Alexander Novotny
Historiker
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Alexander Novotny (* 17. Januar 1906 in Pula/Pola, Istrien; † 4. Februar 1986 in Wien) war ein österreichischer Historiker. Er lehrte von 1959 bis 1976 als Professor für Allgemeine Geschichte der Neuzeit an der Universität Graz.
Leben
Novotny war der Sohn eines Schiffsbaudirektors der k.u.k.-Marine, der an der Entwicklung und dem Bau von Schlachtschiffen der Tegetthoff-Klasse mitwirkte. Während des Ersten Weltkriegs übersiedelte die Familie nach Himberg bei Wien und der junge Novotny besuchte das Gymnasium in Mödling. An der philosophischen Fakultät der Universität Wien studierte er ab 1924 Geschichte, Geographie und Musikwissenschaften, wurde 1928 zum Dr. phil. promoviert und bestand im Jahr darauf die Lehramtsprüfung. Außerdem legte er 1929 die Staatsprüfung in Geige ab.
Nach einer Zeit als Museumsführer und Bibliothekar am Historischen Institut wurde Novotny 1934 Gymnasiallehrer am Realgymnasium in der Diefenbachgasse im Wiener Bezirk Rudolfsheim-Fünfhaus. Parallel nahm er ein Zweitstudium der Staatswissenschaften auf und wurde Mitglied der katholischen Studentenverbindung „Nordgau“ im ÖCV. Heinrich Drimmel war dort sein Leibbursch. 1937 heiratete er Thusnelda Kuppe, die Tochter des Gymnasialdirektors. Novotny war 1936 Generalsekretär des in Österreich ausgerichteten Kongresses der internationalen katholischen Studentenbewegung Pax Romana. Er war 1937 Vizepräsident von Pax Romana und sollte im Folgejahr deren Präsident werden, konnte dieses Amt aber infolge des „Anschlusses“ Österreichs an NS-Deutschland im März 1938 nicht mehr antreten. Unter dem neuen Regime wurde er wegen seiner Zugehörigkeit zum katholischen Lager mehrmals „strafversetzt“. 1940 wurde er zur Wehrmacht einberufen und musste in einer Flak-Einheit der Luftwaffe am Niederrhein dienen.
Gegen Ende des Krieges geriet er in französische Gefangenschaft, aus der er 1946 nach Wien zurückkehren konnte. Anschließend unterrichtete er wieder an seiner früheren Schule in der Diefenbachgasse. Hugo Hantsch ermutigte ihn aber, seine akademische Karriere weiterzuverfolgen, woraufhin er sich 1948 an der Universität Graz habilitierte. Im Jahr darauf wechselte er als Universitätsdozent an die Universität Wien, unterrichtete aber parallel auch weiterhin am Gymnasium.
Ab 1959 war er außerordentlicher und von 1963 bis zu seiner Emeritierung 1976 ordentlicher Universitätsprofessor für Allgemeine Geschichte der Neuzeit an der Universität Graz. Daneben leitete er von 1968 bis 1974 als Präsident das Institut für Österreichkunde in Wien, dessen Ehrenpräsident er anschließend wurde. Er beschäftigte sich mit der Neueren Geschichte Mitteleuropas, insbesondere der Habsburgermonarchie im 18. und 19. Jahrhundert.
Er wurde am Wiener Zentralfriedhof bestattet.[1]
Schriften (Auswahl)
- Staatskanzler Kaunitz als geistige Persönlichkeit. Ein österreichisches Kulturbild aus der Zeit der Aufklärung und des Josephinismus. Wien 1947, OCLC 475104208.
- 1848. Österreichs Ringen um Freiheit und Völkerfrieden vor 100 Jahren. Graz 1948, OCLC 72313018.
- Quellen und Studien zur Geschichte des Berliner Kongresses 1878. Band 1: Österreich, die Türkei und das Balkanproblem im Jahre des Berliner Kongresses. Graz 1957, OCLC 310653770.
- Franz Joseph I. An der Wende vom Alten zum neuen Europa. Göttingen 1968, OCLC 906125021.
Weblinks
- Literatur von und über Alexander Novotny im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Gerhard Hartmann: Alexander Novotny, Biografie auf der Website des ÖCV – Österreichischer Cartellverband, Stand 27. April 2021
- Literatur für/über Alexander Novotny (Auswahl) auf der Website der Historischen Landeskommission für Steiermark