Agathon Billeter
Schweizer Komponist, Organist, Dirigent
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Karl Agathon Billeter (* 21. November 1834 in Männedorf; † 8. Februar 1881 in Burgdorf; heimatberechtigt in Männedorf) war ein Schweizer Komponist, Dirigent, Organist und Gesangslehrer des 19. Jahrhunderts.

Leben
Herkunft und frühe Prägung
Agathon Billeter war der Sohn von Jakob Billeter (* 26. Juni 1808 in Neftenbach; † 6. Mai 1868 in Zürich),[1] welcher die Berufe Porträtmaler und Musiklehrer ausübte und Organist der Gemeinde war. Er war begabt mit einem Sinn für das Schöne und aufopferungsfähig für gemeinnützige Interessen. Diese Eigenschaften vererbten sich auf den Sohn Agathon. Die Mutter entstammte einer Gelehrtenfamilie, sie war Tochter des Arztes Georg Zuppinger (* 1770)[2].
Sein Bruder, Max Billeter († 8. November 1937 in Lyss)[3], war Pfarrer in Boltigen.
Ausbildung und musikalische Entwicklung
Nach dem Durchlaufen der Klassen der Dorfschule kam Billeter in das Knabeninstitut Zum Felsenhof in Männedorf. Dieses war von einem Verwandten, dem späteren Regierungsrat Eduard Billeter, gegründet worden und stand unter der Leitung von Friedrich Staub.
Seine eigentliche musikalische Ausbildung im Klavier- und Violinspiel, Generalbass und Kontrapunkt, als er bereits Unterricht bei seinem Vater hatte, begann im Alter von 13 Jahren bei Xaver Falk (1808–1883)[4] in Zürich. Während dreier Jahre ging Agathon Billeter jeden samstagmorgens um Vier, Sommer und Winter, den dreistündigen Weg nach Zürich, um nach dem Unterricht den Rückweg wieder anzutreten; das Dampfboot benutzte er nahezu nie.
Im Jahr 1851 erhielt Billeter in Alexander Müller (1808–1863)[5] einen zweiten Lehrer im Klavierspiel, während Falk den theoretischen Unterricht beibehielt. Auf den Rat der letzteren zog er im folgenden Jahr ganz nach Zürich und lernte dort unter anderem Franz Abt und Ignaz Heim kennen.
Studium in Leipzig
Nach ausreichender Vorbereitung bezog Billeter 1853 das renommierte Konservatorium der Musik (siehe Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig) in Leipzig. In zwei Semestern absolvierte er fünf Klassen. Seine Lehrer waren Louis Plaidy und Ignaz Moscheles für Pianoforte, Carl Ferdinand Becker für Orgel, Moritz Hauptmann und Ernst Friedrich Richter für Kontrapunkt und Kompositionslehre sowie Robert Papperitz, Moritz Hauptmann, Raimund Dreyschock und Heinrich Conrad Schleinitz. Der Tod seiner Mutter im Frühjahr 1854 veranlasste seine vorzeitige Rückkehr in die Heimat, sodass sein Aufenthalt in Leipzig auf ein Jahr beschränkt blieb.[6]
Berufliche Laufbahn
Nach seiner Rückkehr in die Schweiz war Billeter zunächst einige Zeit als Musiklehrer tätig. Im Frühling 1855 wurde er durch Vermittlung eines Freundes seines Vaters, des eidgenössischen Vizekanzlers Johann Jakob Kern-Germann (1810–1873),[7] nach Thun berufen. Dort war er als Organist und Gesanglehrer an der bürgerlichen Mädchenschule sowie als Direktor des Männer- als auch des gemischten Chors tätig; die Organistenstelle musste er sich mit einem anderen Organisten teilen.
Im Oktober 1857 nahm er eine Stelle in Burgdorf an, wohin er als Gesanglehrer an den städtischen Schulen und als Organist gewählt worden war. Die anfänglichen Schwierigkeiten mit Mangel an Privatschülern, finanzieller Unsicherheit und eine langsame gesellschaftliche Integration konnte er rasch überwinden.
Unter Billeters Leitung als Musikdirektor nahm das musikalische Leben Burgdorfs einen kräftigen Aufschwung. Unter anderem baute er einen Orchesterverein auf, gab Abonnementkonzerte und Aufführungen anspruchsvoller Werke von Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven und Robert Schumann. Namentlich erreichte der Männerchor «Liederkranz» bald eine Stufe, die es ihm ermöglichte, an kantonalen und eidgenössischen Sängerfesten mit Erfolgen teilzunehmen. Billeter leitete auch den gemischten Chor «Gesangverein» und eine Zeitlang das Dilettanten-Orchester.
Im Frühjahr 1862 heiratete Billeter Anna Schiesser in Burgdorf. Bald darauf erkrankte er so schwer, dass er im Sommer desselben Jahres eine Kur in Weissenburgbad machen musste. Diese gesundheitlichen Probleme sollten ihn fortan sein Leben lang begleiten.
Der «Liederkranz» trat am Eidgenössisches Sängerfest 1862 in Chur zum ersten Mal im Wettgesang auf und wurde unerwartet mit dem ersten Preis ausgezeichnet.[8] Von nun an war Billeters Name mit demjenigen des «Liederkranz Burgdorf» verknüpft. Mit wenigen Ausnahmen standen die Burgdorfer Sänger an kantonalen und eidgenössischen Festen in der ersten Linie der Preisgekrönten.
Während eines Grossbrandes im Juli beim Eidgenössischen Sängerfest 1866 in Rapperswil kam der Sänger Gustav Dändliker[9] bei der Rettung eines Häftlings ums Leben. Dies ergriff Billeter dermassen, dass er das Trauerlied Muss Einer von dem Andern mit dem Text von Friedrich Oser komponierte.
Billeter bemühte sich jahrelang um eine neue Orgel in der Stadtkirche Burgdorf, einschliesslich Ausschreibungen, Besichtigungen und Verhandlungen mit Orgelbauern, unter anderem mit Eberhard Friedrich Walcker, der diese 1868 fertigstellte und einbaute.
1872 begleitete er einige Sänger aus verschiedenen Teilen der Schweiz auf eine Reise nach Algier, von der er nach einer dreiwöchigen Fahrt zurückkehrte.
Ab 1875 war er, als Nachfolger von Johann Rudolf Weber, Direktor des bernischen Kantonalgesangvereins.
Kompositorisches Schaffen
Billeter schuf ungefähr 60 Werke, die in verschiedenen Sammlungen zerstreuten Lieder und die hinterlassenen Manuskripte nicht gezählt. Seine Kompositionen zeichnen sich durch melodische Schönheit, tiefe Empfindung und Beherrschung der Form aus.
Mitgliedschaften
Für seine Komposition Hymne an die Musik erhielt Billeter 1870 die Ehrenmitgliedschaft des eidgenössischen Sängervereins (siehe Schweizerische Chorvereinigung).
Im Jahre 1870 wurde er zum Vorstandsmitglied des Kantonalgesangvereins gewählt und mit der Redaktion des Bezirksheftes betraut.
Gedenken
Werke und Schriften (Auswahl)
- Menuett für das Pianoforte: Op. 47. Leipzig 1849.
- Felix Mendelssohn-Bartoldy: Vortrag, gehalten in Burgdorf am 19. Januar 1875. Basel 1876 (Digitalisat).
Literatur
- Agathon Billeter. In: Neue Zürcher Zeitung vom 19. Juni 1863,. S. 717 (Digitalisat).
- Agathon Billeter. In: Berner Volksfreund vom 10. Februar 1881, S. 1–2 (Digitalisat).
- Agathon Billeter. In: Lokales. In: Berner Volksfreund vom 13. Februar 1881, S. 2–3 (Digitalisat).
- Agathon Billeter. In: Zürcher Oberländer vom 15. Februar 1881, S. 2–3 (Digitalisat).
- Agathon Billeter. In: Sammlung bernischer Biographien, 1. Band. Bern 1884, S. 194–198 (Digitalisat).
- M. B.: Agathon Billeter: 1834–1881. In: Die Berner Woche in Wort und Bild. Band 1, Heft 27, 1911, S. 214 (Digitalisat).
- Agathon Billeter. In: Burgdorfer Tagblatt vom 1. Juni 1919, S. 1–2 (Digitalisat).
- Agathon Billeter. In: Oberländer Tagblatt vom 7. Februar 1931, S. 1 (Digitalisat).
- Agathon Billeter. In: Burgdorfer Tagblatt vom 8. Februar 1931, S. 2 (Digitalisat).
- Agathon Billeter. In: Geschäftsblatt für den obern Teil des Kantons Bern vom 9. Februar 1931, S. 7 (Digitalisat).
- Agathon Billeter. In: Kleine Chronik. In: Neue Zürcher Zeitung vom 21. November 1934, S. 5 (Digitalisat).
- Zum 100. Geburtstag von Agathon Billeter. In: Der Bund vom 21. November 1934, S. 3 (Digitalisat).
- M. Billeter: Das erste Jahrzehnt der Tätigkeit Agathon Billeters als Musikdirektor in Burgdorf 1857–1867. In: Burgdorfer Jahrbuch. Band 1, 1934, S. 37–67 (Digitalisat).
- Agathon Billeter. In: Die Berner Woche in Wort und Bild. Band 24, Heft 46, 1934, S. 738–739 (Digitalisat).
- Agathon Billeter. In: Fritz Häusler: Kleine Denkmäler für grosse Burgdorfer. In: Burgdorfer Jahrbuch. Band 20, 1953, S. 134–137 (Digitalisat).
- Agathon Billeter. In: Max Schio: 125 Jahre Männerchor Liederkranz Burgdorf: seine Dirigenten. In: Burgdorfer Jahrbuch. Band 41, 1974, S. 47–54 (Digitalisat).
- Agathon Billeter. In: Deutsche Biographische Enzyklopädie, Band 1. München 2001, S. 528.
- Christoph Zürcher: Agathon Billeter. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Weblinks
- Agathon Billeter. Indexeintrag: Deutsche Biographie.
- Agathon Billeter. In: Deutsches Lied.