Amitose

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Amitose bezeichnet die direkte Teilung eines Zellkerns. Das Chromatin wird nicht zu erkennbaren Chromosomen verpackt, sondern bleibt (etwa) so locker wie in der Interphase. Für den Teilungsprozess nimmt der Zellkern meist die Form einer Hantel an und schnürt sich schließlich in deren mittlerem Bereich durch. Obwohl bei dem Vorgang Mikrotubuli eine eigenartige, entscheidende Rolle spielen, wird für eine solche Zellkernteilung kein Spindelapparat gebildet.[1] Auch damit unterscheidet sich die Amitose sehr von der indirekten Zellkernteilung, der Mitose.[2]

Vorkommen

Normale Entwicklung

Die direkte Zellkernteilung ist besonders bei den Wimpertierchen bekannt. Als Beispiele mögen das Pantoffeltierchen, Stylonychia mytilus oder Tetrahymena thermophila dienen. Diese Einzeller teilen auf solch direkte Weise ihre polyploiden Großkerne. Die vergrößern das Volumen durch Endoreplikation ihrer DNA; sie enthalten jedes Chromosom in hoher, aber unterschiedlicher Kopienzahl. Deswegen kommt es nicht (wie bei der Mitose) auf eine ganz genaue Zweiteilung an.[3]

Dieselbe Ursache gilt auch für endoreplizierte Zellkerne in Geweben höherer Tiere und Pflanzen: Eine Amitose ergibt ungleichgewichtige Tochterkerne.[4][5] Einige Drosophila-Forscher urteilen über die Amitose als einen bisher wenig breachteten Mechanismus, der unter Umständen dafür sorgt, dass in einem Gewebe stets genügend Stammzellen vorhanden sind.[6]

Tumorgewebe

Bei Krebserkrankungen werden oft amitotische Großkerne diagnostiziert.[7] Manche Autoren sehen gerade in den riesigen, polyploiden Krebszellen eine Ursache für die Wiederkehr von Krebserkrankungen. Nur wenn derartige Tumorzellen gezielt angreifbar werden, könnte man dem Misslingen einer Therapie zuvorkommen.[8] Deswegen experimentieren Forscher mit Medikamenten, die unsymmetrischen Kernteilungen entgegenwirken.[9]

Geschichte

Das Fachwort „Amitose“ prägte 1882 der deutsche Mediziner und Zellbiologe Walther Flemming an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.[10][11][12] Elf Jahre später dokumentierte der Pionier der Zytogenetik in einem Übersichtsartikel, wie sehr die direkte Zellkernteilung in die Literatur (über „mikroskopische Anatomie“) eingedrungen war. Er thematisierte verschiedene Formen und die allgemeine Bedeutung amitotischer Vorgänge. Zu seinem eigenen Beitrag bemerkte Flemming: »zog ich doch 1882 … den Schluss, dass das Vorkommen direkter Kernteilung als feststehend anzunehmen sei.«[13]

Neben anderen Forschern hatte sich O vom Rath (1894) auf dieses Phänomen konzentriert und war überzeugt: »Alle Zellen, welche einmal amitotische Kerntheilung erfahren haben, können sich unter keiner Bedingung mehr mitotisch theilen, sie gehen vielmehr einem sicheren Untergang entgegen, doch können die Kerne sich vielleicht vorher noch einmal oder einige Male amitotisch theilen.« – »In den meisten Fällen der Amitose fallen die Zellkerne durch besondere Größe auf.« Er wusste, dass bei der Amitose »der Kern in mehrere ungleiche Tochterkerne zerfällt.«[14]

Einzelnachweise

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