ADAC Luftrettung
Luftrettungsdienst des deutschen Automobilclubs ADAC
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Die ADAC Luftrettung gGmbH ist eine gemeinnützige Organisation zur Durchführung der zivilen Luftrettung in Deutschland und angrenzenden Regionen. Die ADAC Luftrettung betreibt eine der größten Luftrettungsflotten Europas mit über 60 Rettungs- und Intensivhubschraubern an 37 Stationen (Stand 2026). Jährlich werden fast 50.000 Einsätze geflogen (Stand 2024). Die Organisation zählt zu den zentralen Säulen der präklinischen Notfallversorgung in Deutschland und ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der ADAC Stiftung.

| ADAC Luftrettung gGmbH | |
|---|---|
| Rechtsform | gemeinnützige GmbH |
| Gründung | 1982 |
| Sitz | Oberpfaffenhofen, |
| Leitung | Frédéric Bruder (Vorsitzender), Denis Benk |
| Mitarbeiterzahl | 290 (2024) |
| Umsatz | 121 Mio. Euro (2019)[1] |
| Branche | Luftrettung |
| Website | www.luftrettung.adac.de |
| Stand: 1. November 2025 | |
Geschichte
Die Anfänge der ADAC Luftrettung reichen in die späten 1960er-Jahre zurück, als angesichts steigender Unfallzahlen auf deutschen Straßen die Forderung nach einer schnelleren notärztlichen Versorgung laut wurde. Nach ersten Probeläufen mit angemieteten Hubschraubern nahm am 1. November 1970 der Rettungshubschrauber „Christoph 1“ in München-Harlaching seinen Betrieb auf – ein Ereignis, das heute als Geburtsstunde der zivilen Luftrettung in Deutschland gilt. In den folgenden Jahren entstand Schritt für Schritt ein bundesweites Netz an Stationen.
1982 wurde die ADAC Luftrettung GmbH gegründet, die fortan den Betrieb der vom ADAC e.V. beschafften Hubschrauber übernahm. Parallel dazu erfolgte eine kontinuierliche Modernisierung der eingesetzten Technik: Auf die frühen Modelle folgte 1984 erstmals der Hubschraubertyp BK117, ab Mitte der 1990er-Jahre wurde die Flotte durch Maschinen des Typs EC135 ergänzt. Mit der Stationierung von Intensivtransporthubschraubern in Hamburg-Boberg (1990) und Mainz (1997) erweiterte sich zudem das Einsatzspektrum. Die Übernahme von Bundeswehrstationen Ende der 1990er-Jahre markierte einen weiteren Schritt im Ausbau. Mit „Christoph Europa 1“ im Rhein-Maas Klinikum (Aachen-Würselen) wurde 1998 erstmals eine grenzüberschreitende Station in Betrieb genommen, 2002 folgte mit „Christophorus Europa 3“ ein gemeinsames Projekt mit dem österreichischen ÖAMTC.
Seit den 2000er-Jahren prägen vor allem der technische Fortschritt und der Ausbau der Ausbildungsstrukturen die Entwicklung. Mit der Einführung des Typs EC145 sowie der Ausmusterung der älteren BO105 setzte die Organisation auf leistungsfähigere Hubschrauber. 2008 wurde die ADAC HEMS Academy gegründet, die seit 2010 als Schulungs- und Trainingszentrum für Piloten, Notärzte und Rettungsfachpersonal genutzt wird. Im Jahr 2017 erfolgte die Eingliederung der ADAC Luftrettung in die neugegründete ADAC Stiftung.
Die folgenden Jahre standen im Zeichen weiterer Flottenmodernisierungen: Ab 2014 wurden zunehmend Hubschrauber des Typs H145 eingesetzt, 2022 erstmals auch in der Version mit Fünfblattrotor. Im Jahr 2019 absolvierten die Crews den millionsten Einsatz seit Bestehen der Organisation. Ein prägendes Ereignis war auch die Beteiligung an den Rettungsmaßnahmen während der Hochwasserkatastrophe 2021 in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.
Heute gilt die ADAC Luftrettung als einer der größten zivilen Luftrettungsbetreiber Europas. Neben dem Betrieb eines nahezu flächendeckenden Netzes von Stationen in Deutschland engagiert sie sich zunehmend in Forschungs- und Entwicklungsprojekten, etwa zu neuen Technologien, nachhaltigen Kraftstoffen und innovativen Einsatzkonzepten.
Organisation
Die ADAC Luftrettung ist als gemeinnützige GmbH organisiert und eine hundertprozentige Tochter der ADAC Stiftung. Sie beschäftigt mehrere hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter Piloten, Notärzte, Notfallsanitäter sowie technisches und administratives Personal. Vorsitzender Geschäftsführer ist Frédéric Bruder, zweiter Geschäftsführer ist Denis Benk.
Die Kosten für einen medizinisch notwendigen Hubschraubereinsatz werden in der Regel von den Krankenversicherungen übernommen. Bei privaten Versicherungen können allerdings Erstattungsobergrenzen bestehen. Nur wenn ein Patient nicht krankenversichert ist, müssen die Einsatzkosten selbst getragen werden.
Als gemeinnützige Organisation investiert die ADAC Luftrettung Spendenmittel in die Weiterentwicklung von Technik, Ausbildung und Forschung. Ziel ist es, die Qualität der notfallmedizinischen Versorgung kontinuierlich zu verbessern und eine umfassende Luftrettung in Deutschland sicherzustellen.
Stationen
An 37 Stationen ist die ADAC Luftrettung täglich in Deutschland und Österreich einsatzbereit und betreibt damit fast die Hälfte der über 80 Luftrettungsstandorte in Deutschland (Stand 2026). Hierzu gehören auch vier Stationen, die grenzübergreifend aktiv sind, darunter die beiden in Suben (Österreich) und in Groningen (Niederlande). Internationale Einsätze erfolgen unter anderen durch Kooperationsmodelle in Österreich zum Beispiel mit der ÖAMTC Flugrettung
Die Hubschrauber aller Stationen sind in sogenannte Rettungshubschrauber (RTH) und Intensivtransporthubschrauber (ITH) aufgeteilt und tragen Rufnamen wie „Christoph 20“ oder „Christoph Europa 1“. Für die Rettung aus unzugänglichem Gelände sind die Maschinen an drei ADAC Standorten mit einer Rettungswinde ausgestattet. Drei der Stationen, in Sanderbusch (Niedersachsen), in Münster/Greven (Nordrhein-Westfalen) und in Senftenberg (Brandenburg) sind rund um die Uhr in Betrieb.
Die Station Christoph Brandenburg in Senftenberg ist zudem eine der modernsten und leistungsfähigsten Luftrettungsstationen Deutschlands und zugleich eine der größten der ADAC Luftrettung. Mit Christoph Brandenburg und Christoph 33 deckt sie ein besonders breites Einsatzspektrum ab. Christoph Brandenburg wurde 1994 als erster Intensivtransporthubschrauber in den östlichen Bundesländern in Betrieb genommen.
Dank Spezialausbildung und -ausrüstung übernehmen „Christoph Brandenburg“ und die Crew 24 Stunden am Tag Intensivtransporte und Notfalleinsätze (Primäreinsätze). Insbesondere in der Nacht sind sie mit Night-Vision-Imaging-System (NVIS) als schneller und sicherer Notarztzubringer in der Region im Einsatz.[2]
Christoph 33 ist von 7 Uhr bis Sonnenuntergang im Einsatz. Seine Bedeutung für das Rettungswesen der Niederlausitz ist seit der Indienststellung im Jahr 1991 kontinuierlich gewachsen. Mittlerweile rückt die Crew mit dem Hubschrauber des Typs EC135 im Durchschnitt über 1600 Mal pro Jahr aus, um Menschenleben zu retten. Als so genannte „PICUS-Station“ bietet die Doppelstation zudem den Pilots in Command under Supervision (PICUS) die Möglichkeit, wichtige Erfahrungen und Flugstunden zu sammeln.
Für eine optimierte Versorgung führt die ADAC Luftrettung verschiedene Modellprojekte durch. Dazu zählen unter anderem der Ausbau urbaner Luftrettungsstationen in Ballungsräumen sowie die Pilotstation für Nachtflüge in Mainz. Im Rahmen der Randzeitenerweiterung führte Christoph 77 während des Sommerhalbjahres Einsätze von 6 bis 22 Uhr und im Winterhalbjahr von 7 bis 22 Uhr durch, organisiert im Zweischichtbetrieb. Die Piloten sind speziell für Flüge bei Dämmerung und Dunkelheit ausgebildet. Seit 2026 ist Christoph 77 rund um die Uhr im 24-Stunden-Dienst im Einsatz. Der Hubschrauber wird im Dual-Use-Betrieb sowohl für die Primärversorgung als auch für Sekundäreinsätze genutzt. Dabei können Intensivpatienten sowie Neugeborene, Frühgeborene und Säuglinge sicher transportiert werden, unter anderem in dem Transportinkubator BabyPod.[3]
Eine weitere Besonderheit von Christoph 77 besteht darin, dass die Station in Mainz in das Wasserrettungskonzept der Länder Rheinland-Pfalz und Hessen integriert ist und je nach Einsatzszenario auch unterstützend bei Notsituationen in Gewässern und Flüssen alarmiert wird.
Flotte
Besatzung, Karriere und Personal
Die Besatzung besteht grundsätzlich aus mindestens einem Piloten (Pilot in Command), einem Notarzt und einem Notfallsanitäter. Bei Dunkelheit werden an den 24-Stunden-Stationen der ADAC Luftrettung aus Sicherheitsgründen zwei Piloten eingesetzt. Die eingesetzten Notfallsanitäter verfügen über eine Zusatzausbildung als HEMS Technical Crew Member und sind entweder bei der ADAC Luftrettung angestellt oder kommen von der Bundeswehr, von Hilfsorganisationen oder Feuerwehren.
Die Notärzte sind Fachärzte aus den Bereichen Anästhesie, Chirurgie, Intensivmedizin, Innere Medizin und Kardiologie. Sie sind grundsätzlich hauptberuflich in den Kliniken tätig, an die die jeweiligen Luftrettungsstationen angebunden sind. Während ihrer Dienstzeit auf dem Rettungshubschrauber halten sie sich an der Luftrettungsstation auf, um im Einsatzfall ohne zeitliche Verzögerung verfügbar zu sein. Alle Notärzte verfügen über eine intensiv- und notfallmedizinische Expertise sowie Erfahrungen in der bodengebundenen Rettung.
Bei Windeneinsätzen kann der Hubschrauberpilot die Einsatzstelle, über der er schwebt, nicht direkt einsehen. In diesen Fällen übernimmt der Windenoperator an der geöffneten Tür die Rolle des „Auges“ und Navigators für den Piloten. Er dirigiert den Hubschrauber in die korrekte Position und seilt die medizinische Crew über dem Einsatzort ab. In der Regel wird diese Aufgabe von einem HEMS Technical Crew Member mit Zusatzqualifikation Winde (TC HHO) übernommen.
Neben den Besatzungen sind zahlreiche Mitarbeiter in Einsatzkoordination, Verwaltung, Technik und Logistik tätig. Die Aus- und Fortbildung sämtlicher Berufsgruppen erfolgt in der unternehmenseigenen ADAC HEMS Academy, die neben Standardlehrgängen auch Programme wie das „Pilot-in-Command under Supervision“ (PICUS) oder Musterberechtigungen für neue Hubschraubertypen anbietet.
Zur langfristigen Nachwuchssicherung unterhält die Organisation das Förderprogramm NewTalents@ADAC, das unter anderem eine Kooperation mit der US-amerikanischen Hillsboro Aero Academy einschließt.[5] Darüber hinaus bestehen Partnerschaften mit medizinischen Fakultäten und Hochschulen, etwa im Rahmen dualer Studiengänge, Forschungsprojekte oder Abschlussarbeiten mit Bezug zur Luftrettung.
Rettungseinsätze
Die ADAC Luftrettung übernimmt ein breites Spektrum an Einsatzarten, die sich an den medizinischen und logistischen Anforderungen der präklinischen Notfallversorgung orientieren.
Primäreinsätze
Ein Großteil der Einsätze fällt in die Kategorie der sogenannten Primäreinsätze. Dabei handelt es sich um Notfalleinsätze, bei denen die Besatzung direkt zu einem Unfallort oder zu einem akut erkrankten Patienten alarmiert wird. In diesen Fällen steht die schnelle medizinische Erstversorgung im Vordergrund, gegebenenfalls verbunden mit dem anschließenden Transport in eine geeignete Klinik. Die Alarmierung durch die Rettungsleitstelle erfolgt insbesondere dann, wenn ein Notarzt auf dem Landweg nicht rechtzeitig zum Patienten gelangen kann – etwa weil er bereits bei einem anderen Einsatz gebunden ist oder der Notfall an einem schwer zugänglichen Ort eintritt.
Sekundäreinsätze
Bei Sekundäreinsätzen handelt es sich um sogenannte Interhospitalflüge, also Transporte von Patienten zwischen zwei Krankenhäusern. Dabei werden Intensiv- oder Notfallpatienten unter medizinischer Begleitung in eine auf ihre Erkrankung spezialisierte Klinik verlegt. Der schnelle und vergleichsweise vibrationsarme Luftweg verringert Transportrisiken und erleichtert eine zeitnahe Weiterbehandlung. Zu den Interhospitalflügen zählen auch Transporte von Medikamenten, Blutkonserven oder Spenderorganen.
Luftrettung bei Nacht
Die ADAC Luftrettung betreibt drei spezialisierte Stationen, die rund um die Uhr einsatzbereit sind, um auch nachts eine notärztliche Versorgung zu gewährleisten. ADAC Luftrettung In der Dunkelheit werden vornehmlich Verlegungsflüge zwischen beleuchteten Landeplätzen durchgeführt, jedoch sind auch Notfalleinsätze möglich, bei denen eine Landung in unbekanntem oder unbeleuchteten Gelände erfolgen muss. Technisch möglich wird dies durch den Einsatz hochsensibler Nachtsichtbrillen, die natürliches Restlicht elektronisch verstärken. In Kombination mit einem abgedunkelten Cockpit entsteht ein abgestimmtes Nachtflugsystem, das eine frühzeitige Erkennung von Hindernissen wie Windrädern oder Hochspannungsleitungen erlaubt.
Windenrettung
Ein besonders anspruchsvoller Einsatztyp ist der Windeneinsatz. Dieser kommt zum Tragen, wenn eine Landung des Hubschraubers nicht möglich ist – beispielsweise im alpinen Gelände, in dichten Wäldern, über Wasserflächen oder bei Katastrophenlagen wie Überschwemmungen. Hierfür wird eine am Hubschrauber fest installierte, elektrisch betriebene Seilwinde verwendet. Diese elektrisch betriebene Vorrichtung ermöglicht es, medizinisches Personal oder eine Trage mit dem Patienten an einem stabilen Stahlseil kontrolliert auf- oder abzuseilen. Die ADAC Luftrettung verfügt an mehreren Stationen über entsprechend ausgestattete Hubschrauber und speziell geschultes Personal. Neben den Piloten sind dabei Windenoperatoren beteiligt, die die Positionierung überwachen und die Seilführung steuern. Um die Sicherheit dieser komplexen Rettungstechnik zu gewährleisten, finden regelmäßig spezielle Trainings statt, die zweimal jährlich durchgeführt werden.
Einsätze im Katastrophenschutz
Die ADAC Luftrettung ist auch im Katastrophenschutz aktiv und unterstützt Behörden im Ernstfall. Hierfür stehen zum Beispiel sogenannte Fachberater Luftrettung für Krisenstäbe und Großschadenslagen in ganz Deutschland bereit, um Behörden, Krisenstäbe und Einsatzleiter im Katastrophenfall mit ihrem Fachwissen zu unterstützen. Regelmäßig beteiligt sich die Organisation an Übungen der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS). Prominente Einsätze waren unter anderem die Flutkatastrophe 2021 in Deutschland. Mehr als 200 Einsätze, darunter 111 Windenrettungen, wurden von der ADAC Luftrettung im Hochwassergebiet geflogen. Auch beim Hochwasser in Süddeutschland 2024 rettete die ADAC Luftrettung Menschen von Dächern, Bäumen und aus überfluteten Häusern.
Forschung und Innovation
Die ADAC Luftrettung engagiert sich aktiv in verschiedenen Bereichen der Forschung, um die Luftrettung durch technologische und medizinische Innovationen weiterzuentwickeln. Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Erprobung neuer Flugtechnologien im Rahmen des Projekts zur Integration von Multicoptern in den Rettungsdienst. In Kooperation mit dem deutschen Luftfahrtunternehmen Volocopter sowie dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) untersucht die ADAC Luftrettung seit 2019 die Einsatzmöglichkeiten elektrisch betriebener Senkrechtstarter (eVTOLs). Ziel dieser Pilotprojekte ist es, die Machbarkeit und Effektivität elektrisch betriebener Fluggeräte im urbanen Raum für Notfalleinsätze zu evaluieren, um die Notfallversorgung insbesondere in urbanen Gebieten zu verbessern. Damit Notärzte schneller an schwer zugängliche Einsatzorte gelangen – beispielsweise bei Verkehrsstörungen oder fehlender bodengebundener Infrastruktur.
Ein weiteres zentrales Projekt in diesem Kontext ist die Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). In mehreren Forschungsinitiativen werden dort unter Beteiligung der ADAC Luftrettung Konzepte zur Integration unbemannter Luftfahrtsysteme (z. B. Drohnen) und zukünftiger automatisierter Einsatzformen im Rettungsdienst untersucht. Dazu zählen etwa simulationsbasierte Studien zum Einsatz von Drohnen zur Erstversorgung oder zur Unterstützung der Einsatzplanung bei Großschadenslagen.
Ein weiteres Forschungsfeld betrifft die Reduktion der CO₂-Emissionen im Luftrettungsbetrieb durch die Nutzung alternativer Kraftstoffe. Im Rahmen mehrerer Pilotprojekte erprobt die ADAC Luftrettung den Einsatz von Biokerosin, einem synthetisch hergestellten, emissionsarmen Flugkraftstoff, der die Umweltbilanz der Hubschrauber deutlich verbessern soll.
Auch im Bereich der präklinischen Notfallmedizin beteiligt sich die Organisation an Studien. Besonders hervorzuheben ist das Projekt zur Mitführung von Blutprodukten im Regelbetrieb. An ausgewählten Stationen – etwa in Ulm – wurden erste Konzepte erfolgreich umgesetzt. Dies ermöglicht lebensrettende Bluttransfusionen direkt am Einsatzort, noch vor dem Eintreffen in einer Klinik.
Darüber hinaus ist die ADAC Luftrettung in wissenschaftliche Vorhaben zur Weiterentwicklung der Urban Air Mobility eingebunden. In Zusammenarbeit mit Hochschulen, Industriepartnern und Forschungsinstitutionen unterstützt sie die Entwicklung neuer Luftverkehrskonzepte, die mittelfristig den bodengebundenen Rettungsdienst durch luftgestützte Lösungen ergänzen oder entlasten sollen. Diese Beteiligung an Studien zur Urban Air Mobility und an interdisziplinären Innovationsprojekten fördert nicht nur technische Fortschritte, sondern trägt auch zur Etablierung zukunftsorientierter Standards im zivilen Rettungswesen bei. Insgesamt dokumentieren die Forschungsinitiativen der ADAC Luftrettung eine enge Verzahnung von Praxis und Wissenschaft und zeigen die impulsgebende Rolle der Organisation innerhalb des deutschen Notfall- und Luftrettungssystems.
ADAC Luftrettung Campus
Mit dem ADAC Luftrettung Campus entsteht am Standort Oberpfaffenhofen ein hochmodernes Zentrum für Verwaltung, Flugbetrieb, Medizin, Technik, Forschung sowie Aus- und Weiterbildung. Unter dem Leitgedanken „United in Safety“ werden dort alle zentralen Bereiche der ADAC Luftrettung zusammengeführt, um Synergien zu nutzen und einheitliche Standards in Ausbildung, Praxis und Forschung zu etablieren. Ziel ist es, Innovationen in der Notfallmedizin und Luftrettung voranzutreiben und die Qualität der Versorgung kontinuierlich zu verbessern. Darüber hinaus beherbergt der Campus auch großzügig ausgestattete Veranstaltungsräume, die nicht nur für interne Schulungen und Fachtagungen genutzt werden, sondern auch externen Partnern, Institutionen oder Unternehmen als Mietobjekte für Kongresse, Seminare und Workshops zur Verfügung stehen.
Tochtergesellschaften und Joint Ventures
Zur ADAC Luftrettung gehören mehrere Tochtergesellschaften und Kooperationen, die unterschiedliche Aufgabenbereiche abdecken.
ADAC HEMS Academy
Die ADAC HEMS Academy wurde 2009 als Tochtergesellschaft der ADAC Luftrettung gegründet und dient als internationales Trainingszentrum mit Schwerpunkt auf Hubschrauberrettungsdienste (Helicopter Emergency Medical Services, HEMS). Neben der Ausbildung von Piloten, medizinischem Fachpersonal und Technikern bietet die Einrichtung auch Beratung im Bereich Luft- und Notfallrettung sowie Schulungen zu Human Factors für weitere Hochzuverlässigkeitsorganisationen (High Reliability Organizations, HRO) an. Grundlage der Ausbildungsprogramme ist die langjährige Erfahrung der ADAC Luftrettung aus über fünf Jahrzehnten Luftrettungstätigkeit und mehr als einer Million Einsätzen.
HMotion
Im Jahr 2023 gründeten die ADAC HEMS Academy und Airbus Helicopters das Joint Venture HMotion. Das gemeinsam gegründete Unternehmen mit dem Namen HMotion widmet sich der Entwicklung und Erprobung von Multicoptern für zukünftige Anwendungen in der Luftrettung. Betrieben wird HMotion in enger Kooperation zwischen der ADAC HEMS Academy und Airbus Helicopters mit dem Ziel, innovative Technologien im Bereich Urban Air Mobility voranzutreiben.
ADAC Telenotarzt
Die ADAC Telenotarzt gGmbH ist eine 100-prozentige Tochter der ADAC Luftrettung und stellt notärztliche Expertise per Telemedizin bereit. Über eine gesicherte Mobilfunkverbindung werden Notärztinnen und Notärzte bedarfsgerecht zu Einsätzen zugeschaltet; Vitaldaten (u. a. 12-Kanal-EKG, Blutdruck, Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung) sowie Bild- und Videomaterial können in Echtzeit übermittelt werden. Einsatzteams und Telenotärzte arbeiten nach CRM-Grundsätzen zusammen, um Diagnostik, Medikation und Therapieentscheidungen zu unterstützen. Der Dienst wird aus mehreren Zentralen betrieben, darunter Gelnhausen (Main-Kinzig-Kreis), München sowie der Standort Bergisches Land (Leverkusen/Mettmann).
ADAC Heliservice
Die ADAC Heliservice GmbH ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der ADAC Luftrettung und übernimmt die Wartung, Instandhaltung und technische Betreuung der eingesetzten Hubschrauberflotte. Dazu gehören regelmäßige Inspektionen, sicherheitsrelevante Überprüfungen sowie die Durchführung von Modifikationen und Modernisierungen. Ziel ist es, die Einsatzbereitschaft der Luftrettungsflotte jederzeit sicherzustellen und technische Innovationen zügig in den Betrieb zu integrieren.
Bau und Infrastruktur
Die ADAC Luftrettung verfügt über umfassende Erfahrung in der Planung, dem Neubau und der Modernisierung von Luftrettungsstationen in Deutschland. Das Unternehmen hat zahlreiche Standorte selbst entworfen und während der Bauphase begleitet. Ein beispielhafter Neubau ist die Station „Christoph 66“ in Imsweiler im Donnersbergkreis. Nach dem Umzug von Eßweiler 2020 errichtet die ADAC Luftrettung ab Herbst 2024 eine neue Station bei Dörnbach/Imsweiler inklusive Hangar und Rettungswinde. Sie soll Anfang 2026 in Betrieb gehen. Aktuelle Projekte umfassen Stationen in Imsweiler, Itzehoe und Bayreuth. Ziel ist der „Hangar der Zukunft“. Das Konzept zielt darauf ab, bestehende Stationen in moderne, modulare Rettungszentren zu überführen. Diese verbinden effiziente Abläufe, hochwertige medizinische Infrastruktur und integrierte Ausbildungseinrichtungen – und tragen damit maßgeblich zur Optimierung der Luftrettung in Deutschland bei.
Öffentlichkeitsarbeit
Die ADAC Luftrettung betreibt Öffentlichkeitsarbeit, um über Aufgaben und Entwicklungen der Luftrettung zu informieren und Akzeptanz für die Notfallrettung aus der Luft zu fördern. Ein Beispiel ist die Kampagne #klangderrettung, die das Rotorengeräusch als lebensrettendes Signal in den Fokus rückt. Zudem informiert die Organisation über Social-Media-Kanäle regelmäßig über Einsätze, Technik und Personal. Einblicke in ihre Arbeit bietet sie bei Tagen der offenen Tür, auf Fachmessen wie dem DIVI-Kongress[6] sowie auf internationalen Kongressen wie dem Flugrettungssymposium[7] oder dem AirMed World Congress.
Auszeichnungen und Bedeutung im Rettungssystem
Die ADAC Luftrettung wurde in den vergangenen Jahren mehrfach für ihre Innovationskraft, Sicherheitsstandards und ihren Beitrag zum Katastrophenschutz ausgezeichnet.
Im Rahmen des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz verliehenen Innovationspreises Reallabore wurde die ADAC Luftrettung für ihr zukunftsweisendes Projekt Multikopter im Rettungsdienst gewürdigt.[8] Ziel des Projekts ist es, den Einsatz unbemannter Fluggeräte – sogenannter Drohnen bzw. Multikopter – zur schnelleren Versorgung von Notfallpatienten zu erproben.
Auch im Hinblick auf betriebliche Sicherheitsmaßnahmen wurde die ADAC Luftrettung anerkannt: Während der COVID-19-Pandemie erhielt sie TÜV-Zertifikate für ihre umfassenden Corona-Sicherheitsstandards, die unter anderem Hygienekonzepte und den Schutz von Patienten und Einsatzpersonal betrafen.
Internationale Beachtung fand die ADAC Luftrettung mit der Verleihung des Preises „Rescue of the Year“ durch Fachmedien aus dem Bereich der Notfall- und Luftrettung.[9] Die Auszeichnung würdigt herausragende Einsätze und Innovationen im Rettungsdienst.
Durch ihre langjährige Erfahrung, die flächendeckende Einsatzstruktur und ihre kontinuierliche Weiterentwicklung gilt die ADAC Luftrettung heute als elementarer Bestandteil des deutschen Rettungsdienstes. Sie trägt zur schnellen und qualifizierten präklinischen Versorgung bei medizinischen Notfällen bei – insbesondere in schwer zugänglichen Regionen oder bei zeitkritischen Einsatzlagen.
Literatur
- Benjamin Homberg: Wir fliegen damit Sie leben. 15 Jahre organisierte Luftrettung. EFB-Verlag, Hanau 1985, ISBN 978-3-88776-022-9.
- Gerhard Kugler: ADACOPTER-2, Erinnerungen. Wolfsfellner Medizin-Verl., München 2010, ISBN 978-3-933266-62-0.
- ADAC-Stationsatlas „Christoph – bitte kommen!“, Ausgabe 2011/12, Hrsg. ADAC-Luftrettung GmbH, Verlag/Realisation Werner Wolfsfellner MedizinVerlag, München 2011, ISBN 978-3-933266-71-2; mit Vorwort der Herausgeber Friedrich Rehkopf, Susanne Matzke-Ahl
- Holger Scholl, Handbuch Luftrettung: Organisation, Einsatz, Taktik und Technik, S + K, Verlagsgesellschaft Stumpf + Kossendey mbH, 2018, ISBN 978-3-943174-93-9; mit Inhaltsverzeichnis, S. 87 ff

