Carsten Nicolai

deutscher Künstler, Musiker und Labelbetreiber From Wikipedia, the free encyclopedia

Carsten Nicolai (* 18. September 1965 in Karl-Marx-Stadt) ist ein deutscher Künstler, Musiker und Labelbetreiber. Als Musiker ist er unter dem Pseudonym Alva Noto bekannt.

Carsten Nicolai bei einer Performance als Alva Noto in der Berliner Philharmonie, 2026

Leben und Werk

Carsten Nicolai wurde 1965 in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) geboren und wuchs dort auf. Sein älterer Bruder ist der Künstler Olaf Nicolai.

Bereits während seines Studiums der Landschaftsarchitektur an der Technischen Universität Dresden, das er 1990 mit dem Diplom abschloss, hatte Nicolai als autodidaktischer bildender Künstler erste Ausstellungen in inoffiziellen Ausstellungsräumen wie der Galerie Hermannstrasse Chemnitz, der Galerie Eigen + Art Leipzig oder der Wohnungsgalerie „deLOCH“ Berlin.

Gemeinsam mit anderen Kulturschaffenden war Carsten Nicolai Gründer und langjähriger Betreiber des Chemnitzer Kunst- und Kulturzentrums VOXXX auf dem Kaßberg, eine der ersten freien Kulturinitiativen der Stadt in der Nachwendezeit.[1]

1994/95 gründete Nicolai das Label noton.archiv für ton und nichtton, das 1999 aufgrund der sehr ähnlichen inhaltlichen Ausrichtung mit dem Chemnitzer Label raster music unter dem Namen Raster-Noton fusionierte. Innerhalb weniger Jahre avancierte es zu einem der renommiertesten Labels weltweit und galt neben A-Musik und Mille Plateaux als eines der führenden Labels für experimentelle elektronische Musik in Deutschland. 2017 wurde die Aufspaltung von Raster-Noton in die ursprünglichen Vorgängerlabels bekanntgegeben.[2] Seither erscheinen Nicolais musikalische Arbeiten und Kollaborationen wieder über sein eigenes Label NOTON.

Spätestens mit seiner Teilnahme an der Documenta X (1997) sowie der 49. und 50. Biennale di Venezia (2001 und 2003) etablierte sich Nicolai auch international als bildender Künstler; seine Arbeiten fanden Eingang in private und öffentliche Sammlungen und wurden in nationalen und internationalen Ausstellungen renommierter Museen und Galerien präsentiert. Darunter umfangreiche Einzelausstellungen in der Schirn Kunsthalle Frankfurt (anti reflex, 2005), der Neuen Nationalgalerie Berlin (syn chron, 2005), der Berlinischen Galerie (tele, 2018), den Kunstsammlungen Nordrhein-Westfalen (parallax symmetry, 2019) und dem Haus der Kunst München (transmitter / receiver – the machine and the gardener, 2022).

Nicolais künstlerische Arbeit in raumgreifenden Medieninstallationen und Klangexperimenten wird häufig dem Minimalismus zugeordnet.[3] Als Inspiration dienen ihm unter anderem mathematische Muster wie Gitter, Fehler- und Zufallsstrukturen sowie das Phänomen der Selbstorganisation.[4]

Unter dem Pseudonym Alva Noto zählt Nicolai zu den bekanntesten Vertretern zeitgenössischer elektronischer Musik. Konzerte führten ihn u. a. an das Solomon R. Guggenheim Museum in New York, das San Francisco Museum of Modern Art, das Centre Pompidou in Paris und die Tate Modern in London.[5] Zu seinen verschiedenen musikalischen Projekten zählen Kollaborationen mit Ryōji Ikeda, Mika Vainio, Iggy Pop, Blixa Bargeld und Ryūichi Sakamoto. Mit letzterem komponierte Nicolai die Musik für Alejandro González Iñárritus Oscar-prämierten Film The Revenant, der in der Kategorie Beste Filmmusik für den Golden Globe, den BAFTA und den Grammy nominiert wurde. 2018 arbeitete er als Sounddesigner für Iñárritus VR-Projekt Carne y arena.[6] Im Jahr 2022 erhielt er den Deutschen Dokumentarfilm-Musikpreis beim DOK.fest München.[7]

Im Jahr 2007 wurde ihm anlässlich seiner Einzelausstellung im Zürcher Haus Konstruktiv erstmalig der Zurich Art Prize verliehen.[8] Im gleichen Jahr wurde ihm ein Stipendium in der Villa Massimo in Rom zuerkannt.[9]

Seit 2015 hat Nicolai eine Professur für Kunst mit Schwerpunkt auf digitale und zeitbasierte Medien an der Hochschule für Bildende Künste Dresden inne.[10] Er lebt und arbeitet in Berlin.

Einzelausstellungen (Auswahl)

Gruppenausstellungen (Auswahl)

Diskographie

2023

  • Alva Noto: This Stolen Country of Mine (Original Motion Picture Soundtrack), Noton
  • Alva Noto: Kinder der Sonne (From „Komplizen“), Noton

2022

2021

  • Alva Noto: HYbr:ID I, Noton

2020

  • Alva Noto: Xerrox Vol. 4, Noton
  • Alva Noto: A Forest, Noton

2019

  • Alva Noto + Anne-James Chaton: Alphabet, Noton
  • Alva Noto + Ryūichi Sakamoto: TWO (Livealbum), Noton

2018

2015

2012

2011

2010

2009

2008

2007

2006

2005

2004

2003

2002

2001

2000

1999

1998

1997

  • noto: ∞ (endless loop edition), raster music
  • noto: , noton / raster music
  • Ø + noto: mikro makro, noton / raster music

1996

  • noto: spin, noton / raster music

Hörspiele

Literatur

Einzelnachweise

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