Alte Schönfarbe
Bauwerk in Weimar
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Die Alte Schönfarbe oder auch nur Schönfarbe oder Schönfärbe befand sich auf dem Gelände des einstigen Franziskanerklosters in Weimar. Es ist eines der ältesten noch erhaltenen Gebäude Weimars.


Geschichte
Ursprünglich war die „Schönfarbe“ größer angelegt und stellte eine ansehnliche Färberei dar. Über den Lottenbach, der damals offen war, wurde das notwendige Wasser bezogen. Dieses Anwesen war sehr begehrt und hatte häufig Besitzerwechsel, die zumeist wohlhabende Bürger oder adlige Familien waren, die dann die Färberei vermieteten bzw. verpachteten. Alten Urkunden zufolge werden u. a. 1698 ein Rüdiger Fischer und eine Frau Hofmeisterin von Schönebergk genannt. Vorher waren Stallmeister Nicklott und Hofadvokat und Stadtrichter Heinrich Calbibium Eigentümer. 1755 erscheinen Freifrau von Schmiedel, 1761 Hofrat Wilke und 1765 schließlich der Kammerjunker Otto Philipp von Türk, der es zum sachsen-meiningischen Kammerpräsidenten brachte. Jakob Friedrich von Fritsch, der später Goethes Vorgesetzter im Geheimen Conseil war, kaufte es für den Preis von 2360 Talern und 16 Groschen für die „Färberei samt ihren Utensilien“. Der Schönfärber Rüdiger Bischof betrieb als Mieter das Gewerbe, zu dem die Tuche ballenweise zum Färben kamen. Fritsch wollte das Gewerbe allerdings nicht fortsetzen, sondern ein Palais sollte entstehen. Das geschah schließlich auch.
Mit den Bauarbeiten 1767 wurde der Lottenbach überwölbt.[1] Als einer der Besitzer war ein Rüdiger Fischer nachzuweisen. Eine gefundene Jahreszahl „1725“ weist auf Baumaßnahmen in dieser Zeit hin. Für den Bau des später als Wittumspalais bezeichneten Schlosses mussten Teile der Schönfärberei 1767 für die beginnenden Bauarbeiten weichen. Von denen blieb nur der südöstliche Teil übrig, der sich mit dem südlichen Seitenteil vereinigte. Das von der Schönfärberei übriggebliebene Gebäude erkennt man gut durch die monumentalen Pfeiler mit den barocken Urnen, die ursprünglich nur mit Kugeln bekrönt waren. Die Pfeiler gehörten einst zur Färberei. Das links vom Eingang befindliche Gebäude der „Schönfarbe“ hatte einmal ein Geschoss mehr. Dieses besitzt ein Sitznischenportal aus Travertingestein.[2] Der Bauherr Jakob Friedrich von Fritsch ließ das Obergeschoss zu Beginn der Baumaßnahmen, die bis 1769 reichten, entfernen. Um den Hofraum von der Straße abzutrennen, ließ er ein Durchgangsgebäude errichten. Dieses wiederum reichte bis zum ehemaligen Kornhaus, der einstigen Kirche des Franziskanerklosters, in welcher die Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar nicht nur ansässig ist, sondern als Orchesterschule unter Carl Müllerhartung 1872 auch gegründet wurde. Damit der Innenhof geräumig ausgestaltet werden konnte, rückte der Bauherr Fritsch den Westtrakt bis an die damals noch stehende Stadtmauer hinaus. Die Front des Wittumspalais steht am Theaterplatz. Herzogin Anna Amalia nutzte die Teile der Schönfarbe im Südostbereich als Wirtschaftsbereich. Nach dem Ersten Weltkrieg war hier eine Dienststelle des Deutschen Roten Kreuzes.[3] Nach dem Schlossbrand 1774 verkaufte von Fritsch das Gebäude an Anna Amalia für 20.000 Taler, die es zu ihrem Witwensitz machte.[4]
2016–2018 wurden die Schönfärbe und das angrenzende Kammerfrauenhaus instandgesetzt.[5]
Varia
Schönfärber durften sich nur die nennen, die die Kunst des Blaudruckes beherrschten, sonst hießen sie schlicht Färber. Der nicht nur in Thüringen verbreitete Waidanbau steht damit in ursächlicher Verbindung. Davon kommen auch die erhaltenen Waidmühlsteine.