AN-M50
Brandbombe
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AN-M50 bezeichnet eine Reihe US-amerikanischer Stabbrandbomben, die beladen in Streubomben während des Zweiten Weltkriegs produziert und eingesetzt wurden.
| AN-M50 | |
|---|---|
| Allgemeine Angaben | |
| Typ: | Brandbombe |
| Herkunftsland: | |
| Hersteller: | Ordnance Department & Chemical Warfare Service (CWS) |
| Entwicklung: | 1941 |
| Indienststellung: | 1942 |
| Einsatzzeit: | 1942–1950-Jahre |
| Technische Daten | |
| Gefechtsgewicht: | 1,59 kg |
| Länge: | 0,55 m |
| Durchmesser: | 42,9 mm (Schlüsselweite) |
| Spannweite: | 42,9 mm |
| Ausstattung | |
| Gefechtskopf: | 0,29 kg Thermit |
| Zünder: | Aufschlagzünder |
| Waffenplattformen: | Bomber |
| Liste von Bomben nach Herkunftsnation | |
Entwicklung
Ende 1941 erhielt die United States Army Air Forces (USAAF) von den Briten eine Anzahl INC 4 LB MK II-Stabbrandbomben sowie deren Konstruktionspläne. Diese Stabbrandbombe wurde gemeinsam vom Ordnance Department sowie dem Chemical Warfare Service (CWS) nachgebaut und bekam die Bezeichnung AN-M50. Im Frühling 1942 wurden die ersten AN-M50 an die USAAF geliefert. Eine weit größere Anzahl wurde im Rahmen des Leih- und Pachtgesetzes an die Royal Air Force abgegeben. Die Produktionszahlen während des Zweiten Weltkrieges gingen in die Millionen. Basierend auf dem Entwurf der AN-M50 entstanden die Stabbrandbomben AN-M52, AN-M54 und nach dem Krieg die M126.[1][2][3]
Technik
Die AN-M50 war eine Stabbrandbombe die verpackt in Streubomben abgeworfen wurde. Sie wurde im Flächenbombardement gegen dichtbebaute Stadtgebiete mit möglichst hohem Anteil an Holzbauten eingesetzt. Die Bomben konnten aus mittlerer sowie großer Flughöhe abgeworfen werden. Sie wurden beim Aufschlag auf der Erdoberfläche gezündet.
Bomben

Die Bombe hatte eine längliche Rumpfform mit einem sechseckigen Querschnitt. Der Bombenkörper hatte eine Länge von 0,34 m. Hinten im Bombenkörper, beim Zünder waren seitlich drei Bohrungen angebracht, welche die anfängliche Redoxreaktion des Thermits unterstützten. Weiter war dort der mechanische Aufschlagzünder mit der Zündladung verbaut. Der flache Bombenkopf bestand aus Stahl. Der Bombenkörper bestand aus brennbarem Elektron und war mit 0,29 kg TH3-Thermit befüllt. Dies war eine Mischung aus 68,7 % Thermit, 29 % Bariumnitrat, 2 % Schwefel und 0,3 % Bindemittel wie z. B. PBAN.[4] Das ebenfalls sechseckige Heckteil war 0,21 m lang und bestand aus gefalzten Blechen. Das hohle Heckteil war mit drei Schrauben am Bombenkörper befestigt. Die Grundfarbe der Bombe war anfänglich grau und später hellrot. Ein lila Streifen am Bombenheck kennzeichnete die AN-M50 als Brandbombe. Bombennomenklatur und Chargennummer sind auf dem Körper in lila oder schwarz aufgedruckt. Teilweise wurden Bomben nicht markiert, wenn sie innerhalb von 72 Stunden in Streubomben gefüllt wurden.[5] Die teilweise unvollständige Kennzeichnung der Typen hat mehrfach zu Problemen bei Bombenentschärfung, Demilitarisierung und Entsorgung dieser Typenreihe geführt.[6]
Die Bomben wurden für den Abwurf in Streubehälter und Streubomben gepackt. Dabei wurde ein seitlich am Bombenkörper angebrachter, federbelasteter Sicherungsstift durch die Nachbarbombe eingedrückt. Dieser blockierte die Zündnadel des Aufschlagzünders. Nach dem Abwurf der Streubombe folgte diese einer ballistischen Kurve. Nach einer vorbestimmten Zeit wurden die Sprengringe und dadurch die Bombenbeplankung weggesprengt. Mit dem Ausstoßen aus der Streubombe trennten sich die AN-M50 aus dem Bündel und wurden dadurch scharf. Die AN-M50-Bomben verteilten sich nun nach dem Gießkannenprinzip über der Zielfläche. Der Bombenkopf der AN-M50 war so konstruiert, dass die Bombe Dachziegel und Betonplatten bis zu einer Stärke von 76–102 mm durchschlagen konnte.[7] Beim Aufprall schlug ein Schlagbolzen auf die Zündladung und nach einer kurzen Verzögerung begann die Thermitreaktion im Bombenkörper. Dabei trat eine grelle Stichflamme aus der Bombe hervor. Die Thermitreaktion entzündete dabei den Bombenkörper aus Elektron. Die AN-M50 brannte nun während 9,5 bis 10,5 Minuten mit einer Brenntemperatur von bis zu 2400 °C ab und zerschmolz zu einer weißglühenden, brennenden Metallschmelze. Ein direktes Löschen der AN-M50 mit Wasser oder Sand war nicht möglich. Sich einer abbrennenden AN-M50 zu nähern, war durch die teilweise verbauten Schwarzpulver- und Tetryl-Ladungen in dem Bombenkopf gefährlich.[8][9] Von der AN-M50-Bombe entstanden die folgenden Modelle:[2][9]
- AN-M50: Initialversion für Tests.
- AN-M50A1: 1. Serienversion. Die an die britische RAF gelieferten Exemplare dieser Version wurden dort als INC 4 lb. Mk.V. eingeführt.[10] Im Jahr 1944 ausgesondert.
- AN-M50A2: 2. Serienversion mit geringerer Wanddicke und wasserdichtem Zünder.
- AN-M50A3: Version für den Abwurf mit der AN-M32-Streubombe.
- AN-M50XA1: Mit 11 g Schießpulver hinter dem Bombenkopf. Dieses explodierte nach rund 1,5 Minuten und verstreute das brennende Thermit. Die an die britische RAF gelieferten Exemplare dieser Version wurden dort als INC 4 lb. Mk.IV.E eingeführt.[10]
- AN-M50XA2 Typ A: Mit 3 Tetryl-Kugeln im Bombenkopf. Diese explodierten nach einer Verzögerung von 2–4 Minuten und zerlegten den Bombenkopf in Splitter. Die an die britische RAF gelieferten Exemplare dieser Version wurden dort als INC 4 lb. Mk.III.X eingeführt.[10]
- AN-M50XA2 Typ B: Mit 3 Tetryl-Kugeln im Bombenkopf. Diese explodierten nach einer Verzögerung von 60–70 Sekunden und zerlegten den Bombenkopf in Splitter.
- AN-M50XA3 Typ A: Version der AN-M50XA2 Typ A mit wasserdichtem Zünder.
- AN-M50XA3 Typ B: Version der AN-M50XA2 Typ B mit wasserdichtem Zünder.
- AN-M50T: Mit einer Füllung aus 80 % Thermit und 20 % Cadmium. Beim Abbrennen der Bombe entstand hochgiftiger Rauch und Cadmiumoxid.
- AN-M50TA2: Ausführung der AN-M50A2, befüllt mit einem nicht näher bezeichnetem chemischen Kampfstoff.
- AN-M50TA3: Ausführung der AN-M50TA2, mit 3 Tetryl-Kugeln im Bombenkopf. Diese explodierten nach einer Verzögerung von 1,5–6 Minuten und zerlegten den Bombenkopf in Splitter.
Streubomben

Die AN-M50 wurden als Bündel in Streubehältern und Streubomben verpackt. Diese waren im Querschnitt kreisförmig oder sechseckig. Dadurch konnten sie als Bündel mit unterschiedlicher Bestückung und Gewicht zusammengestellt werden:[11][12][13][14]
- AN-M6: mit M5-Adapter mit 34 × AN-M50, Gewicht 45 kg
- AN-M14: mit M10-Adapter mit 110 × AN-M50, Gewicht 227 kg
- AN-M17: mit M10-Adapter mit 110 × AN-M50, Gewicht 227 kg
- AN-M32: mit M26-Adapter mit 108 × AN-M50, Gewicht 280 kg
- M7: mit M6-Adapter mit 128 × AN-M50, Gewicht 227 kg
- M17: mit M10-Adapter mit 110 × AN-M50, Gewicht 227 kg
- E31: mit M5-Adapter mit 34 × AN-M50, Gewicht 45 kg
Einsatz
Ab dem Frühling 1942 wurden AN-M50-Bomben von der United States Army Air Forces (USAAF) und der Royal Air Force massenhaft bei Angriffen auf Städte in Europa verwendet. Bei den Luftangriffen auf japanische Städte wurde die AN-M50 nicht häufig eingesetzt, da mit den Napalm-Stabbrandbomben AN-M69 und AN-M74 deutlich bessere Resultate erzielt wurden.[7][8] Die AN-M50-Bomben verblieben bis in die 1950er-Jahre im Arsenal der USAAF und wurden dann ausgesondert.
Nutzerstaaten
Literatur
- US-Army: TM 9 1385 1 Surface Explosive Ordnance Disposal, War Department, Department Technical Manual, 1961, (Volltext online)
- US-Navy: OP 1664, US Explosive Ordnance, Volume 2, Department of the Navy, Bureau of Ordnance, dated 28 May 1947, (Volltext online)
- US-Army: TM 9-1904 Ammunition Inspection Guide 1944-03-02, War Department, Department Technical Manual, dated 2 March 1944, (Volltext online)