AWG Bassum
Tochterunternehmen des Landkreises Diepholz und mit der Abfall- und Kreislaufwirtschaft betraut
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Die AbfallWirtschaftsGesellschaft mbH Bassum (AWG) ist ein Tochterunternehmen des Landkreises Diepholz und mit der Abfall- und Kreislaufwirtschaft betraut. Sie ist Mitglied im Verband kommunaler Unternehmen e.V. (VKU).
| AbfallWirtschaftsGesellschaft mbH | |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH |
| Gründung | 1972 |
| Sitz | Entsorgungszentrum Bassum Klövenhausen 20, 27211 Bassum |
| Leitung | Sebastian Koch (Geschäftsführer)[1] |
| Mitarbeiterzahl | 173[2] |
| Umsatz | 44,12 Mio. Euro[2] |
| Branche | Abfallwirtschaft |
| Website | www.awg-bassum.de |
| Stand: 31. Dezember 2023 | |
Geschichte
Seit den 1930er-Jahren übernahmen im Landkreis Diepholz landwirtschaftliche Lohnunternehmen Aufgaben der Müllentsorgung. 1972 nahm der Müllzweckverband Grafschaft Hoya, der erste direkte Vorläufer der AWG, seinen Betrieb mit zunächst zwei Müllfahrzeugen auf. In den folgenden Jahren richteten weitere Gemeinden eigene Entsorgungsstrukturen ein. Mit der Kreisreform 1977 und der Gründung des Landkreises Diepholz entstand in Syke-Barrien eine zentrale Kreisabfallbeseitigung. Im Jahr darauf wurde die Zentraldeponie in Bassum eingeweiht.[3]
1988 wurde die Organisation in das eigenständige „Amt für Abfallwirtschaft“ umgewandelt, auch Kreisabfallwirtschaft oder abgekürzt KAW genannt. 1990 folgten die Einführung der Biotonne und der Bau der ersten Ausbaustufe des Kompostwerks. 1993 ging das „Amt für Abfallwirtschaft“ in den Eigenbetrieb „Kreisabfallwirtschaft“ über[3] und errichtete ein Kompostwerk für Bio- und Grünabfälle.[4] 1997 nahm die mechanisch-biologische Restabfallbehandlungsanlage (RABA) den Betrieb auf. Ein Jahr später, 1998, wurde die Kreisabfallwirtschaft in die heutige AbfallWirtschaftsGesellschaft mbH, ein wettbewerbsorientiertes Unternehmen, umgewandelt.[5]
2005 ging das Heizkraftwerk Blumenthal in Betrieb,[4] 2007 folgte eine Biogasanlage. 2010 nahm ein Blockheizkraftwerk den Betrieb auf, das Wärme an das Syker Krankenhaus liefert.[6] Seit 2012 wurden die Wertstoffhöfe ausgebaut; zudem wurden Mini-Wertstoffhöfe eingerichtet, um die Wertstofferfassung zu verbessern und qualitativ hochwertige Recyclingmaterialien zu gewinnen.[3]
Ab 2017 wurde die Deponie in Bassum erweitert; nach Abschluss der Arbeiten wurde der Altbereich stillgelegt.[3][7] Die Erweiterung erfolgte unter der Auflage, dass die AWG Bassum auf der Anlage Restabfälle sortiert und nachbehandelt sowie Bio- und Grünabfälle zu Kompost verwertet.[6] Ein Teil der Altdeponie, der bereits zwischen 1978 und 1990 befüllt worden war, wurde ab 2020 nach dreißigjähriger Ruhezeit rekultiviert.[8] Seit 2024 setzt die AWG Bassum als zweites Unternehmen in Deutschland einen elektrischen Seitenlader ein, der Lärm und Emissionen bei der Abfallentsorgung verringern soll.[9]
Unternehmensstruktur
Die AWG Bassum (vollständiger Name AbfallWirtschaftsGesellschaft mbH Bassum) ist zu 100 % ein Tochterunternehmen des Landkreises Diepholz.[10] Geschäftsführer ist seit Juli 2024 Sebastian Koch, der zuvor seit 2018 kaufmännischer Leiter und Prokurist des Unternehmens gewesen war.[11]
Die beiden Tochtergesellschaften der AWG Bassum sind (Stand 2023) die Humus-Vermarktungs-GmbH und die hkw blumenthal GmbH, die beide ihren Sitz in Bassum haben.[2] Die 1993 entstandene Humus-Vermarktungs-GmbH hat die Aufgabe, die gesammelten Grünabfälle zu kompostieren und anschließend als beispielsweise Humus zu vermarkten.[12] Anschließend verwertet die hkw blumenthal GmbH die Ersatzbrennstoffe in dem Heizkraftwerk Blumenthal in Bremen energetisch weiter. Die hkw blumenthal wurde von der AWG Bassum als Joint Venture mit der Bremer Woll-Kämmerei gegründet, die technische Betriebsführung übernimmt der Energie- und Umweltdienstleister Brewa.[3][2][13][14]
Geschäftsbereiche
Die AWG Bassum verwertet und behandelt in den eigenen Anlagen im Landkreis Diepholz etwa 200.000 Tonnen Abfall. Unter den Abfällen sind Metallschrott, Altglas, Altpapier und Kartons. Diese bearbeitet das Unternehmen anschließend am Rande von Bassum in seinem Entsorgungszentrum.[15][6] Weiter betreibt sie vier großräumige Wertstoffhöfe (Aschen, Sulingen, Bassum, Stuhr/Weyhe), mindestens neun Mini-Wertstoffhöfe (Stuhr, Weyhe, Bruchhausen-Vilsen, Lemförde, Barnstorf, Rehden, Wagenfeld, Siedenburg, Kirchdorf) und diverse andere Sammelstellen.[16]
Über 70 % der eingesammelten Abfälle werden verwertet. Mit der Restabfallbehandlungsanlage (RABA),[17] dem Kompostwerk, einer Zentraldeponie mit Kläranlage, einem Problemabfallzwischenlager und weiteren Einrichtungen verfügt die AWG über ein breites Spektrum an abfalltechnischen Anlagen.
Die AWG Bassum produziert im Zuge der Abfallverwertung und aus regenerativer Energie eigenen Strom. Rund zwei Drittel ihres eigenen Stroms produziert die AWG Bassum aus heizwertreichen Restabfällen,[18] rund ein Drittel aus Biogasproduktion aus Abfällen, Windenergie sowie Photovoltaikanlagen. Den erzeugten Strom nutzt die AWG Bassum selbst oder verkauft ihn am Markt.[6]
Engagement
Die AWG Bassum veranstaltet die jährliche Gemeinschaftsaktion „Wir räumen auf“. Dabei werden Menschen aufgerufen, alleine oder gemeinschaftlich bei Spaziergängen unachtsam weggeworfenen Abfall einzusammeln; entsprechende Sammelsets werden von der AWG Bassum zur Verfügung gestellt.[19] 2023 nahmen beispielsweise mehr als 4.500 Menschen an der Aktion teil.[20][21]
Bei der Aktion „Spenden statt entsorgen“ arbeitet die AWG Bassum seit dem Jahr 2020 mit mehreren Reparaturcafés zusammen. Hierbei können auf den Wertstoffhöfen der AWG Elektrogeräte, die kleine oder gut reparierbare Defekte haben, in eine aufgestellte Box gelegt werden.[22] Seit 2021 betreibt die AWG Bassum unter dem Namen „AWG bewegt“ eine Crowdfunding-Webseite, auf der Projekte vorgeschlagen und finanziell unterstützt werden können.[23]
