AirTag

Schlüsselfinder von Apple From Wikipedia, the free encyclopedia

Bei einem AirTag handelt es sich um ein von Apple entwickeltes kleines, scheibenförmiges und proprietäres Ortungsgerät, das am 20. April 2021 im Rahmen eines Events angekündigt und vorgestellt wurde. Ein AirTag ist so konzipiert, dass es wie ein Schlüsselfinder fungiert und dabei hilft, Schlüssel und andere Gegenstände mit denen es verbunden ist, mit unterschiedlichen Ortungstechnologien auf zu finden. AirTags sind im Rahmen der Dienstleistung Wo ist? auf den Mobilgeräten der Firma Apple wie dem iPhone verfügbar. Die Geräte müssen dazu ein iOS/iPadOS in der Version 14.5 oder höher installiert haben. AirTags sind seit dem 30. April 2021 einzeln oder als mehrteiliges Set erhältlich. Am 26. Januar 2026 kündigte Apple einen Apple AirTag (2. Generation) an. Mit 35 € liegt er 4 € unter dem UVP des AirTags der 1. Generation.[1]

Schnelle Fakten Technische Daten, Konnektivität ...
AirTag
AirTag
Entwickler Apple
Hersteller Foxconn
Veröffentlichung 30.04.2021
Technische Daten
Konnektivität
Funkverbindungen

Bluetooth LE, UWB, NFC

Anschlüsse

Keine

Akkumulator
Typ CR2032 Knopfzelle
210–230 mAh
Wechselbar Ja
Akkulaufzeit
(laut Hersteller)
max. 8760 Std. (Batterie-Lebensdauer ca. 1 Jahr)
Abmessungen und Gewicht
Maße (H×B×T)8,0 mm × 31,9 mm × 31,9 mm
Gewicht 11 g
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Alternative Ortungssysteme mit vergleichbaren Funktionsumfang und physisch ähnlich ausgeführten Ortungsgeräten, die zu Apple AirTag inkompatibel sind, sind das Samsung Galaxy SmartTag, TrackR oder Tile.

Technische Funktion und Aufbau

AirTags sind grundsätzlich keine Satellitennavigationsgeräte und können von sich aus keine genaue Positionsbestimmung vornehmen. Sie stellen im Prinzip miniaturisierte Funkbaken dar, welche im Nahbereich von bis zu 10 m direkt durch Funksignale geortet werden können oder über die im Nahbereich befindlichen Mobilfunkgeräte der Firma Apple Daten mit den Servern der Firma Apple austauschen können. AirTags verfügen dazu über drei verschiedene Funksysteme mit unterschiedlichen Anwednungsziel und Antennen:[2]

  1. Eine auf Near Field Communication (NFC) basierende Schnittstelle, welche einen Wirkungsradius von einigen 10 cm aufweist und nicht direkt zur Ortung dient. Mit dieser Funkschnittstelle können gefundene AirTags in ihrem Status ausgelesen werden. Sie geben dazu über NFC eine URL mit verschiedenen Parametern aus, welche auf Server von der Firma Apple verweisen und dort hinterlegte Daten referenzieren. Über diese Schnittstelle, welche auch von NFC-Geräten anderer Hersteller und Betriebssystemen wie Android genutzt werden kann, kann beispielsweise der Eigentümer des AirTags kontaktiert werden.
  2. Weiters weisen AirTags die Funkschnittstelle Bluetooth Low Energy (BLE) auf, welche die wesentliche Schnittstelle zu der Infrastruktur von Apple bildet und eine räumlich unbegrenzte Ortungsfunktion bietet. Dabei wird der Umstand ausgenutzt, dass nahezu alle Mobilgeräte von Apple eine fix in das iOS-Betriebssystem integrierte Proxy-Funktion aufweisen und diese standardmäßig aktiv geschaltet haben. Apple-Mobilfunkgeräte wie iPhones fungieren dabei als eine Vielzahl von räumlich verteilten Relais-Stationen.
  3. Zusätzlich weist ein AirTag eine lokale und ebenfalls proprietäre Ortungsfunktion mittels Ultrabreitband-Technik (UWB) auf, welche im Frequenzbereich über 5 GHz eine räumlich genaue Ortung auf wenige Zentimeter mit Mobilgeräten der Firma Apple erlaubt. Diese räumlich genaue Ortungsfunktion ist nur in den Mobilgeräten von Apple verfügbar und ist unabhängig von Datenverbindung oder Positionsdaten.

Netzwerkbasierte Ortung mittels BLE

Die mit Abstand wichtigste Funktion des AirTag und auch die Funktion mit dem größten Missbrauchspotential ist die Ortungsfunktion mittels Bluetooth Low Energy (BLE). Das Verfahren ist räumlich nicht beschränkt und im Prinzip potentiell weltweit funktionsfähig. Diese Ortungsfunktion funktioniert aber nur in Regionen die eine hohe Dichte an räumlich verteilten Apple-Mobilgeräten aufweisen, beispielsweise im städtischen Bereichen und an Flughäfen. Generell in Regionen, wo viele Apple-Mobilgeräte von Benutzern verwendet werden. Die Mobilgeräte von Apple erfassen dabei laufend mittels BLE alle AirTags und deren eindeutige Kennungen, welche sich zufällig in räumlicher Nähe von einigen 10 m befinden. Die so ermittelten Kenndaten der AirTags werden im iOS-Betriebssystem des Mobilgerätes mit den verfügbaren Positionsdaten verknüpft, üblicherweise stammen diese Positionsdaten von globalen Navigationssatellitensystemen (GNSS) wie GPS. Diese Daten werden mit Zeitstempel versehen und zyklisch über bestehende Datenverbindungen wie Mobilfunknetze oder Wi-Fi an zentrale Server bei der Firma Apple verschlüsselt übermittelt und dort gespeichert. Die Eigentümer der beteiligten Apple-Mobilgeräte wie iPhone, deren Geräte dabei als Art Relais-Station für zufällig in der Umgebung befindliche AirTags fungieren, müssen sich dieser Weiterleitungsfunktion an ihren Mobilgeräten nicht bewusst sein und dafür auch keinerlei Aktionen wie eine Freigabe tätigen.[3]

Die so auf den zentralen Servern der Firma Apple befindlichen Positionsdaten, verknüpft mit Zeitstempeln und den eindeutigen Kennungen der AirTags, können vom Eigentümer des AirTags mittels seiner Apple-ID im Rahmen des von Apple betriebenen Dienstes Wo ist? abgefragt und auf einer Karte dargestellt werden. Die Positionsdaten stellen dabei eigentlich die Position des als Relais benutzten Apple-Mobilgerätes dar, was sich zum Zeitpunkt der Datenübertragung in der unmittelbaren Nähe zum AirTag befunden hat.[4] Da diese Ortung auf den weltweit verfügbaren GNSS-Positionsdaten beruht, ist die Ortung in der Reichweite unlimitiert.

Physische Daten

Ein AirTag ähnelt einer Münze und ist bei einem Durchmesser von 31,9 mm und 8 mm Dicke nur wenig größer. Es wiegt 11 g und enthält eine austauschbare CR2032-Knopfzelle.[5] Die öffentliche und unverschlüsselte Bluetooth-Kennung wird dabei regelmäßig geändert, um sich nicht selbst durch Fremde ortbar zu machen.[6] Apple setzt dazu gemeinsam mit Google für deren Android-Betriebssystem auf den „Detecting Unwanted Location Trackers (DULT)“ Standard[7]. Dieser Standard sieht vor, dass sich die Bluetooth-MAC-Adresse des Trackers alle 15 Minuten ändert, wenn der Tracker in der Reichweite des Besitzers ist. Gleichzeitig ist ein Bit in den Bluetooth-Daten gesetzt, welches signalisiert, dass der Besitzer in der Nähe ist, um Warnungen vor fremden Trackern zu unterdrücken. Ist der Tracker außerhalb der Reichweite, ändert sich diese nur alle 24 Stunden. Durch dieses Design kann mit bestimmten Scannern erkannt werden, wenn derselbe Tracker über einen längeren Zeitraum in der Nähe erkannt wird.[8]

AirTags sind nach IP67 vor Spritzern, Wasser und Staub geschützt und können bis zu 30 Minuten lang einen Meter tief unter Wasser bleiben.[9]

Die Knopfzelle hält ca. 1 Jahr. Bevor sie vollständig entladen ist, sendet sie an alle mit dem Apple Account verbundenen Geräte eine Benachrichtigung.

Einsatzzweck

Es ist für Apples „Wo-ist?“-Netzwerk konzipiert und dient als Anhänger, um Gegenstände wie Schlüssel, Rucksäcke oder Brieftaschen überall auf der Welt im Blick zu behalten.

Jedes AirTag ist mit einem Apple Account verbunden. Ein Apple Account kann mit bis zu 32 AirTags gekoppelt werden.[10]

Missbrauch

Die AirTags können, vor allem in der Ortungsfunktion mittels BLE, auch missbraucht werden. So ist es möglich, Personen ohne ihr Wissen über beliebig große Distanzen zu verfolgen. Eine Warnung, um fremde AirTags in der eigenen unmittelbaren Umgebung zu erkennen, wird dabei nur an Apple-Geräte gesendet; Personen ohne Apple-Geräte erhalten keine Warnungen. Auch das in den AirTag integrierte akustische Warnsignal lässt sich einfach deaktivieren.[11] Die Juristinnen Lena Leffer und Michelle Weber kamen 2022 in einem Fachbeitrag für Legal Tribune Online zu dem Ergebnis, dass ein heimliches Tracking mittels AirTags in Deutschland nicht strafbar ist.[12]

Des Weiteren wird berichtet, dass Autos mit AirTags getrackt werden, um Kraftfahrzeugdiebstähle besser vorzubereiten; allerdings lassen sich durch die Nutzung Diebstähle auch besser verhindern.[13]

Ende 2021 veröffentlichte Apple im Google Play Store eine App namens Tracker Detect, die Nutzern von Android 9 oder höher helfen soll, unbekannte AirTags in ihrer Nähe mittels BLE zu entdecken, und die sich in einem „verlorenen“ Zustand befinden und möglicherweise für böswillige Verfolgungszwecke verwendet werden.[14][15]

In den USA wurden zwischen August 2021 und April 2022 150 Fälle von Stalking, Raubfällen oder Diebstählen gemeldet, denen ein Missbrauch von Airtags zugrunde lag.[16]

Kurz nach der Markteinführung war es deutschen Sicherheitsforschern gelungen, die Mikrocontroller der AirTags zu hacken und deren Software zu modifizieren. Damit waren unter anderem die Firmware und weitere wichtige Daten auslesbar. Ebenso war ein Überschreiben der Firmware möglich.[17]

Um Stalking besser verhindern zu können, haben sich Apple und Google verständigt, ihre Betriebssysteme iOS und Android anzupassen und „branchenübergreifende Maßnahmen“ zu ergreifen. Dazu wurde auch das National Network to End Domestic Violence konsultiert. Die Maßnahmen werden nicht vor 2024 in die Betriebssysteme integriert.[18] Hierzu wurde der Standard „Detecting Unwanted Location Trackers (DULT)“ entwickelt (siehe auch AirTag#Technische Daten). Neben der Benachrichtigung über einen unbekannten Tracker sieht dieser unter anderem vor, dass mindestens 25 Tage lang, nachdem der Besitzer den Tracker aus seinem Konto gelöscht hat, die Zuordnung von Tracker und Besitzer weiterhin gespeichert wird. Danach soll sie gelöscht werden. Auch müssen Informationen verfügbar sein, wie der jeweilige Tracker deaktiviert werden kann.[19]

Commons: AirTag – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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