André Jarrot

französischer Politiker, Mitglied der Nationalversammlung From Wikipedia, the free encyclopedia

André Jean Marie Jarrot (* 13. Dezember 1909 in Lux, Département Saône-et-Loire; † 21. April 2000 in Chalon-sur-Saône, Département Saône-et-Loire) war ein französischer Motorradrennfahrer und Politiker der Rassemblement du peuple français (RPF), der Union pour la Nouvelle République (UNR) und der Rassemblement pour la République, der für seine Verdienste in der Widerstandsbewegung Résistance zum Compagnon de la Libération ernannt wurde. Er war Mitglied der Nationalversammlung sowie von 1962 bis 1974 Mitglied des Europäischen Parlamentes. Er war im Kabinett Chirac I von 1974 bis 1976 Minister für Lebensqualität und später auch Mitglied des Senats.

Leben

André Jean Marie Jarrot, Sohn von François Jarrot und Jeanne Souchet, arbeitete nach dem Schulbesuch in Lux und Chalon-sur-Saône von 1927 bis 1936 als Elektromechaniker bei der Südost-Gas- und Elektrizitätsgesellschaft und erhielt 1937 die Zulassung als Kraftfahrzeugmechaniker mit Spezialisierung auf Nutzfahrzeuge, ehe er zwischen 1937 und 1939 als Fluglehrer tätig war. Er war zudem Mitte der 1930er ein bekannter Motorradrennfahrer, der 1937 auf Monet et Goyon Französischer Straßenmeister in der 500-cm³-Klasse[1] und 1938 zusammen Georges Monneret („Jojo la Moto“) einen 24-Stunden-Weltrekord aufstellte. Im Zweiten Weltkrieg geriet er Juni 1940 in deutsche Gefangenschaft, konnte jedoch bald fliehen und durchquerte halb Frankreich, um in seine Heimat Burgund zurückzukehren. Dort begann er für die Widerstandsbewegung Résistance Fluchtrouten zu organisieren und wurde als Beteiligter an einigen der ersten geheimen Waffenlieferungen des britischen Spezialeinsatztruppe SOE (Special Operations Executive) an die Résistance im Januar 1942 von den Deutschen abermals verhaftet. Mangels Beweisen wurde er freigelassen und flüchtete zu Fuß über die Pyrenäen nach Spanien, wo er fünf Monate inhaftiert war. Nach seiner Ankunft in Großbritannien wurde er zum Geheimagenten ausgebildet und im Rahmen mehrerer Sabotageaktionen über dem besetzten Frankreich abgesetzt. General Charles de Gaulle[2] verlieh ihm am 16. Juni 1944 den Ordre de la Libération, wodurch er Compagnon de la Libération wurde, und schrieb, Jarrots Aktionen hätten „der deutschen Industrie auf französischem Boden schweren Schaden zugefügt“. Er wurde außerdem von Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Belgien ausgezeichnet.

Nach dem Krieg war Jarrot in der Region Burgund Vorsitzender der 1947 von de Gaulle gegründeten Sammlungsbewegung des französischen Volkes RPF (Rassemblement du peuple français) und zunächst zwischen 1953 und 1965 Bürgermeister seines Geburtsortes Lux, eine Gemeinde von damals 845 Einwohnern, sowie im Anschluss als Nachfolger von Pierre Mazuez[3] von 1965 bis 1986 Bürgermeister von Montceau-les-Mines. Draüber hinaus wurde er 1965 Mitglied des Generalrates des Département Saône-et-Loire und vertrat in diesem bis 1979 den Kanton Chalon-sur-Saône-Sud. Bei Gründung der Fünften Französischen Republik wurde er bei der Parlamentswahl 30. November 1958 für den vierten Wahlkreis des Département Saône-et-Loire erstmals zum Mitglied der Nationalversammlung (Assemblée nationale) gewählt und gehörte dieser nach seinen Wiederwahlen am 25. November 1962, am 12. März 1967, am 23. Juni 1968 und am 4. März 1973 vom 9. Dezember 1958 bis zu seinen Mandatsverzicht am 28. Juni 1974 an, woraufhin Jean Braillon[4] als sein „Nachrücker“ neuer Abgeordneter wurde. Er war zudem als Vertreter der Nationalversammlung von 1962 bis 1974 Mitglied des Europäischen Parlamentes. Während seiner Parlamentszugehörigkeit war er von 1958 bis 1962 Mitglied der Fraktion der Union für eine Neue Republik UNR (Union pour la Nouvelle République), zwischen 1962 und 1967 der Fraktion der UNR-UDT (Union Démocratique du Travail), von 1967 bis 1968 der Fraktion der Union der Demokraten für die Fünfte Republik UD-Ve (Union des Démocrates pour la Ve République) sowie schließlich zwischen 1968 und 1974 der Fraktion der Union zur Verteidigung der Republik UDR (Union pour la défense de la République).

Kurz vor seinem Mandatsverzicht wurde André Jarrot am 28. Mai 1974 in das Kabinett Chirac I berufen und bekleidete in diesem bis zu seiner Ablösung durch André Fosset[5] am 12. Januar 1976 den Posten als Minister für Lebensqualität (Ministre de la Qualité de la vie).[6] Für seine Verdienste wurde er am 25. Mai 1977 zum Kommandeur der Ehrenlegion ernannt. Als Nachfolger von Jean Braillon wurde er bei der Wahl am 19. März 1978 im vierten Wahlkreis von Saône-et-Loire abermals zum Mitglied der Nationalversammlung gewählt und gehörte dieser zwischen dem 3. April 1978 und 22. Mai 1981 an, nachdem André Lotte[7] bei der Parlamentswahl am 14. und 21. Juni 1981 zum neuen Abgeordneten gewählt wurde. Während seiner neuerlichen Parlamentszugehörigkeit war er zwischen 1978 und 1981 Mitglied der Fraktion der Sammlungsbewegung für die Republik (Rassemblement pour la République).

Er wurde bei der Parlamentswahl am 23. März 1986 noch einmal zum Mitglied der Nationalversammlung gewählt und vertrat das Département Saône-et-Loire vom 2. April bis zum 30. September 1986, woraufhin Roger Couturier[8] als „Nachrücker“ neuer Abgeordnete wurde. Nach seinem Ausscheiden aus der Nationalversammlung wurde er wiederum am 2. Oktober 1986 Mitglied des Senats (Sénat) und gehörte diesem bis zum 1. Oktober 1995 an. Im Senat schloss er sich ebenfalls der RPR-Fraktion an und war zuletzt Mitglied des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten, Verteidigung und Streitkräfte (Commission des affaires étrangères, de la défense et des forces armées) sowie Mitglied der Delegation bei der Europäischen Union. Mit Wirkung vom 1. Januar 1998 wurde er des Weiteren zum Großoffizier der Ehrenlegion erhoben.[9] Aus seiner 1946 geschlossenen Ehe mit Odette Boulanger gingen die Kinder Patrick und Marie Claude hervor.

Einzelnachweise

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