Adyen
niederländischer Dienstleister für elektronischen Zahlungsverkehr
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Adyen N.V. ist ein börsennotiertes Finanztechnologieunternehmen mit Sitz in Amsterdam,[2] das als Zahlungsdienstleister verschiedene Bezahlmethoden im stationären Handel, online und mobil anbietet.[3] Adyen verfügt über eigene Acquiring-Lizenzen in mehreren Märkten und arbeitet direkt mit internationalen Zahlungsnetzwerken zusammen, wodurch der Zahlungsprozess über eine einzige Plattform abgewickelt wird.[4][5] Seit 2017 besitzt Adyen eine EU-Banklizenz.[6]
| Adyen N.V. | |
|---|---|
| Rechtsform | naamloze vennootschap |
| ISIN | NL0012969182 |
| Gründung | 2006 |
| Sitz | Amsterdam, |
| Leitung | Pieter van der Does (Co-CEO) Ingo Uytdehaage (Co-CEO) Tom J. Adams (CTO) Roelant Prins (CCO) Ethan Tandowsky (CFO) Mariëtte B. Swart (CRCO) Brooke A. Nayden (CHRO) |
| Mitarbeiterzahl | 4.771 (FTE)[1] |
| Umsatz | 2,36 Mrd. Euro[1] |
| Branche | Zahlungsdienstleister |
| Website | www.adyen.com |
| Stand: 31. Dezember 2025 | |
Zu den Kunden von Adyen zählen u. a. die Unternehmen Microsoft, Meta, Spotify, eBay, Uber, McDonald's, easyJet, Zalando, Booking.com, Flix, IKEA,[7] Prada,[8] Starbucks,[9] Adidas[10] und H&M.[5][11][12]
Geschichte

Gründung und Etablierung
Adyen wurde 2006 von Pieter van der Does, Arnout Schuijff und einem Gründerteam aus Ingenieuren in Amsterdam gegründet. Schuijff und van der Does hatten zuvor beim Online-Zahlungsanbieter Bibit gearbeitet.[13][14] Die Gründer hielten die damals bestehenden Systeme für die digitale Zahlungsabwicklung für veraltet und erkannten in der Entwicklung einer Zahlungsplattform eine Marktlücke.[15] Der Unternehmensname „Adyen“ entstammt der Kreolsprache Sranan und bedeutet etwa „von vorne beginnen“.[16]
Adyen richtete sich anfänglich aufgrund der geringen Margen in der Zahlungsabwicklung auf große Kunden mit hohem Transaktionsvolumen aus. Später wurden die Produkte und Anforderungen auf mittelgroße und kleinere Kunden ausgeweitet.[17] Ab 2009 arbeitete Adyen mit dem international tätigen Unternehmen Mycitydeal (später Groupon) zusammen, welches zu diesem Zeitpunkt größter Kunde von Adyen war.[14] In den folgenden Jahren kamen weitere internationale Kunden dazu.[13]
In den Jahren 2010 bis 2012 expandierte Adyen und eröffnete Standorte in San Francisco, London, Paris und Stockholm.[18][3] Seit 2011 ist das Unternehmen profitabel.[6]
Wachstum
2014 sammelte Adyen in einer Finanzierungsrunde 250 Mio. US-Dollar ein. Die Bewertung des Unternehmens lag danach bei 1,5 Mrd. US-Dollar.[19] Im Jahr 2015 beteiligte sich Iconiq Capital an Adyen, wodurch sich die Unternehmensbewertung auf 2,3 Mrd. Euro erhöhte,[13] was es zu einem der größten europäischen Einhörner machte.[20] Zu den frühen Investoren gehörten unter anderem Mark Zuckerberg, Jack Dorsey und der Staatsfonds „Temasek" des Landes Singapur.[21]
Seit 2017 verfügt das Unternehmen über Acquiring-Lizenzen in Brasilien, Singapur, Hongkong, Australien und Neuseeland sowie einer europäischen Banklizenz.[18][22] Am 13. Juni 2018 erfolgte der Börsengang des Unternehmens an der Euronext-Aktienbörse in Amsterdam mit einem Ausgabepreis von 240 Euro.[23] Zum Börsenschluss notierten die Papiere mit rund 480 Euro pro Stück zu einer Marktkapitalisierung von 14 Mrd. Euro.[23] Bis 2021 hatte sich der Aktienkurs seit dem Börsengang mehr als vervierfacht.[6]
In den Jahren 2019 bis 2020 expandierte das Unternehmen in den afrikanischen Markt und eröffnete ebenfalls Standorte in Tokio, Mumbai und Dubai.[24][25][18] Im Zuge der COVID-19-Pandemie und der Pleite von Wirecard erfuhr Adyen als dessen größter europäischer Konkurrent einen Zustrom an Kunden und Aufmerksamkeit.[26] 2020 verarbeitete das Unternehmen rund 27 % mehr Transaktionen als im Vorjahr.[6]
Seit Juni 2021 verfügt Adyen ebenfalls über eine Zweigstellen- bzw. Banklizenz in den USA.[5][27]
Im Februar 2022 übernahm Alexa von Bismarck die Leitung des EMEA-Geschäfts von Adyen. Hella Fuhrmann, seit 2018 im Unternehmen, folgte ihr als Leiterin des Deutschlandgeschäfts nach.[28]
Im August 2024 gab das Unternehmen bekannt, nun ebenfalls über eine Acquiring-Lizenz für Indien zu verfügen und die Expansion auf diesem Markt voranzutreiben.[29]
Unternehmensstruktur
Die Adyen N.V. hat ihren Sitz in Amsterdam und hält Anteile an Tochtergesellschaften in Europa, Nord- und Lateinamerika, Asien sowie Ozeanien.[1] Der Deutschlandzweig, mit Standorten in Berlin und München, wird seit 2022 von Hella Fuhrmann geleitet.[30]
Zum Jahresende 2025 beschäftigte Adyen 4.771 Mitarbeitende (FTE) an 29 Standorten in 21 Ländern.[1] Der größte Standort ist Amsterdam mit rund 2.400 Beschäftigten. In Nordamerika ist der Standort San Francisco am mitarbeiterstärksten.[1] Adyen erzielte 2025 einen Nettoumsatz von 2,36 Mrd. Euro. Die EMEA-Region erwirtschaftete dabei mit einem Anteil von 58 % des Nettoumsatzes den größten regionalen Beitrag, gefolgt von Nordamerika (27 %), der Asien-Pazifik-Region (10 %) und Lateinamerika (6 %).[1]
Produkte und Dienstleistungen
Das Kerngeschäft von Adyen ist die Zahlungsabwicklung für Unternehmen im stationären Handel, im Online-Handel und im mobilen Bereich. Die technische Infrastruktur ermöglicht die Abwicklung verschiedener Zahlungsmethoden, -währungen und -kanäle über ein gemeinsames System.[5][3][13]
Infrastruktur
Händler können darüber unter anderem Kreditkartennetzwerke wie Mastercard und Visa sowie internationale und regionale Zahlungsmethoden wie Apple Pay, PayPal, Klarna, Twint, Alipay oder WeChat Pay integrieren.[6][13][14] In mehreren Märkten verfügt Adyen zudem über eigene Acquiring-Lizenzen und arbeitet direkt mit internationalen Kartennetzwerken zusammen, ohne dass eine separate Acquirerbank eingebunden werden muss.[5][4]
Risiko- und Betrugsmanagement
Zum Angebot zählen ferner Dienste im Bereich Risikomanagement und Betrugsprävention sowie Authentifizierungsanwendungen im Zahlungsverkehr.[31][22] Anfang 2025 führte Adyen mit Uplift eine auf künstlicher Intelligenz basierende Funktion zur Optimierung von Zahlungsvorgängen ein.[32] Auf seinem Investor Day im November 2025 stellte Adyen unter der Bezeichnung Dynamic Identification ein Verfahren vor, das Personen und Unternehmen anhand wiederkehrender Transaktionen auf der Plattform identifizieren und so dem Betrugsmanagement beitragen soll.[33]
Eingebettete Finanzdienstleistungen
Adyen verfügt über Banklizenzen für verschiedene Märkte, die regulatorischen und technischen Zwecken bei hohen Transaktionsvolumen dienen und es ermöglichen, Gelder vor Abschluss der eigentlichen Zahlungsabwicklung vorzeitig an Händler auszuzahlen.[17] Seit 2019 bietet Adyen Issuing-Dienste an, über die Unternehmen im Rahmen sogenannter Embedded-Finance-Angebote Zahlungskarten in ihre eigenen Produkte integrieren können. Daneben bietet Adyen auch die Vorfinanzierung von Händlern und Geschäftskonten an.[34][22] Im April 2026 gab Adyen die Übernahme des Berliner Software-Unternehmens Talon.One für rund 750 Millionen Euro bekannt, dessen Plattform Händler für Rabatt- und Treueprogramme einsetzen.[35]
Börsennotierung und Aktienkurs
Die Aktien sind Bestandteil der Aktienindizes Amsterdam Exchange Index (AEX 25), Euro Stoxx 50 (ESTX 50) und des Euronext 100 (XPAR).[36][37] Adyen gehört mit dem Stand von Februar 2024 zu den 55 wertvollsten Unternehmen der Europäischen Union und den 60 wertvollsten Finanzdienstleistungsunternehmen der Welt.[38][39]
Im August 2023 brach der Aktienkurs von Adyen infolge der Vorlage der Geschäftszahlen und Strategie innerhalb eines Tages um rd. 39 % ein.[40][41] Mit der Sorge um rückläufiges Wachstum, zu hohe Personalausweitungen und stärker werdende Konkurrenten wie Stripe oder PayPal setzte sich der Einbruch fort.[31] Innerhalb von 2 Monaten verlor die Aktie über 60 % ihres Wertes. Es war der schwerste Kursverlust in der Unternehmensgeschichte und einer der schwersten in den Niederlanden außerhalb einer Finanzkrise.[42][43]
Mit dem Stand von Februar 2024 haben sich die Aktien aufgrund von verbesserter Investorenkommunikation und nach Analystenmeinung zufriedenstellenden Geschäftszahlen nahezu auf das Niveau vor dem Crash erholt.[44][45][46]
