Aleksit

seltenes Mineral, Blei-Bismut-Tellur-Sulfid From Wikipedia, the free encyclopedia

Aleksit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Zusammensetzung PbBi2Te2S2[1] und damit chemisch gesehen ein Blei-Bismut-Tellur-Sulfid.

Schnelle Fakten Allgemeines und Klassifikation, Kristallographische Daten ...
Aleksit
Silbrig-schwarzes Aleksit-Kristallaggregat aus dem Keystone Canyon, Nye County, Nevada, USA
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1977-038[1]

IMA-Symbol

Alk[2]

Chemische Formel PbBi2Te2S2[1]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

II/D.12-020

2.GC.40a
02.06.03.02
Kristallographische Daten
Kristallsystem trigonal
Kristallklasse; Symbol ditrigonal-skalenoedrisch; 32/m
Raumgruppe P3m1 (Nr. 164)Vorlage:Raumgruppe/164[3]
Gitterparameter a = 4,2423(25) Å; c = 79,73(5) Å[4][3]
Formeleinheiten Z = 6[4][3]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2[5] (VHN20 = 40–65[6])
Dichte (g/cm3) berechnet: 7,80
Spaltbarkeit vollkommen nach {0001}[6]
Farbe stahlgrau;[5] auf polierten Flächen sehr hellgrau mit grünlichem Stich[6]
Strichfarbe nicht definiert
Transparenz undurchsichtig (opak)
Glanz Metallglanz[5]
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Aleksit kristallisiert im trigonalen Kristallsystem und findet sich meist in Form plattiger Körner bis etwa einem Millimeter Größe. Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und zeigt auf den stahlgrauen Oberflächen einen metallischen Glanz. Unter dem Auflichtmikroskop erscheinen polierte Flächen sehr hellgrau mit einem grünlichen Stich. Die Strichfarbe von Aleksit wurde aufgrund der geringen Probengröße bisher nicht ermittelt.

Mit einer Mohshärte von 2 gehört Aleksit zu den weichen Mineralen, das sich bei entsprechender Größe ähnlich wie das Referenzmineral Gips (Härte 2) mit dem Fingernagel ritzen ließe.

Etymologie und Geschichte

Entdeckt wurde Aleksit erstmals in der Gold-Mine Alekseevskoye im Stanowoigebirge (Region Sutamsky) in der zum russischen Föderationsgebiet Ferner Osten gehörenden Republik Sacha (Jakutien). Die Erstbeschreibung erfolgte 1978 durch A. G. Lipovetsky, Yu. S. Borodaev und E. N. Zav’yalov (russisch А. Г. Липовецкий, Ю. С. Бородаев, Е. Н. Завьялов), die das Mineral nach dessen Typlokalität benannten.

Das Typmaterial des Minerals wird an der Staatlichen Universität Moskau und im Mineralogischen Museum der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau (Russland) unter der Katalog-Nr. 79060 aufbewahrt.[6]

Klassifikation

Da der Aleksit erst 1977 als eigenständiges Mineral anerkannt und dies erst 1978 publiziert wurde, ist er in der letztmalig 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/D.12-020. Dies entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : S,Se,Te < 1 : 1“, wo Aleksit zusammen mit Babkinit, Kochkarit, Poubait, Rucklidgeit und Saddlebackit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/D.12 bildet.[5]

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[7] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Aleksit in die neu definierte Abteilung „Sulfarsenide, Sulfantimonide, Sulfbismutide“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der Struktur der Sulfarsenidkomplexe. Das Mineral ist hier entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Poly-Sulfarsenide“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 2.GC.40a bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Aleksit die System- und Mineralnummer 02.06.03.02. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfidminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n) : p = 4 : 3“ in der „Kochkaritgruppe“, in der auch Kochkarit und Hedleyit eingeordnet sind.

Chemismus

Die idealisierte chemische Zusammensetzung von Aleksit (PbBi2Te2S2) besteht aus einem Teil Blei (Pb) sowie je zwei Teilen Bismut (Bi), Tellur (Te) und Schwefel (S), was einem Massenanteil (Gewichts-%) von 21,94 % Pb, 44,25 % Bi, 27,02 % Te und 6,79 % S entspricht.[8]

Mikrosondenanalysen an zwei Proben natürlichen Aleksits aus der Typlokalität Alekseevskoye (Sacha, russische Föderation) ergaben die leicht abweichende chemische Zusammensetzung von 20,3 bzw. 20,5 % Pb, 46,0 bzw. 45,5 % Bi sowie beide Male 27,3 % Te und 6,3 % S. Silber, Antimon und/oder Selen konnten nicht nachgewiesen werden. Die Ergebnisse korrespondieren mit den empirischen Formeln Pb0,94Bi2,11Te2,06S1,89 bzw. Pb0,95Bi2,10Te2,06S1,89, was zur eingangs genannten Formel idealisiert wurde.[4]

Kristallstruktur

Aleksit kristallisiert trigonal in der Raumgruppe P3m1 (Raumgruppen-Nr. 164)Vorlage:Raumgruppe/164 mit den Gitterparametern a = 4,2423(25) Å und c = 79,73(5) Å sowie sechs Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3]

Bildung und Fundorte

Aleksit bildet sich durch hydrothermale Vorgänge in sulfidhaltigen Quarz-Adern, wo er in Paragenese mit Galenit und Gold sowie mit Altait, Tetradymit, Rucklidgeit und anderen Telluriden auftritt.

Als seltene Mineralbildung konnte Aleksit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei bisher weltweit knapp 30 Fundorte[9] dokumentiert wurden. Außer an seiner Typlokalität, der Gold-Mine Alekseevskoye in der Republik Sacha fand sich das Mineral in der Russischen Föderation noch in der ebenfalls im Fernen Osten liegenden Polymetall-Gold-Lagerstätte der Berezitovy-Mine (auch Berezitovoe) im Urusha-Oldoi-Erz-Revier der Oblast Amur, der Gold-Lagerstätte Kochkar bei Plast in der Oblast Tscheljabinsk (Südural), im Hopunvaara-Gebiet nahe Pitkjaranta (auch Pitkäranta) in der Republik Karelien und am Vulkan Panarechka in der Oblast Murmansk (Nordwestrussland).

Der bisher einzige bekannte Fundort in Österreich ist ein ehemaliges Gold- und Silber-Bergbaugebiet mit aufgelassenen Stollen und Halden bei Langenleiten in dem von der Goldberggruppe gebildeten Fraganttal in Kärnten.

Weitere bisher bekannte Fundorte in Europa sind unter anderem ein Aufschluss mit einer hydrothermal verändertem Tonalit-Intrusion am „Herzogenhügel“ (Hertogenwald) etwa 10 km südöstlich von Eupen in der belgischen Provinz Lüttich, die Trepča Stan Terg Mine im Trepča-Komplex (Bezirk Mitrovica) im Kosovo, die Bergbaubezirke Băița (Bihor), Jolotca (Harghita) und Săcărâmb (auch Sacarîmb, Sekeremb oder Nagyág, Kreis Hunedoara) in Rumänien, Limarinho bei Chaves im Distrikt Vila Real in Portugal, die polymetallische Skarnerzlagerstätte der Conchita-Mine bei Estepona in der spanischen Provinz Málaga und die Kupfer- und Golderz-Mine Clogau St. Davids bei Bontddu in Wales (siehe auch Goldbergbau in Wales) im Vereinigten Königreich.

Daneben fand sich Aleksit noch an einem oder mehreren Orten in Australien, Brasilien, Bulgarien, China, Japan, Kanada, Kasachstan und im US-Bundesstaat Nevada.[10]

Siehe auch

Literatur

  • А. Г. Липовецкий, Ю. С. Бородаев, Е. Н. Завьялов: Алексит PbBi2Te2S2Новый Минерал. In: Zapiski Vsesoyuznogo Mineralogicheskogo Obshchestva. Band 107, Nr. 3, 1978, S. 315321 (russisch, Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 26. April 2024 im Internet Archive) [PDF; 681 kB; abgerufen am 29. Januar 2026] englische Übersetzung: A. G. Lipovetsky, Yu. S. Borodaev, E. N. Zav’yalov: Aleksite, PbBi2Te2S2, a new mineral).
  • Michael Fleischer, Joseph Anthony Mandarino, G. Y. Chao: New mineral names. In: American Mineralogist. Band 64, 1979, S. 652–659 (englisch, minsocam.org [PDF; 989 kB; abgerufen am 29. Januar 2026]).
  • Nigel J. Cook, Cristiana L. Ciobanu, Christopher J. Stanley, Werner H. Paar, Krister Sunblad: Compositional data for Bi—Pb tellurosulfides. In: The Canadian Mineralogist. Band 45, Nr. 3, 2007, S. 417–435, doi:10.2113/gscanmin.45.3.417 (englisch, Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 15. April 2024 im Internet Archive) [PDF; 2,5 MB; abgerufen am 29. Januar 2026]).
  • Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 835 (Erstausgabe: 1891).
  • Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 99 (englisch).
Commons: Aleksite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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