Albert Gern
deutscher Theaterschauspieler
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Albert Leopold Gern (* 12. November 1789 in Mannheim; † 25. Februar 1869 in Berlin) war ein deutscher Komiker und Königlich Preußischer Hofschauspieler.
Leben
Gern war der Sohn des Sängers (Bass) und Schauspielers Johann Georg Gern (1757–1830)[1] und dessen Ehefrau Amalie (geborene Boden). Die letzten Jahre seiner Schulzeit absolvierte Gern am französischen Gymnasium in Berlin. Anschließend durchlief er auf Wunsch seiner Eltern eine Lehre als Landvermesser im Baugewerbe.[2]
Parallel dazu nahm Gern beim Schauspieler August Iffland Privatstunden und wechselte sofort nach Beendigung seiner Ausbildung ans Theater. Am 11. September 1807 debütierte Gern in der Rolle des Zollvisitators in dem Stück Indianer in England von August Kotzebue am Königlichen Nationaltheater in Berlin. Dort wurde er zunächst als Volontär ohne Gehalt engagiert, ehe Iffland ihn nach knapp einem Jahr fest als Hofschauspieler mit einem Jahresgehalt von 120 Talern anstellte. Er spielte unter anderem erstmals am 20. August 1810 den Franz Moor in Friedrich Schillers Drama Die Räuber, eine Rolle, in der er bis 1814 mehrfach in unterschiedlichen Gastspielen und Orten zu sehen war. Im Jahr 1813 wollte er sich, wie viele seiner Theaterkollegen freiwillig zum Kriegsdienst melden, was Iffland verhinderte. Aufgrund der starken Konkurrenz durch Ludwig Devrient, der nach seiner Ankunft in Berlin im Jahr 1814 sofort alle großen Rollen für sich beanspruchte, wandte er sich ab 1815 dem komischen Bühnenfach zu.[3]
Gern zeichnete sich als ein fein und scharf markierender Darsteller chargierter Charaktere aus. Seine besten Partien waren komische Rollen, die er mit seltener Ursprünglichkeit, Frische und Lebenswahrheit spielte. Er war der Erste, der in Berlin auf der damals einzigen Hofbühne Lokaltypen einführte. So schuf er in Ernst Raupachs Posse Die Schleichhändler im Bader Schelle eine originelle, hochkomische Figur, die in Stücken wie Zeitgeist oder Schelle im Monde wiederkehrte. Am 11. September 1857 feierte er sein 50. Bühnenjubiläum.
Fast 60 Jahre lang stand der „junge“ Gern unerschüttert in der Gunst der Berliner, bis er am 1. Oktober oder November 1865 in den Ruhestand trat. Schon ein Jahr später erkrankte er schwer und verfiel in ein stetes Siechtum, dem er schließlich 1869 erlag.[2]
Familie
Im Jahr 1818 heiratete er Friederike Louise Weis oder Weiss. Seit 1836 war Gern mit Adolphine Pauline Amalie (geborene Gleich; * 1809), einer Tochter des Kaufmanns Johann Friedrich August Gleich und dessen Frau Dorothea Sophia Friederike (geborene Bolle) verheiratet. Das Paar blieb kinderlos.[4]
Gern starb 1869 im Alter von 79 Jahren in Berlin. Beigesetzt wurde er auf dem Friedhof III der Jerusalems- und Neuen Kirche vor dem Halleschen Tor. Das Grab ist nicht erhalten.[5]
Rollen (Auswahl)
Theaterrollen
- 11. September 1807: Zollvisitator in Die Indianer in England (August Kotzebue)
- 15. September 1807: Ritter Kunzmann von Herlinghausen in Hermann von Unna, Schauspiel in Fünf Akten mit Chören und Tänzen. Komposition von Abt Vogler.[6]
- 18. November 1807: Kaufmann Sperling in Die Unglückichen Lustspiel in einem Akt (Kotzebue)
- Wirt in Minna von Barnhelm (Gotthold Ephraim Lessing)
- Dorfrichter Adam in Der zerbrochne Krug (Heinrich von Kleist)
- Zettel in Ein Sommernachtstraum (William Shakespeare)[7]
Lokalpossen/Komödien
- Bader Schelle in Die Schleichhändler (Ernst Raupach)
- 1818: Hausknecht Christian in Die Damenhüte im Theater (Lokalposse von Julius von Voß)
- Onkel aus der Pfeifenbude in Der Stralauer Fischzug Sechs Bilder aus dem alten Berlin von Fritz Friedmann-Frederich, nach Julius von Voss und Adolf Glassbrenner. Musik nach Motiven zeitgenössischer Meister zusammengestellt von Bogumil Zepler.
- Kinderfrau Lina in Ein Stündchen vor dem Potsdamer Thore Vaudeville in einem Akt (Carl Blum)
- Marocco in Der Bär und der Bassa (Blum, nach einer Burleske von Eugène Scribe)
Literatur
- Friedrich Tietz: Albert Leopold Gern, Königlich Preußischer Hofschauspieler. In: Deutscher Bühnen-Almanach. E. Bloch, Berlin 1863, S. 125–134 (Textarchiv – Internet Archive).
- Joseph Kürschner: Gern, Johann Georg. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 9, Duncker & Humblot, Leipzig 1879, S. 33–35 (dort im Artikel seines Vaters behandelt).
- F. Katt: Zwei Gem, Vater und Sohn. Ein Blatt aus der Berliner Theatergeschichte. In: Der Bar. 16, 1890, S. 200–201. (digital.zlb.de).
- Gern, Albert, Komiker. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 7, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 183.
- Friedrich Brunold: Ein Liebling des alten Berlin. In: Die Gartenlaube. Heft 41, 1879, S. 682–684 (Volltext [Wikisource]).
- Gern Albert Leopold. In: Ludwig Eisenberg: Großes biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Verlag von Paul List, Leipzig 1903, S. 319–320 (Textarchiv – Internet Archive).
- Joachim Wilcke: Gern, Albert. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 6. Duncker & Humblot, Berlin 1964, ISBN 3-428-00187-7, S. 311–312 (deutsche-biographie.de).
- Gern, Albert Leopold. In: Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Band 3: Einstein–Görner. K. G. Saur, München 2006, ISBN 3-598-25033-9, S. 782 (books.google.de – eingeschränkte Ansicht).