Alchemistentaler

Münzen, die angeblich aus künstlichem, mit dem Stein der Weisen hergestellten Silber geprägt wurden From Wikipedia, the free encyclopedia

Alchemistentaler, auch Alchimistentaler, sind Münzen, die angeblich aus künstlichem, durch Transmutation mittels des Steins der Weisen hergestellten Silber geprägt wurden. Im weiteren Sinn werden auch die Taler zu den Alchemistentalern gezählt, die durch alchemistische Zeichen für verschiedene Metalle gekennzeichnet sind.[1][2]

Erläuterung

Pieter Bruegel der Ältere. Der Alchemist (1558) als Kupferstich von Philipp Galle

Ein erster Hinweis auf eine alchemistische Münze befindet sich in einer Bulle von Papst Johannes XXII. (1316–1334) aus dem Jahr 1317.[3] Die Hoffnung, dass es nach geheimen Lehren mittels des „Steins der Weisen“ oder der „Großen Medizin“ möglich sei, Silber und Gold herzustellen, war noch bis ins 18. Jahrhundert verbreitet. Sie wurde unter Gelehrten diskutiert und von verschiedenen Fürsten zur Sanierung ihres Staatshaushaltes in Betracht gezogen. So ist auf einem alchemistischen Gepräge von 1657 mit fünf Zeilen Schrift die Umwandlung von Blei in Silber genannt: „Anno 1657 mense Julio/Ego J. J. Becher Doctor/Hanc unciam argenti finissimi/ex plumbo arte alchymica/transmutavi“ (lat. = Im Monat Juli des Jahres 1657 habe ich, Doktor J. J. Becher, diese Unze feinsten Silbers mit Hilfe der alchimistischen Kunst aus Blei hergestellt).[4] Der schwedische König Gustav Adolf ließ eine Münze aus Gold prägen, dessen Transmutation er angeblich selbst beobachtet haben soll. Die Münze zeigt auf eine Seite sein Bild, auf der anderen Merkur (Quecksilber symbolisierend) und Venus (Kupfer symbolisierend). Der Kaiser Ferdinand III. soll im Jahr 1647 eine Transmutation durch den Alchemisten J. P. Hofmann gesehen haben und hat angeblich aus diesem alchemistischen Gold eine Medaille schlagen lassen, deren Vorderseite und Rückseite ebenfalls alchemistische Inhalte (mit dem Eisen symbolisierenden Mars) zeigen. Es folgten zwei weitere Münzen, deren „Gold“ der Kaiser angeblich selbst durch Transmutation hergestellt habe. Die erste davon als Erinnerung an eine von Ferdinand selbst durchgeführte Transmutation mit Hilfe eines Pulvers von Johann Konrad Richthausen wurde im Januar 1648 öffentlich in Prag gezeigt, die zweite wurde 1650 ebenfalls mit dem Pulver von Richthausen 1650 hergestellt. Den Alchemisten Richthausen erhob Ferdinand au Dankbarkeit als „Baron von Chaos“ in den Adelsstand.[5]

Bekannte Alchemistentaler

(nach Helmut Kahnt)

Erklärung zum Alchemistentaler Kaiser Rudolfs II.

Alchemistentaler Kaiser Rudolfs II. von 1607 mit sechs alchemistischen Zeichen an der Schulter (Silber; Durchmesser 41 mm; 28,35 g)
Zum Vergleich: „normaler“ Reichstaler Kaiser Rudolfs II. von 1611 ohne alchemistische Zeichen an der Schulter

Rudolf II. war Kaiser des Heiligen Römischen Reichs (1576–1612), König von Böhmen (1575–1611) sowie König von Ungarn (1572–1608) und Erzherzog von Österreich (1576–1608).

Den Alchimistentaler ließ Kaiser Rudolf II. nur 1607 prägen. Der Taler ist ein sogenannter Alchemistentaler, weil sich alchemistische Zeichen am Brustbild (an der Schulter) des Kaisers befinden. Die Münzstätte ist die Münze Hall in Tirol. Angeblich wurden solche Münzen aus einem mittels des Steins der Weisen künstlich hergestellten Silber geprägt.

Der Kaiser hatte eine große Leidenschaft für den Okkultismus[8] und einen stark ausgeprägten Hang zu den Geheimwissenschaften. Sein Hof war Anziehungspunkt für hunderte Alchimisten. Unter ihnen waren prominente Chemiker sowie international berüchtigte Gaukler. Auf dem Hradschin hatte er ein eigenes Labor.[9]

Der untere Taler ist ein üblicher Reichstaler von 1611 ohne alchemistische Zeichen, der nur zum Vergleich mit dem Alchemistentaler abgebildet ist.

Vorderseite

Die Vorderseite des Alchimistentalers (oben) zeigt das drapierte Brustbild Rudolf II. nach rechts mit Lorbeerkranz und alchemistischen Symbolen an der Schulter.

Rückseite

Die Rückseite zeigt den bekrönten Wappenschild umgeben von der Kette des Ordens vom Goldenen Vlies.

Siehe auch

  • Banderolentaler: Auch Kaiser Leopold I. (1658–1705) versuchte seine Finanzen durch „Goldmacherei“ aufzubessern.

Literatur

  • Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z, Regenstauf 2005.
  • Heinz Fengler, Gerd Gierow, Willy Unger: transpress Lexikon Numismatik, Berlin 1976.
  • Carl Christoph Schmieder: Handwörterbuch der gesammten Münzkunde, Halle und Berlin 1811.
  • Friedrich von Schrötter (Hrsg.), mit N. Bauer, K. Regling, A. Suhle, R. Vasmer, J. Wilcke: Wörterbuch der Münzkunde, de Gruyter, Berlin 1970 (Nachdruck der Originalausgabe von 1930)
  • Otto F. Müller: Sammlung Otto Merseburger umfassend Münzen und Medaillen von Sachsen, Verkaufskatalog, Leipzig 1894.
  • Robert J. W. Evans: Rudolf II. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 22. Duncker & Humblot, Berlin 2005, ISBN 3-428-11203-2, S. 169–171 (deutsche-biographie.de).
  • Felix Stieve: Rudolf II. (Kaiser). In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 29, Duncker & Humblot, Leipzig 1889, S. 493–515.

Einzelnachweise

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