Altretamin
Arzneistoff
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Altretamin ist der Freiname eines Zytostatikums [Handelsname: Hexalen® (USA)], bei dem es sich chemisch um Hexamethylmelamin handelt. Altretamin ist ein sechsfach methyliertes Derivat des Melamins und wird als Arzneistoff in der Behandlung von Ovarialkarzinomen verwendet.
| Strukturformel | |||||||||||||||||||
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| Allgemeines | |||||||||||||||||||
| Freiname | Altretamin | ||||||||||||||||||
| Andere Namen |
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| Summenformel | C9H18N6 | ||||||||||||||||||
| Externe Identifikatoren/Datenbanken | |||||||||||||||||||
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| Arzneistoffangaben | |||||||||||||||||||
| ATC-Code | |||||||||||||||||||
| Wirkstoffklasse | |||||||||||||||||||
| Eigenschaften | |||||||||||||||||||
| Molare Masse | 210,28 g·mol−1 | ||||||||||||||||||
| Aggregatzustand |
fest | ||||||||||||||||||
| Schmelzpunkt | |||||||||||||||||||
| Löslichkeit |
sehr schlecht in Wasser (91 mg·l−1 bei 25 °C)[2] | ||||||||||||||||||
| Sicherheitshinweise | |||||||||||||||||||
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| Toxikologische Daten | |||||||||||||||||||
| Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). | |||||||||||||||||||
Verwendung als Medikament und Eigenschaften
Altretamin ist zur palliativen Behandlung von Patientinnen mit rezidiven (wiederkehrend) oder refraktären (nicht ansprechend) Ovarialkarzinomen (Eierstockkrebs) zugelassen.[5][6]
Der genaue Wirkmechanismus von Altretamin ist noch weitgehend unbekannt. Es wird vermutet, dass die DNA- und RNA-Synthese im Zellkern gehemmt wird, beziehungsweise, dass durch die N-Demethylierung von Altretamin reaktive Zwischenprodukte entstehen, die kovalent an die DNA binden. Die kovalente Bindung führt wiederum zu einem DNA-Schaden.[7]
Altretamin selbst ist ein Prodrug, das in der Leber durch oxidative N-Demethylierung zu den eigentlich wirksamen N-(Hydroxymethyl)melaminen[8] verstoffwechselt wird. Der Wirkstoff wird – auch wegen seiner ausgesprochen schlechten Wasserlöslichkeit – oral eingenommen. Die schlechte Bioverfügbarkeit bei der oralen Aufnahme ist einer der wesentlichen Nachteile der Verbindung.[9]
Altretamin wird üblicherweise in 14- bis 21-täglichen Zyklen mit 14- bis 21-tägigen Pausen zwischen den einzelnen Zyklen verabreicht. Die Nebenwirkungen bei der Einnahme sind im Wesentlichen: Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen, sowie ein allgemeines Schwächegefühl.[10]
Altretamin ist schwach mutagen.[11]
Die Anwendung von Altretamin ist in den USA häufiger verbreitet als in Deutschland.[12] In Deutschland, Österreich und der Schweiz und auch verschiedenen anderen europäischen Staaten sind Altretamin-haltige Fertigarzneimittel nicht bzw. nicht mehr im Markt.[13] Altretamin ist in den USA als Arzneimittel für seltene Krankheiten (Orphan-Arzneimittel) ausgewiesen.[14]
Literatur
- D. J. Thompson u. a.: Reproduction and teratology studies on hexamethylmelamine in the rat and rabbit. In: Toxicol Appl Pharmacol 72, 1984, S. 245–254. PMID 6420936.
- C. Forbes u. a.: A rapid and systematic review of the clinical effectiveness and cost-effectiveness of topotecan for ovarian cancer. In: Health Technol Assess 28, 2001, S. 1–110. PMID 11701100.
- B. J. Foster: Role of hexamethylmelamine in the treatment of ovarian cancer: where is the needle in the haystack? In: Cancer Treat Rep 70, 1986, S. 1003–1014. PMID 3089597.
- B. J. Foster: Hexamethylmelamine: a critical review of an active drug. In: Cancer Treat Rev 13, 1986, S. 197–217. PMID 3102057.
- J. K. Chan u. a.: Oral altretamine used as salvage therapy in recurrent ovarian cancer. In: Gynecol Oncol 92, 2004, S. 368–371. PMID 14751188.