An Elephant Sitting Still
Film von Hu Bo (2018)
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An Elephant Sitting Still ist ein Film des chinesischen Regisseurs Hu Bo aus dem Jahr 2018. Er begleitet vier Charaktere im Laufe eines Tages in der chinesischen Großstadt Shijiazhuang, deren Geschichten im Handlungsverlauf zusammenfließen. Regisseur Hu Bo, dessen Langfilmdebüt der Film darstellt, beging kurz nach seiner Fertigstellung Suizid. Posthum fand der Film international große Anerkennung.
| Film | |
| Titel | An Elephant Sitting Still |
|---|---|
| Originaltitel | 大象席地而坐 |
| Transkription | Dà Xiàng Xídì Érzuò |
| Produktionsland | Volksrepublik China |
| Originalsprache | Mandarin |
| Erscheinungsjahr | 2018 |
| Länge | 234 Minuten |
| Stab | |
| Regie |
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| Drehbuch |
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| Produktion |
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| Musik |
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| Kamera |
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| Schnitt |
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| Besetzung | |
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Handlung
Im Handlungsverlauf werden die vier Charaktere Wei Bu, Huang Ling, Yu Cheng und Wang Jin verfolgt, die in der Stadt Shijiazhuang leben. Wei Bu ist ein depressiver Schüler, der in prekären Verhältnissen lebt. Sein Familienleben ist vor allem durch seinen tyrannischen Vater geprägt, der ihm stetig sagt, dass er nutzlos ist. Huang Ling, die mit Wei Bu befreundet ist und dieselbe Schule besucht, lebt hingegen mit ihrer alkoholkranken Mutter zusammen. Mit dieser hat sie ein schlechtes Verhältnis, da Huang Ling ihrer Mutter vorwirft, sie und die Wohnung der beiden zu vernachlässigen, während ihre Mutter im Gegenzug ihr vorwirft, undankbar zu sein. Yu Cheng ist ein junger Erwachsener, der Mitglied in einer Gang ist. Er führt eine Beziehung mit der Ehefrau seines besten Freundes. Als dieser Yu Cheng in flagranti erwischt, nimmt er sich in dessen Beisein das Leben, indem er vor seinen Augen aus dem Fenster seiner Hochhauswohnung springt. Wang Jin ist ein Rentner, der in der ihm gehörenden Wohnung mit seiner Tochter, ihrem Mann und seiner Enkelin wohnt. Wang Jins Tochter und Schwiegersohn wollen ihn davon überzeugen, in ein Altenheim zu ziehen, da sie nur für drei Personen eine Wohnung in einer Region mit höherem Wohlstand finden können.
Der Hauptkonflikt des Films entspinnt sich an der Schule von Wei Bu und Huang Ling. Ersterer trifft sich vor der Schule mit seinem Freund Li Kai, der ihm eröffnet, dass er sich eine Pistole besorgt hat und diese mit sich führt. In der Schule angekommen wird Li Kai von seinem Mitschüler Yu Shuai konfrontiert, welcher der Bruder von Yu Cheng ist und somit durch den Schutz dessen Gang unangreifbar auftritt. Er wirft Li Kai vor, sein Handy gestohlen zu haben, was dieser abstreitet. Als Wei Bu sich für seinen Freund einsetzt, kommt es zu einem Gerangel mit Yu Shuai, in dessen Zuge er eine Treppe runterfällt und schwer verletzt liegenbleibt. Wei Bu ergreift daraufhin panisch die Flucht.
Da Wei Bu nun die Rache von Yu Chengs Gang befürchtet, entschließt er sich, in die Stadt Manzhouli zu fliehen und sein bisheriges Leben hinter sich zu lassen. Diese Stadt wählt er aus, da er einst die Geschichte gehört hat, dass es dort einen Elefanten geben soll, der immer still sitzt, egal was um ihn herum passiert. Entsprechend versucht er an das für ein Zugticket benötigte Geld zu gelangen, muss bei sich zuhause jedoch feststellen, dass sein Vater seine Ersparnisse an sich genommen hat. Er sucht daraufhin seine Großmutter auf, die in einem verwahrlosten Industriegebiet lebt, findet sie allerdings tot vor. In der Folge holt er aus einem Billard-Club einen Queue ab, den er verkaufen will.
Wang Jin führt während dieser Geschehnisse seinen Hund aus, der von einem größeren weißen Hund totgebissen wird. Wang Jin konfrontiert dessen Besitzer, jedoch werfen sie ihm vor, dass er lügt und sie betrügen will. Als Wang Jin anschließend die Leiche seines Hundes entsorgt, trifft er auf Wei Bu mit seinem Queue, der ihn um Geld bittet. Wang Jin will ihn zunächst abwimmeln, als der Besitzer des weißen Hundes jedoch erzürnt wieder auftaucht und Wei Bu sich schützend vor Wang Jin stellt, erklärt letzterer sich dazu bereit, ihm seinen Queue abzukaufen. Wang Jin kehrt zu seiner Wohnung zurück, an der er jedoch Yu Cheng und zwei seiner Schläger begegnet, die den Queue als Wei Bus Eigentum erkennen. Yu Cheng befiehlt daher seinen Gefolgsleuten Wang Jin zu bewachen, während er die Suche anderswo fortführt. Wang Jin gelingt jedoch die Flucht.
Wei Bu trifft sich im Anschluss mit Huang Ling und fragt sie, ob sie ihn nach Manzhouli begleiten will. Sie verspottet ihn daraufhin und lehnt ab. Wei Bu folgt ihr zu einem Café, wo sich herausstellt, dass sie sich mit dem Konrektor ihrer Schule trifft, mit dem sie eine Beziehung führt. Vor dem Café trifft er auch Yu Cheng, der ihn jedoch nicht erkennt. Wei Bu kontaktiert daraufhin Li Kai, um sich mit ihm in einem Einkaufszentrum zu treffen.
Dort angekommen eröffnet Li Kai ihm, dass er tatsächlich Yu Shuais Handy gestohlen hat, da auf diesem ein Video gespeichert war, auf welchem Li Kai während des Urinierens zu sehen ist. Aufgebracht beleidigt Wei Bu Li Kai und macht sich auf, um Yu Shuai im Krankenhaus aufzusuchen. Dort angekommen beobachtet er aus der Ferne, wie Yu Shuais Mutter vor dessen Zimmer seinen Bruder Yu Cheng beschimpft. Kurz darauf erliegt Yu Shuai seinen Verletzungen.
Währenddessen befindet sich Huang Ling in der Wohnung des Konrektors. Dort angekommen finden beide heraus, dass eine Aufnahme, die sie zusammen zeigt, ins Internet gestellt wurde. Der Konrektor wirft Huang Ling aus seiner Wohnung, woraufhin sie zu ihrer Mutter nach Hause zurückkehrt und ihr die Beziehung mit dem Konrektor beichtet. Es kommt zu einem heftigen Streit, der durch die Ankunft des stellvertretenden Schulleiters und seiner Frau unterbrochen wird. Huang Ling flieht zunächst aus dem Fenster, kehrt jedoch kurz darauf mit einem versteckten metallenen Baseballschläger zurück und schlägt den Konrektor und seine Gattin bewusstlos. Daraufhin verlässt sie ihre Mutter.
Wei Bu versucht ein Zugticket zu kaufen, gerät jedoch an Betrüger. Als er bei ihnen sein Geld zurückverlangt, stellt sich heraus, dass sie für Yu Chengs Bande arbeiten, weshalb sie ihn anrufen. Angekommen unterhält er sich mit Wei Bu. Als er erfährt, dass er nach Manzhouli möchte, um den stillsitzenden Elefanten zu sehen, ist er bereit ihn gehen zu lassen, da er mit der Erzählung vertraut ist und sie zuvor selbst der Ehefrau seines verstorbenen Freunds erzählt hat. In diesem Moment taucht jedoch Li Kai auf, den Wei Bu heimlich kontaktiert hat. Die Konfrontation gipfelt darin, dass Li Kai Yu Cheng mit der anfänglich von ihm besorgten Pistole anschießt und Wei Bu die Flucht ergreift. Li Kai lamentiert, dass „die Welt einfach ekelhaft sei“ und begeht mit der Pistole Selbstmord.
Wang Jin hat zwischenzeitlich seine Enkelin ohne Wissen der Eltern von der Schule geholt und plant nun, mit ihr nach Manzhouli zu fahren und ihr den Elefanten zu zeigen. Am Bahnhof trifft er auf Wei Bu und Huang Ling, welche mittlerweile auch nach Manzhouli aufbrechen will. Da kein Zug mehr fährt, entscheiden sie sich, mit dem Bus zu fahren. In der Nacht kommen sie in die Nähe von Manzhouli, wo der Bus eine Pause macht. Wei Bu nimmt einen Jianzi-Shuttlecock aus seiner Tasche, den er zuvor von einer Gruppe Männer gestohlen hat. Er beginnt mit Huang Ling und einigen weiteren Passagieren des Bus damit zu spielen. In der Ferne ist daraufhin das Trompeten eines Elefanten zu hören.
Hintergrund
Neben seiner Tätigkeit als Regisseur schrieb Hu Bo auch das Drehbuch für den Film, welches auf einer seiner Kurzgeschichten basiert, und führte den Schnitt selbst durch. Die Dreharbeiten des Films waren durch Budgetprobleme und daraus resultierenden Auseinandersetzungen zwischen Hu und seinem Produzenten Wang Xiaoshuai geprägt. Als direktes Resultat hieraus wurde etwa überwiegend mit Handkamera und nicht wie von Hu gewünscht statisch gedreht. Hu beschrieb die Erfahrung des Drehs selbst als „Erniedrigung, Verzweiflung und Machtlosigkeit“. Besonders problematisch war die Forderung Wangs, den fast vierstündigen Film auf 120 Minuten herunterzukürzen. Nahestehende Hus nannten die Komplikationen während des Drehs als bedeutenden Faktor für seinen Selbstmord.[1]
Premiere feierte der Film 2018 bei der 68. Berlinale. Aufgrund Hus Ableben wurde die dort angedachte Pressekonferenz durch Reden seiner Mutter und einem seiner Lehrer ersetzt. Eine breitere Veröffentlichung erfolgte im Vereinigen Königreich und den USA. Der US-amerikanische Criterion Channel bietet den Film seit 2019 im Stream an. Eine Veröffentlichung in deutschsprachigen Ländern gab es bisher nicht.
Rezeption
Kritiken
An Elephant Sitting Still erhielt sehr gute Kritiken. Auf der US-amerikanischen Review-Aggregatorseite Rotten Tomatoes bewerteten von 52 Kritikern 94 % den Film positiv.[2] Im vergleichbaren Portal Metacritic ergibt sich eine gewichtete Durchschnittsbewertung von 84 aus 100, was „universellen Beifall“ impliziert.[3] Die Nutzer des Cineasten-Portals Letterboxd bewerteten den Film im Schnitt mit 4,4 von 5 möglichen Sternen. Damit rangiert er unter den hundert am besten bewerteten Filmen der Seite auf Platz 83 (Stand März 2026).[4]
Mehrere namhafte Regisseure wie etwa Béla Tarr, Gus Van Sant, Ang Lee und Wang Bing zeigten sich von dem Film sehr angetan.[5] Tarr, der Hu teilweise selbst unterrichtete, sagte, dass der großartige Film für immer in Erinnerung bleiben werde und rief dazu auf, auf die mentale Gesundheit von Personen wie Hu zu achten.[6]
Auszeichnungen
| Jahr | Event | Auszeichnung |
|---|---|---|
| 2018 | 68. Internationale Filmfestspiele Berlin | FIPRESCI-Preis |
| Bester Erstlingsfilm – Lobende Erwähnung | ||
| 18. Nowe Horyzonty[7] | Publikumspreis | |
| 55. Golden Horse Film Festival[8] | Publikumspreis | |
| Bestes adaptiertes Drehbuch | ||
| 2019 | 37. International Film Festival of Uruguay[9] | Neue Filmmacher – Besondere Erwähnung |
| 12. CinemAsia Film Festival[10] | Publikumspreis | |
| 2020 | 39. Hong Kong Film Awards | Bester asiatischer chinesischsprachiger Film |
Weblinks
- An Elephant Sitting Still bei IMDb
- An Elephant Sitting Still bei The Movie Database