Angela Langer
österreichische Schriftstellerin
From Wikipedia, the free encyclopedia
Angela Langer (* 21. Dezember 1884 in Wien als Angela Prager; † 25. Juni 1916 in Neustift im Felde, Niederösterreich[1]) war eine österreichische Schriftstellerin.
Leben
Angela Langer war die uneheliche Tochter der Haushälterin Maria Prager. Sie wurde am 2. Juli 1905 durch den aus Vernířovice (deutsch Wermsdorf), Bezirk Mährisch Schönberg in Mähren abstämmigenen Vermischtwarenhändler und Mehlverschleißer in Langenlois, Bezirk Krems, Anton Langer legitimiert, wodurch ihr der Familienname Langer zukam. Ihre Kindheit und Schulzeit verbrachte sie überwiegend in Langenlois. In den Sommerferien lebte sie wahrscheinlich überwiegend bei ihrer Großmutter Anna Prager, angeblich ein Findelkind und nachweislich Gasthauspächterin in Kottes-Purk, pol. Bez. Zwettl,[2] wo auch ein Mühlenpächter Joseph Prager lebte (* 9. April 1821;[3] † 15. Februar 1861[4]).
Langers Leben bis zum Jahr 1912 beschrieb sie in ihrem 1913 erschienenen autobiografischen Roman Rue and Roses bzw. Stromaufwärts,[5] der das prekäre Leben von Hausangestellten zur damaligen Zeit zum Thema hat – geprägt von „Nachstellungen von Männern, Krankheit, neuem Dienst“[6]. Sie wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, hatte 9 Geschwister, verdingte sich nach Abschluss der Volksschule als Dienstmädchen in Krems und Stein an der Donau.
Mangels geeignetem Schreibpapier schrieb sie Gedichte auf Papiertüten, nahm nebenbei in den Abendstunden, sich aus der Küche fortstehlend, bei der Sprachlehrerin Risa de Vall, geb. Hübl, Unterricht in englischer Sprache und lernte Stenografie. 1902 wurde sie von Gymnasiallehrer, Schulrat und Schriftsteller Josef Wichner in Krems unterrichtet. Um 1903 ging sie als Hausdame nach Budapest und kehrte 1904 infolge eines kompromittierenden Erlebnisses mit ihrem Dienstgeber nach Langenlois zurück, um hier eine Gewerbeanmeldung für eine Gemischtwarenhandlung vorzunehmen.[7]
Um 1911 übersiedelte Langer nach London, wo eine Tochter des Schriftstellers und Londoner Auslandskorrespondenten des Berliner Tageblatt, Otto Brandes, sie als Dienstmädchen aufnahm und ihr an der Universität unter anderem eine sprachliche Ausbildung ermöglichte. Sie begann hier, ihren ersten Roman in englischer Sprache zu schreiben. Otto Brandes erwies sich als Mentor und nahm sie als Gesellschafterin seiner jüngsten Tochter mit nach Brüssel. Den Roman ihres eigenen Lebens und Strebens, Stromaufwärts, den sie ursprünglich in englischer Sprache verfasste und unter dem Titel Rue and Roses veröffentlichte, übersetzte sie auch ins Deutsche und ins Französische.
Im Frühjahr 1913, als Mitarbeiterin der Berliner literarischen Zeitschrift Pan, kündigte Langer in ihrem Beitrag Das dichtende Dienstmädchen das Erscheinen ihres Buches Stromaufwärts an. Wenige Wochen später erschien dieser Roman beim Samuel Fischer-Verlag in Berlin.
Im Sommer 1913 kehrte Langer aus Brüssel in ihre Heimat zurück. Ihre Familie war in der Zwischenzeit nach Neustift im Felde 74 bei Kirchberg übersiedelt. Im Winter, nach einem kurzen Aufenthalt in Wien, nahm sie auf einem Bauernhof in Kohlern oberhalb von Bozen eine Stellung als Magd an, um sich inhaltlich auf den geplanten Bauernroman Der Klausenhof vorzubereiten.
Bei Kriegsbeginn plötzlich entlassen, wollte sie als Pflegerin in ein Spital eintreten, wurde aber abgewiesen, da sie keinen Pflegerinnenkursus absolviert hatte. Vor den Pforten des Spitals begegnete ihr die Frau des Oberst von Leuchtenberg, die sie in ihr Haus aufnahm. Der materiellen Sorgen enthoben konnte sich Langer Kenntnisse in Krankenpflege erwerben und leitete längere Zeit als Hausdame ein Sanatorium in Königinhof an der Elbe in Böhmen. Um ihrer schriftstellerischen Tätigkeit nachgehen zu können, gab sie diese sichere Anstellung jedoch wieder auf.
Ende des Jahres 1915 übersiedelte Langer nach Berlin. Durch den Verleger Samuel Fischer und den Schriftsteller, Kritiker und Lektor Moritz Heimann, dessen Ehefrau Gertraud ihre Freundin wurde, fand sie Zutritt in Berlins literarische Kreise, so bei dem Schriftsteller Gerhart Hauptmann. Auf Wunsch ihrer Verlegers erlernte sie auch die lateinische Sprache. Im Jahr 1916 erschien der Roman Der Klausenhof.
Wegen einer plötzlichen Erkrankung wurde sie auf ihren Wunsch hin in die Heimat zurückgebracht. Angela Langer starb nach wenigen Tagen am 25. Juni 1916 in Neustift im Felde 74, heute Marktgemeinde 3470 Kirchberg am Wagram und wurde auf dem dortigen Friedhof beerdigt.[8][9]
Ehrungen, Ausstellungen
Angela Langer fand Eingang in die von Edith Blaschitz (Universität für Weiterbildung) und Gregor Kremser (Kulturamt Krems) von April bis November 2021 veranstaltete Ausstellung im Museum Krems mit dem Motto Wo sind sie geblieben? Die Frauen von Krems?. In Krems war Langer mehrere Jahre Dienstmädchen und hatte durch ihre dortige Ausbildung den Grundstein zur Schriftstellerin gelegt.[10]
Auf dem Friedhof Kirchberg am Wagram wurde am 18. Mai 2023 von Bürgermeister Franz Aigner im Namen der Marktgemeinde eine Gedenktafel enthüllt.[11]
Im Juni 2025 wurde in Kohlern bei Bozen der Wanderwege sentiero Angela Langer mit einer Gedenktafel eingerichtet. Der Gasthof Klaus und die oberhalb liegende Villa Bittner waren zentrale Orte der Handlung im Roman Der Klausenhof.[12] Die Schriftstellerin Simone Dark trug ein Kapitel aus dem Roman Der Klausenhof vor.
Werke (Auswahl)
Bücher
- Rue and Roses. Englische Fassung des Romans Stromaufwärts erschienen ca. 1913 bei George H. Doran Company, New York, archive.org. Nachdruck Forgotten Books.
- Stromaufwärts. Aus einem Frauenleben, Roman, 1913 erschienen im S. Fischer Verlag. 2 Auflagen.
- Der Klausenhof. Roman, Verlag S. Fischer, Berlin 1916.
- Am 8. April 2020 erscheinen die Romane Der Klausenhof unter ISBN 978-3-7437-3540-8 und am 13. Juni 2020 Stromaufwärts unter ISBN 978-3-7437-3695-5 als Neuausgabe von Karl-Maria Guth, Berlin, im Verlag der Contumax GmbH & Co. KG, Berlin.
Gedichte, Erzählungen
- Wenn mich ein tiefer Schmerz bewegt …. Frühes Gedicht, 4 Zeilen. 1903, Relikt aus dem Zyklus Fahrt nach Budapest, veröffentlicht 1913 in Stromaufwärts, Roman S. 92.
- Sommer und Herbst. 2 Gedichte, 1908 veröffentlicht in: Österreichische Land-Zeitung.[13]
- Am goldenen Rocken … . Gedicht. 1909 in Budapest geschrieben. 1908 veröffentlicht 1913 in Stromaufwärts, S. 137-138.
- Ruby – verschollen, 1913 erwähnt in Stromaufwärts S. 137-138, 1913.
- Das dichtende Dienstmädchen. In Pan. 3. Jg. Nr. 23 vom 7. März 1913.
- Diandl, woas suachst denn doa, hoast woas valoarn? Gedicht. Veröffentlicht 1916 im Roman Der Klausenhof, S. 122.
- Wer baut an den Straßen, muß jeden reden lassen. Gedicht. Veröffentlicht 1916 im Roman Der Klausenhof, S. 125. Dieses Gedicht findet sich heute an der Hausfassade des Gasthof Klaus in Kohlern, das den Klausenhof repräsentiert.
- Sehnsucht. Gedicht. veröffentlicht 1916 im Roman Der Klausenhof, S. 130–131.
- Verwandlung. Gedicht, veröffentlicht 1916 im Roman Der Klausenhof, S. 130.
- Di-ri-da-ram, …. Gedicht, veröffentlicht 1916 im Roman Der Klausenhof, S. 132.
- Wenn der Müller fesch is' … . Gedicht. Veröffentlicht 1916 im Roman Der Klausenhof., S. 192 und S. 192.
- Zweite Verwandlung. Gedicht. Veröffentlicht 1916 im Roman Der Klausenhof., S. 130.
- Deghina. Novelle, Erzählung, 1916 posthum veröffentlicht in Die neue Rundschau S. Fischer Verlage, Jg. 17 (Erscheinungsjahr 1916), Heft 8. 1. August 1916, S. 1115–1121.
Rezensionen (Auswahl)
Über Rue and Roses
- Wm. Heinemann: Rue and Roses. By Angela Langer. In: The Academy and Literature, Band 84, London 17. Mai 1913. S. 621
Über Stromaufwärts
- Die Zeit-Morgenblatt. Wien, 12. Jahr, Nr. 3822 vom 18. Mai 1913, S. 34-35: Rezension zum Roman Stromaufwärts. (ANNO)
- Grazer Tagblatt vom 27. April 1913, Jg. 23, Nr. 114. S. 4: Rezension zum Roman Stromaufwärts. (ANNO)
- Arbeiterzeitung-Mittagsblatt vom 9. Juni 1913, Jg. 25, Nr. 146, S. 5: Rezension zum Roman Stromaufwärts
- Kölnische Zeitung vom 13. Juli 1913, Nr. 804, S. 7: Rezension zum Roman Stromaufwärts
- Österreichische Frauenrundschau vom August 1913, Nr. 112, S. 10: Rezension zum Roman Stromaufwärts
- Richard Jerie: Literarisches. Neue Bücher, Pilsner Tagblatt, Jg. 14, Nr. 2 41 vom 1. September 1913, S. 4: Rezension zum Roman Stromaufwärts
- Bildungsarbeit. Blätter für sozialistisches Bildungwesen vom September 1913, Nr. 1-2, S. 18: Rezension zu Stromaufwärts
- Die neue Rundschau, Verlag S. Fischer, Berlin, Jg. 24, Hefte 10 bis 12, S. 1757-1764, u. a. Rezension von Lucia Dora Frost über den Roman Stromaufwärts.
Über Klausenhof
- Kölnische Zeitung vom 9. Juli 1916, Nr. 688, S. : Rezension zum Roman Der Klausenhof.[14]
- Salzburger Volksblatt, Nr. 247 vom 27. Oktober 1916, S. 5, Rubrik Literarisches: Rezension zum Roman Der Klausenhof. (ANNO)
- Ostdeutsche Rundschau 27. Jg. Nr. 45, vom 23. Februar 1917, S. 7: Rezension zum Roman Der Klausenhof. (ANNO)
Literatur
- Wilhelm Kosch Deutsches Literatur-Lexikon, Biographisches und Bibliographisches Handbuch 1927 u. 1930 erste Auflage Band 2, S. 1351, enthält Angela Langers Kurzbiographie u. a. mit falschem Geburtsjahr (1886).[Anm. 1]
- Käthe Braun-Prager bringt 1936 eine umfassende Biographie Angela Langers in Bücher der Heimat, Band 15, Große Frauen der Heimat, erschienen im Insel-Verlag, Wien I., S. 61- 65.
- Vossische Zeitung, 27. Juni 1916, umfassender Nachruf auf Angela Langer. (PDF)
- Österreichische Land-Zeitung 37. Jg., Nr. 27b vom 3. Juli 1916, S. 2–3[9] und Nr. 28 vom 8. Juli 1916, S. 3-4: Umfassender Nachruf von Josef Wichner: Dem Andenken der jugendlichen Dichterin Angela Langer. (ANNO)
- Lou Andreas-Salomé: Das literarische Echo, Band 19, Nr. 6 vom 15. Dezember 1916, Sp. 329: Biographie Angela Langer. Zur Erinnerung. (Inhaltsverzeichnis; PDF)
- Ruth Landshoff-Yorck schreibt über eine Begegnung im Jahr 1916 mit Angela Langer in: Klatsch, Ruhm und kleine Feuer, Köln, Berlin, Kiepenheuer & Witsch, 1963. S. 120-121.
- Schilderung einer Begegnung mit Angela Langer. In: Ruth Landshoff-Yorck: Klatsch, Ruhm und kleine Feuer. Biographische Impressionen. Kiepenheuer & Witsch, Köln/Berlin 1963, Seite 120-121; Fischer, Frankfurt/M. 1997, S. 117.
- Käthe Braun-Prager: Gedenkbeitrag Angela Langer: Zu ihrem zehnjährigen Todestag. In: Das Blatt der Hausfrau, 15. Juni 1926, S. 14.[15]
- Felix Braun beschreibt in seinem Roman Herbst des Reiches ein Wiedersehen mit Angela Langer, die er aus Kindertagen in Krems kennt. 1927 ist die Frühfassung dieses Buches unter dem Titel Agnes Altkirchner im Insel-Verlag erschienen. Im Roman spielt die Episode am 14. August 1914, dem Tag, an dem Österreichische Truppen in Serbien einmarschierten. Neuerlich erschienen im Jahre 1957 unter Felix Braun: Herbst des Reiches. Walter Verlag, Olten und Freiburg im Breisgau 1957.
- Grazer Tagblatt 41. Jg. Nr. 312 vom 11. Juli 1931, Kapitel Radio-Woche, S. 2 Ankündigung der Radiosendung auf Radio Wien (1924) für 17. Juli 1931: Angela Langer. Wanderung und Wandlung eines Frauenlebens. Gesprochen von Trude Wessely. (ANNO)
- Paul Raabe nennt Angela Langer im Repertorium zur dt. Literaturgeschichte 1, 1964
- H. Spiero: Geschichte des dt. Romans, 1950. zit. nach ÖBL.
- Angela Langer. In: Hans Giebisch und Gustav Gugitz: Bio-Bibliographisches Literaturlexikon Österreichs von den Anfängen bis zur Gegenwart, 1963.
- Karin Pauleweit: Dienstmädchen um die Jahrhundertwende. Im Selbstbildnis und im Spiegel der zeitgenössischen Literatur. Frankfurt am Main 1993. ISBN 978-3-631-45898-3. S. 88–97.
- Bettina Hitzer: Im Netz der Liebe. Die protestantische Kirche und ihre Zuwanderer in der Metropole Berlin (1849-1814). Böhlau, Köln/Weimar, 2006, S. 184 f.
- Langer, Angela. In: Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Band 6: Kraatz-Menges. K. G. Saur, München 2006, ISBN 3-598-25036-3, S. 247 (books.google.de – eingeschränkte Ansicht).
- Valerie Hanus: Langer, Angela, Schriftstellerin. In: Österreichisches Biographisches Lexikon, 1815-1950. S. 3. (biographien.ac.at)
- Meldungen zum 100. Todestag der Angela Langer am 25. Juni 2016 in der Wochenzeitung Niederösterreichische Nachrichten am 21. Juni 2016.
- Langer, Angela, Schriftstellerin. In: Ilse Korotin (Hrsg.): Biografia. Lexikon österreichischer Frauen. Band 2: i-o. Böhlau, Wien / Köln / Weimar 2016, S. 1908–1909.
- Günter Rapp: Zeitungsartikel Fast schon vergessen. 100. Todestag. Mitten im Ersten Weltkrieg starb mit Angela Langer…, Biographische Informationen und Auszug aus dem Nachruf Josef Wichners. In: Niederösterreichische Nachrichten. Ausgabe Krems. Jg. 2016, Nr. 25. 21.6.2016. S. 38. Sp. 1u. „Ausgabe Tulln“ und „Ausgabe Krems“. Jg. 2016, Nr. 25 vom 21. Juni 2016. S. 42.
- Ein Abend für Angela Langer. Gedenkveranstaltung in der Galerie Augenblick in Kirchberg am Wagram Bericht in: Niederösterreichische Nachrichten. Jg. 2019, Nr. 20 vom 15. Mai 2019, S. 84.
- Dorli Demal. Langenloiser Frauenbilder. Angela Langer – eine bemerkenswerte junge Frau. In: BLICK.PUNKT.LANGENLOIS 2021 (online, PDF)
Anmerkungen
- Geburtsjahr falsch 1886 anstatt richtig 1884, Todestag falsch 26. anstatt richtig 25. Juni , Jahr des Erscheinens von Stromaufwärts falsch 1903 anstatt richtig 1913. Ebenso in Kosch: Deutsches Literaturlexikon Ausgabe 1956, ÖNB, C-Lesesaal Nr. 598.964, S. 1461, Sp. 2 oben.
Weblinks
- Angela Langer. In: Gemeinde Kirchberg am Wagram
- Angela Langer. In: Heimatforschung Region Kirchberg am Wagram.
- Angela Langer 1886–1916. In: Österreichisches Biographisches Lexikon (Geburtsjahr falsch)
- Angela Langer. In: Universität Wien, Datenbank Projekt Transdifferenz. (Geburtsjahr falsch)