Akbar Etemad
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Akbar Etemad (persisch اکبر اعتماد; * 3. Februar 1930 in Hamadan, Iran; † 11. April 2025 in Paris, Frankreich) war ein iranischer Kernphysiker und von 1974 bis 1978 Präsident der Iranischen Atomenergieorganisation. Er wird öfters als „Vater“ des Iranischen Atomprogramms bezeichnet.

Leben
Studium und Arbeit in der Schweiz
Akbar Etemad studierte an der ETH Lausanne zunächst Elektrotechnik und erlangte dort 1963 einen Doktorgrad in Kernphysik. Er arbeitete dann anderthalb Jahre bei Brown Boveri in Baden als Forschungsingenieur und anschließend fünfeinhalb Jahre im Paul Scherrer Institut in Würenlingen als Leiter der Anlagen für die Behandlung, Konditionierung und Lagerung radioaktiver Abfälle.[1][2]
Rückkehr in den Iran
Nach Abschluss seiner Lehrjahre kehrte Etemad 1965 in den Iran zurück. Im Jahre 1968 wurde er zunächst stellvertretender Minister für Forschung im Ministerium für Naturwissenschaften und Hochschulausbildung und wurde 1973 zum Kanzler der französischsprachigen Buali-Sina-Universität in Hamadan ernannt. Nach einem Treffen mit dem damaligen iranischen Ministerpräsidenten Amir Abbas Hoveyda wurde er am 10. April 1974 zum stellvertretenden Ministerpräsidenten Irans ernannt. Gleichzeitig erfolgte seine Ernennung zum ersten Präsidenten der iranischen Atomenergieorganisation (AEOI).[2] Er sorgte dafür, dass ihm alle Entscheidungsbefugnisse der Organisation übertragen wurden, vom Haushalt bis hin zur Personalauswahl. Die AEOI musste ihre Ausgaben nicht der Regierung melden, stattdessen wurde jeweils zum Jahresende ein einziger Bericht an das iranische Finanzministerium übermittelt.
Gegen Ende des Jahres 1973 berief der Schah Etemad zu einer Sitzung ein und teilte ihm mit, er habe sich zum Ziel gesetzt, innerhalb der nächsten zwanzig Jahre 23.000 Megawatt Strom aus Kernenergie erzeugen zu lassen.[3] Als Etemad den Schah fragte, ob er eine Atombombe bauen wolle, erhielt er zur Antwort, dass ein solcher Plan den Iran nur von der restlichen Welt isolieren würde.[4] Im Juli 1974 wurde zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten ein Atomabkommen im Wert von 130 Millionen US-Dollar unterzeichnet. Nach Vorwürfen von Misswirtschaft und Unterschlagung trat Etemad im Oktober 1978 von seinem Amt als Präsident der Atomenergieorganisation zurück,[5] nachdem er jahrelang unter US-amerikanischer geheimdienstlicher Beobachtung gestanden hatte.[6]
Im Exil
Nach der Islamischen Revolution im Jahre 1979 verließ er den Iran und zog nach Paris. Die Bitte der neuen Herrscher, in seine Heimat zurückzukehren, schlug er aus.[7] Zudem weigerte er sich, in Zukunft für die Entwicklung der Kernenergie tätig zu sein.[8] Als ihn Saddam Hussein während des 2. Golfkriegs zu einer Zusammenarbeit im Irak zu überreden suchte, verweigerte er dies und erklärte dem irakischen Diktator, so lange er sein Volk bekämpfe, sei er sein Feind.[7] Am 11. September 2008 wurde das Protokoll seines Interviews mit dem Journalisten Maziar Bahari im New Statesman veröffentlicht. Unter dem Titel „Der Schah hatte den Plan, Bomben zu bauen“ schrieb Maziar Bahari, Etemad habe ihm anvertraut, dass der Schah von Iran seinerzeit beabsichtigt habe, mit dem zivilen Atomprogramm Irans Atomwaffen herzustellen.[9] Nach der Veröffentlichung des Interviews widersprach Etemad jedoch in der Ausgabe des New Statesman vom 1. Dezember 2008 der Darstellung Baharis und führte dazu aus, der Schah habe ihm dargelegt, Iran brauche keine Atomwaffen – die konventionellen Streitkräfte seien stark genug, um die Sicherheit und nationalen Interessen des Landes zu gewährleisten.
Nach einem Aufenthalt im Léopold-Bellan-Krankenhaus im 14. Arrondissement von Paris starb Etemad am 11. April 2025 im Alter von 95 Jahren in der französischen Hauptstadt. Der ehemalige Leiter der iranischen Atomenergieorganisation, Ali Akbar Salehi, drückte sein Beileid aus.[10]
Weblinks
- Der Vater des iranischen Atomprogramms mit Schweizer Vergangenheit Tages-Anzeiger, 22. August 2012
- Iran Nuclear Facilities Nuclear Threat Initiative, 6. Juli 2017