AGM-190
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Der AGM-190 ist ein kleiner, luftgestützter Marschflugkörper, der in den Vereinigten Staaten entwickelt wird. Eine weitere Bezeichnung lautet Black Arrow.
| AGM-190 | |
|---|---|
| Allgemeine Angaben | |
| Typ | Marschflugkörper |
| Heimische Bezeichnung | AGM-190, Black Arrow |
| Herkunftsland | |
| Hersteller | Leidos Dynetics |
| Entwicklung | 2021 |
| Indienststellung | in Entwicklung |
| Stückpreis | <150.000 US-Dollar |
| Technische Daten | |
| Gefechtsgewicht | 90 kg |
| Antrieb | Turbojet |
| Geschwindigkeit | 275 m/s (Mach 0,8) |
| Reichweite | 740 km |
| Dienstgipfelhöhe | 9.000 m |
| Ausstattung | |
| Lenkung | INS, GPS, Datenlink |
| Zielortung | Wärmebildkamera (IIR) |
| Gefechtskopf | 22,7 kg Splitter-Sprenggefechtskopf |
| Waffenplattformen | Flugzeuge, Unbemannte Luftfahrzeuge |
| Listen zum Thema | |
Entwicklung
Bei Leidos Dynetics begann man 2021 mit den ersten Entwicklungsarbeiten für einen kleinen Marschflugkörper. 2022 trat an Leidos Dynetics das United States Special Operations Command (USSOCOM) heran. Für dieses sollte Leidos Dynetics im Rahmen des Programms „Small Cruise Missile“ (SCM) ein kleiner, kostengünstiger Marschflugkörper entwickeln. Dieser sollte in großer Anzahl von unbemannten Luftfahrzeugen und Spezialflugzeugen zum Einsatz gebracht werden können und eine Reichweite von 740 km (400 sm) erzielen. Daraufhin begann Leidos Dynetics die Entwicklung des nun „Black Arrow“ bezeichneten Marschflugkörpers. Um die Entwicklungskosten gering zu halten, griff Leidos Dynetics auf verschiedene Komponenten aus früheren Projekten, wie die GBU-69 Small Glide Munition und die X-61 Gremlins zurück. Der erste Flugtest eines „Black Arrow“ erfolgte im Oktober 2024 und bis im Mai 2025 wurde eine Reichweite von 740 km nachgewiesen. Im November desselben Jahres bekam der „Black Arrow“ vom Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten die Bezeichnung AGM-190A. Die operationelle Reife ist für Ende 2026 angestrebt und ab 2027 soll die Serienfertigung beginnen.[1][2][3][4]
Technik
Der AGM-190 ist ein kleiner, luftgestützter Marschflugkörper für die Bekämpfung von stationären und beweglichen Landzielen. Aufgrund seiner geringen Größe hat der Marschflugkörper einen sehr kleinen Radarquerschnitt, was eine Ortung und Bekämpfung erschwert.
Über den Aufbau, Größe und die Technik des AGM-190 ist wenig bekannt. Der Marschflugkörper hat ein Gewicht von rund 90 kg (200 lb). Angetrieben wird er von einem TJ150-7-Turbojet von Pratt & Whitney, mit einer Schubkraft von 667 N. Anstatt eines herkömmlichen Lufteinlaufes ist an der Rumpfunterseite eine Öffnung angebracht. Die Lenkeinheit besteht aus einem INS, einem GPS-Empfänger mit einem Selective Availability Anti-Spoofing Module (SAASM) sowie einem Weapon Data Link. Für den Zielanflug ist eine Wärmebildkamera (IIR) mit Focal plane array sowie digitaler Bildverarbeitung verbaut. Als Sprengkopf kommt ein 22,7-kg-Splitter-Sprenggefechtskopf zur Anwendung. Oben auf dem Rumpf ist die Tragfläche angebracht. Diese ist beim Transport parallel zum Bombenrumpf montiert und wird nach dem Abwurf um 90° gedreht. Am Heck sind vier Steuerflächen angebracht.[1][2][5]
Als erste Einsatzplattformen für den AGM-190 sind die unbemannten Luftfahrzeuge MQ-1 „Predator“, MQ-1C Gray Eagle, MQ-9 „Reaper“, die Spezialflugzeuge AC-130W „Stinger II“, AC-130J „Ghostrider“ sowie das COIN-Flugzeug OA-1 „Skyraider II“ vorgesehen. Der AGM-190 ist in quaderförmigen Behältern verpackt und wird in diesem transportiert. Für den Abwurf wird aus diesem Behälter ausgestoßen. Unter anderem werden die Waffenauswurfvorrichtungen BRU-71 und BRU-78 mit den 356 mm-Bombenschlössern (14 inch) verwendet. Mit dem palettierten Einweg-Waffenmodul Rapid Dragon können zeitgleich mehrere AGM-190 aus den Heckrampen von Spezial- und Transportflugzeugen abgeworfen und gestartet werden. Weiter kann der Abwurf des Marschflugkörpers auch mit dem Gunslinger Weapons System über die Heckrampe oder über das Derringer Door von Spezialflugzeugen erfolgen.[2][6][7][8]
Nach dem Abwurf entfalten sich die Flügel und das Triebwerk wird gestartet. Der Marschflug kann im Tiefflug oder in einer Flughöhe von bis zu 9000 m erfolgen. Der Flug in Ziel geschieht autonom nach dem Fire-and-Forget-Prinzip. Dabei beträgt die Fluggeschwindigkeit rund 275 m/s (Mach 0,8). Während dem Flug kann der Marschflugkörper verschiedene Wegpunkte anfliegen und den Kurs ändern. Für den Zielanflug wird der IIR-Suchkopf zugeschaltet. Mit diesem Suchkopf sollen unter Verwendung KI-gestützter Bilderkennungs-Algorithmen auch bewegliche Ziele präzise getroffen werden. Der Streukreisradius (CEP) soll bei rund 3 m liegen.[1][2][6][9]