Alladorf

Gemeindeteil des Marktes Thurnau From Wikipedia, the free encyclopedia

Alladorf (oberfränkisch: Alla-doaf[2]) ist ein Gemeindeteil des Marktes Thurnau im Landkreis Kulmbach (Oberfranken, Bayern).[3] Die Gemarkung Alladorf hat eine Fläche von 15,446 km². Sie ist in 1909 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 8091,25 m² haben.[4] In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Lochau und Trumsdorf.[5] Der Ort ist für seine Töpferei und Keramik-Herstellung bekannt.

Schnelle Fakten Markt Thurnau ...
Alladorf
Markt Thurnau
Koordinaten: 49° 58′ N, 11° 23′ O
Höhe: 454 m ü. NHN
Einwohner: 220 (25. Mai 1987)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1975
Postleitzahl: 95349
Vorwahl: 09271
Evangelische Filialkirche
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Geographie

Das Kirchdorf liegt im Tal der Lochau am nördlichen Rand der Fränkischen Schweiz mit den Erhebungen Ziegenberg (522 m ü. NHN, 0,8 km nordöstlich) und Schirdigberg (533 m ü. NHN, 1,2 km östlich). Die Kreisstraße KU 7 führt nach Trumsdorf (1,3 km südlich) bzw. nach Tannfeld (2,5 km nordöstlich). Eine Gemeindeverbindungsstraße führt nach Kleinhül zur Kreisstraße KU 23 (3,2 km westlich).[6]

Etymologie des Ortsnamens

Der Ortsname erschien relativ spät in Urkunden: Die älteste bekannte Namensnennung in einer Originalurkunde aus dem Jahr 1433 lautet „Alachtorf“. Eine ältere Nennung als „Altdorf“ des Jahres 1388 ist nur als Abschrift aus dem 15. Jahrhundert erhalten. Weitere Namen bis zum Jahr 1500 waren 1421 „Alachtdorf(f)“, 1441 „Alhadorff“, 1468 „Alerdorf“, 1470/77 und 1500 „Alat(t)dorf“. Durch Textvergleiche frühmittelalterlicher Schriften kam Gütter zum Schluss, dass es sich bei Alladorf um einen fränkischen Ortsnamen handelt, denn der Namenstyp Alachdorf und so weiter trat nur in fränkischen Siedlungsgemeinschaften auf. Der Ortsname dürfte entweder Ort mit/bei einer Kirche oder geschützte Siedlung bedeuten.[7][8]

Geschichte

Alladorf gehört zu den ältesten fränkisch-deutschen Siedlungen des Kulmbach-Bayreuther Raums. Dies beweist ein Gräberfeld wenige hundert Meter nordöstlich der Alladorfer Kirche, das schon seit dem 8. Jahrhundert belegt wurde. Die Belegung endete vor Beginn des 10. Jahrhunderts. Vermutlich war es der Friedhof der Ortsgründer und ihrer Nachfahren. In den Jahren 1955 (Jahr der Entdeckung) bis 1984 wurden 228 Gräber untersucht. Es handelt sich um das größte bis heute bekannte frühmittelalterliche Gräberfeld Nordostbayerns. Es ist zu vermuten, dass ein derart großes Gräberfeld mit einer Kirche verbunden war.[9] Jedenfalls ist Alladorf ein wichtiges Zeugnis für die Anwesenheit von fränkischen Siedlern spätestens zu Beginn der Karolingerzeit im Kulmbacher Raum.[10]

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Alladorf aus 60 Anwesen. Das Hochgericht übte das bayreuthische Vogteiamt Wonsees aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das bayreuthische Kastenamt Sanspareil. Grundherren waren

  • das Fürstentum Bayreuth (53 Anwesen; Kastenamt Sanspareil: 5 Höfe, 1 Halbhof, 2 Höflein, 3 Halbhöflein, 3 Söldengütlein, 1 Tropfsölde mit Backhaus, 1 Haus mit Schmiede, 1 Haus mit Hofrait, 1 Haus, 1 Halbhaus, 1 Tropfhaus, 3 Tropfhäuslein; Kanzleilehen: 2 Mühlen, 1 Wirtshaus, 1 Badstube, 1 Hof, 1 Dreiviertelhof, 2 Halbhöfe, 1 Gütlein, 3 Söldengütlein, 8 Sölden, 2 Sölden jeweils mit Schmiede, 1 Halbsölde, 1 Haus mit Fleischbank, 1 Haus, 1 Häuslein, 1 Tropfhäuslein, 2 Hofstätten; Pfarrei Trumsdorf: 1 Halbsöldengut),
  • das Rittergut Thurnau (1 Gut, 1 Gütlein, 1 Hofstatt),
  • das Rittergut Danndorf (1 Haus, 1 Hofstatt),
  • das Rittergut Guttenberg (1 Haus),
  • die Gemeinde Alladorf (1 Wohnhaus).

Neben den Anwesen gab es noch 1 Kirche, 1 Schulhaus und 1 Gemeindehirtenhaus.[11]

Von 1797 bis 1810 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Sanspareil. Mit dem Gemeindeedikt wurde 1811 der Steuerdistrikt Alladorf gebildet, zu dem Lochau, Tannfeld und Trumsdorf gehörten. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) entstand die Ruralgemeinde Alladorf, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Hollfeld zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Bayreuth. 1852 wurde die Gemeinde dem Landgericht Thurnau und 1856 dem Rentamt Thurnau (1919 in Finanzamt Thurnau umbenannt) überwiesen. 1821 wurde Tannfeld eine eigenständige Ruralgemeinde. Ab 1862 gehörte Alladorf zum Bezirksamt Kulmbach (1939 in Landkreis Kulmbach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Thurnau (1879 in das Amtsgericht Thurnau umgewandelt), von 1929 bis 1959 war das Amtsgericht Hollfeld zuständig, seit 1959 ist es das Amtsgericht Bayreuth. Die Finanzverwaltung wurde 1929 vom Finanzamt Kulmbach übernommen.[12] Die Gemeinde hatte 1961 eine Gebietsfläche von 15,444 km².[13]

Am 1. Juli 1975 wurde Alladorf in den Markt Thurnau eingemeindet.[14][15]

Baudenkmäler

Einwohnerentwicklung

Gemeinde Alladorf

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Jahr 181818401852185518611867187118751880188518901895190019051910191919251933193919461950195219611970
Einwohner 574638643651661666692678685741710671645634625622606551517669622607527480
Häuser[18] 116115120119116115110114
Quelle [12] [19] [19] [19] [20] [21] [22] [23] [24] [25] [26] [19] [27] [19] [28] [19] [29] [19] [19] [19] [30] [19] [13] [31]
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Ort Alladorf

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Jahr 001809001818001861001871001885001900001925001950001961001970001987
Einwohner 275267310317354311282297253239220
Häuser[18] 58595656525653
Quelle [32] [12] [20] [22] [25] [27] [29] [30] [13] [31] [1]
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Religion

Der Ort ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und nach St. Michael (Trumsdorf) gepfarrt.[33][13]

Literatur

Fußnoten

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