Achalinus spinalis

Art der Gattung Achalinus From Wikipedia, the free encyclopedia

Achalinus spinalis ist eine Schlangenart der Gattung Achalinus, die zur Familie der Höckernattern (Xenodermidae) gehört. Sie ist in China, Nord-Vietnam und Japan verbreitet. Die IUCN („Weltnaturschutzunion“) stuft die Art aufgrund ihres großen Verbreitungsgebietes als nicht gefährdet ein. Die nachtaktiven Schlangen wühlen im Erdboden nach Crassiclitellata (Regenwürmer im weiteren Sinne) und werden daher trotz ihrer weiten Verbreitung selten beobachtet.

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Achalinus spinalis

Jungtier von Achalinus spinalis mit etwa 12 Zentimeter Länge, gefunden im Juli in Hamamatsu
in der japanischen Präfektur Shizuoka

Systematik
Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
Familie: Höckernattern (Xenodermidae)
Gattung: Achalinus
Art: Achalinus spinalis
Wissenschaftlicher Name
Achalinus spinalis
Peters, 1869
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Merkmale

Beschuppung

Die Grundfarbe ist dunkelbraun, jedoch verläuft vom Nacken bis fast zur Schwanzspitze ein schwarzer Streifen entlang der Wirbelsäule.[1] Die Kopf-Rumpf-Länge der kleinen Schlangenart liegt bei Männchen zwischen 10,5 und 33,5 Zentimetern und bei Weibchen zwischen 11,7 und 44,7 Zentimetern.[2] Die Schuppen sind dorsal stark gekielt und überlappen nicht.[1] Sie sind regelmäßig angeordnet und haben eine Größe im Millimeterbereich. Unter Lichteinfall zeigen sie irisierende Farben mit metallischem Glanz.[3] Die Subcaudalia sind einreihig statt paarweise hintereinander angeordnet.[1]

Eine ähnliche in Japan verbreitete Art ist Achalinus werneri. Diese ist jedoch etwas heller und hat ventral eine gelbliche Farbe.[1]

Karyotyp

Achalinus spinalis hat einen Chromosomensatz von zwölf Chromosomenpaaren (2n = 24), die sich in drei unterschiedliche Größen gruppieren lassen. Bei den Geschlechtschromosomen sind keine unterschiedliche Größen erkennbar. Die drei größten Chromosomenpaare sind metazentrisch, die Gruppe der mittelgroßen Chromosomenpaare weist drei metazentrische und zwei submetazentrische Chromosomenpaare auf und die vier kleinen Chromosomenpaare sind akrozentrisch.[4]

Lebensweise

Lebenszyklus

Der saisonale Aktivitätsrhythmus der nachtaktiven Höckernatternart wurde in der Präfektur Yamanashi, die sich in der gemäßigten Klimazone in Japan befindet, genauer untersucht. Dort sind die Schlangen zwischen Mitte Mai und Ende Oktober aktiv, während sie im Winter in eine vermutlich von Ende Oktober bis Ende Mai dauernde Kältestarre verfallen. Die Aktivitätsperiode wäre damit zwei bis drei Monate kürzer als bei sympatrisch vorkommenden, tagaktiven Schlangen wie zum Beispiel Kletternattern oder der Japanischen Waldnatter, allerdings kann die Aktivität der Schlangen unter der Erdoberfläche schwer beobachtet werden, sodass die Kältestarre möglicherweise auch kürzer ausfällt. Über der Erdoberfläche anzutreffen ist Achalinus spinalis in Japan vor allem im Frühling und Herbst, während sie im Hochsommer seltener auftritt mit einem Minimum Anfang August, was auf die aufgrund ihrer stark gekielten Schuppen starke Trockenheitsempflindlichkeit der Art zurückgeführt wird.[2] In trockener Umgebung platziert, können die Schlangen bereits nach wenigen Stunden sterben.[1] Im Mai sind Männchen häufiger anzutreffen als Weibchen, werden also wie auch bei anderen Schlangenarten früher aktiv als diese. Von Ende Juli bis Anfang August legen die Weibchen Gelege von etwa 3 bis 13 Eiern.[1] Die Eier haben eine längliche Form mit etwa 20 mm Länge und 7,5 mm Breite.[5] Die Jungtiere bleiben vermutlich den Herbst über unter den Erde und treten erst nach ihrer ersten Überwinterung im Mai des Folgejahres an der Erdoberfläche auf. Bis zum Oktober und ihrer zweiten Überwinterungsphase wachsen sie von mehr als 10 Zentimetern auf eine Größe von mehr als 18 Zentimetern.[2]

Ernährung und Fressfeinde

Die Schlangen wühlen im Erdboden nach Crassiclitellata (Regenwürmer im weiteren Sinne), insbesondere aus der Familie Megascolecidae.[6][2]

Zu den natürlichen Feinden der Art zählen Katzen und andere Schlangen. So wurden beispielsweise die Japanische Vierstreifennatter, die Mamushi und die Wolfszahnnatternart Lycodon orientalis als Prädatoren beobachtet. Möglicherweise zählt auch die ebenfalls nachtaktive und feuchte Böden bervorzugende Krabbenart Geothelphusa dehaani zu den Fressfeinden.[7] Weiterhin wurde die Riesenläuferart Scolopendra mutilans als Fressfeind beobachtet, die andere Tiere durch Giftbiss töten kann. Es wird jedoch vermutet, dass diese nur selten Achalinus spinalis oder andere Schlangen frisst.[8]

Verbreitungsgebiet und Gefährdung

Verbreitungsgebiet von Achalinus spinalis

Achalinus spinalis ist in Zentral-China und Südchina, in Nord-Vietnam und in Japan auf Kyūshū, Shikoku, Honshū, den Ryūkyū-Inseln, den Koshiki-Inseln und Tokunoshima verbreitet.[9] Im vietnamesischen Tam Đảo wurden die Schlangen in Wäldern auf 300 bis 900 Metern Höhe beobachtet.[6]

Die IUCN stuft die Art aufgrund ihres großen Verbreitungsgebietes als nicht gefährdet („Least Concern“) ein.[10] Achalinus spinalis kommt in einigen Nationalparks in China und Vietnam vor.[10]

Taxonomie

Die Art wurde 1869 von dem deutschen Zoologen Wilhelm Peters als Typusart der Gattung Achalinus erstbeschrieben.[11][9] Die Gattung ist Teil der Familie der Höckernattern (Xenodermidae), die ursprünglich als Unterfamilie zur großen, ursprünglich paraphyletischen Familie der Nattern (Colubridae) gehörte, nach phylogenetischen Untersuchungen jedoch als eigenständige Familie gilt.[12] Das Artepitheton spinalis leitet sich von dem markanten schwarzen Streifen ab, der entlang der Wirbelsäule der Schlangenart verläuft. Der japanische Name タカチホヘビ Takachiho-Hebi ist dem Entomologen Takachiho Nobumaro (高千穂宣麿) gewidmet, welcher im Juni 1895 am Hikozan in Kyūshū ein erstes datiertes Exemplar der Art sammelte.[1] Es werden keine Unterarten unterschieden.[9]

Synonyme:[9]

  • Ophielaps Braconnieri Sauvage, 1877
  • Achalinus spinalis Boulenger, 1893
  • Achalinus braconnieri Boulenger, 1893
  • Achalinus spinalis weigoldi Mell, 1931
Commons: Achalinus spinalis – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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