Abischag
biblische Figur
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Abischag (auch: Abishag) war im Alten Testament eine Frau, die den 70 jährigen König David in Jerusalem in seinen letzten Lebenswochen pflegte.


Etymologie

Die Bedeutung des hebräischen Personennamens אֲבִישַׁג ’ǎvîšag „Abischag“ ist unklar. Es handelt sich wohl um einen Satznamen, bestehend aus Subjekt und Prädikat. Das Subjekt (und zugleich theophore Element) ist אָב ’āv, deutsch ‚Vater‘, das Prädikat ist unklar. Der Name bedeutet „Vater ist ...“ Die Septuaginta gibt den Namen mit Αβισακ Abisak wieder, die Bibel (Vulgata) mit Abisag.
Erwähnung in der Bibel

Der hochbetagten König David fror trotz zahlreiche Decken. Seine Diener suchten deshalb ein unberührtes Mädchen, das ihn pflegt, bedient und wärmt, indem es an seiner Seite schläft. Die Höflinge fanden einen junge Frau namens Abischag, die aus der kleinen Ortschaft Schunem, nördlich von Jerusalem, stammte. Sie war laut 1. Buch der Könige ein „überaus schönes“ Mädchen und sie diente bis zu Davids Tod dem alternden Herrscher, hatte aber keine geschlechtliche Beziehung mit ihm, doch der König erkannte sie nicht lautet dafür die Formulierung im Alten Testament (1 Kön 1,4 EU). Der für diese Form der Pflege beziehungsweise „Therapie“ gebräuchliche Begriff „Sunamitismus“, leitet sich von Abischag von Sunem ab. Dem Talmud zufolge (Synhedrin, fol 22a) erlaubten die geistlichen Beistände des Königs zwar ein „Beisammensein“ mit Abischag, nicht aber eine Scheidung von einer seiner anderen Frauen, um sie zu heiraten. Nach dessen Ableben erbat sich Davids Sohn Adonija mit dessen fünften Ehefrau Haggit - durch Vermittlung von Salomons Mutter Batseba - die Abischag zur Frau. Doch Salomo erkannte darin einen Thronanspruch und ließ den Konkurrenten – seinen eigenen Halbbruder – von Benaja ermorden (1 Kön 2,17–25 EU). Danach findet Abischag in der Bibel keine weitere Erwähnung.
Gesellschaftshistorischer Hintergrund
Die Geschichte von Adonijas Heiratsbitte deutet darauf hin, dass Abischag trotz des Fehlens sexueller Beziehungen als Nebenfrau Davids und damit als Teil seines Harems galt.[1][2]
Der "Besitz" von (d. h. Sexualkontakt mit) Frauen eines (auch verstorbenen) Königs wird auch an anderen Stellen des deuteronomistischen Geschichtswerks mit dem Thronanspruch verbunden, so bei Abner und Rizpa (2 Sam 3,7 EU) und bei Absalom und Davids Nebenfrauen (2 Sam 16,22 EU).
Verfilmungen
In Die Bibel – Salomon von 1997 wurde Abischag durch die Italienerin Maria Grazia Cucinotta dargestellt, in Salomon und die Königin von Saba von 1959 durch die ebenfalls aus Italien stammende Marisa Pavan.
Literarische Rezeption
Ein Drama in einem Vorspiel und drei Aufzügen verfasste Gerdt von Bassewitz über dieses Thema mit dem Titel Die Sunamitin. Es erschien in Buchform in Leipzig 1912 beim Ernst Rowohlt Verlag und war das erste von drei David-Dramen des Verfassers. Bassewitz erhielt für das Stück mit Arno Holz und Frank Wedekind zusammen den Preis, den die Kölner literarische Gesellschaft für „ernst zu nehmende Autoren“ in jenem Jahre zum ersten Mal ausgesetzt hatte. Die Uraufführung fand im Winter dieses Jahres in Köln statt.[3]
Rainer Maria Rilke verfasste ein Gedicht mit dem Titel Abisag (1905/06 in den Neuen Gedichten).[4] Dieses trägt deutlich sexuelle Konnotationen, im Thema des unerfüllten Begehrens.
Voltaire nimmt in seiner Prosatragödie Saül den Abisag-Stoff auf.
In Joseph Hellers tragikomischem David-Roman Weiß Gott (God Knows) erscheint Abischag als hilfsbereite, freundliche und attraktive Frau, die jedoch Davids ultimative Sehnsucht, jene nach Gott, nicht erfüllen kann.
Literatur
- Uta Schmidt: Abischag. In: Michaela Bauks, Michael Pietsch, Stefan Alkier (Hrsg.): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex), Stuttgart 2006 ff.
Weblinks
- Das Gedicht Abisag von Rilke auf rainer-maria-rilke.de