Altensittenbach
Ortsteil von Hersbruck
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Altensittenbach ist ein Gemeindeteil der Stadt Hersbruck im Landkreis Nürnberger Land (Mittelfranken, Bayern).[2] Die Gemarkung Altensittenbach liegt zum Teil auf dem Gemeindegebiet von Hersbruck, teils auf dem Gemeindegebiet von Reichenschwand. Sie hat eine Fläche von 7,051 km² und ist in 2930 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 2406,63 m² haben.[3] In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Hagenmühle und Kühnhofen.[4]
Altensittenbach Stadt Hersbruck | |
|---|---|
| Koordinaten: | 49° 30′ N, 11° 25′ O |
| Höhe: | 336 m ü. NHN |
| Einwohner: | 2361 (1. Feb. 2024)[1] |
| Eingemeindung: | 1. Juli 1976 |
| Postleitzahl: | 91217 |
| Vorwahl: | 09151 |
Der Hersbrucker Gemeindeteil Altensittenbach | |
Geografie
Das Pfarrdorf liegt am Sittenbach, der unmittelbar südlich als rechter Zufluss in die Pegnitz mündet. Es bildet mit Hersbruck im Osten eine geschlossene Siedlung. Die Staatsstraße 2404 führt zur Bundesstraße 14 (0,5 km westlich) bzw. an der Hagenmühle vorbei nach Kühnhofen (2 km nordöstlich). Die Kreisstraße LAU 30 führt nach Hersbruck (1,5 km östlich).[5]
Geschichte
Kirchenweihe
Bischof Gundekar II. von Eichstätt weiht zwischen 1062/71 eine Kirche zu Sittenbach, dies kann als die erste Erwähnung Altensittenbachs gelten. Es bedeutet zudem, dass Eichstätt nach Gründung des Bistums Bamberg immer noch die Hoheit über die eigentlich zu Bamberg gehörende Kirche in Sittenbach hat. Altensittenbach wird auf Grund dieser Weihehandlung als Mutterpfarrei für den Hersbrucker Raum angesehen.
1188 nach Aussterben der Grafen von Sulzbach folgt Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa. Seine Tante ist Gertrud von Sulzbach, die Frau König Konrads III. Barbarossa wird durch Bischof Otto II. von Bamberg mit der Vogtei Hersbruck belehnt.
1269 erbt Ludwig II., der Strenge († 1294), Herzog von Oberbayern, ein Wittelsbacher, die Vogteirechte über Hersbruck von seinemstaufischen Neffen Konradin.[6]
Neuböhmen
1353 Große Teile der Oberen Pfalz müssen aufgrund großer Schulden von Rudolf II., Kurfürst von der Pfalz, an seinen Schwiegersohn Karl IV. abgetreten werden. Hinzu kommt eine hohe Lösegeldzahlung, mit der der König den Pfalzgrafen Ruprecht II. († 1398) aus sächsischer Haft befreit. Als Neuböhmen werden die ehemals pfälzischen Ämter, zu denen auch Hersbruck zählt, Teil des böhmischen Königreichs.[6]
Teil der Bayerische Herzogtümer
1373 Mit dem Vertrag von Fürstenwalde gehen Teile Neuböhmens im Tausch mit der Mark Brandenburg an den Schwiegersohn des Kaisers, an Herzog Otto V. von Bayern (1346–1379).
1443 erbt Christian III. († 1448) von Pfalz-Neumarkt. Er ist seit 1440 König von Dänemark, Schweden und Norwegen. 1448 fällt das Fürstentum an Herzog Otto I., von der Linie Pfalz – Mosbach. 1452 Ludwig IX., der Reiche († 1479) von Bayern-Landshut.
1479 erbt der Sohn Georg, der Reiche († 1503) von Bayern-Landshut. Georg, der Reiche heiratet 1475 Hedwig von Polen in der sog. „Landshuter Fürstenhochzeit“. Seine Tochter Elisabeth vermählt sich mit Ruprecht von der Pfalz († 1504), den Georg adoptiert. Als Georg 1503 ohne männlichen Erben stirbt, vererbt er an seine Tochter und deren Mann das Herzogtum, dies entgegen dem Hausvertrag von Pavia von 1329. Demnach war Albrecht IV. von Oberbayern-München der rechtmäßige Erbe, der die Unterstützung Kaiser Maximilians hat. Über das Erbe bricht der Landshuter Erbfolgekrieg aus. Die Reichsstadt Nürnberg folgt dem Aufruf des Kaisers zur militärischen Unterstützung Albrechts IV. Der Krieg wird mit der damals üblichen völligen Verheerung feindlicher Gebiete geführt: Zahlreiche Dörfer werden niedergebrannt. Altensittenbach brennt nicht, wird aber im Dezember 1504 geplündert. Albrecht IV. gewinnt den Krieg und die Reichsstadt erhält eroberte Ämter als Kriegskostenersatz, unter anderem das Amt Hersbruck.[6]
Reichsstadt Nürnberg wird 1505 Landesherr
1505 erhält die Reichsstadt Nürnberg mit dem Kölner Schiedsspruch das im Landshuter Erbfolgekrieg besetzte Amt Hersbruck.[6]
1525 führt die Reichsstadt Nürnberg die Reformation ein. Durch Kauf der grundherrlichen Rechte der ehemaligen Klöster Bergen und Engelthal entsteht östlich der Reichsstadt ein relativ geschlossener Herrschaftsbereich.[6]
Markgraf Albrecht Alkibiades von Brandenburg - Kulmbach bricht 1552 einen Krieg vom Zaun, um die Territorien der Reichsstadt Nürnberg und der Hochstifte Bamberg und Würzburg unter eine hohenzollernsche Landeshoheit zu zwingen und stellt sich ein Fränkisches Herzogtum vor. 1552 und 1553 verwüstet sein Heer auch das Landgebiet der Freien Reichsstadt und brennt die Städte Lauf und Altdorf nieder. Hersbruck kommt mit einer Plünderung und teuren Brandschatzung glimpflich davon, jedoch wird bei der Belagerung die Stadt Altensittenbach in Brand gesteckt. Altensittenbach hingegen ist unter allen aufgeführten Dörfern das am meisten getroffene. Wenn von abgebrannten 105 „zimern“ (= Gebäude) die Rede ist, so bedeutet das nichts anderes, als dass praktisch der gesamte Gebäudebestand des Ortes vernichtet wird. Es gibt zu jener Zeit rund 50–55 Häuser und wahrscheinlich ebenso viele Scheunen. Das ergibt rund 110 Gebäude. Auf der Hagenmühle und in Kühnhofen scheint es keine Beschädigungen gegeben zu haben.[6]
Posthalterei in Altensittenbach
Im Jahr 1615 erhält Freiherr Lamoral von Taxis durch Kaiser Matthias den erblichen Titel eines Generalpostmeisters des Heiligen Römischen Reiches verliehen und wird beauftragt, das seit dem Ende des 16. Jahrhunderts bestehende Postnetz um die Verbindung von Köln über Frankfurt und Nürnberg bis zur böhmischen Grenze zu ergänzen. Ziel ist die Verbindung der Habsburgischen Gebiete in den Niederlanden mit der ebenfalls Habsburgischen Residenzstadt Prag. 1620 werden Poststationen östlich von Nürnberg errichtet, zunächst in Lauf und Hartmannshof. Jedoch stellt sich heraus, dass die Distanz zwischen den Stationen zu groß ist, weshalb bereits 1623 eine neue Einteilung vorgenommen wird, mit nun zwei Stationen zwischen Nürnberg und Hartmannshof, nämlich Rückersdorf und Altensittenbach. Als nächste Station Richtung Osten folgt Bachetsfeld.
Die Aufgaben des Posthalters von Altensittenbach bestehen darin, 6 Pferde zu halten, die an den Stationen umgespannt werden. Zudem verteilt er als Postreiter die Brief- und Paketpost innerhalb des Postbezirks. Dieser umfasst die Ortschaften Alfeld, Alfalter, Artelshofen, Engelthal, Eschenbach, Happurg, Henfenfeld, Hersbruck, Offenhausen, Reicheneck, Velden und Schnaittach.
Mit der Bestallung als Kaiserlicher Postmeister ist eine privilegierte Stellung verbunden. Das Posthaus ist im Kriegsfall frei von Einquartierungen durchziehender Truppen und genießt den besonderen rechtlichen Schutz des Kaisers, die sogenannte Salvegarde. Zeichen hierfür ist ein Hausschild mit dem kaiserlichen Adler, das an den Posthäusern angebracht ist.
Die erste Posthalterei in Altensittenbach befindet sich wahrscheinlich von 1623 bis 1637 im Haus Nr. 8 „Krottner“. Seit 1644 ist Haus Nr. 47 Stützpunkt der kaiserlichen Posthalterei. 1834 wird die Poststation Altensittenbach aufgehoben und die Post nach Hersbruck verlegt.[7]
Königreich Bayern
Nürnberg kommt 1806 an Bayern - Napoleonische Zeit bis 1812. Mit der Unterzeichnung der Rheinbundakte am 12. Juli 1806 in Paris kommen Nürnberg und das Landgebiet – und somit auch Altensittenbach – zum neu entstehenden Königreich Bayern.[6]
Mit dem Gemeindeedikt (frühes 19. Jahrhundert) wurde der Steuerdistrikt Altensittenbach gebildet, zu dem Hagenmühle und Kühnhofen. Zugleich entstand die Ruralgemeinde Altensittenbach, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Hersbruck.[8]
Ende des 2. Weltkriegs
Am 16. April 1945 rückt die Amerikanische Armee in Altensittenbach ein. Zahlreiche Gebäude werden bei der Beschießung durch US-Panzer beschädigt oder gehen in Flammen auf.[6]
Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde die Gemeinde am 1. Juli 1976 nach Hersbruck eingegliedert. Ein kleiner Teil der Gemeinde war bereits am 1. Januar 1974 in die Stadt Hersbruck eingegliedert worden.[9][10]
Baudenkmäler
In Altensittenbach befinden sich zahlreiche Baudenkmäler, herausragend ist die evangelisch-lutherische Pfarrkirche Sankt Thomas.
Literatur
Ortsbezogene Literatur
- Christopher Nienemann: Ortsgeschichtliche Analys Altensittenbach, In: Schriftenreihe der Altnürnberger Landschaft Band 54 Teil 1, Offenhausen, Kucha 2023, ISBN 978-3-932-41120-5, S. 1–237, Inhaltsverzeichnis: https://bvbr.bib-bvb.de/exlibris/aleph/a24_1/apache_media/Q7XA6NSJVTAJ5KQAR2N4MNMKJJYXCD.pdf
- Christopher Nienemann: Häuserbuch Altensittenbach, In: Schriftenreihe der Altnürnberger Landschaft Band 54 Teil 1, Offenhausen, Kucha 2023, ISBN 978-3-932-41120-5, S. 1–473, Inhaltsverzeichnis:https://bvbr.bib-bvb.de/exlibris/aleph/a24_1/apache_media/6VPYCIN3KN6YMJ28RQ58MVBYUMIFEG.pdf
Allgemeine Literatur
- Johann Kaspar Bundschuh: Alten Sittenbach. In: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken. Band 1: A–Ei. Verlag der Stettinischen Buchhandlung, Ulm 1799, DNB 790364298, OCLC 833753073, Sp. 74 (Digitalisat).
- Georg Paul Hönn: Alten-Sittenbach. In: Lexicon Topographicum des Fränkischen Craises. Johann Georg Lochner, Frankfurt und Leipzig 1747, OCLC 257558613, S. 468 (Digitalisat).
- Eckhardt Pfeiffer (Hrsg.): Nürnberger Land. 3. Auflage. Karl Pfeiffer’s Buchdruckerei und Verlag, Hersbruck 1993, ISBN 3-9800386-5-3.
- Wilhelm Schwemmer: Landkreis Hersbruck (= Die Kunstdenkmäler von Bayern. Mittelfranken 10). R. Oldenbourg, München 1959, DNB 457322497, S. 41–47.
- Martin Zeiller: Alt-Sittenbach. In: Matthäus Merian (Hrsg.): Topographia Franconiae (= Topographia Germaniae. Band 9). 1. Auflage. Matthaeus Merian, Frankfurt am Main 1648, S. 21 (Volltext [Wikisource]).
Weblinks
- Altensittenbach in der Ortsdatenbank von bavarikon, abgerufen am 16. September 2021.
- Altensittenbach in der Topographia Franconiae der Uni Würzburg, abgerufen am 9. November 2024.
- Altensittenbach im Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Vereins für Computergenealogie, abgerufen am 9. November 2024.
