Abri du Poisson

französischer Felsüberhang mit Höhlenmalerei From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Abri du Poisson ist eine Halbhöhle im Gorge d’Enfer (Dt.: Teufelstal), einem Seitental der Vézère, am Ortsrand von Les Eyzies-de-Tayac. Der archäologische Fundplatz gehört heute zu den wichtigen Sehenswürdigkeiten des Périgord Noir, einer paläolithischen Kulturlandschaft im Südosten des Département Dordogne in Frankreich. Der Abri du Poisson und der benachbarte Abri Lartet wurden 1913 als Monument historique eingestuft. Sie sind zwei von 15 „prähistorischen Stätten im Vézère-Tal“, die 1979 zum UNESCO-Welterbe erklärt wurden.

Fischrelief
Eingang

Das Gorge d’Enfer öffnet sich nach Osten hin zum Vézère-Tal am rechten Ufer, begrenzt durch die Départementstraße 47. Der Abri liegt etwa 75 m von der Straße entfernt am Fuße der Klippe, die die Nordseite des Tals bildet.

Der Abri du Poisson wurde 1892 von Paul Girod entdeckt, der ein Aurignacien-Niveau erkannte. 1912 erkannte Jean Marsan das Flachrelief eines Fisches an der Decke, der dem Abri seinen Namen gab. Dank des Eingreifens des führenden örtlichen Archäologen Denis Peyrony konnte verhindert werden, dass das Fischrelief auf Veranlassung einiger Ortsansässiger aus der Decke herausgelöst wurde, da es an das Museum für Völkerkunde Berlin verkauft werden sollte. Der Direktor der Vorgeschichtlichen Abteilung Carl Schuchhardt reiste dazu persönlich an, nachdem er in einem öffentlich nicht bekannten Briefverkehr mit dem Finder handelseinig geworden war. Als Peyrony den Vorgang stoppte, war der Fels um die Fischfigur herum bereits als Rechteck durchbohrt und freigelegt, um diesen Teil von der Decke abzutrennen.[1] Der Verkauf konnte verhindert werden, auch indem im Zuge der Affäre das Bewusstsein für den Wert prähistorischer Altertümer stieg. Der deutsche Archäologe Otto Hauser hatte zu dieser Zeit im großen Stil solche Altertümer aus der Umgebung von Les Eyzies-de-Tayac verkauft, auch wenn er mit dem Verkauf des Fisches nichts zu tun hatte. Sein Geschäftsmodell bestand darin, archäologische Fundplätze zu pachten, da der Verkauf des Fundguts aus diesen Plätzen bis zum Ende des Jahres 1913 noch vollkommen genehmigungsfrei war. Da er selbst auch in Geschäftskontakt mit Carl Schuchhardt stand und ihn vor Ort empfing, wurde ihm in der öffentlichen Wahrnehmung auch die Verkaufsabsicht des Fischreliefs angelastet.[1][2] Hauser seinerseits bezeichnete das Fischrelief als Fälschung.[1]

Peyrony durchsuchte die Überbleibsel der alten Ausgrabungen sowie an Ort und Stelle verbliebene Relikte. Dabei bestätigte sich das Vorhandensein von Schichten des Aurignaciens (Klingen, Ornamente, Speerspitzen mit gespaltener Basis) und des Gravettiens (damals Oberes Aurignacien) mit Noailles-Sticheln.

Der in Lebensgröße (1,05 m) dargestellte Fisch ist als Relief in die Gewölbedecke eingraviert. Ursprünglich war das Halbrelief mit rotem Ocker eingefärbt. Es handelt es sich um einen Lachs nach der Fortpflanzung (sein Unterkiefer zeigt eine Haken- oder Schnabelatrophie), was für vom Laichen erschöpfte Männchen charakteristisch ist.

Verzierte Platte vom Abri Lartet
Lochstab vom Abri Lartet

Das Motiv ist in der paläolithischen Höhlenkunst rar. Es sind nur etwa zehn Darstellungen von Salmoniden bekannt (zwei aus der Höhle von Ekain im Baskenland, außerdem die wahrscheinliche Forelle aus der Höhle von Niaux sowie aus der Grotte du Portel im Département Ariège). In der jungpaläolithischen Kleinkunst sind Fischfiguren zahlreicher. In der Höhlenkunst machen Fische dagegen nur etwa 1 % der Tierbilder aus – einschließlich skizzierter „fischförmiger“ Formen. Weitere Höhlenbilder im Abri du Poisson wurden von Christian Archambeau und Alain Roussot erkannt, insbesondere eine schwarze Negativhand und unvollständige Tierfiguren.

Die Zuschreibung des Deckenbildes ins Gravettien (ca. 25.000 Jahre vor heute) ist stilistisch plausibel. Damit ist der Lachs eine der ältesten Fischdarstellungen der Welt und wahrscheinlich ein Zeugnis prähistorischer Flussfischerei, die in größerem Umfang erst viel später im Mesolithikum archäologisch nachgewiesen ist.

Im Norden, am Fuße der Klippe, liegt in etwa 400 m Entfernung der Eingang zur Grand-Roc-Höhle. In 450 m Entfernung liegen außerdem am Talrand der Vézère die archäologischen Stätten Laugerie-Basse und in 850 m Entfernung Laugerie-Haute.

Gorge d’Enfer

Im Gorge d’Enfer grenzt der „Abri Lartet“ an den Abri du Poisson. Der nach Westen versetzte „Grand Abri“ liegt teils über dem Abri Lartet. Auf derselben Klippe befindet sich, weniger als 100 m westlich (flussaufwärts), der kleine „Abri Oreille d’Enfer“ während flussabwärts weniger als 30 m von der Straße entfernt der kleine „Abri Pasquet“ liegt. Der „Abri Galou“, der sich auf derselben Klippe befindet, öffnet sich etwa hundert Meter nördlich des Taleingangs. Auf der gegenüberliegenden Talseite, gegenüber dem Abri Lartet befindet sich eine kleine Höhle. Weiter westlich, liegt etwa 200 m von der Straße entfernt der „Abri Bil Bas“.

Literatur

  • André Leroi-Gourhan, Yvette Taborin: Poisson (abri du), dans André Leroi-Gourhan (dir.) (préf. de José Garanger), In: Dictionnaire de la préhistoire, Paris, PUF, hors coll.,1988, 1re éd., 1 Bd. VIII-1222-[16], (ISBN 2-13-041459-1) S. 887–888.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI