Alloheim

privater Betreiber von Seniorenwohn- und Pflegeeinrichtungen From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Cidron Atrium SE mit Sitz in Düsseldorf betreibt unter der Bezeichnung Alloheim Seniorenwohn- und Pflegeeinrichtungen. Das 1973 gegründete Unternehmen ist mit rund 300 Pflegeheimen der größte Pflegeheimbetreiber in Deutschland und bietet sowohl ambulante als auch stationäre Pflege an.[2] Die Alloheim-Gruppe stand wiederholt wegen mangelhafter Pflege in der öffentlichen Kritik.

Schnelle Fakten Cidron Atrium SE ...
Cidron Atrium SE
Logo
Rechtsform SE
Gründung 1973
Sitz Düsseldorf
Leitung Geschäftsführung: Steffen Hehner
Umsatz 1,4 Mrd. EUR (2024)[1]
Branche Gesundheitswesen
Website www.alloheim-gruppe.de
Stand: 31. Dezember 2024
Schließen

Geschichte

1973–2008: Unternehmen unter Alois Mollik

Gegründet wurde das Unternehmen 1973 von Alois Mollik; er eröffnete damals das erste Altenheim in Bad Marienberg im Westerwald. Aus dem Spitznamen „Allo“ entwickelte sich schließlich der Unternehmensname Alloheim.[3] Nach seiner Gründung Anfang der 1970er-Jahre wuchs das Unternehmen kontinuierlich. Alloheim errichtete einerseits selbst neue Alten- und Pflegeheime und übernahm andererseits auch vorhandene Häuser.

2008–2017: Verkauf des Unternehmens

Im Jahr 2008 wurde das Unternehmen in die Alloheim Senioren-Residenzen GmbH umgewandelt und von der Familie Mollik an den Private-Equity-Investor Star Capital Partners verkauft. Beim Einstieg von Star Capital Partners gehörten 13 Alten- und Pflegeheime zu Alloheim. Als Geschäftsführer wurden Rainer Hohmann und Thomas Kupczik eingesetzt.[3] 2011 folgte die Übernahme von 22 Standorten der Policare-Unternehmensgruppe.[4]

Im August 2013 veräußerte Star Capital Partners das Unternehmen an den US-Finanzinvestor Carlyle und es wurde in eine Europäische Aktiengesellschaft (SE) umgewandelt. Der Einstieg von Carlyle wurde über den Fonds „Carlyle Europe Partners III“ finanziert.[5] Auch in den folgenden Jahren wuchs die Alloheim-Gruppe durch die Übernahme von 14 Standorten der Procon im Jahr 2014 sowie von 64 Standorten der Senator und der AGO, jeweils 2016. Im Jahr 2017 wurden rund 160 stationäre Pflegeheime betrieben.[3]

Seit 2017: Alloheim unter Nordic Capital

Zum Jahresende 2017 verkaufte Carlyle das Unternehmen für 1,1 Milliarden Euro an den von Nordic Capital aufgesetzten und beratenen Private-Equity-Fonds Nordic Capital Fund VIII L.P., der auf Jersey ansässig ist.[6] Es folgten 2018 die Übernahme von 29 Standorten der Itertalklinik Seniorenzentren und der CMS-Gruppe, 2019 von 14 Standorten von Pro Talis sowie 2020 von 10 Standorten der Mohring- und Vital Wohnen-Gruppe.[4]

Anfang 2021 wurden mehrere Einrichtungen der insolventen Cura Sana GmbH übernommen.[7] In den Jahren 2021 bzw. 2023 zogen sich die langjährigen Direktoren Rainer Hohmann und Thomas Kupczik aus der Geschäftsführung zurück,[3] ihr Nachfolger wurde Stefan Hehner. 2024 erfolgte die Übernahme der Katharinenhof-Gruppe mit insgesamt 27 Pflegeeinrichtungen.[8]

Ende 2025 wurden die zum Unternehmen gehörenden Gesellschaften Alloheim Senioren-Residenzen, CMS-Verbund, Itertalklinik Seniorenzentren, Katharinenhof und Pro Talis Seniorenzentren unter die Dachmarke „Alloheim-Gruppe“ zusammengeführt.[9] 2025 begann die Alloheim-Gruppe ein Modellprojekt in Zusammenarbeit mit der Techniker Krankenkasse und dem Telemedizin-Anbieter MedKit Doc, bei dem ärztliche Versorgung per Videosprechstunde getestet wird und verschiedene Krankheitsbilder per Video diagnostiziert und behandelt werden sollen.[10]

2026 führte die Alloheim-Gruppe eine direkte digitale Abrechnung mit den AOK-Krankenkassen ein.[11]

Kritik

Seit 2016 wurden bei zehn Einrichtungen der Alloheim-Gruppe Ermittlungen durch Behörden aufgenommen oder ein Aufnahmestopp erlassen, so z. B. in Bredstedt, wo behördlicherseits mehrfach ein Unterschreiten der Fachkräftequote festgestellt wurde. Alloheim sah hierin durch die Gesamtzahl der betriebenen Einrichtungen keine Häufung.[12]

2017 berichtete die Wetterauer Zeitung über Probleme im Niddataler „Haus Taunusblick“. Diese seien mit der Übernahme durch die Alloheim-Gruppe aufgetreten. Die Vorwürfe der Gewinnmaximierung und des Personalmangels wurden seitens des Betreibers als Verleumdungen zurückgewiesen; die zuständige Heimaufsicht bestätigte jedoch „Mängel im Bereich der Betreuung und Pflege sowie hinsichtlich des Personals“ und ordnete einen Belegungsstopp an. Ähnliche Beschwerden gab es über Heime der Alloheim-Gruppe in Erfurt, Ludwigsburg und Simmerath; die letzteren beiden Heime wurden von der Heimaufsicht geschlossen.[13][14][15]

Anfang 2018 berichteten Stuttgarter Zeitung und ZDF Frontal21 über Missstände in Altenheimen der Alloheim-Gruppe.[13] Ein Corona-Ausbruch in einem Altenheim des Unternehmens in Brandenburg, bei dem über zehn Bewohner starben und nur etwa die Hälfte der Pflegekräfte geimpft war, führte im November 2021 zu deutschlandweiter Berichterstattung.[16]

Im August 2018 verhängte die Aufsichtsbehörde für ein Heim in Bad Vilbel einen Belegungsstopp; Alloheim äußerte hierzu gegenüber der Presse, dass es „zeitweise Abweichungen von unseren hohen Qualitätsstandards gab“ und wies die Vorwürfe zurück. Laut zuständiger Heimaufsicht gab es von 2016, als das Haus von Alloheim übernommen worden war, bis 2018 28 Beschwerden.[17] Die zuständige Betreuungs- und Pflegeaufsicht forderte den Betreiber auf, die Defizite unverzüglich bzw. fristgerecht zu beheben. Da dies nicht vollständig geschah, wurde am 8. August ein vollständiger Belegungsstopp angeordnet.[18] Im Februar 2019 sprach das Regierungspräsidium Gießen von einer Häufung der Beschwerden.[17]

Ebenfalls 2018 wurde für ein Seniorenheim der Alloheim-Gruppe in Bremen aufgrund von Mängeln wie Fehlern bei der Medikamentengabe und beim Wundmanagement ein Belegungsverbot verhängt; außerdem fanden zeitweise täglich Kontrollen der Bremischen Wohn- und Betreuungsaufsicht statt.[19] Alloheim war zunächst rechtlich gegen die Anordnungen vorgegangen, zog dann aber seinen Widerspruch zurück.[20] Im selben Jahr wurde von der Heimaufsicht auch ein Belegungsverbot gegen ein Heim in Sythen erlassen[21]; außerdem wurden in Lingen von der Heimaufsicht Bußgelder betreffend das Heim „Emsauenpark“ verhängt[22], im zugehörigen Bußgeldverfahren vor dem Amtsgericht Lingen wurden die Alloheim-Geschäftsführer trotz massiver Kritik des Richters an den damaligen Zuständen freigesprochen.[23]

Im Juni 2022 wurden Heimen der Alloheim-Gruppe erneut schwerwiegende Fehler vorgeworfen. Das Team Wallraff berichtete, in der Senioren-Residenz „Brunswik“ in Braunschweig würden inkontinente Patienten bestraft und beschimpft. Interne Quellen berichteten für das Pflegeheim in Dormagen[24] von fehlendem Fachpersonal, groben Pflegefehlern und mangelnder Hygiene, was bereits 2021 von der Aufsichtsbehörde festgestellt worden war. Dies hatte zur Folge, dass die Einrichtung neue Bewohner nur mit Genehmigung des Rhein-Kreises aufnehmen durfte.[24] Laut Alloheim handelte es sich um bedauerliche Einzelfälle.[25]

Im Oktober 2022 erließ die Heimaufsicht wegen wesentlicher Mängel in verschiedenen Bereichen einen erneuten Aufnahmestopp (zunächst bis November) für das Heim in Sythen.[26] Der Betreiber räumte schwere Mängel in der Pflege ein.[27] Im Februar 2023 wurden die Einschränkungen seitens der Heimaufsicht aufgehoben.[28]

Die Gewerkschaft ver.di warf Alloheim 2023 vor, die Arbeitgeberbindung des Visums von ausländischen Pflegekräften zu nutzen, um diese unter Druck zu setzen. Kritisiert wird ebenfalls, dass durch die Eigentumsrechte von Nordic Capital an Alloheim und die daraus resultierende Profitorientierung sowohl die Pflege als auch die Beschäftigten leiden.[29]

2025 geriet das Seniorenheim „NINO-Allee“ in Nordhorn wenige Monate nach der Übernahme durch Alloheim in die Kritik. Angehörige und Personal berichteten von Personalmangel, zusätzlichen Aufgaben für Pflegekräfte und einem raueren Umgangston; der Betreiber wies die Vorwürfe zurück.[30] Ebenfalls 2025 mussten im Pflegeheim in Bramsche 19 ehrenamtliche Helfer des Roten Kreuzes einspringen, nachdem sich sechs von acht Mitarbeitenden krankgemeldet hatten. Laut Alloheim wurde die vorgeschriebene Personalstärke und Fachkraftquote dennoch erfüllt.[31]

Im Herbst desselben Jahres berichtete das Magazin Stern ausführlich über die Missstände.[32] Auch lägen dem Stern Unterlagen vor, die den Verdacht nahelegten, dass die Abrechnungen von Alloheim für seine Pflegekräfte falsch seien.[33] Die Alloheim-Gruppe wies in einer Stellungnahme auf ihrer Webseite die Vorwürfe als ungerechtfertigt und unzutreffend zurück und leitete rechtliche Schritte gegen das Magazin ein.[34][35]

Private-Equity-Gesellschafter

  • 2008–2013: Star Capital Partners[36]
  • 2013–2017 The Carlyle Group: Im August 2013 wurde das Unternehmen an den US-Finanzinvestor Carlyle veräußert und in eine Europäische Aktiengesellschaft (SE) umgewandelt. Der Einstieg von Carlyle wurde über den Fonds „Carlyle Europe Partners III“ finanziert.[37]
  • ab 2018: Zum Jahresende 2017 verkaufte The Carlyle Group das Unternehmen für 1,1 Milliarden Euro an den von Nordic Capital aufgesetzten und beratenen Private-Equity-Fonds Nordic Capital Fund VIII L.P., der auf Jersey ansässig ist.[38]

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI