschläge fanden dann kaum Resonanz in der Popmusik.[209]

Der Komponist Karlheinz Stockhausen nannte 9/11 am 16. September 2001 bei einer Pressekonferenz „das größte Kunstwerk, was es je gegeben hat.“[210] Die Aussagen lösten Empörung aus und führten zu Konzertabsagen und Ausladungen. Stockhausen behauptete später, er habe vom größten zerstörerischen Kunstwerk seiner Opernfigur Luzifer gesprochen; dies hätten Medienberichte böswillig weggelassen.[211]

Literatur

Bibliografie

Gesamtdarstellungen

Attentäter

Hintergründe, Ursachen

Folgen

  • Till Karmann, Simon Wendt et al. (Hrsg.): Zeitenwende 9/11? Eine transatlantische Bilanz. Barbara Budrich, Opladen, Berlin 2016, ISBN 978-3-8474-0562-7.
  • Stephen E. Atkins (Hrsg.): The War on Terror Encyclopedia: From the Rise of Al-Qaeda to 9/11 and Beyond. ABC-Clio, Santa Barbara 2014, ISBN 978-1-61069-511-4.
  • Peter Bergen: The Longest War: The Enduring Conflict Between America and Al-Qaeda. Simon & Schuster, New York 2011, ISBN 978-0-85720-883-5.
  • Michael Butter, Birte Christ, Patrick Keller (Hrsg.): 9/11. Kein Tag, der die Welt veränderte. Schöningh, Paderborn 2011, ISBN 978-3-506-77097-4.
  • Thomas Jäger (Hrsg.): Die Welt nach 9/11: Auswirkungen des Terrorismus auf Staatenwelt und Gesellschaft. Springer VS, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-531-94173-8.
  • Hans Vorländer: Politische Kultur: „Rallye round the flag“. Die USA nach dem 11. September. In: Peter Lösche (Hrsg.): Länderbericht USA. Geschichte, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur. Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), 5. neubearbeitete Auflage, Bonn 2008, ISBN 978-3-89331-851-3, S. 196–236.

Einzelaspekte

Erlebnisberichte

  • Garrett M. Graff: Und auf einmal diese Stille. Die Oral History des 11. September. Suhrkamp, Berlin 2021, ISBN 978-3-518-47195-1.

Dokumentation

Bild- und Tondokumente

Commons: September 11 attacks – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Ablauf

Folgen

Gedenken

Einzelnachweise

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