Albert Burgh
niederländischer Arzt und Bürgermeister von Amsterdam
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Albert Coenraadsz Burgh (auch Albert Coenraetsz. Burgh geschrieben;[1] * 1593 vermutlich in Amsterdam; † 24. Dezember 1647 in Nowgorod) war ein Arzt und Amsterdamer Bürgermeister in der Epoche des Goldenen Zeitalters der Niederlande. In der Ära nach der Ermordung Johan van Oldenbarnevelts 1619 war er einer der remonstrantischen Führungspersönlichkeiten der Stadt Amsterdam.



Leben
Albert Burgh entstammte der reichen Patrizier- und Brauerfamilie Burgh. Er studierte Medizin an der Universität Leiden und wurde zum Amsterdamer Stadtarzt ernannt.
Stationen des politischen und gesellschaftlichen Aufstiegs
Nach Johan van Oldenbarnevelts Sturz 1618 ergriffen dessen von Reinier Pauw geführten Gegner die Macht in Amsterdam und in Holland. Pauw entfernte den remonstrantisch gesinnten Jakob de Graeff Dircksz aus der Stadtregierung. An dessen Stelle berief er Burgh, der als dem Prinzen Moritz von Oranien treu ergeben galt, zum Amsterdamer Ratsherrn. 1619 wurde Burgh zum Schöffen und zum Scholarchen der örtlichen Lateinschule ernannt.[1] Im Jahr 1620 wurde er Hauptmann (niederländisch: Kapitein) der Schützenkompaniee im Amsterdamer Stadtteil Lastage.[1] Im Jahr 1622 wurde er Befehlshaber (niederländisch: Overman) der Voetboogdoelen, der nach den Armbrüsten, mit denen sie einst bewaffnet waren, benannten Schützenkompanie. Mit diesem (Ehren-)Amt war traditionell die lukrative Leitung der Finanzverwaltung der Stadt Amsterdam verbunden. Eine weitere Stufe des gesellschaftlichen Aufstiegs erreichte Burgh 1628 mit der Ernennung zum Overman der Kloveniersdoelen, der nach den Kloveniers (Musketen, mit denen sie einst bewaffnet waren) benannten Schützenkompanie.[1]
Die erste Russlandreise
Im Jahr 1631 reiste Burgh zusammen mit Johan van Veltdriel, dem Altbürgermeister von Dokkum, als Gesandter der niederländischen Generalstaaten nach Moskau.[1] Sie waren beauftragt, mit Zar Michael I. ein Handelsabkommen abzuschließen, das den Holländern das Monopol des Kornhandels sichern sollte. Dieser erste Versuch missglückte jedoch.[2] Erst eine Lieferung über 2000 Musketen konnte den russischen Zaren in seiner Meinung umstimmen.[3]
Auf dem Höhepunkt der Macht
In den Jahren 1638 und 1643 war Albert Burgh Bürgermeister seiner Heimatstadt. In seinem ersten Amtsjahr hieß er gemeinsam mit Andries Bicker die französische Königsmutter Marie de Medici in der Stadt willkommen. Am Ende seiner Lebenszeit bündelte Burgh zahlreiche einflussreiche Ämter.[4] Er war unter anderem
- seit 1639 Ratsherr der Staaten von Holland und Westfriesland
- Präsident (niederländisch: Bewindhebber) der Niederländischen Westindien-Kompanie (WIC)
- Drost von Muiden, einer Stadt, deren Festung und Hafen damals für die Amsterdamer Schifffahrt wichtig war
- seit 1644 Mitglied des Rates der Admiralität von Amsterdam, der bedeutendsten der fünf Admiralitäten der Republik der Vereinigten Niederlande
Die zweite Russlandreise
Im August 1647 trat Albert Burgh seine zweite diplomatische Reise nach Moskau an. Unterwegs verstarb er am Weihnachtsabend des Jahres 1647 in Nowgorod. Seine sterblichen Überreste wurden nach Amsterdam überführt und dort am 14. Mai 1648 beigesetzt.[5]
Familie
Albert Burgh heiratete 1618 Anna Wolphaerts van Diemen.[5]
Kinder
Sein Sohn Coenraad, welcher ihm auf seiner Reise nach Russland begleitet hatte, vermählte sich mit Christina, der Tochter von Pieter Corneliszoon Hooft.
Seine Tochter Anna heiratete Dirck Tulp, den Sohn von Nicolaes, der ihm ebenfalls auf seine Moskauer Reise begleitet hatte.
Enkel
Albert Burgh, sein gleichnamiger Enkelsohn, konvertierte zur katholischen Kirche.[6] Er trat in den Orden der Franziskaner ein und nahm den Ordensnamen Franciscus an.[7] Er wirkte in Rom und stand in brieflichem Kontakt mit Baruch Spinoza, seinem einstigen Lehrer.[8] Eine reichhaltige religiös-philosophische Korrespondenz zeugt von diesem Austausch.[9]
Seine Enkelin Elisabeth Velecker (1622–1658) war die Ehegattin von Bürgermeister Cornelis Geelvinck.
Ein weiterer Enkelsohn Burghs war Coenraad van Beuningen, der einer der großen holländischen Staatsmänner des 17. Jahrhunderts werden sollte. Coenraad entstammte der Ehe von Geurt van Beuningens Sohn Dirk (1588–1648) und Burghs Schwester Catharina.