Alessandro (Oper)

Oper von Georg Friedrich Händel From Wikipedia, the free encyclopedia

Alessandro (HWV 21) ist eine Oper (Dramma per musica) in drei Akten von Georg Friedrich Händel. Die Uraufführung fand am 5. Mai 1726 im King’s Theatre am Haymarket in London statt. Es war die erste von fünf Opern Händels, in denen neben Francesca Cuzzoni auch Faustina Bordoni als zweite prima donna mitwirkte.

Schnelle Fakten Werkdaten, Personen ...
Werkdaten
Originaltitel: Alessandro

Titelblatt des Librettos, London 1726

Form: Opera seria
Originalsprache: Italienisch
Musik: Georg Friedrich Händel
Libretto: Paolo Antonio Rolli
Literarische Vorlage: Ortensio Mauro, La superbia d’Alessandro (1690)
Uraufführung: 5. Mai 1726
Ort der Uraufführung: King’s Theatre, Haymarket, London
Spieldauer: 3 Stunden
Ort und Zeit der Handlung: Ossidraca in Indien, 328–326 v. Chr.
Personen
Schließen

Im Mittelpunkt der Oper stehen Liebesverwicklungen um Alexander den Großen, seine spätere Frau Roxane und die unhistorische Figur der Lisaura. Die Tatsache, dass im Libretto zwei Prinzessinnen um denselben Mann rivalisieren und am Ende eine „verlieren“ muss, wird oft mit dem Streit in Zusammenhang gebracht, der in der Folge in Publikum und Presse um die beiden Primadonnen ausbrach und der in der nächsten Spielzeit dramatische Formen annahm. Auch das dabei zum geflügelten Wort gewordene, bis heute bekannte ironische Epitheton von den „Rival Queens“ wurde teils durch die Opernhandlung und teils durch Nathaniel Lees gleichnamiges Theaterstück The Rival Queens (1677) angeregt.[1]

Entstehung

Die beiden italienischen Sängerinnen Francesca Cuzzoni und Faustina Bordoni hatten einige Jahre (1718–19 und 1721) in Venedig gemeinsam auf der Bühne gestanden[1] und dort offenbar einige englische Adlige auf deren Grand Tour so sehr beeindruckt, dass man sie beide auch für die Royal Academy of Music engagieren wollte. Während die Cuzzoni bereits 1723 als prima donna nach London gekommen war, unterschrieb die Bordoni erst im Sommer 1725 einen Vertrag[2] und wurde auch sogleich von englischen Zeitungen angekündigt.[3] Die genaue Höhe ihrer Gage ist nicht bekannt, aber es soll eine „astronomische Summe“ zwischen 1500 und 2500 Pfund gewesen sein;[4] andere Quellen meinen, sie habe genau wie die Cuzzoni und der primo uomo Senesino 2000 Pfund im Jahr erhalten.[2] Laut Hogwood musste die Opernakademie am 18. März 1726 von den Mitgliedern eine „Notumlage“ in Höhe von 5 % erheben,[5] wahrscheinlich wegen der zusätzlichen finanziellen Belastungen durch die Gage der Bordoni.

Diese hatte jedoch 1725–1726 zuerst noch ein Engagement im kaiserlichen Wien zu absolvieren, bevor sie im März 1726 nach London kommen konnte.[6][7][8][2] In der Literatur wird manchmal unterstellt, sie habe sich verspätet und Händel habe nur deshalb in allergrößter Eile seine vorhergehende Oper Publio Cornelio Scipione, sozusagen als „Lückenbüßer“, geschrieben.[9] Tatsache ist, dass Händel den Alessandro zumindest bereits in Arbeit gehabt haben muss, da er eine Sinfonia daraus (aus dem zweiten Akt) in den Scipione übertrug.[8]

Es ist nicht bekannt, wann Händel mit der Komposition des Alessandro begann,[10] aber die Fertigstellung ist am Ende des Autographs notiert: „Fine dell Opera | 11 d’aprile 1726.“[2]

Die Premiere fand am 5. Mai im King’s Theatre am Haymarket statt, mit der folgenden Besetzung:[2]

Die Oper – und die zweite prima donna – machte regelrecht Furore, laut Lady Sarah Cowper war der Andrang so groß, dass kaum Karten für die Vorstellungen zu bekommen waren.[8] Innerhalb eines Monats bis zum 7. Juni[2] wurde Alessandro an dreizehn Abenden gegeben; eine weitere, letzte Vorstellung am 11. Juni wurde wegen einer „Indisposition“ Senesinos abgesagt.[11][12]

Jahre später berichtete Horace Walpole von einer Aufführung des Alessandro, in der Senesino:

“[…] so far forgot himself in the heat of the conquest, as to stick his sword into one of the pasteboard stones of the wall of the town, and bore it in triumph before him […]”

„[…] sich in der Hitze des Gefechtes [der Belagerung Ossidracas] so weit vergaß, dass er sein Schwert in einen Stein aus Pappmaché der Stadtmauer stieß und ihn triumphal vor sich her trug […]“

Horace Walpole: The World. London, 8. Februar 1753.[13]

Wiederaufnahmen

Die Oper wurde von Händel in der folgenden Spielzeit am 26. Dezember 1727 für eine Folge von mindestens vier Aufführungen wiederaufgenommen; ob es mehr waren, ist nicht bekannt, weil die einzige Zeitung, die Opernaufführungen in dieser Zeit annoncierte, der Daily Courant, für mehrere Wochen nicht erschien.
Noch einmal gab es sechs Vorstellungen in der sogenannten „zweiten Opernakademie“ ab dem 25. November 1732. Hierfür nahm Händel zahlreiche Änderungen und Kürzungen vor: u. a. wurden die Partien des Leonato und des Cleone, mehrere Arien, sowie etwa 250 Rezitativzeilen gestrichen. Drei Arien wurden um einen Ton nach oben transponiert, für Anna Maria Strada als Rossane („Lusinghe più care“, Nr. 6) und für Francesca Bertolli als Tassile. Die Partie der Lisaura übernahm Celeste Gismondi.[14]

Am Londoner King’s Theatre gab es unter der Leitung von Giovanni Battista Lampugnani zwei weitere „Wiederaufnahmen“, diesmal unter dem Titel Roxana; or, Alexander in India., mit sechzehn Aufführungen vom 15. November 1743 bis März 1744 und insgesamt zwölf Vorstellungen vom 24. Februar 1747 bis März 1748. Händel hatte damit nur indirekt zu tun, indem er (zumindest 1743) seine Direktionspartitur zur Verfügung stellte. Für beide Produktionen wurde die Oper stark verändert, 1743–44 blieben nur zehn von 27 Original-Arien (und Ariosi) erhalten, mindestens vier weitere Arien stammten aus anderen Händel-Werken (Siroe, Admeto, Samson), andere möglicherweise von Lampugnani (und anderen?) – es handelte sich also im Grunde um eine Art Pasticcio. Die Version von 1747 war etwas näher am Original, enthielt aber ebenfalls Arien aus anderen Werken Händels (Serse, Arianna, Giustino).[15]
Händels Nachbarin und Verehrerin Mary Delany, besuchte am 18. November 1743 eine dieser Vorstellungen, aber mit gemischten Gefühlen:

“I was at the opera of Alexander […] was infinitely better than any Italian opera; but it vexed me to hear some favourite songs mangled […]”

„Ich war in der Oper Alexander, die […] unendlich viel besser als jede italienische Oper war; aber es ärgerte mich, einige [meiner] Lieblings-Arien verstümmelt zu hören […]“

Mary Delany: Brief an Ann Grewes. London 1743.[16]

Weitere Aufführungsgeschichte

Bereits im November 1726 gelangte die Oper zweimal unter dem Titel Der hochmüthige Alexander an der Hamburger Oper am Gänsemarkt zur Aufführung. Die Arien wurden hier wie üblich auf Italienisch und die Rezitative auf Deutsch gesungen. Offenbar verwendete Christoph Gottlieb Wend beim Einrichten der Partitur die Rezitative aus Steffanis 1690er Hannoveraner Oper, die Gottlieb Fiedler 1695 ins Deutsche übertragen hatte. Er fügte Ballette und eine Arie aus Scipione ein, strich jedoch drei Arien aus der Alessandro-Partitur, vielleicht, weil sie ihm nicht zu Steffanis Rezitativen zu passen schienen. Die musikalische Leitung dieser Aufführungen hatte Georg Philipp Telemann.
Vermutlich unter der Leitung von Carl Heinrich Graun wurde eine Fassung als Der Hochmüthige Alexander am 17. August 1728 auch in Braunschweig aufgeführt. Die Einrichtung hatte wohl Georg Caspar Schürmann besorgt und dabei die Rivalität der beiden weiblichen Hauptfiguren aus der Oper eliminiert. Einige Arien entfielen, dafür nahm Schürmann drei aus Mauros ursprünglichem Libretto, welche Händel nicht vertont hatte, mit eigenen Sätzen und andere Arien Händels hinein. Die Anzahl der Aufführungen ist nicht überliefert. Der Amateur-Lautenist Johann Friedrich Armand von Uffenbach berichtet in seinem Reisetagebuch, zwei Aufführungen besucht zu haben.[17][18]

Alessandro wurde zu Händels Lebzeiten mehr als fünfzigmal aufgeführt, öfter als etliche seiner anerkannten Meisterwerke, ist aber seitdem nur selten zu Gehör gebracht worden. Die erste moderne Bühnenaufführung gab es am 8. März 1959[19] in der Dresdner Staatsoper in einer deutschen Textfassung von Jürgen Beythien und Eberhard Sprink und unter der musikalischen Leitung von Rudolf Neuhaus.
Die erste Darbietung des Stückes in historischer Aufführungspraxis war eine konzertante Aufführung am 5. Februar 1984 in der Alten Oper in Frankfurt am Main mit La Petite Bande unter Leitung von Sigiswald Kuijken.

Libretto

Vorlage für das Libretto von Paolo Antonio Rolli war Ortensio Mauros La superbia d’Alessandro („Der hochmütige Alexander“), das von Agostino Steffani vertont und 1690 am Hannoveraner Hof aufgeführt wurde. Händel und Rolli verwendeten auch die zweite, überarbeitete Fassung, die unter dem Namen Il zelo di Leonato 1691 in Hannover auf die Bühne kam. Sie hatten Zugang zu Steffanis Autograph, das eine Kombination beider Versionen war, und offenbar durch Georg I. nach London gekommen war.[20][21]

Faustina Bordoni
Francesca Cuzzoni

Da für die besondere Besetzung mit zwei erstklassigen Sängerinnen zwei möglichst gleichwertige und hochrangige Frauenrollen gefragt waren, musste die Vorlage zwangsläufig geändert werden. Deshalb wurde Mauros zweiter Handlungsstrang über eine Verschwörung gegen Alexander stark beschnitten – der Part des Hauptverschwörers „Ermolao“ wurde sogar ganz gestrichen – und alle männlichen Figuren außer der Titelrolle zu kleinen Nebenrollen heruntergestuft. Stattdessen dreht sich bei Händel und Rolli fast Alles um die Liebesintrige von Alessandro mit den beiden Damen, wobei auch die politische Motivation für Alessandros Flirt mit Lisaura (bei Mauro) von Rolli eliminiert wurde und sein ambivalentes Verhalten dadurch merkwürdig unmotiviert, eitel, macho- und flatterhaft und letztlich unsympathisch wirkt.[22][23] Insgesamt ist das Ergebnis von Rollis Überarbeitung ein inhaltlich-dramaturgisch ausgesprochen schwaches Textbuch[24] – der Händelspezialist Winton Dean hielt es sogar für „ungeeignet“.[25]

Handlung

Historischer und literarischer Hintergrund

Alexander der Große und Roxane. Pietro Antonio Rotari, 1756. Eremitage, Sankt Petersburg

Hintergrund der Handlung ist der Alexanderfeldzug, welcher zehn Jahre zwischen 334 und 324 v. Chr. dauerte und Alexander den Großen und sein Heer auch über Zentralasien nach Indien führte, was einige Jahre später auch noch einmal Grundlage für Händels Poro (1731) sein sollte. Alexanders Feldzug wurde um 100 n. Chr. von drei Schriftstellern beschrieben: von Lucius Flavius Arrianus im 4. Buch seiner Anabasis[26][27], von Quintus Curtius Rufus im achten Buch der Historiae Alexandri Magni[28][29] und in Plutarchs Bíoi parálleloi (Parallele Lebensbeschreibungen).[30] Letztere war die Hauptquelle für die Libretto-Vorlage von Mauro, dem er auch die bei Händel/Rollli nur mehr angedeutete Auseinandersetzung zwischen Alexander und Kleitos dem Schwarzen (= Clito) entnahm: In der historischen Realität tötete Alexander seinen treuen Freund und Lebensretter im Jahre 328 v. Chr. bei einem Gastmahl in Marakanda wutentbrannt im Streit mit einem Speer.
Als Schauplatz der Handlung wählte Mauro nach Curtius Rufus „Oppidum sudracarum“ (IX. Buch, Kap. 4), die Stadt der Oxydraker (Sidrach), einen heute nicht mehr lokalisierbaren Ort im östlichen Punjab, etwa im Mündungsgebietes des Hydaspes (heute Jhelum in den Akesines (heute Chanab).[31]

Erster Akt

Vor der Stadtmauer Sidrachs. Nach der Belagerung der Stadt ruft Alessandro zum Sturm auf diese auf. Er selbst wird dabei in vorderster Reihe kämpfen. Mit Clitos Hilfe fällt Sidrach, und Alessandro ist siegestrunken: Frà le stragi e frà le morte (Nr. 3).

Im Feldlager. Rossane und Lisaura treten aus ihrem Zelt und schauen bangend auf die Stadtmauer, da sie um das Leben Alessandros fürchten. Sie stellen fest, dass sie Rivalinnen um dessen Gunst sind. Beider Sorge wandelt sich in hoffnungsvolle Freude, als Tassile ihnen die Nachricht von der gewonnenen Schlacht überbringt. Seine eigene Siegesfreude wird getrübt durch die Erkenntnis, dass die von ihm geliebte Lisaura sich nur für Alessandro interessiert, den er jedoch auch nicht hassen kann, da er ihm seinen Thron verdankt: Vibra, cortese Amor (Nr. 7).

In der Bresche. Alessandro feiert mit seinen Kampfgefährten an der durchbrochenen Verteidigungslinie die gewonnene Schlacht: Fra le guerre e le vittorie (Nr. 8). Freudig begrüßt er Rossane und Lisaura, doch eine glaubt sich vor der anderen benachteiligt. Während Alessandro der gekränkten Rossane nacheilt, fühlt sich Lisaura so gedemütigt, dass sie sich nun vornimmt, diesem Manne zu entsagen: No, più soffrir non voglio (Nr. 9).

Rossanes Gemach. Entmutigt zieht sich Rossane in ihr Gemach zurück. Doch Alessandro ist ihr gefolgt und gesteht ihr seine Liebe. Er beteuert, Lisaura entsagen zu wollen. Doch Rossane misstraut dieser vorschnellen Zusage: Un lusinghiero dolce pensiero (Nr. 12).

Tempel des Zeus. Alessandro lässt sich inmitten der Statuen des Zeus, des Hercules und seiner eigenen als Göttersohn huldigen. Während Cleone und Tassile dies eifrig tun, missfällt Clito, der einer der treuesten Feldherrn des Herrschers ist, diese Glorifizierung. Er verweigert Alessandro die Ehrerbietung, welche nur Zeus selbst zustehe. Alessandros Zorn ist so heftig, dass er den alten Fürsten zu Boden wirft. Die erschrockenen Frauen versuchen gemeinsam, den König mit Schmeicheleien zu beruhigen: Placa l’alma, quieta il petto! (Duetto Nr. 18). Das bringt ihn auf andere Gedanken. Um nun die Liebe beider Frauen genießen zu können, verkündet er eine Waffenruhe, um später wieder zu neuen Ruhmestaten aufzubrechen: Da un breve riposo, di stato amoroso (Nr. 19).

Zweiter Akt

Ein einsamer Ort, umgeben von Hügeln. Rossane sehnt sich nach Alessandro und schläft dabei ein. Alessandro entdeckt sie und preist verzückt ihre Schönheit. Dies wird allerdings von der eifersüchtigen Lisaura beobachtet. Als Alessandro sie bemerkt und nun wiederum sie anschmachtet, wiederholt sie ironisch seine Lobpreisungen Rossanes und geht. Diese ist inzwischen erwacht und hat Alles mitbekommen. Nun wendet er sich wieder ihr zu, doch sie wiederholt ebenfalls ironisch seine vorherigen Schmeicheleien an Lisaura und lässt ihn stehen. Alessandro ist wütend, dass die beiden Frauen ihn, den großen Weltenherrscher, ertappt und sich über ihn lustig gemacht haben: Vano amore, lusinga, diletto (Nr. 21). Lisaura glaubt ihre Befürchtung, von Alessandro doch nicht lassen zu können, bestätigt. Auch Tassiles aufrichtige Liebe zu ihr vermag sie nicht zu trösten: Che tirannia d’Amor (Nr. 24).

Zimmer. Enttäuscht von der Untreue Alessandros, ist Rossane entschlossen, ihn zu verlassen und fordert ihre Freiheit. Als er ihr diesen Wunsch gewährt, deutet sie an, dass der Vogel, der dem goldenen Käfig entronnen ist, freiwillig zu seinem Herrn zurückkehren werde (Alla sua gabbia d’oro, Nr. 25). Nun kommt Lisaura, die ihre Chance kommen sieht. Doch muss sie enttäuscht feststellen, dass Alessandro ihre Avancen ablehnt.

Thronsaal. Alessandro ehrt seine verdienstvollen Feldherren mit der Verteilung der eroberten Länder. Erneut fühlt sich Clito herausgefordert, als Alessandro ihn auffordert, ihm als Göttersohn zu huldigen, und verweigert seinem Feldherrn und König wieder jedwede göttergleiche Ehrerbietung. Alessandro geht wiederum wütend auf Clito los. Diese werden aber von Tassile getrennt, als der Baldachin über dem Thron von Verschwörern zum Einsturz gebracht wird. Seine Rettung erklärt Alessandro damit, dass sein Vater Zeus ihn beschützt habe. Er lässt Clito gefangen nehmen. Rossane fürchtet um das Leben Alessandros und bekundet damit eindeutig ihre Liebe zu ihm. Da überbringt Leonato die Nachricht vom erneuten Widerstand der Oxydraker. Bevor Alessandro in den Kampf zieht, schwört er Rossane, dass sein Herz ihr gehöre und er ihr treu sei: Il cor mio, ch’è già per te (Nr. 29). Obwohl Rossane nicht sicher ist, ob sie ihm trauen kann, beschließt sie ihrer Liebe zu ihm freien Lauf zu lassen: Dica il falso, dica il vero (Nr. 30).

Dritter Akt

Kerker. Der gefangene Clito sinniert über Wahrheitsliebe und Treue. Mit provozierender Ironie bewacht ihn Cleone. Als Leonato mit Bewaffneten erscheint, gelingt es ihm, Clito zu befreien. An seiner Stelle legt dieser Cleone in Ketten, der allerdings von seinen zurückkehrenden Soldaten wieder befreit wird. Er kocht vor Wut: Sarò qual vento (Nr. 32).

Garten. Lisaura und Rossane geraten noch einmal wegen Alessandro aneinander, und als er persönlich erscheint, fordert Lisaura ihn auf, ihr die Wahrheit über seine Gefühle zu sagen. Er gibt ihr endgültig einen Korb, versucht sie aber damit zu „trösten“, dass Tassile sie ehrlich liebe. Aus Liebe und Treue zu ihm fügt sie sich seinem Wunsch: L’amor, che per te sento (Nr. 35). Tassile seinerseits ist froh, in Alessandro nicht mehr den Konkurrenten sehen zu müssen. Die herbeieilende Rossane berichtet, dass die Verschwörer, von Clito und Leonato angeführt, die Makedonier in Aufruhr versetzt haben. Alessandro und Rossane verabschieden sich voneinander: Pupille amate (Nr. 36) und Tempesta e calma (Nr. 37). Aber bald schon erscheint Tassile, der den Aufstand als niedergeschlagen meldet. Clito und Leonato legen die Waffen nieder. Eingedenk der Notwendigkeit des einheitlichen Handelns in weiteren Kriegen verzeiht Alessandro ihnen: Prove sono di grandezza (Nr. 39).

Tempel des Zeus. Rossane und Lisaura beten gemeinsam für Frieden, als Tassile die Nachricht vom guten Ende bringt. Alessandro erscheint, verspricht Lisaura Freundschaft und besiegelt den Liebesbund mit Rossane. Alle besingen den glücklichen Ausgang: In generoso onor (Nr. 42).

Musik

Georg Friedrich Händel, um 1727. Ölgemälde von Balthasar Denner, National Portrait Gallery, London

Die Oper kann schon wegen des schwachen Librettos nicht zu Händels Meisterwerken gezählt werden,[32][33] hat aber musikalisch trotz einiger Unebenheiten einiges zu bieten, wenn für die drei Hauptrollen erstklassige Sänger zur Verfügung stehen.

Im allgemeinen Charakter der Partitur spiegelt sich die traditionelle Vorstellung von Alexander dem Großen als einer mythischen Verkörperung des strahlenden Helden. Obwohl immerhin 16 von über 40 Musiknummern (Secco-Rezitative nicht gezählt) in Moll-Tonarten stehen, ist der Gesamteindruck der Oper doch überwiegend „hell“, extravertiert und prächtig. Das wird einerseits durch die relativ reiche Orchestrierung mit Trompeten und Hörnern zu Beginn und am Ende der Oper erreicht, und vor allem auch durch einen hohen Anteil von Allegro-Arien und nur relativ wenig wirklich melancholischer oder trauriger Musik.[34]
Abwechslung wird nicht zuletzt durch den fantasievollen Einsatz unterschiedlicher Formen erreicht, so gibt es sechs bzw. sieben orchesterbegleitete Accompagnato-Rezitative, mehrere Chöre, zum Teil in Kombination mit Solo oder Duetten, einige interessante und teilweise ausgedehnte Instrumentalsinfonien, und neben die großen Dacapo- oder Dalsegno-Arien treten zahlreiche einfachere Ariosi.[35]

Beginn der Fuge der Ouvertüre. Druck von John Cluer, London 1726

Der eher heitere Ton wird bereits durch die französische Ouverture in G-Dur vorgegeben, in deren Fuge ein ungewöhnliches und sehr attraktives Thema im 6/8-Takt mit tänzerisch hüpfenden Oktavsprüngen, gefolgt von absteigenden Skalen, durchgeführt wird.
Der vielgelobte Beginn der Oper (Akt I, Szene 1 und 2) führt den Titelhelden nach einem kurzen Secco-Rezitativ sogleich als geradezu unbezwingbaren Krieger und triumphalen Sieger in der königlichen Tonart D-Dur vor.[36][37] Dabei wird ein Accompagnato für Alessandro von zwei thematisch zusammenhängenden und geradezu fulminanten Instrumentalsinfonien (Nr. 1 und 2), deren Orchestrierung nach und nach immer üppiger wird, umrahmt; nach Secco-Rezitativen folgt als Abschluss der Szene seine Aria „Tra le stragi“ (Nr. 3), ein koloraturenreiches Allegro, ebenfalls in D-Dur.[38][39]
Auch das ungewöhnlich ausgedehnte Finale der Oper, das aus zwei verschiedenen Duetten Alessandros mit Lisaura und Rossane sowie einem Tutti-Ensemble besteht, kehrt wieder zu D-Dur zurück. Thematisch entspricht das Schlussensemble einer abgewandelten Dacapo-Form (A-B-A’), wobei die Orchestrierung auch hier vom einfachen Streicherklang zum vollen Orchester mit königlichem Trompetenglanz gesteigert wird.[40]

Ausschnitt aus Alessandros „Vano amore“ (Akt II, Nr. 22). Druck von John Cluer, London 1726

Die für Senesino konzipierte Titelrolle hat acht Arien, zwei Ariosi, zwei Accompagnatos sowie mehrere Ensembles, wirkt aber nicht nur charakterlich, sondern auch musikalisch relativ einseitig und flach; Rentsch nannte dies eine „latente Stereotypie der Figur“.[41] Er ist in erster Linie an Ruhm und Prestige interessiert, und laut Dean „so selbstbewusst, um nicht zu sagen selbstgefällig, dass er sich nicht um Gewissensbisse oder innere Konflikte kümmern muss“.[42] So stehen auch nur zwei seiner Solonummern in Moll: das kurze Accompagnato-Gebet „Primo motor delle superne sfere“ (Akt I, Nr. 17), das durch eine Fuge in c-moll in einem strengen stile antico eingeleitet wird, sowie vor allem sein stolzer Wutausbruch „Vano amore“ (Akt II, Nr. 22), nachdem er sich vor den beiden Prinzessinnen lächerlich gemacht hat und von ihnen einfach stehen gelassen wurde. Diese Arie ist abgesehen von der oben erwähnten Eingangsszene qualitativ auch sein bestes Stück. Erwähnenswert ist noch das den ersten Akt beschließende „Da un breve riposo“ (Nr. 19), dessen Wirkung aber in hohem Maße von einem nicht zu langsamen Tempo und den Verzierungskünsten des Sängers abhängt.[43]

Händel scheint sich besonders auf die beiden Frauenrollen Rossane (Faustina Bordoni) und Lisaura (Francesca Cuzzoni) und deren möglichst gleichwertige Behandlung konzentriert zu haben.
Ungewöhnlicherweise lässt er sie trotz ihrer Rivalität um das Herz Alessandros nicht nur einmal, sondern mehrmals einträchtig im Duett singen: Gleich bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt im Accompagnato „Che vidi! Che mirai?“ (Nr. 4), wo sie durch ihre Angst um Alessandro vereint sind, dann in dem Menuett „Placa l’alma“ (Akt I, Nr. 18), wo sie angesichts von Clitos Weigerung, Alessandro als göttlich zu verehren, versuchen diesen zu besänftigen, und schließlich auch noch am Ende, beim Accompagnato-Gebet „Spegni, oh supremo Regnator ...O sommo Giove“ (Nr. 41 & 42) im Tempel.[44]
Zu erwähnen ist in diesem Kontext auch das ähnliche Verhalten beider Frauen in der „komischen“ Szene mit dem flatterhaften Alessandro zu Beginn von Akt II (Szene 2), wo sie beide nacheinander als einzige Antwort auf sein unmögliches Verhalten jeweils das Arioso wiederholen, das er zuvor als Lobpreis für die Rivalin gesungen hat. Diese Szene mit ihrer Komik und der komplexen Verschränkung von Secco-Rezitativen und mehreren kleinen Ariosi ist im Übrigen ein interessanter Überrest aus der „altmodischen“ Vorlage von Mauro und Steffani und wurde von verschiedenen Autoren gelobt.[45][46][47]

Beginn von Rossanes Vogel-Arie „Alla sua gabbia d’oro“ (Akt II, Nr. 25). John Cluer, London 1726

Obwohl beide Frauenrollen ansonsten sechs Dacapo-Arien und ein Arioso haben, sind sie nicht ganz gleichwertig, und das nicht nur, weil Rossane inhaltlich als Alessandros Auserwählte die eigentliche prima donna ist,[48] sondern auch musikalisch: Sie hat nicht nur zusätzlich zwei ausgesprochen wirkungsvolle Accompagnatos (Nr. 10 und 20), sondern auch einige der mit Abstand interessantesten Arien der Partitur.[49] Anscheinend stellte die neu zum Ensemble hinzu gekommene Bordoni für Händel zumindest zu diesem Zeitpunkt eine besondere Quelle der Inspiration dar. Mit der eingängigen Melodie ihrer G-Dur-Auftrittsarie „Lusinghe più care“ (Nr. 6) gelang ihm ein einst populärer „Hit“.[50][51] Das A-Dur-Andante „Alla sua gabbia d’oro“ (Akt II, Nr. 25), mit zahlreichen Trillern und Ton-Repetitionen sowie einer fein ziselierten Violinbegleitung, ist eine besonders wirkungsvolle und brillante Vogelimitation und stellt Alles, was Senesino oder die Cuzzoni in dieser Oper zu singen hatten, in den Schatten. Ähnliches gilt für die Bravourarie „Brilla nell’alma“ im dritten Akt (Nr. 34a).[49][52][53] Besonders sublim ist der Beginn des zweiten Aktes mit Rossanes Scena „Solitudini amate ... Aure, fonti, ombre gradite“ (Nr. 20), in deren Verlauf sie langsam einschläft. Es handelt sich um ein in dieser Oper seltenes Adagio in melancholischem c-moll, das durch eine poetische Orchestrierung mit teilweise solistisch geführten Blockflöten, Oboen und Fagotten auffällt. Formal lässt der Komponist dabei Accompagnato und Arioso verschwimmen.[49] Mit Ausnahme von ihrer letzten „Sturm“-Arie „Tempesta e calma“ (Nr. 37) stehen alle anderen Solo-Nummern Rossanes in Dur, wodurch Händel ihr von Anfang an das Selbstbewusstsein der wahrhaft Geliebten verlieh, auch wenn sie immer wieder darunter leidet, dass es — scheinbar — eine Rivalin gibt. Das entsprach offenbar auch Bordonis Charakter und Vorlieben, die gern ihre technische Brillanz spielen ließ, aber einen Schwachpunkt hatte: Laut Quantz sang sie zwar „...das Adagio (...) mit vielem Affect und Ausdrucke; nur mußte keine allzu traurige Leidenschaft, die nur durch schleiffende Noten oder ein beständiges Tragen der Stimme ausgedrücket werden kann, darinne herrschen“.[54]

Lisauras Siciliano „Che tirannia d’amor“ (Akt II, Nr. 24). John Cluer, London 1726

Die meisten Soli der Lisaura stehen dagegen in Moll-Tonarten: ein Arioso und vier von sechs Dacapo-Arien. Dies mag der Tatsache zu schulden sein, dass trotz Alessandros seltsam ambivalentem Verhalten ihre Liebe nicht wirklich erwidert wird und sie am Ende die „Verliererin“ ist. Es entsprach aber auch dem sängerischen Profil der Cuzzoni, die laut Quantz durch einen „unschuldigen und rührenden“ Vortrag bestach und „... durch die Zärtlichkeit desselben (...) alle Zuhörer“ einnahm.[54] Diese Fähigkeit wurde von Händel vor allem im zweiten Akt in dem Arioso „Tiranna passion“ (Nr. 22) sowie in der F-moll-Siciliana „Che tirannia d’amor“ (Nr. 24), dem Tief- bzw. Höhepunkt ihrer Verzweiflung, ins beste Licht zu gerückt.[55] Besonders zu erwähnen ist außerdem Lisauras Arie „No, più soffrir non voglio“ im ersten Akt (Nr. 9), ein Ausbruch königlichen Stolzes von dramatischer Verve.[56][57]

Beginn von Tassiles „Vibra cortese amor“ (Nr. 7). John Cluer, London 1726

Die übrigen Rollen sind selbst für Händels Verhältnisse quantitativ auf ein Minimum reduziert. Sogar der secondo uomo Tassile hat nur zwei Arien, die jedoch beide von bester Qualität und eine Bereicherung der Partitur sind und die Fähigkeit des Altisten Antonio Baldi zum Ausdruck tiefer und ehrlicher Gefühle – besonders Leid oder Traurigkeit – zur Geltung brachten.[58]
Ausgesprochen gelungen ist auch der Beginn des dritten Aktes mit dem kleinen Arioso „Sfortunato è i mio valore“ des gefangenen Clito, das von ostinato-artigen absteigenden Linien im Bass geprägt ist,[59] sowie Cleones darauf folgende Wutarie „Sarò qual vento“, wo Händel, ausgehend vom Text, im Orchester einen regelrechten Sturm entfacht.

Orchester

Struktur der Oper

Ouverture. (2 Ob, Fg, Str, BC)

Erster Akt

Scena I Recitativo. Alessandro E tanto anco s’indugia
1. Sinfonia e Recitativo accompagnato. Alessandro, Leonato (Str, BC) Ossidraca superba
Scena II Recitativo. Leonato Oh smisurato ardire!
2. Sinfonia. (2 Ob, 2 Trp, Str, BC)
Recitativo. Leonato, Alessandro Grazie all’eterno Giove
3. Aria. Alessandro (Str, BC) Tra le stragi e tra le morti
Scena III 4. Recitativo accompagnato. Lisaura, Rossane (Ob, Str, BC) Che vidi! Che mirai?
Scena IV Recitativo. Lisaura, Rossane, Tassile Ecco Tassile
5. Aria. Lisaura (2 Ob, Str, BC) Quanto dolce amor saria
Recitativo. Rossane Ne’trofei d’Alessandro
6. Aria. Rossane (Str, BC) Lusinghe più care
Recitativo. Tassile Sventurato ch’io sono!
7. Aria. Tassile (Str, BC) Vibra, cortese amor
Scena V 8. Solo e Coro. Alessandro, Leonato, Cleone, Tassile, Clito (2 Ob, 2 Hr, Str, BC) Fra le guerre e le vittorie
Recitativo. Alessandro, Cleone Apprestasti, oh Cleone
Scena VI Recitativo. Alessandro, Cleone, Lisaura, Rossane, Tassile Dalla vittoria alla bellezza in braccio
9. Aria. Lisaura (2 Ob, 2 Fg, Str, BC) No, più soffrir non voglio
Scena VII 10. Recitativo accompagnato. Rossane (Str, BC) Vilipese bellezze, lusinghe
Recitativo. Alessandro, Rossane Pur ti ritrovo; e perchè mai partisti
11. Aria. Alessandro (2 Vl, BC) Men fedele, e men costante
Recitativo. Rossane Si, lusingando ei parla
12. Aria. Rossane (2 Vl, BC) Un lusinghiero dolce pensiero
Scena VIII Recitativo. Clito, Cleone Tu, che Rossane adori
13. Aria. Cleone (2 Vl, BC) Spesso suol bella tiranna
Recitativo. Clito, Leonato Amico Leonato
14a. Aria. Leonato (2 Vl, BC) Pregi son d’un alma grande
Recitativo. Clito Sempre del suo valor
15. Aria. Clito (Str, BC) A sprone, a fren leggiero un nobile destriero
Scena IX 16. Sinfonia. (2 Ob, Str, BC)
Recitativo. Cleone Al magnanimo, al forte
17. Recitativo accompagnato. Alessandro (2 Ob, Str, BC) Primo motor delle superne sfere
Recitativo. Tassile, Cleone, Clito, Alessandro, Rossane, Lisaura Figlio del Re degl’immortali Numi
18. Duetto. Lisaura, Rossane (2 Ob, Str, Vc, BC) Placa l’alma, quieta il petto!
Recitativo. Alessandro Fra gli uomini e fra i Numi
19. Aria. Alessandro (2 Ob, Str, BC) Da un breve riposo di stato amoroso

Zweiter Akt

Scena I 20. Recitativo accompagnato ed Arioso. Rossane (2 Fl, 2 Ob, Fg, Str, BC) Solitudini amate / Aure, fonti, ombre gradite
Scena II Recitativo ed Arioso. Alessandro, Lisaura, Rossane Eccola in preda al sono / Permettete ch’io vibaci / Piu non vuol gelosia / Superbette luci amate
21. Aria. Alessandro (2 Ob, Fg, Str, BC) Vano amore, lusinga, diletto
Scena III 22. Arioso e Recitativo. Lisaura (BC) Tiranna passion / Vedi, che ad altro oggetto
Recitativo (e Duettino). Tassile, Lisaura (BC) Deh, Lisaura crudele / Amo, Spero, ne so perche
23. Aria. Tassile (2 Fl, Str, BC) Sempre fido e disprezzato
Recitativo. Lisaura Pur troppo veggio
24. Aria. Lisaura (Str, BC) Che tirannia d’Amor
Scena IV Recitativo. Rossane, Alessandro Qui aspetto l’incostante
25. Aria. Rossane (Str, BC) Alla sua gabbia d’oro
Recitativo. Alessandro Vince al fin la belta
Scena V Recitativo. Lisaura, Alessandro Vincitor generoso!
26. Aria. Alessandro (2 Vl, BC) No! Risolvo abbandonar la bella che mi sprezza
Recitativo. Lisaura Finto sereno
27. Aria. Lisaura (2 Vl, BC) La cervetta nei lacci avvolta
Scena VI 28. Sinfonia. (Str, BC)
Recitativo. Alessandro, Clito, Tassile, Cleone Dopo il sublime onor
Scena VII Recitativo. Rossane, Alessandro Oh Dei! che infausta nuova!
Scena VIII Recitativo. Leonato, Alessandro, Rossane Sire, il popol gia vinto l’armi ripiglia
29. Aria. Alessandro (2 Ob, Str, BC) Il cor mio, ch’è già per te
Recitativo. Rossane Svanisci, oh reo timore
30. Aria. Rossane (2 Ob, Str, BC) Dica il falso, dica il vero

Dritter Akt

Scena I 31. Arioso. Clito (Fg, Str, BC) Sfortunato, è il mio valore
Recitativo. Clito, Cleone L’adulador s’appressa
Scena II Recitativo. Leonato, Cleone, Clito Renditi o mori! E quale ardir?
32. Aria. Cleone (2 Ob, Str, BC) Sarò qual vento
Scena III Recitativo. Lisaura, Rossane La resa liberta dunque, oh Rossane
33. Aria. Lisaura (2 Vl, BC) Sì, m’è caro imitar quel bel fiore
Recitativo. Rossane Sento un’interno
34a. Aria. Rossane (Str, BC) Brilla nell’alma un non inteso ancor
Scena IV Recitativo. Lisaura, Alessandro Qual tormento crudel
35. Aria. Lisaura (2 Ob, Str, BC) L’amor, che per te sento
Recitativo. Alessandro Si generoso affetto
Scena V Recitativo. Tassile, Alessandro, Rossane E qual fisso pensier
36. Aria. Alessandro (Str, BC) Pupille amate, voi m’insegnate
Recitativo. Rossane Numi eterni
37. Aria. Rossane (2 Vl, BC) Tempesta e calma sento nell’alma
Scena VI 38. Coro. (2 Ob, Str, BC) D’un fiero tiranno
Recitativo. Alessandro, Leonato, Clito, Tassile Chi osera traditore
39. Aria. Alessandro (2 Vl, BC) Prove sono di grandezza
Scena VII 40. Recitativo accompagnato. Rossane, Lisaura (Str, BC) Spegni, oh supremo Regnator de’Numi
Recitativo. Tassile Al primo sguardo
41. Recitativo accompagnato. Rossane, Lisaura (Str, BC) O sommo Giove
Recitativo. Alessandro, Rossane, Tassile, Lisaura Si festigi il bel giorno
42. Duetto e Coro. Lisaura, Alessandro, Rossane (2 Fl, 2 Ob, 2 Trp, 2 Hr, Str, BC) In generoso onor / Cara, la tua belta / Amico arrida il ciel

Reaktionen

« On a dénié à Hændel le don du comique. C’est le connaître mal. Il était plein d’humour, et l’a souvent exprimé dans ses œuvres. Dans son premier opéra, Almira, le rôle de Tabarco est dans le style comique de Keiser et de Telemann. […] Le Polyphème d’Acis et Galatée a une ampleur superbe de bouffonnerie sauvage. Mais dès Agrippina, Hændel a pris à l’Italie sa fine ironie; et le style léger […] de Vinci et de Pergolesi avant la lettre, apparaît chez lui dès Teseo (1713). Radamisto, Rodelinda, Alessandro, Tolomeo, Partenope, Orlando, Atalanta en offrent de nombreux exemples. La scène d’Alexandre et de Roxane endormie, ou qui fait semblant de l’être, est une petite scène de comédie musicale. »

„Man hat Händel die Begabung fürs Komische abgesprochen; das heißt ihn schlecht kennen. Er war voller Humor und hat das in seinen Werken oft genug ausgedrückt. In Almira, seiner ersten Oper, ist die Rolle des Tabarco im komischen Stil von Keiser und Telemann gehalten […] Der Polyphem in Acis und Galatea ist eine wundervoll abgerundete Figur von wilder Lustigkeit. Von der Agrippina an aber holt sich Händel die feine Ironie in Italien. Der leichte Stil […] von Vinci und Pergolesi mit den kleinen kurzen Bewegungen und den gehackten Rhythmen erscheint bei ihm seit dem Teseo (1713), und später weisen Radamisto, Rodelinda, Alessandro, Tolomeo, Partenope, Orlando und Atalanta zahlreiche Beispiele dafür auf. Die Szene zwischen Alexander und der eingeschlafenen oder sich eingeschlafen stellenden Roxane ist eine kleine Szene, die der musikalischen Komödie zugehört.“

Romain Rolland: Hændel. Paris 1910.[61][62]

Diskografie

  • Deutsche Harmonia Mundi GD 77110 (1984): René Jacobs (Alessandro), Sophie Boulin (Rossane), Isabelle Poulenard (Lisaura), Jean Nirouët (Tassile), Stephen Varcoe (Clito), Ria Bollen (Cleone), Guy de Mey (Leonato)
La Petite Bande; Dir. Sigiswald Kuijken (172 min)
  • Studios classique 100 303 (1989): Anita Terzian (Alessandro), Lola Watson (Rossane), Phoebe Atkinson (Lisaura), Perry Price (Tassile), Norman Anderson (Clito), Betty Jean Rieders (Cleone), Thomas Poole (Leonato)
Sinfonia Varsovia; Dir. Mieczyslaw Nowakoski (213 min)
  • Pan Classics PC 10273 (2012): Lawrence Zazzo (Alessandro), Yetzabel Arias Fernández (Rossane), Raffaella Milanesi (Lisaura), Martín Oro (Tassile), Andrew Finden (Clito), Rebecca Raffell (Cleone), Sebastian Kohlhepp (Leonato)
Deutsche Händel-Solisten; Dir. Michael Form (190 min)
Armonia Atenea; Dir. George Petrou (190 min)

Literatur

  • Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch: Band 1. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8 (Unveränderter Nachdruck, Kassel 2008, ISBN 978-3-7618-0610-4).
  • Friedrich Chrysander: G. F. Händel. Zweiter Band. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1860.
  • Winton Dean: Handel’s Operas, 1726–1741. Boydell & Brewer, London 2006; Reprint: The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-268-3 (englisch).
  • Winton Dean, Sigiswald Kuijken: Haendel. Alessandro. Boolettexte zur Einspielung: DHM GD 77110, Freiburg 1985.
  • Christopher Hogwood: Georg Friedrich Händel. Eine Biographie (= Insel-Taschenbuch 2655). Aus dem Englischen von Bettina Obrecht. Insel Verlag, Frankfurt am Main/Leipzig 2000, ISBN 3-458-34355-5.
  • Wolfgang Hochstein & Saskia Woyke: Faustina Bordoni, in: MGG online, 2000/2016 (vollständiger Abruf nur mit Abonnement; abgerufen am 17. Januar 2026)
  • Paul Henry Lang: Georg Friedrich Händel. Sein Leben, sein Stil und seine Stellung im englischen Geistes- und Kulturleben. Bärenreiter-Verlag, Basel 1979, ISBN 3-7618-0567-5.
  • Silke Leopold: Händel. Die Opern. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2009, ISBN 978-3-7618-1991-3.
  • Suzana Ograjenšek: The Rival Queens. In: Annette Landgraf, David Vickers: The Cambridge Handel Encyclopedia. Cambridge University Press 2009, ISBN 978-0-521-88192-0
  • Ivana Rentsch: Alessandro (HWV 21), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009 ISBN 3-89007-686-6.
  • Romain Rolland: Hændel. Félix Alcan, Paris, 1910. Deutsche Ausgabe: Händel. Aus dem Französischen von Lisbeth Langnese-Hug. Rütten & Loening, Berlin 1954.
  • Albert Scheibler: Sämtliche 53 Bühnenwerke des Georg Friedrich Händel, Opern-Führer. Edition Köln, Lohmar/Rheinland 1995, ISBN 3-928010-05-0.
  • Christine Wunnicke: Die Nachtigall des Zaren – Das Leben des Kastraten Filippo Balatri, Allitera Verlag, München 2010.
Commons: Alessandro (Händel) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Άρριανός – Quellen und Volltexte (griechisch)
  • Anabasis (Auswahl) in der englischen Übersetzung von E. J Chinnock (1893) bzw. E. Iliff Robson (1933)
  • Anabasis in französischer Übersetzung, teilweise mit griechischem Originaltext
Wikisource: Quintus Curtius Rufus – Quellen und Volltexte (Latein)

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI