Adolf Friedrich Rutenberg

deutscher Junghegelianer und Journalist From Wikipedia, the free encyclopedia

Adolf Friedrich Rutenberg (* 30. Oktober 1808 in Berlin; † 6. Dezember 1869 ebenda) war ein deutscher Geografielehrer, Junghegelianer und Journalist.

Die Freien. Zeichnung von Friedrich Engels. Von links nach rechts: Arnold Ruge, Ludwig Buhl, Karl Nauwerck, Bruno Bauer, Otto Wigand, Edgar Bauer, Eduard Meyen, zwei Unbekannte und Friedrich Köppen als Leutnant ganz rechts am Tisch sitzend.
Rheinische Zeitung

Leben

Adolf Friedrich Rutenberg war der Sohn von Adolph Friedrich Rutenberg, einem mecklenburgischen Schuhmacher, der kurz vor seiner Geburt nach Berlin gezogen war und das dortige Stadtbürgerrecht erworben hatte, und seiner Frau Dorothea Elisabeth Dohrmann. Adolf Rutenberg besuchte das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, wie der ein Jahr ältere Bruno Bauer, der später sein Schwager wurde.[1] Er studierte von 1828 bis 1831 Philosophie, Philologie und Theologie an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin. Im Wintersemester 1828/29 besuchte er die Vorlesungen Ästhetik und Philosophie der Geschichte von Hegel.[2] Von Hegels Vorlesung über die Philosophie der Religion im Jahr 1831 fertigte Rutenberg eine Vorlesungsmitschrift an.[3]

Nachdem er die Examina für Philosophie, Philologie und Theologie abgelegt hatte, unterrichtete er an verschiedenen Schulen in Berlin. Neun Jahre war er als Lehrer an verschiedenen Schulen tätig. Ab 1838 für Geografie an der königlichen Kadettenschule in der Neuen Friedrichstraße, bis er 1840 wegen Trunksucht oder aus politischen Gründen entlassen wurde. Danach betätigte er sich bei verschiedenen Zeitschriften, so u. a. für die Hallischen Jahrbücher von Arnold Ruge. In Berlin gehört er dem Doktorclub an, einem philosophischen Debattierzirkel junger Dozenten und Studenten höheren Semesters, an dem unter anderem Karl Marx, Karl Friedrich Köppen, Bruno und Edgar Bauer sowie Ludwig Buhl (1814–1880 oder 1882) teilnahmen. Rutenberg scheint in dieser Zeit eine engere Freundschaft mit Marx eingegangen zu sein, der seinem Vater im November 1837 davon berichtet, dass jener sein „intimster der Berliner Freunde“[4] sei.

Am 25. März 1838 heiratete Rutenberg in Berlin die 25-jährige Tochter eines Schlossermeisters Anna Bertha Spiller.[5] Am 10. Dezember 1838 wurde seine Tochter Agathe in Berlin geboren und am 3. Februar 1839 in der Sankt-Nikolai-Kirche in Berlin getauft.[6] Außerdem hatte er zwei Söhne namens Adolph Bruno (Rechtsanwalt; * 5. April 1840 in Berlin) und Walter (Bildhauer; * 29. Dezember 1858 in Berlin).

Im November 1841 erhielt er von Georg Jung die Anfrage, ob er erster Redakteur bei der Rheinischen Zeitung werden wolle.[7] Am 2. Februar 1842[8] wurde er auf Vorschlag von Karl Marx[9] leitender Redakteur der Rheinischen Zeitung in Köln.[10] Rutenberg war für Artikel der Redaktion über Preußen und Deutschland zuständig.[11] Während der Dombaufeierlichkeiten im September 1842 besuchte ihn Hoffmann von Fallersleben.[12] Aber man war im Herausgeberkreis mit Rutenberg unzufrieden[13] und löste ihn zum 15. Oktober 1842 ab und ersetzte ihn durch Karl Marx. Wieder in Berlin schließt er sich den Freien an.

Und Rtg, der schöde, / Er baumelt hinterher, mit seiner Faust nicht blöde. / Aus seinem Munde steigt ein ewig gleicher Rauch, / Ein Höllntabacksqualm – das ist sein schnöder Brauch,/ Wenn in dem Munde hängt die ellenlange Pfeife,/ Er nimmt sie nur heraus, zu keifen sein Gekeife.“

Die frech bedräute jedoch wunderbar befreite Bibel. Oder: Der Triumph des Glaubens. Neumünster bei Zürich 1842, S. 28.[14]

Rutenberg ist der einzige der Berliner Junghegelianer, der von Karl Theodor Welcker aufgefordert wurde an der ersten Ausgabe des Staatslexikons. Encyklopädie der sämmtlichen Staatswissenschaften für alle Stände mitzuarbeiten. Er lieferte die Beiträge Polen, Preußen (Statistik); Serbien (Geschichte); Sina, China; Türkei, osmanisches Reich und Radical, Radicalismus. Den letzteren hob Gustav Mayer lobend hervor.[15]

Am 1. April 1848 gründete er die National-Zeitung in Berlin, die er bis zur Septemberkrise 1848 verantwortlich leitete. Er beteiligte sich aktiv an der Märzrevolution.

In den letzten Lebensjahren war er für die Preußische (Adler) Zeitung (1851–1853) und den Königlich Preußischen Staats-Anzeiger (1851–1871) journalistisch tätig und soll sich den Nationalliberalen zugewendet haben.

Werke (Auswahl)

Herausgeber

  • Bibliothek politischer Reden aus dem 18. und 19. Jahrhundert. 6 Bde. Verlag der Voß'schen Buchhandlung, Berlin 1843–1844 Bd. 3 und 4 Digitalisat
  • Monatsschrift für Volkswirthschaft und soziales Leben. Hrsg. von Dr. Rutenberg. Vossische Buchhandlung, Berlin 1846
  • Friedrich Zabel, Adolf Rutenberg (Hrsg.): National-Zeitung. Sittenfeld, Berlin 1848 ff.

Briefe

  • Karl Marx an Rutenberg 10. Oktober 1837[18]
  • Rutenberg an Arnold Ruge 3. Dezember 1840[19]
  • Rutenberg an Arnold Ruge 17. Dezember 1840[19]
  • Rutenberg an Arnold Ruge 12. Januar 1841[19]
  • Rutenberg an Arnold Ruge 19. Januar 1841[19]
  • Rutenberg an Arnold Ruge 24. Februar 1841[19]
  • Rutenberg an Arnold Ruge 31. März 1841[19]
  • Rutenberg an Karl Theodor Welcker 6. Juli 1841[20]
  • Karl Theodor Welcker an Rutenberg 27. August 1841[21]
  • Rutenberg an Arnold Ruge 27. August 1841[19]
  • Arnold Ruge an Rutenberg 22. November 1841[19]
  • Rutenberg an Arnold Ruge 24. Februar 1842[19]
  • Max Stirner an Rutenberg 1. März 1842[22]
  • Robert Blum an Adolf Rutenberg 26. Mai 1842[23]
  • Rutenberg an Karl Theodor Welcker ohne Datum[24]
  • Moses Hess an Ruthenberg (Mitte 1842)[25]
  • Robert Blum an Adolf Rutenberg 13. Juli 1842[26]
  • August Heinrich Hoffmann von Fallersleben an Rutenberg 1. März 1844[27]
  • August Heinrich Hoffmann von Fallersleben an Rutenberg 22. Mai 1845[28]
  • Rutenberg an August Heinrich Hoffmann von Fallersleben 23. Mai 1845[29]
  • Robert Blum an Adolf Rutenberg 22. Mai 1847[30]
  • August Heinrich Hoffmann von Fallersleben an Rutenberg 22. Mai 1847[31]
  • Rutenberg an August Heinrich Hoffmann von Fallersleben 9. Juni 1848[32]

Literatur

  • Art. Rutenberg (Adolf Friedrich). In: Gelehrtes Berlin im Jahre 1845. Scherk, Berlin 1846, S. 305–306.
  • Eduard Maria Oettinger, Hugo Schramm-Macdonald: Moniteur des dates, contenant un million de renseignements biographiques, généalogiques et historiques. Supplément. B. Hermann, Leipzig 1880, S. 182.[33]
  • Agathe Nalli-Rutenberg: Mein liebes altes Berlin. Erinnerungen. Verlag Continent G.m.b.H., Berlin-Friedenau 1907.
  • Agathe Nalli-Rutenberg: Das alte Berlin. Erinnerungen. Mit einem Geleitwort Ernst Friedel, und einem Anhang zur Familien-Chronik. 5. Aufl., Verlag Continent G.m.b.H., Berlin-Friedenau 1912.
  • Helmut Hirsch: Karl Friedrich Köppen, der intimste Berliner Freund Marxens. In: Denker und Kämpfer. Gesammelte Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung. Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt/Main 1955, S. 19–81.
  • Helmut Hirsch: Die Berliner Welcker-Demonstration. Zur Frühgeschichte der Volksdemonstrationen. In: Archiv für Sozialgeschichte. Bd. I, Hannover 1961, S. 311–370 Digitalisat
  • Wilhelm Klutentreter: Die Rheinische Zeitung von 1842/1843 in der politischen und geistigen Bewegung des Vormärz (= Dortmunder Beiträge zur Zeitungsforschung, Bd. 10). Ruhfus, Dortmund 1966 und 1967 (2 Bände).
  • Lars Lambrecht: „… Mit der Heftigkeit der französischen Revolutionäre von 1792 …?“ Zur Rezeption der französischen Revolution und der Philosophie Fichtes durch den Junghegelianer A. Rutenberg. In: Domenico Losurdo (Hrsg.): Rivoluzione francese e filosofia classica tedesca. Urbino, 1993, S. 147–168.
  • Martin Hundt: Karl Marx an Adolf Friedrich Rutenberg. Ein unbekannter früher Brief. In: MEGA-Studien 1/1994. Dietz Verlag, Berlin 1994, ISBN 3-320-01826-4, S. 148–154.
  • Wolfgang Bunzel, Martin Hundt, Lars Lambrecht (Hrsg.): Zentrum und Peripherie. Arnold Ruges Korrespondenz mit Junghegelianern in Berlin. Peter Lang, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-631-55801-5.
  • Martin Hundt: Der Redaktionsbriefwechsel der Hallischen, Deutschen und Deutsch-Französischen Jahrbücher (1837–1844). 3 Bände. Akademie Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-05-004513-9.
  • Hermann-Peter Eberlein: Adolf Friedrich Rutenberg – Der erste Redakteur der Rheinischen Zeitung. In: Jahrbuch für Evangelische Kirchengeschichte des Rheinlandes 73, 2024, S. 36–46. ISSN 0540-6226.

Einzelnachweise

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