Ama Dablam
Berg im Himalaya
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Die Ama Dablam ist ein 6814 m hoher Berg im Mahalangur Himal in der Khumbu-Region des Himalaya.
| Ama Dablam | ||
|---|---|---|
| Höhe | 6814 m | |
| Lage | Distrikt Solukhumbu (Nepal) | |
| Gebirge | Mahalangur Himal (Himalaya) | |
| Dominanz | 11,19 km → Baruntse-Nordgipfel | |
| Schartenhöhe | 1027 m ↓ Amphulapcha La (5787 m) | |
| Koordinaten | 27° 51′ 40″ N, 86° 51′ 41″ O | |
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| Erstbesteigung | 1961 durch Mike Gill, Barry Bishop, Michael Ward und Wally Romanes | |
| Normalweg | Südwestgrat | |
| Panorama – Everest, Lhotse und Ama Dablam | ||


Der Berg wird auch als „Matterhorn Nepals“ bezeichnet. Er besteht neben dem Hauptgipfel aus einem kleineren Nebengipfel, der 5563 m hoch ist, sowie aus fünf Hauptgraten (Südwest-Grat [Normal-Weg], Nordwest-Grat [Tsuro-Grat], Nord-Grat, Ost-Grat, Süd-Grat [Lagunak-Grat]) und fünf Hauptwänden (West-Wand [Mingbo-Wand], Nordwest-Wand [Duwo-Wand], Nordost-Wand, Südost-Wand, Süd-Wand).
Die Besteigung erfordert eine Erlaubnis der nepalesischen Regierung sowie die Anwesenheit eines Verbindungsoffiziers und ist technisch schwierig.
Besteigungsgeschichte
Zu Besteigungen der Ama Dablam vor 1949 liegen keine Quellen vor. Die Ama Dablam rückte erst, nachdem Nepal 1949 seine Grenzen für Ausländer geöffnet hatte, in den Blickpunkt von Westlern.
Einen ersten Besteigungsversuch wagte 1955 angeblich Fred Beckey. 1958 erreichten John Cunningham und Giuseppe Pirovano im Rahmen der Gregory-Expedition eine Höhe von ca. 6100 Metern am Südwestgrat. Sie gaben dort auf.
Am 21. Mai 1959 verschwanden die Briten Mike Harris und George Fraser als Teilnehmer der British Sola Khumbu Expedition beim Versuch, die Ama Dablam zu besteigen. Sie wurden zuletzt in einer Höhe von ca. 6500 Metern (knapp dreihundert Höhenmeter unter dem Gipfel) an einem gewaltigen Eiszinken gesehen. Gegen Mittag des 21. Mai umhüllte eine Wolke die Gipfelregion; seitdem sind Harris und Fraser verschollen. Der Expeditionsleiter Emlyn Jones sagte, er halte es für unwahrscheinlich, dass sie den Gipfel erreichten.[1]
1961 war Edmund Hillary mit einer Expedition in der Region Khumbu, um Untersuchungen zur Höhenkrankheit und Akklimatisation durchzuführen. Sein Expeditionsteam hatte keine Besteigungsgenehmigung für die Ama Dablam; gleichwohl unternahmen während Hillarys Abwesenheit Teilnehmer seiner Expedition eine illegale Besteigung. Am 13. März 1961 erreichten der Neuseeländer Mike Gill, der US-Amerikaner Barry Bishop und der britische Arzt Michael Ward den Gipfel. Sie bestiegen den Berg über die Normalroute, die über den Südwestgrat verläuft. Die Regierung von Nepal reagierte und ordnete den sofortigen Abbruch der Expedition an. Nach zweiwöchigen Verhandlungen und Zahlung einer Geldstrafe konnte Hillary die Expedition fortsetzen.[2]
Erst 1979 erfolgte die zweite Besteigung der Ama Dablam, nachdem jahrelang keine Besteigungsgenehmigungen mehr erteilt worden waren. Im Mai 1979 durchstieg Jeff Lowe die stark zerfurchte Südwand im Alleingang. Im Herbst 1979 gelang einer französischen Expedition unter Raymond Renaud (* 1941) der Aufstieg über den als sehr schwierig geltenden Nordgrat.
Gleichzeitig versuchte unter Führung von Edmund Hillarys Sohn, Peter Hillary, ein neuseeländisches Team die Durchsteigung der extrem anspruchsvollen und über 2000 Meter hohen Mingbo-Westwand. Der Neuseeländer Ken Hyslop wurde dabei tödlich von einem großen herabfallenden Stück eines Hängegletschers getroffen; die anderen drei Bergsteiger wurden verletzt. Eine im Basislager weilende Seilschaft mit Reinhold Messner, Wolfgang Nairz und Oswald Oelz organisierte die Rettung der Verletzten. Messner und Oelz bargen die Bergsteiger, die per Hubschrauber ausgeflogen werden konnten.
1980 scheiterte ein weiterer Versuch der Durchsteigung der Westwand. Dem Neuseeländer Rob Hall gelang die zweite Besteigung über den Nordgrat. Mit 19 Jahren war Hall damals der jüngste Gipfelbesteiger der Ama Dablam.
Der Ostgrat wurde erstmals 1983 durch Alain Hubert und André Georges bei der von Nadine Hubert geleiteten belgisch-schweizerischen Expedition bezwungen.[3]
1985 bestieg eine gemischte Gruppe aus den USA und Spanien erstmals den Südostgrat („Lagunak-Grat“). Einen Monat später gelang es den US-Amerikanern Carlos Buhler und Michael Kennedy, die Ostwand spektakulär im Alpinstil zu durchsteigen.
Der Nordwestgrat wurde als noch letzter unbestiegener Grat 2001 von Jules Cartwright und Rich Ross bezwungen.
Im April 2002 wurde eine Besteigung durch Hans Kammerlander und Kameramann Hartmann Seeber live im ARD-Fernsehen übertragen.[4]
Im November 2006 erfasste ein Lawinenabgang von einem Sérac das eigentlich als sicher geltende Lager 3 und riss es teilweise in den Abgrund. Dabei starben drei Bergsteiger und drei Sherpas.
Im November 2009 bestieg der 16-jährige Schotte Calum Macintyre die Ama Dablam als bisher jüngster Bergsteiger.[5] Am 11. November 2017 starb der russische Basejumper Waleri Rosow beim Versuch eines Wingsuit-Sprunges vom Gipfel.[6]
Laura Dahlmeier hält den Rekord für die schnellste Besteigung der Ama Dablam durch eine Frau, mit einer Zeit von 8 Stunden und 24 Minuten (12:01:11 Stunden von Basecamp zu Basecamp).[7]
Am 26. April 2025 verunglückte der 64 Jahre alte österreichische Bergsteiger Martin Hornegger tödlich beim Abstieg von der Ama Dablam.[8]
Literatur
- Edmund Hillary, Desmond Doig: Schneemenschen und Gipfelstürmer. Deutsche Buchgemeinschaft Berlin, 1964.
- Robb Segavio: Ama Dablam – 50 Jahre Abenteuer am heiligen Horn. Waanders-Siddharta Publishing, Feldkirch 2010.
- Robb Waanders: Ama Dablam: Fünfzig Jahre Abenteuer und Feldforschung. Siddharta Publishing, Feldkirch 2013/2015.
