Abeokuta
Ort in Nigeria
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Abeokuta (Yoruba für „Zuflucht zwischen den Felsen“) ist eine Großstadt im Südwesten Nigerias und die Hauptstadt des Bundesstaates Ogun. Sie liegt am Ogun-Fluss in einer waldreichen Savanne mit einigen Felshügeln am Stadtrand. Im Jahr 2012 hatte Abeokuta 860.298 Einwohner.[1] Die geschätzte Einwohnerzahl betrug im Jahr 2022 auf Grundlage dieser Definition 735.000, obwohl sich das Stadtgebiet seit der letzten Volkszählung bis in den benachbarten Verwaltungsbezirk Odeda ausgedehnt hat.
| Abeokuta | ||
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| Koordinaten | 7° 9′ N, 3° 21′ O | |
| Basisdaten | ||
| Staat | Nigeria | |
| Bundesstaat | Ogun | |
| ISO 3166-2 | NG-OG | |
| Höhe | 66 m | |
| Einwohner | 860.298 (2012) | |

Die Stadt ist der Sitz eines der fünf Oberhäupter des Yoruba-Volkes, der Alake genannt wird. Seit 1997 ist Abeokuta auch Sitz des römisch-katholischen Bistums Abeokuta, dessen Hauptkirche die Peter-und-Paul-Kathedrale ist.
Geschichte
Die Egba – eine Untergruppe der Yoruba – lebten um 1800 rund um die Hauptstadt des Oyo-Reiches Ile-Ife. Als dieses Reich zerfiel, lösten sich die Egba unter Lisabi von der Zentralverwaltung. Der dadurch ausbrechende Bürgerkrieg verdrängte die Egba nach Süden, zur Küste hin. Bei einer markanten Felsformation gründeten sie 1830 Abeokuta. Als sich die Zentralmacht im Norden und die bereits selbständig gewordenen Ijebu (eine andere Unterethnie der Yoruba) im Süden gegen die Egba verbündeten, wurden viele Egba getötet oder versklavt.[2]
Viele „Saros“ siedelten sich Abeokuta an. Dies waren Menschen, die versklavt und nach Amerika verschifft, aber später auf hoher See von der Royal Navy befreit worden waren. Die Briten hatten sie in Sierra Leone an Land gelassen und manche unter ihnen hatten sich 2.500 km zurück in die Heimat durchgeschlagen. Die Stadt hatte durch den Bürgerkrieg im Oyo-Reich einen Großteil seiner Einwohner verloren, die Saro waren darum sehr willkommen. Sie hatten inzwischen überwiegend den christlichen Glauben angenommen, aber weder eine Kirche noch Geistliche.[3]
Abeokuta gehört (zusammen mit Badagry und Calabar) darum zu den ersten Orten in Nigeria, die missioniert wurden. Im Januar 1843 gründeten für die anglikanische CMS Henry Townsend und Samuel Ajayi Crowther die anglikanische Missionsstation, im Dezember stieß der wesleyanische Methodist Thomas Birch Freeman hinzu. Seit etwa 1900 war man über eine Schienenverbindung mit Lagos verbunden. Als lokale Bauern mit der Kultivation von Kakao begannen und die Kakaobohnen über die Schiene leicht zum Hafen Apapa gebracht werden konnten, brachte dies einen bescheidenen Wohlstand.[3]
Die Stadt behielt in der Kolonialzeit bis 1918 eine gewisse Selbständigkeit. Als aber während des Ersten Weltkrieges rund um Abeokuta Aufstände gegen die Zwangsrekrutierungen ausbrachen, wurden diese mit brutaler Gewalt niedergeschlagen. Die britische Öffentlichkeit empörte sich hierüber dermaßen, dass der reaktionäre Gouverneur Frederik Lugard durch den konzilianteren Hugh Clifford abgelöst wurde. Die Egba verloren jedoch ihre Unabhängigkeit und wurden in die Kolonie Nigeria eingegliedert.[4] Ihr damaliges Territorium entspricht in etwa dem heutigen Bundesstaat Ogun.
Kultur
In Abeokuta befindet sich die private Crescent University. Die Stadt ist außerdem Sitz des römisch-katholischen Bistums Abeokuta. 1946 wurde die Frauenorganisation Abeokuta Women’s Union gegründet.
Ein örtlicher Fußballverein ist der Gateway United FC. Die Stadt war ein Spielort der Fußball-Afrikameisterschaft der Frauen 1998. Auch die erste Auflage der westafrikanischen Fußballmeisterschaft, der WAFU Cup of Nations 2010, fand in Abeokuta statt.
Tourismus

Abeokutas Name verweist auf einige Felsformationen in der Nähe, mit der Namensbedeutung „Zuflucht zwischen den Felsen“ ist vor allem der Olumo Rock gemeint. Dem Felsen kommt eine spirituelle Bedeutung zu und er ist ein Touristenziel.
Zwei äußerst unterschiedliche Persönlichkeiten stammen aus Abeokuta und sie bestimmen beide das gesellschaftliche Leben der Stadt: der Diktator und spätere (demokratisch gewählte) Präsident Nigerias Olusegun („Oluschegun“ ausgesprochen, mit der Betonung auf dem ersten U) Obasanjo sowie der charismatische Sänger Fela Kuti, dessen Mutter sich bei einer von Obasanjo angeordneten Razzia bei einem Fall aus einem Fenster tödlich verletzte. Kuti verarbeitete seine Trauer und Wut im Song „Coffin for Head of State“ (ein Sarg für den Staatschef). Die Familie Kuti (zu der auch Literaturnobelpreisträger Soyinka gehört) zählt bis heute zu den ausgesprochenen Gegnern Obasanjos.
Die präsidentielle Bibliothek (Olusegun Obasanjo Presidential Library)[5] von Olusegun Obasanjo ist ein Touristenziel. Obasanjo führte als Oberst im Biafrakrieg die entscheidende Operation zur Niederringung der abtrünnigen Region Biafra durch, war später Generalstabschef unter Diktator Murtalla Mohammed, entkam während eines Putsches seiner Ermordung durch eine Verwechslung, wurde selbst (gegen seinen Willen) Diktator und führte sein Land in die Demokratie, saß unter Sani Abacha in der Todeszelle und wurde danach zwei Mal demokratisch zum ersten Präsidenten der (bis heute bestehenden) Vierten Republik gewählt. Die Bibliothek ist weniger eine Bücherei als ein Museum über das bewegte Leben des Generals und Politikers.
Das Kuti Heritage Museum erinnert an den 1997 an AIDS verstorbenen Musiker Fela Kuti.

Abeokuta ist für Adire bekannt, eine Art von gefärbtem Stoff, der traditionell von Yoruba-Frauen unter Verwendung verschiedener Resist-Färbetechniken hergestellt wird. Es handelt sich um einen Stoff, der mit Wachsbatik-Verfahren gestaltet wird, wodurch gemusterte Designs in einer schillernden Vielfalt an Farbtönen und Nuancen entstehen. Der Textilmarkt im Stadtteil Itoku ist darum ein weiteres Touristenziel.
Der Palast des Alake, des traditionellen Herrschers der Egba, ist öffentlich zugänglich.
Wirtschaft und Infrastruktur
Die Stadt liegt im Zentrum eines Kakaoanbaugebiets und zeichnet sich durch eine moderne Missionsklinik aus. An Industriebetrieben verfügt Abeokuta unter anderem über eine Großbrauerei und ein Zementwerk; daneben gibt es Betriebe, die sich auf das Färben handgewebter Stoffe spezialisiert haben. Die Stadt ist darüber hinaus Umschlagplatz für Agrarerzeugnisse (Palmprodukte, Kakao).
Seit 2021 gibt es eine Normalspur-Zugverbindung Abeokutas mit Lagos und Ibadan.[6] Fahrscheine können nur am Schalter und nur gegen Bargeld erworben werden.[7] Die Abfahrtszeiten nach Lagos sind um 10:00 und 18:00, die nach Ibadan um 8:30 und 16:30.

Söhne und Töchter der Stadt
- Funmilayo Ransome-Kuti (1900–1978), Politikerin, Lehrerin und Frauenrechtlerin
- Christiana Abiodun Emmanuel (1907–1994), Kirchengründerin und Missionarin
- Amos Tutuola (1920–1997), Schriftsteller
- Lateef Oladimeji Adegbite (1933–2012), Jurist und Politiker
- Bola Ajibola (1934–2023), Jurist, Richter am Internationalen Gerichtshof (1991–1994)
- Wole Soyinka (* 1934), Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger
- Taiwo Akinkunmi (1936–2023), Staatsbeamter, entwarf die heutige Flagge Nigerias
- Moshood Abiola (1937–1998), Politiker und Geschäftsmann
- Olayinka Koso-Thomas (* 1937), Gynäkologin
- Olusegun Obasanjo (* 1937), Staatspräsident Nigerias
- Fela Kuti (1938–1997), Saxophonist und Bandleader
- Bekololari Ransome-Kuti (1940–2006), Politiker, Bürgerrechtler und Arzt
- Peter Akinola (* 1944), anglikanischer Bischof; Primas der Church of Nigeria
- Mudashiru Lawal (1954–1991), Fußballspieler
- Alfred Adewale Martins (* 1959), römisch-katholischer Bischof Erzbischof von Lagos
- Dimeji Bankole (* 1969), Politiker
- Carsten Haitzler (* 1975), australisch-deutscher Software-Entwickler und Initiator des Enlightenment-Projekts
- Olaseni Lawal (* 1986), US-amerikanisch-nigerianischer Basketballspieler
- Ayomide Folorunso (* 1996), italienische Leichtathletin nigerianischer Herkunft
Weblinks
- Abeokuta City Context Report. The Global Future Cities Programme, 14. Juni 2020
