Acetoncyanhydrin

chemische Verbindung From Wikipedia, the free encyclopedia

Acetoncyanhydrin ist eine farblose, wasserlösliche, schwach nach Blausäure riechende Flüssigkeit, die durch Verunreinigungen, die aus der Synthese stammen, meist gelblich verfärbt ist. Acetoncyanhydrin ist ein wichtiger C4-Baustein in der chemischen Industrie. Es ist das Nitril der 2-Hydroxyisobuttersäure.

Schnelle Fakten Strukturformel, Allgemeines ...
Strukturformel
Struktur von Acetoncyanhydrin
Allgemeines
Name Acetoncyanhydrin
Andere Namen
  • 2-Hydroxy-2-methylpropionitril
  • 2-Cyanopropan-2-ol
  • 2-Methyllactonitril
Summenformel C4H7NO
Kurzbeschreibung

farblose bis gelbliche Flüssigkeit mit schwachem Bittermandelgeruch[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 75-86-5
EG-Nummer 200-909-4
ECHA-InfoCard 100.000.828
PubChem 6406
ChemSpider 6166
DrugBank DB02203
Wikidata Q222936
Eigenschaften
Molare Masse 85,11 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig[1]

Dichte

0,93 g·cm−3 (20 °C)[1]

Schmelzpunkt

−20 °C[1]

Siedepunkt

82 °C (30,7 hPa)[1]

Dampfdruck

1,1 hPa (20 °C)[1]

Löslichkeit

mischbar mit Wasser[1]

Brechungsindex

1,3992 (20 °C)[2]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),[3] ggf. erweitert[1]
Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 300+310+330410
P: 262264273280302+352+310304+340+310[1]
Toxikologische Daten

18,65 mg·kg−1 (LD50, Ratte, oral)[4]

Thermodynamische Eigenschaften
ΔHf0

−120,9 kJ·mol−1 (Flüssigkeit)[5]

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0°C, 1000 hPa). Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C
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Gewinnung und Darstellung

Acetoncyanhydrin kann durch die Addition von Cyanwasserstoff an Aceton hergestellt werden.[6] Im Labormaßstab kann eine Addition von Natriumcyanid an Aceton und anschließendes Ansäuern mit Schwefelsäure genutzt werden.[7] Eine Reaktion von Kaliumcyanid, Aceton und Essigsäure ist auch in einem Flow-Reaktor möglich.[8]

Verwendung

Acetoncyanhydrin wird zur Herstellung von Methacrylsäuremethylester[6] (Ausgangsstoff zur Herstellung von Plexiglas) und Azobisisobutyronitril verwendet.[9] Weiterhin kann Acetoncyanhydrin in Strecker-Synthesen,[10][11][12] Mitsunobu-Reaktionen[13] und zur Hydrocyanierung eingesetzt werden.[14] Durch Hydrolyse lässt sich aus Acetoncyanhydrin der C4-Baustein Hydroxyisobuttersäureamid[S 1] synthetisieren.[15]

Biologische Bedeutung

Pflanzen wie z. B. Flachs, Maniok, Limabohnen oder der Kautschukbaum enthalten das cyanogene Glycosid Linamarin, das bei Verletzung der Pflanzen in Acetoncyanhydrin und weiter zu Blausäure zerfällt, was als Verteidigungsstrategie dient.[16]

Sicherheitshinweise

Acetoncyanhydrin zerfällt bei Erwärmung und Kontakt mit alkalischen Stoffen, Wasser und Säuren leicht in Aceton und die hochgiftige Blausäure. Acetoncyanhydrin wird über den Atemtrakt und die Haut aufgenommen.[1]

Einzelnachweise

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