Alois Holtmeyer

deutscher Architekt, Baubeamter und Denkmalpfleger From Wikipedia, the free encyclopedia

Alois Holtmeyer (* 22. Juni 1872 in Osnabrück; † 2. Februar 1931 in Köln) war ein deutscher Architekt, preußischer Baubeamter und Denkmalpfleger.

Alois Holtmeyer (1910)

Leben

Nach dem Besuch des Gymnasium Carolinum in Osnabrück studierte Alois Holtmeyer Architektur an der Technischen Hochschule (Berlin-)Charlottenburg sowie Kunstgeschichte an der Universität Jena. 1903 wurde er an der Technischen Hochschule Dresden bei Cornelius Gurlitt zum Dr.-Ing. promoviert, 1906 an der Universität Jena bei Paul Weber mit einer Dissertation zur „Baugeschichte der Cisterzienserkirchen Thüringens“ zum Dr. phil.

Tätigkeit als Architekt

Ab 1900 arbeitete Holtmeyer als Regierungsbaumeister (Assessor) im preußischen Staatsdienst und baute in dieser Funktion u. a. das Justizgebäude in Rudolstadt (1904–1905)[1] und das Justizgebäude in Greiz (1910–1912).[2] Als Hochbaudezernent der Königlich Preußischen Eisenbahndirektion Cassel schuf er u. a. an der Main-Weser-Bahn die Empfangsgebäude für den Bahnhof Marburg (Lahn), den Bahnhof Treysa und den Bahnhof Cölbe, an der 1908 eröffneten Bahnstrecke Bad Berleburg–Allendorf die Gebäude der Bahnhöfe in Bad Berleburg, Schwarzenau (Eder), Hatzfeld (Eder), Holzhausen (Eder) und den Bahnhof Allendorf (Eder), an anderen Strecken die Bauten für den Bahnhof Korbach, den Bahnhof Halsdorf, den Bahnhof Gemünden (Wohra), den Bahnhof Friedensdorf (Lahn), den Bahnhöfr in Herleshausen und Röddenau, den Bahnhof Großbodungen, die Bahnhöfe in Speele, Gilsa, Ludwigshütte und am Kasseler Tor in Paderborn. Bei diesen Bauten versuchte Holtmeyer, „den neuen Grundriss des Eisenbahnempfangsgebäudes mit den überlieferten Formen des Holzbaues in Einklang zu bringen.“[3] Bei allen Entwürfen schloss sich Holtmeyer der Heimatschutzarchitektur an und entwickelte die Bauten aus einer ortsbezogenen Tradition. In den Jahren 1909–1910 entstand das Erholungsheim für Eisenbahnbeamte in Karlshafen, das „seiner Bestimmung und Lage entsprechend ... ein landhausmäßiges Gepräge erhalten“ hat.[4] In seine Bauten integrierte Holtmeyer bisweilen Skulpturen des Kasseler Bildhauers Hans Sautter.

Tätigkeit als Denkmalpfleger

Grab Holtmeyers

Ab 1907 war Holtmeyer bei der Inventarisation der hessischen Kulturdenkmäler im Regierungsbezirk Kassel tätig, wobei er für das 1901 durch Ludwig Bickell begründete Inventar der „Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel“ die beiden Werke Kreis Cassel-Land (1910) und Kreis Cassel-Stadt (1923) bearbeitete. Nach zwischenzeitlicher Tätigkeit in Magdeburg (1911 bis 1913) wurde Alois Holtmeyer 1913 als Nachfolger Alhard von Drachs zum Bezirkskonservator in Kassel bestellt, wo er 1915 als Reaktion auf die zahlreichen Verluste historischer Bausubstanz das Kasseler „Ortstatut gegen Verunstaltung“ initiierte.[5] Seine wissenschaftliche Tätigkeit in dieser Zeit galt der Erforschung der nordhessischen Barockarchitektur, namentlich dem Werk von Giovanni Francesco Guerniero.

1927 wurde Alois Holtmeyer zum Konservator der Erzdiözese Köln ernannt. Sein Nachfolger als Bezirkskonservator in Kassel wurde Friedrich Bleibaum.

Holtmeyers Grab befindet sich auf dem Kölner Südfriedhof (Flur 49).

Würdigung

„Wie viele Architekten seiner Generation stand Holtmeyer künstlerisch zwischen zwei Zeiten. Einerseits verstand er sich als erklärter Gegner historistischer Architektur, etwa indem er den neugotischen Entwurf des Kasseler Architekten J. Strehl von 1922 für eine Gedächtniskapelle in Witzenhausen überarbeitete und dabei aller Maßwerkformen entkleidete, während andererseits sein Fortgang aus Kassel gerade mit dem Unbehagen an den in dieser Zeit entstehenden Bauten des Internationalen Stils in Kassel erklärt wurde. Auch als Denkmalpfleger finden sich bei Holtmeyer zwei unterschiedliche methodische Ansätze, indem er sein berufliches Engagement der gerade aktuellen städtebaulichen und ländlichen Ortsbildpflege und Umraumerhaltung zuwandte, während ein zweiter denkmalpflegerischer Schwerpunkt entsprechend seinem kunsthistorischen Forschungsinteresse der Restaurierung kirchlicher Großbauten galt, was ihn schließlich auch zur Annahme seiner Kölner Stelle veranlasst haben mochte.“

Johann Josef Böker, 1982[6]

Schriften (Auswahl)

Zu eigenen Bauten

  • Kleinere Eisenbahnempfangsgebäude im Direktionsbezirk Cassel. In: Zentralblatt der Bauverwaltung, 35. Jahrgang 1915,
    • Nr. 5 (vom 16. Januar 1915), S. 27–31. (Teil 1; Digitalisat bei der ZLB)
    • Nr. 7 (vom 23. Januar 1915), S. 38–42. (Teil 2; Digitalisat bei der ZLB)
  • Beamtenwohnhäuser im Eisenbahndirektionsbezirk Kassel. Heft 1, Ernst & Sohn, Berlin 1910. (2. Auflage 1911)
  • Erholungsheim für Eisenbahner in Karlshafen. In: Zentralblatt der Bauverwaltung, 31. Jahrgang 1911, Nr. 77 (vom 23. September 1911), S. 473–476. (Digitalisat bei der ZLB)
  • Die Eisenbahnempfangsgebäude in Marburg und Treysa. In: Zentralblatt der Bauverwaltung, 32. Jahrgang 1912, Nr. 71 (vom 31. August 1912), S. 453–456. (Digitalisat bei der ZLB)
  • Beamtenwohnhäuser. Heft 2, Ernst & Sohn, Berlin 1916. (bei verkürztem Titel als Fortsetzung des Hefts 1 von 1910)
  • Neuere Beamtenwohnhäuser im Direktionsbezirk Kassel. In: Zentralblatt der Bauverwaltung, 29. Jahrgang 1919, S. 589–592.
  • Kleinere Eisenbahnempfangsgebäude. Ernst & Sohn, Berlin 1915. (als Nachdruck: Verlag Chemie, Weinheim 1983)

Zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege

  • Baugeschichte der Cisterzienserkirchen Thüringens. (Dissertation, Universität Jena) Gustav Fischer Verlag, Jena 1906. (Digitalisat bei der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek)
  • Beiträge zur Baugeschichte der Paulinzeller Klosterkirche. In: Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte und Altertumskunde, 23. Jahrgang 1904/1905, S. 71–242. (Digitalisat) (auch als Sonderdruck im Verlag Gustav Fischer, Jena)
  • Cisterzienserkirchen Thüringens. Ein Beitrag zur Kenntnis der Ordensbauweise. Jena 1906. (Digitalisat auf archive.org)
  • Breitenau und Paulinzella. In: Hessenkunst, 2. Jahrgang 1907, S. 1–2.
  • Giovanni Francesco Guerniero. In: Zeitschrift für Geschichte der Architektur, 3. Jahrgang 1909/1910, S. 249–257. (Digitalisat bei der Universitätsbibliothek Heidelberg)
  • Kreis Cassel-Land. (= Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel, Band 4.) Marburg 1910.
  • Kreis Cassel-Stadt.(= Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel, Band 6.) Marburg 1923.
  • Gegen die Verunstaltung des Stadtbildes. Schmalkalden 1911.
  • Hessische Rathäuser. Ihre Erhaltung und Entstellung. (= Alt-Hessen, Beiträge zur kunstgeschichtlichen Heimatkunde, Heft 1.) Marburg 1912. (Digitalisat auf archive.org)
  • Alt Cassel. (= Alt-Hessen, Beiträge zur kunstgeschichtlichen Heimatkunde, Heft 2.) Marburg 1913.
  • Wilhelmshöhe. (= Alt-Hessen, Beiträge zur kunstgeschichtlichen Heimatkunde, Heft 3.) Marburg 1913.
  • Die Kirchen von Kirchditmold. In: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde, 47. Jahrgang 1914, S. 48–56.
  • Paul Lehmgrübner †. In: Zentralblatt der Bauverwaltung, 36. Jahrgang 1916, Nr. 67, S. 452. urn:nbn:de:kobv:109-opus-50346
  • Die Löwenburg zu Wilhelmshöhe. In: Zeitschrift für Geschichte der Architektur, 8. Jahrgang 1928, S. 137–141.

Literatur

Zur Person

Zu Bauten

  • „r.“: Kleinere Eisenbahnempfangsgebäude im Direktionsbezirk Kassel. In: Zentralblatt der Bauverwaltung, 28. Jahrgang 1908,
    • Nr. 95 (vom 28. November 1908), S. 630–633. (Teil 1; Digitalisat bei der ZLB)
    • Nr. 97 (vom 5. Dezember 1908), S. 642–645. (Teil 2; Digitalisat bei der ZLB)

Weitere Quellen

  • Lebenslauf. In: Alois Holtmeyer: Baugeschichte der Cisterzienserkirchen Thüringens. (Dissertation, Universität Jena) Gustav Fischer Verlag, Jena 1906, S. 45. (Digitalisat bei der Thüringer Univeriitäts- und Landesbibliothek)
Commons: Alois Holtmeyer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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