Alain Mimoun

französischer Leichtathlet (1921-2013) From Wikipedia, the free encyclopedia

Alain Mimoun (* 1. Januar 1921 in Maider, Département d’Oran, Französisch-Algerien, als Ali Mimoun Ould Kacha[1]; † 27. Juni 2013 in Saint-Mandé, Île-de-France[2]) war ein französischer Langstreckenläufer algerischer Herkunft und Olympiasieger im Marathonlauf mit mehreren hohen militärischen Auszeichnungen für seinen Beitrag zur Befreiung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg.

Herbert Schade, Alain Mimoun und Emil Zátopek 1952 in Helsinki
Alain Mimoun, 2001
Briefmarke der Dominikanischen Republik, 1957

Leben

Straßenschild in Champigny-sur-Marne

Alain Mimoun wuchs als Hirtensohn in einem algerischen Berberdorf auf. Er wäre gerne Lehrer[3] geworden, doch erhielt er, trotz guter schulischer Leistungen, kein Stipendium. Als er 1939 in die französische Kolonialarmee eintrat, gab er sich den Vornamen Alain. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte er mit dem 6e régiment de tirailleurs algériens. Nach dem Waffenstillstand von Compiègne in Bourg-en-Bresse im besetzen Frankreich kaserniert, wurde er Mitglied des lokalen Sportvereins Alouettes des Gaules[3] und gewann die Laufmeisterschaft des Départements Ain über 1500 Meter. Noch bevor Nazi-Deutschland die unbesetzte Südzone besetze, ging er zurück nach Algerien, wo er sich beim Verein Gallia Club in Algier einschrieb und Nordafrika-Meister im Cross-Country wurde.

Bald darauf meldete sich Mimoun zum 19e régiment du génie d’Hussein Dey und kämpfte in Tunesien und Deutschland, wobei er in den Rang eines Corporal aufstieg. Später kämpfte er unter General de Monsabert in Italien, wo er in den Schlachten am Monte Cassino[3] nach einer Verletzung am 28. Januar 1943 durch eine Granate nur knapp einer Beinamputation entging. Nach einer Operation durch den Arzt Grasset in Pozzuoli nahm er nach nur dreiwöchigem Krankenhausaufenthalt den Kampf für die Befreiung Frankreichs wieder auf.

Nach Kriegsende wurde er Kellner im Café des Racing Club de France. Er wurde achtmal französischer Meister über 5000 Meter und zwölfmal über 10.000 Meter.[4] Bei den Europameisterschaften 1950 in Brüssel gewann er jeweils hinter Emil Zátopek die Silbermedaille über 5000 und 10.000 Meter.

Bei den Olympischen Spielen blieb ihm ein Sieg aber zunächst verwehrt. Dreimal, über 10.000 Meter bei den Spielen 1948 in London und über 5000 und 10.000 Meter bei den Spielen 1952, musste sich Mimoun mit der Silbermedaille hinter seinem schärfsten Rivalen, dem Tschechen Emil Zátopek, zufriedengeben. Trotz der sportlichen Rivalität waren Zátopek und Mimoun enge Freunde. Zum letzten Mal traten beide zum Ende ihrer sportlichen Laufbahn im Marathonwettbewerb der Olympischen Spiele 1956 in Melbourne gegeneinander an.

Das Rennen fand an einem sehr heißen Tag statt, was Zátopek, ohnehin gehandicapt durch Verletzungen, zu schaffen machte, während Mimoun, der seinen allerersten Marathon lief, sich bei einer Temperat von 36 °C wohlzufühlen schien und sich bei Kilometer 25 vom Rest des Feldes absetzte. Nach 2:25:00 h überquerte Mimoun als Erster die Ziellinie. Dort wartete er auf seinen Freund Emil Zátopek, der als Sechster ins Ziel kam, vollständig ausgelaugt durch die extreme Hitze. Mimoun fragte Zátopek: „Emil, gratulierst Du mir nicht? Ich bin der Olympiasieger.“ Daraufhin umarmten sich Mimoun und Zátopek. Später nannte Mimoun diesen Moment wertvoller als seine Goldmedaille.

Nach diesem Sieg setzte Mimoun seine Karriere fort. Mit knapp 40 Jahren war er noch einmal im französischen Team für die Olympischen Spiele 1960 in Rom. Dabei erreichte er den 34. Rang. 1963[3] erhielt er die französische Staatsbürgerschaft. Seit 1955 war der gebürtige Muslim ein zum römisch-katholischen[3] Glauben konvertierter Christ. Nach dem Algerienkrieg und der Unabhängigkeit Algeriens 1962 nahm er kaum noch an Algerien Anteil und mied das Thema des Unabhängigkeitskrieges. Er besuchte das Land nur noch 1988 zur Beerdigung seiner Mutter. Inzwischen hatte er mit seiner Frau Germaine die Tochter Pascal Olympe.

1966 wurde Mimoun zum sechsten Mal französischer Meister im Marathon. Im selben Jahr lief er die 10.000 Meter in 30:16,8 min – bis heute die weltweit drittschnellste Zeit in der Altersklasse M 45.[5] im April 1966 enthüllte er in einer militärischen Zeremonie ein Denkmal für Jean Bouin.[3]

Mimoun wurde zum Großoffizier der Ehrenlegion ernannt und 1999 von den Lesern der Verbandszeitschrift Athlétisme zum „französischen Leichtathleten des Jahrhunderts“[3][6] gewählt. 1949 und 1956 wurde er von der Sportzeitung L’Équipe zu Frankreichs Sportler des Jahres („Champion des champions“) gewählt. Es folgte eine Karriere als Trainer und Sportfunktionär am Institut national des sports (heute INSEP) und er gründete das nach ihm benannte Centre national d’entraînement[3] Espace 1000 sources – Centre sportif Alain Mimoun in Bugeat in der Corrèze. Er ließ sich in Champigny nieder, wo er ein Haus besaß, dem er den Namen „Olympe“ gab und heiratete in zweiter Ehe eine Frau vom Plateau de Millevaches. Mit über 80 Jahren beendete Alain Mimoun seine Laufbahn als Marathonläufer und verstand es, bis ins hohe Alter die Aufmerksamkeit der Medien auf sich zu ziehen. Über 100 Sportstätten, Schulen und Straßen in ganz Frankreich tragen heute seinen Namen.

Auszeichnungen

Commons: Alain Mimoun – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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