ADINT
für zielgerichtete Werbung eingerichtete Infrastruktur zur Überwachung von Polizei, Militär und Geheimdiensten
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ADINT wird die gezielte Nutzung des Datenhandels der Online-Werbeindustrie durch Polizei, Militär und Geheimdienste zur Überwachung von Personen genannt.[1][2]
Begriff
Das Kofferwort ADINT ist zusammengesetzt aus englisch AD für „advertisement“ (deutsch Werbeanzeige) und englisch INTelligence (deutsch Nachrichtendienstliche Erkenntnisse). Der Begriff wurde vor 2017 gebildet in Analogie zu anderen abgekürzten Quellen der geheimdienstlichen Nachrichtengewinnung wie SIGINT (von englisch Signals Intelligence), HUMINT (von englisch Human Intelligence), OSINT (von Open Source Intelligence), MASINT, IMINT (von englisch Imagery Intelligence) und anderen.[3][1][4]
Beispiele
So werden beispielsweise die Handy-Standortdaten der Werbeindustrie genutzt, um detaillierte Rückschlüsse auf die Aktivitäten von Personen zu ziehen (Bewegungsprofile). Die Wege einzelner Personen mit Zugang zu sicherheitsrelevanten Bereichen lassen sich so nachverfolgen, von Kasernen bis hin zu Privatadressen, vom Supermarkt bis in Bordelle.[5]
Die Vizepräsidentin des EU-Parlaments Katarina Barley und der US-Senator Ron Wyden fordern 2024 öffentlich Konsequenzen auf die databroker files Recherche.[6]
Eine Analyse der Berliner Denkfabrik Stiftung Neue Verantwortung von 2024 zeigt das internationale Geheimdienste und auch deutsche Dienste immer öfter Informationen von kommerziellen Datenhändlern einkaufen.[7][8]
Die Bundesregierung hat 2023 in der Begründung zum Gesetzentwurf zur Änderung des BND-Gesetzes auf den Ankauf von „umfänglichen Werbedatenbanken“ und anderer Register abgestellt.[9]
Der Bundesverband der Verbraucherzentralen schreibt: „Skrupellose Datenhändler sammeln und verbreiten hochsensible Informationen über Menschen, während Webseiten und Apps diese rechtswidrigen Praktiken überhaupt erst ermöglichen und die Aufsichtsbehörden völlig überfordert zu sein scheinen.“[10]
Anfang November 2025 wurde eine weitere Recherche veröffentlicht, die demonstriert, wie leicht es ist, Spitzenpersonal der EU auf diesem Weg umfassend auszuspionieren.[11]
Literatur
- Bob Paul Vines, Franziska Roesner, and Tadayoshi Kohno: Exploring ADINT: Using Ad Targeting for Surveillance on a Budget — or — How Alice Can Buy Ads to Track, Paul G. Allen School of Computer Science & Engineering, University of Washington, 16th ACM Workshop on Privacy in the Electronic Society (WPES 2017)
- Byron Tau: Means of Control: How the Hidden Alliance of Tech and Government Is Creating a New American Surveillance State. Hrsg.: Crown. Crown, 2024, ISBN 978-0-593-44322-4, S. 400.
- Corbinian Ruckerbauer, Dr. Thorsten Wetzling: Informationsbeschaffung mit der Kreditkarte: Wie nachrichtendienstliche Datenkäufe verfassungsrechtliche Mindeststandards unterlaufen. Stiftung Neue Verantwortung, 28. Mai 2024, abgerufen am 30. Dezember 2025.
Weblinks
- ADINT: Using Targeted Advertising for Personal Surveillance, Paul G. Allen School of Computer Science & Engineering, University of Washington