Alsterpavillon

Gastronomiebetrieb in Hamburg From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Alsterpavillon ist ein traditionsreiches Café in Hamburg. Das mittlerweile sechste Gebäude dieses Namens befindet sich am Jungfernstieg unmittelbar am Ufer der Binnenalster.

Alsterpavillon (2013), der 6. Bau am Ort

Geschichte

1. Alsterpavillon um 1830

Der erste Pavillon wurde am 20. August 1799 von dem Franzosen Augustin Lancelot de Quatre Barbes[1] eröffnet, der als Adliger vor den Verfolgungen während der Französischen Revolution nach Hamburg geflohen war.[2] Er brachte u. a. die Kenntnisse zur Herstellung von Speiseeis aus Frankreich mit, weshalb vom Alsterpavillon als der vermutlich ersten „Eisdiele“ in Deutschland stellenweise zu lesen ist.[2][3] Zwei Jahre später im Mai 1801 wurde der aus dem schweizerischen Kanton Graubünden stammende Konditor Richard Ruben Betreiber. 1809 überließ er den Pavillon seinem Bruder Donat Ruben,[4] der ihn bis zu seinem Tode im Oktober 1828 führte.[5]

2. Alsterpavillon (Wimmel) um 1860

Johannes Sprecher, der für Ruben gearbeitet hatte, stammte wie seine Vorgänger aus der Schweiz. Er ließ 1835 von Carl Ludwig Wimmel einen neuen Pavillon im klassizistischen Stil bauen. Nach seinem Tode im Dezember 1836[6] übernahm den Pavillon Sprechers Schwiegersohn Franz Dürst. Nach dessen Tod im März 1848[7] bewirtete Johannes Sprechers Sohn Heinrich die Gäste bis 1874.

3. Alsterpavillon (Haller) um 1880

Als nächster Pächter ließ Johannes Schwarting 1874 und 1876 den bestehenden Pavillon von dem Architekten Martin Haller umbauen und erweitern.[8] Johannes Schwarting, der auch Direktor der Marienthaler Brauerei AG war, verstarb im Oktober 1885.[9] Anschließend übernahm seine Frau Marie Schwarting das Alsterpavillon.

4. Alsterpavillon (Hauers) um 1905

Aufgrund einer Erweiterung des Jungfernstieges entstand 1900 ein Neubau nach Entwurf von Wilhelm Hauers.[10] Der massive Bau mit polierten Granitsäulen und glasierten Mettlacher Steinen erhielt den Spitznamen „Kachelofen“.[8]

5. Alsterpavillon (Rambatz & Jollasse) um 1938

Am 9. Juni 1914 wurde als inzwischen fünftes Gebäude ein Neubau nach Entwurf der Hamburger Architekten Johann Gottlieb Rambatz und Wilhelm Jollasse eröffnet. Während des Dritten Reiches fanden dort noch lange Zeit Swing-Konzerte statt, obwohl die Musik bei den Nationalsozialisten verpönt war. Am 26. Juli 1942 wurde der Pavillon während eines Bombenangriffs zerstört.[11]

Das heute existierende halbkreisförmige sechste Gebäude mit Flachdach wurde 1952–1953 nach Plänen des Architekten Ferdinand Streb auf dem erhaltenen Sockelgeschoss erbaut und 1992–1994 umgebaut.

Schweizerpavillon

Unweit des Alsterpavillons und ebenfalls am Jungfernstieg auf Höhe des Neuen Walls gab es von 1813 bis 1842 noch einen zweiten Pavillon: Im Jahr 1813 hatte der französische Gastwirt Hyacinthe Dubernet die Erlaubnis erhalten, das bisherige Wachgebäude „Nilus“ als zweiten Pavillon an der Alster zu pachten. 1815 nahm Dubernet den Pächter des Alsterpavillons Richard Ruben als Teilhaber auf. Im Gegensatz zum Alsterpavillon, der seinerzeit im Volksmund auch „Rauchpavillon“ genannt worden war, durfte im Schweizerpavillon nicht geraucht werden.[12] Heinrich Heine hat den Schweizerpavillon regelmäßig besucht.[13] Beim Hamburger Brand im Mai 1842 wurde der Schweizerpavillon zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Literatur

Commons: Alsterpavillon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • ALEX Hamburg im Alsterpavillon. In: Webseite. ALEX Gaststätten Gesellschaft mbH & Co. KG, abgerufen am 10. Januar 2022.
  • Olaf Wunder: Sensationelle Fotos. Als der Alsterpavillon das mondänste Kaffeehaus Europas war. In: Mopo Hamburger Morgenpost. 8. Januar 2019, ehemals im Original (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 16. November 2019.@1@2Vorlage:Toter Link/www.mopo.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche in Webarchiven)
  • Swing in Hamburg. NDR, 30. Juli 2016; (Fotografien von Innen und Aussen aus den 40er Jahren).

Einzelnachweise

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