Alfred von Tilly
deutscher Verwaltungsbeamter
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Alfred Gotthold von Tilly (* 15. August 1866 in Droskau, Kreis Sorau; † 4. April 1946 in Berlin-Wilmersdorf[1]) war ein deutscher Verwaltungsjurist und Landrat.
Leben
Tillys Vater Friedrich war Pfarrer[2] in seinem Geburtsort Droskau und seit seinem eigenen Studium der Theologie Mitglied[3] des überkonfessionellen Wingolfbundes, sein Urgroßvater war der Stadt- und Polizeipräsident zu Warschau Georg von Tilly.[4] Über die Mutter ist wenig bekannt.[5] Alfred von Tilly studierte nach dem Abitur, sein erster Studienwunsch war zunächst Militärwissenschaften,[6] am Nicolaigymnasium in Leipzig Rechtswissenschaft.[7] 1890 bestand er das Referendarexamen, war Hilfsarbeiter des Reichskommissariat für die Weltausstellung in Chicago. 1895 war seine Prüfung als Gerichtsassessor.[8] 1902 wurde Tilly zum Landrat im Kreis Posen-West ernannt.[9] Der Landrat galt als die konservative Seele der Region.[10] Auf seine Anregung soll auch die Gründung der Rentengutskolonie Zabikowo im Kreis Posen-West zurückgehen.[11] Es folgten die Bestallungen in 1911 als Vize-Präsident in der Regierung Königsberg i.Pr., 1913 als Vize-Präsident der Regierung in Stade,[12] hier zuständig für die Abteilung Kirchen- und Schulwesen. Mit seiner Ernennung zum Beamten endete auch seine kurze Karriere als Abgeordneter des Wahlkreises Posen, bestehend aus den Landkreisen Posen-Ost und Posen-West,[13] im Preußischen Abgeordnetenhaus. 1916 wurde Tilly Vorsitzender der Reichsstelle für Gemüse und Obst, dort als Abteilungsleiter[14] und Geheimer Oberregierungsrat. Von 1918 bis 1920 war Tilly Ministerialdirigent im Reichswirtschaftsministerium.[12] 1920 trat der Oberregierungsrat in den Ruhestand.
Von 1900 bis etwa 1906 war er Besitzer des Schlosses Kossenblatt im Landkreis Beeskow-Storkow. Das Rittergut Kossenblatt nebst Brennerei und Ziegelei hatte eine Fläche von 749 ha Fläche und wurde an den Landwirt Paul Wehner verpachtet.[15] 1906 gründete er mit Mauermeister Johannes Becker die Ton-Gesellschaft von Tilly & Becker.[16] Von 1910 bis Mitte der 1930er Jahre betrieb er dann das kleine Gut Friedrichshof bei Neuwustrow im Landkreis Königsberg/Neumark. Dieser Besitz gehörte zuvor der Familie Gain. Tilly kaufte noch kleinere Landflächen dazu,[17] insgesamt waren es 156 ha.[18]
Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurde Tilly Ehrenritter und 1907 Rechtsritter des Johanniterordens, zeitweise Schatzmeister der Posener Provinzialgenossenschaft der Kongregation.[19] Tilly war auch zeitweilig als Autor tätig.[20] Längere Zeit führte er eine Korrespondenz mit dem Generalmajor Ernst von Wrisberg. Alfred von Tilly war Mitglied der Deutschen Adelsgenossenschaft, Landesabteilung Berlin. Weiterhin war Tilly Bundespräsident des Deutschen Ostbundes,[21][22] um 1926 etwa 50.000 Mitglieder,[23] und saß im Aufsichtsrat mehrerer kleinerer Aktiengesellschaften.[24]
Persönliches
Tilly war seit 1895 mit Elise, geb. Gain, verheiratet.[1] Sie hatten die Töchter Erika und Rita, sowie den Sohn Aribert von Tilly,[25] Leutnant im Kürassier-Regiment „Königin“ (Pommersches) Nr. 2., fiel 1918 als Offizier,[26] abkommandiert zum Infanterie-Regiment „Prinz Friedrich der Niederlande“ (2. Westfälisches) Nr. 15. Alfred von Tilly verbrachte letzten Lebensjahre in Berlin, wo er als Rechtsanwalt tätig war.[27]
Literatur
- Reiner Fenske: Kolonialismus in der Weimarer Republik. Der „Deutsche Ostbund“ und die „Deutsche Kolonialgesellschaft“ in den 1920er Jahren, in: Studien zur Geschichte der Weimarer Republik; 8, LIT, Münster 2022. S. 102. ISBN 978-3-643-14596-3.
- Dieter Fricke: 1830–1945. Die bürgerlichen Parteien in Deutschland. Handbuch, Band 1, Bibliographisches Institut, Leipzig 1968, S. 499–501.
- Anschriftenbuch der Deutschen Adelsgenossenschaft 1940. Schlieffen-Verlag, Berlin 1940, S. 101.
- Gesamt-Liste der Mitglieder der Balley Brandenburg des Ritterlichen Ordens St. Johannis vom Spital zu Jerusalem nach dem Stande vom 10. März 1931. Eigenverlag, Berlin 1931, S. 76.
- Verhandlungen des Reichstags. XIII. Legislaturperiode. I. Session, Stenographische Berichte, Band 290, Norddeutsche Buchdruckerei und Verlags-Anstalt, Berlin 1913, S. 10090 ff.
- Handbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat. jeweils bei R. v. Decker`s Verlag (G. Schenck), (Druck Redaktion im Vorjahr), Berlin. 1906, 1908., ff. 1911.
- Jahrbuch der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft. Band 24, Hrsg. Vorstand, Druck Gebr. Unger, Selbstverlag, Berlin 1909, S. 796.
- August Plate: Handbuch über das Preußische Abgeordnetenhaus 1908. Preußische Verlagsanstalt, Berlin 1909, S. 281, 436, 477.
- Kettler: Kürschner`s Staats,- Hof,- und Kommunal-Handbuch des Reichs und der Einzelstaaten. 1904. Neunzehnte Ausgabe, Hoffmannsche Buchdruckerei Stuttgart, Verlag Eduard Koch, München 1904, S. 326.
Weblinks
- Vita Tilly, Alfred von. In: Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik. Online Bundesarchiv.
- 4A KG Pers 9182; Tilly, Alfred von; 1933-1945. Akte. Letzte Tätigkeit: Rechtsanwalt in Berlin, In: Brandenburgisches Landeshauptarchiv.
- Reiner Fenske, M.A.: Imperiale Verbände im Deutschland der Zwischenkriegszeit im Vergleich. Die Beispiele des „Deutschen Ostbundes“ und der „Deutschen Kolonialgesellschaft“, Diss. TU, Dresden 2018. PDF