Alphonse Gilliot
deutscher Politiker (Zentrum)
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Marie Simon Alphonse Gilliot (* 20. Juni 1849 in Erstein; † 12. Juli 1927 in Straßburg) war ein elsässischer Unternehmer und Politiker (Zentrum).
Gilliot besuchte 1859 bis 1864 das Lycée in Colmar und anschließend von 1864 bis 1867 die École des Arts et Métiers (Kunst- und Handwerksschule) in Châlons. Zwischen 1867 und 1870 war Gilliot als Ingenieur bei den Herzog-Werken, einer großen Textilfabrik, in Logelbach (heute größtenteils Teil von Colmar) tätig. Anschließend hielt er sich bis 1872 in Prag auf. Ab 1872 übernahm er die Leitung der familieneigenen Ziegelei in Rheinau, die bis 1910 in Betrieb blieb. Von 1876 bis 1887 war er Bürgermeister von Rheinau. Bei der Reichstagswahl im Februar 1887 sprach er sich öffentlich für die Wahl des Protestler-Kandidaten Edouard Sieffermann aus Benfeld, und gegen seinen Nachbarn und Freund, den bisherigen Abgeordneten Hugo Zorn von Bulach, mit dem er wegen einer privaten Angelegenheit vorübergehend zerstritten war, aus, und wurde daher auf Betreiben der deutschen Behörden von seinem Bürgermeisterposten suspendiert. Der Streit wurde kurz danach wieder beigelegt. Von 1882 bis 1886 war Gilliot Abgeordneter im Kreistag von Erstein. Seit Sommer 1887 bis 1918 war er gewählter Abgeordneter für Benfeld im Bezirkstag des Unterelsass. 1895 wurde er als Nachfolger Zorn von Bulachs Abgeordneter des Landesausschusses von Elsaß-Lothringen und blieb in dieser Funktion bis zur Auflösung des Landesausschusses 1911.[1]
Er beteiligte sich am 4. Juni 1911 an der Gründung des Nationalbundes, kandidierte dann aber bei der Landtagswahl in Elsaß-Lothringen 1911 im Wahlkreis Benfeld-Erstein als Kandidat des Elsass-Lothringischen Zentrums. Den Wahlkreis gewann er mit großer Mehrheit und schloss sich im Landtag anschließend der Zentrumsfraktion an.[1]
1908 wurde er mit dem Roten Adlerorden ausgezeichnet.
Gilliot heiratete am 20. April 1874 in Nothalten Marie Joséphine Ruhlmann. Aus der Ehe ging eine Tochter, Félicité, hervor. Er wurde auf dem Friedhof Saint-Urbain in Straßburg begraben.[1]
Literatur
- Hermann Hiery: Reichstagswahlen im Reichsland. Ein Beitrag zur Landesgeschichte von Elsaß-Lothringen und zur Wahlgeschichte des Deutschen Reiches 1871–1918 (= Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. 80). Droste, Düsseldorf 1986, ISBN 3-7700-5132-7, S. 404, (Zugleich: Freiburg (Breisgau), Universität, Dissertation, 1984).