Amazon Leo

Satelliteninternetprojekt von Amazon From Wikipedia, the free encyclopedia

Amazon Leo (vormals Project Kuiper) ist ein im Aufbau befindliches Satellitennetzwerk des Amazon-Konzerns, das einen Breitband-Internetzugang in den meisten Ländern der Welt bereitstellen soll. Das System basiert auf einer geplanten Konstellation von zunächst 3236, später bis zu 7774 Kommunikationssatelliten. Amazon möchte mehr als 10 Milliarden US-Dollar in dieses Projekt investieren.[1] Der Aufbau von Amazon Leo begann im April 2025 mit dem Start der ersten 27 Satelliten.

Name

Namensgeber des Projekts und der Satelliten war zunächst der nach dem Astronomen Gerard Peter Kuiper benannte Kuipergürtel,[2][3] ein Bereich des Sonnensystems jenseits der Neptunbahn, in dem zahlreiche Asteroiden um die Sonne kreisen. Die im November 2025 eingeführte Bezeichnung „Leo“ spielt hingegen auf die niedrigen Erdumlaufbahnen (engl. low earth orbit, LEO) an, in denen die Satelliten kreisen.[4]

Organisation

Für die Entwicklung und den Betrieb des Systems ist das Amazon-Tochterunternehmen Kuiper Systems in Washington, D.C. verantwortlich.[5] Das Topmanagement des Unternehmens rekrutierte Amazon aus ehemaligen Mitarbeitern des Konkurrenten SpaceX, der damals selbst die große Internet-Satellitenkonstellation Starlink vorbereitete. Dessen CEO Elon Musk hatte im Oktober 2018 das Starlink-Management ausgetauscht, weil er mit der Fortschrittsgeschwindigkeit des Projekts unzufrieden war.[6][7] Mitte 2023 beschäftigte Kuiper Systems über 1400 Mitarbeiter,[8] Ende 2024 über 2000.[3]

Geplanter Aufbau

Publik wurde das Projekt Kuiper durch die Pflichtveröffentlichung von drei Anträgen für internationale Funkfrequenzen im März 2019.[9] Weitere Details sind dem entsprechenden Antrag für US-Funkfrequenzen vom Juli 2019 zu entnehmen.[10] Die Anträge umfassen drei Gruppen von geplanten Satelliten in verschiedenen Umlaufbahnen:[9][11]

  • 784 Satelliten in Höhen um 590 km, Bahnneigung 33°
  • 1296 Satelliten in Höhen um 610 km, Bahnneigung 42°
  • 1156 Satelliten in Höhen um 630 km, Bahnneigung 52°

Hiermit ließe sich die Erdoberfläche zwischen etwa 56 Grad nördlicher und südlicher Breite abdecken. In diesem Bereich leben zirka 95 % der Weltbevölkerung.[9]

2021 beantragte Kuiper Systems die Genehmigung zum Betrieb von 4538 weiteren Satelliten:[12][13]

  • 784 Satelliten in Höhen um 590 km, Bahnneigung 33°
  • 1296 Satelliten in Höhen um 610 km, Bahnneigung 42°
  • 1156 Satelliten in Höhen um 630 km, Bahnneigung 52°
  • 652 Satelliten in Höhen um 640 km, Bahnneigung 72°
  • 650 Satelliten in Höhen um 650 km, Bahnneigung 80°

Die zusätzlichen 1302 Satelliten in polarnahen Bahnen (72° und 80° Neigung) würden auch Nutzer in Regionen jenseits von 56° nördlicher und südlicher Breite mit Internet versorgen.

Der Aufbau der Konstellation soll in fünf Phasen erfolgen, beginnend mit 578 Satelliten um 630 km Höhe und einem Netzwerk aus Bodenstationen („Gateway earth stations“). Bereits nach dieser ersten Phase kann das System in Betrieb gehen, allerdings nur mit einer Abdeckung im Bereich von 39–56° nördlicher und südlicher Breite.[11] Die Satelliten sollen durch Laserlinks direkt miteinander vernetzt werden.[14]

Die Lizenzbedingungen für die genehmigten Funkfrequenzen verpflichten Amazon dazu, die Hälfte der ersten 3236 Satelliten bis Juli 2026 in Betrieb zu nehmen und die restlichen 1618 Satelliten bis Juli 2029.[15] Da der erstere Termin nicht mehr einhaltbar war, beantragte Amazon im Januar 2026 bei der US-Aufsichtsbehörde FCC eine Fristverlängerung um zwei Jahre.[16] Einige Wochen darauf genehmigte die FCC die 2021 beantragten Frequenzen für die zweite Tranche von 4538 Satelliten. Diese wiederum müssen mindestens zur Hälfte bis Februar 2032 und vollständig bis Februar 2035 gestartet werden.[17]

Umsetzung

Für den Start der Satelliten nutzt Amazon die Dienste verschiedener Raumfahrtunternehmen.[18] Die ersten neun Starts wurden im Jahr 2021 bei der United Launch Alliance gebucht; zum Einsatz kommen die Restbestände von deren bewährter, aber abgekündigter Rakete Atlas V.[19][20] 2022 buchte Amazon bis zu 83 weitere Starts durch die Unternehmen Arianespace, Blue Origin und United Launch Alliance mit deren in Entwicklung befindlichen neuen Trägerraketen.[21] 18 dieser Starts sollen mit der Ariane 6 erfolgen, mindestens 12 mit der New Glenn und 38 mit der Vulcan.[22] 16 Monate nach der Auftragsvergabe verklagte ein Amazon-Aktionär das Unternehmen, weil es keine Startaufträge für die preiswertere Rakete Falcon 9 des Unternehmens SpaceX vergeben hatte, mit dessen marktführender Starlink-Satellitenkonstellation das Projekt Kuiper konkurriert.[23] Drei Monate später – im Dezember 2023 – beauftragte Amazon auch drei Kuiper-Starts mit Falcon-9-Raketen; ein Zusammenhang mit der Klage bestehe nicht.[24] 2025 buchte Amazon zehn weitere Falcon-9- und zwölf weitere New-Glenn-Starts.[16]

Die ersten zwei Prototypen namens „KuiperSat 1“ und „KuiperSat 2“ wurden am 6. Oktober 2023 mit einer Atlas V gestartet. Dies geschah unter einer Geheimhaltung, wie sie sonst nur bei militärischen und nachrichtendienstlichen Satelliten üblich ist.[25] Die beiden Satelliten hätten eigentlich schon 2022 mit der neuen Kleinrakete RS1 starten sollen. Nachdem der erste Probeflug der RS1 fehlschlug, waren sie auf die erste Vulcan umgebucht worden,[26] dann nach der Explosion der für den Start vorgesehenen Vulcan-Centaur-Raketenoberstufe auf die Atlas V.[27] Amazon meldete drei Monate darauf, die Tests mit diesen beiden Satelliten seien erfolgreich verlaufen.[28] Tatsächlich waren aber Probleme aufgetreten, durch die sich die Produktion weiterer Satelliten um neun Monate verzögerte.[29][30]

Für die Serienproduktion der Satelliten ließ Amazon in Kirkland, Washington, eine Fabrik errichten. Sie eröffnete im April 2024.[31][32] Ein Jahr später wurden die ersten 27 operativen Satelliten der Konstellation mit einer Atlas V gestartet.[33] Bis Ende 2025 folgten weitere 153 Satelliten, gestartet mit je drei Atlas V und Falcon 9.

Liste der Satellitenstarts

Weitere Informationen Lfd. Nr., 1Datum (UTC)1 ...
Lfd. Nr. 1Datum (UTC)1 Trägerrakete Start­platz Satel­liten Umlaufbahn ca. Anmerkungen
10 6. Okt. 2023 Atlas V 501 CCSFS 20 495 km, 30° Prototypen
20 28. Apr. 2025 Atlas V 551 CCSFS 270 630 km, 52° 1 Mission KA‑01[34]
30 23. Juni 2025 Atlas V 551 CCSFS 270 630 km, 52° 1 Mission KA‑02[35]
40 16. Juli 2025 Falcon 9 CCSFS 240 630 km, 52° 1 Mission KF‑01[36]
50 11. Aug. 2025 Falcon 9 CCSFS 240 630 km, 52° 1 Mission KF‑02
60 25. Sep. 2025 Atlas V 551 CCSFS 270 630 km, 52° 1 Mission KA‑03
70 14. Okt. 2025 Falcon 9 CCSFS 240 630 km, 52° 1 Mission KF‑03
80 16. Dez. 2025 Atlas V 551 CCSFS 270 630 km, 52° 1 Mission LA-04[37]
90 12. Feb. 2026 Ariane 64 CSG 320 Mission LE‑01
Geplant
2026 Atlas V 551 CCSFS 4 Starts[33]
ab 2026 Vulcan VC6L[38] je 45[39] 38 Starts[33]
ab 2026 Ariane 64 CSG je ca. 32 16 Starts[40]
Falcon 9 10 Starts[16]
New Glenn 24 Starts[16]
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1 
Die Satelliten werden jeweils in ca. 460 km Höhe ausgesetzt und fliegen von dort mit eigenem Antrieb ihren Zielorbit in 630 km Höhe an.

Siehe auch

Einzelnachweise

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