Angelika Linke

deutsch-schweizerische Germanistin From Wikipedia, the free encyclopedia

Angelika Linke (* 7. Mai 1954 in Geislingen/Steige) ist eine deutsch-schweizerische Sprachwissenschaftlerin und Hochschullehrerin.[1] Sie war von 2000 bis zu ihrer Emeritierung 2019 ordentliche Professorin für Germanistische Linguistik an der Universität Zürich sowie permanente Gastprofessorin an der Graduiertenschule «Language and Culture in Europe» der Universität Linköping, Schweden.

Leben und Wirken

Nach Schulbesuch in Deutschland und ihrer Maturaprüfung 1972 in Wetzikon/Schweiz studierte Angelika Linke von 1972 bis 1979 Germanistik, Skandinavistik und Geschichte an der Universität Zürich, unterbrochen von einem Studienaufenthalt an der Universität Stockholm. Im Jahre 1979 legte sie die Lizenziatsprüfung I an der Universität Zürich ab und promovierte dort 1985 mit einer gesprächslinguistischen Arbeit bei Harald Burger. Ab 1980 arbeitete sie (in Teilzeit) als Gymnasiallehrerin in Wetzikon, außerdem war sie von 1980 bis 1995 als Forschungsmitarbeiterin und wissenschaftliche Assistentin am Deutschen Seminar der Universität Zürich tätig. 1995 habilitierte sie sich und hatte anschließend bis 2000 eine Förderprofessur des Schweizerischen Nationalfonds an der Universität Zürich inne. In dieser Zeit nahm sie auch auswärtige Gastlehraufträge sowie Lehrstuhlvertretungen an den Universitäten Graz und Innsbruck wahr. Während ihrer Professur an der Universität Zürich von 2000 bis 2019 lehrte sie im Frühjahrssemester 2004 als Gastprofessorin an der Washington University in St. Louis, Missouri, USA und war von 2009 bis 2010 Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin.[2] Von 2008 an war Angelika Linke Mitglied und von 2011 bis 2018 Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirates des Leibniz-Instituts für deutsche Sprache, Mannheim. Sie war Mitherausgeberin verschiedener Zeitschriften und Buchreihen, u. a. von 1996 bis 2021 Mitherausgeberin der «Zeitschrift für Germanistische Linguistik» (de Gruyter, Berlin). Sie war zudem Mitbegründerin und von 2006 bis 2019 Kuratoriumsmitglied des interdisziplinären Zürcher Master-Studienprogramms «Kulturanalyse». Nach ihrer Emeritierung übernahm sie 2020 und 2021 eine Teilzeit-Gastprofessur in Pavia sowie 2021 bis 2024 in Uppsala.

Ihre Forschungsschwerpunkte sind Kommunikationsgeschichte der Neuzeit, Kulturgeschichte des Gesprächs, Kulturgeschichte der Körpersemiotik sowiehistorische Diskursanalyse.

Angelika Linkes Vorlass befindet sich im UZH Archiv.[3]

Veröffentlichungen (Auswahl)

Monographien und Sammelbände

  • Gespräche im Fernsehen (= Zürcher germanistische Studien, Bd. 1). Lang, Bern u. a. 1985, ISBN 3-261-04099-8.
  • (mit Paul Michel): Text als Netzwerk. In: Alexander Schwarz u. a.: Alte Texte lesen. Textlinguistische Zugänge zur älteren deutschen Literatur (= UTB, Bd. 1482). Haupt, Bern 1988, S. 55–124, ISBN 3-258-03918-6.
  • (mit Markus Nussbaumer u. Paul R. Portmann): Studienbuch Linguistik (= Reihe Germanistische Linguistik, Kollegbuch, Bd. 121). Niemeyer, Tübingen 1991, ISBN 3-484-31121-5 (5. erw. Aufl. 2004).
  • (Mithrsg.): Neue deutsche Sprachgeschichte. Mentalitäts-, kultur- und sozialgeschichtliche Zusammenhänge (= Studia linguistica Germanica, Bd. 64). de Gruyter, Berlin 1992, ISBN 3-11-017250-X.
  • (mit Ingelore Oomen-Welke): Herkunft, Geschlecht und Deutschunterricht. Oben-unten - von hier-von anderswo - männlich-weiblich. Fillibach-Verlag, Freiburg/Br. 1995, ISBN 3-931240-01-0.
  • Sprachkultur und Bürgertum. Zur Mentalitätsgeschichte des 19. Jahrhunderts. Metzler, Stuttgart 1996, ISBN 3-476-01424-X.
  • Sprache, Gesellschaft und Geschichte. Überlegungen zur symbolischen Funktion kommunikativer Praktiken der Distanz. In: Zeitschrift für germanistische Linguistik, Bd. 26 (1998), S. 135–154.
  • (Hrsg.): Sprache und mehr. Ansichten einer Linguistik der sprachlichen Praxis (= Reihe Germanistische Linguistik, Bd. 245). Niemeyer, Tübingen 2003, ISBN 3-484-31245-9.
  • (Hrsg., mit Jakob Tanner): Attraktion und Abwehr. Die Amerikanisierung der Alltagskultur in Europa (= Alltag & Kultur, Bd. 11). Böhlau, Köln 2006, ISBN 3-412-34405-2.
  • (Hrsg., mit Hellmuth Feilke): Oberfläche und Performanz. Untersuchungen zur Sprache als dynamischer Gestalt (= Reihe Germanistische Linguistik, Bd. 283). Niemeyer, Tübingen 2009, ISBN 3-484-31283-1.
  • (Hrsg., mit Arnulf Deppermann): Sprache intermedial. Stimme und Schrift, Bild und Ton. de Gruyter, Berlin 2010, ISBN 3-11-022205-1.
  • (Hrsg., mit Thomas Forrer): Wo ist Kultur? (= Zürcher Hochschulforum, Bd. 50). vdf, Hochsch.-Verl. an der ETH, Zürich 2014, ISBN 978-3-7281-3348-9.
  • (Hrsg., mit Arnulf Deppermann u. Helmuth Feilke): Sprachliche und kommunikative Praktiken. de Gruyter, Berlin 2016, ISBN 3-11-044894-7.
  • (Hrsg., mit Juliane Schröter): Sprache und Beziehung (= Linguistik – Impulse & Tendenzen, Bd. 69). de Gruyter, Berlin 2017, ISBN 978-3-11-049582-9.

Aufsätze

  • "Wer sprach warum wie zu einer bestimmten Zeit?" Überlegungen zur Gretchenfrage der Historischen Soziolinguistik am Beispiel des Kommunikationsmusters "Scherzen" im 18. Jahrhundert. In: Ammon, Ulrich u. a. (Hrsg.): Sociolinguistica. Internationales Jahrbuch für Europäische Soziolinguistik. Jahrbuch 1999: "Historische Soziolinguistik", S. 179–208.
  • Stil und Kultur. In: Fix, Ulla u. a. (Hrsg.): Rhetorik und Stilistik / Rhetoricand Stylistics. (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft / Handbooks of Linguistics and Communication Science (HSK) 31/2). de Gruyter, Berlin 2009. S. 1131–1144.
  • Historische Semiotik des Leibes in der Kommunikation. Zur Dynamisierung von Körper und Sprache im ausgehenden 17. und im 18. Jahrhundert. In: (Hrsg., mit Arnulf Deppermann): Sprache intermedial. Stimme und Schrift, Bild und Ton. de Gruyter, Berlin 2010, ISBN 3-11-022205-1. S. 129–162.
  • Körperkonfigurationen: Die Sitzgruppe. Zur Kulturgeschichte des Verhältnisses von Gespräch, Körpern und Raum vom 18. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. In: Ernst, Peter (Hrsg.): Historische Pragmatik. (Jahrbuch für germanistische Sprachgeschichte 3), de Gruyter, Berlin/Boston 2012. S. 185–214.
  • Sprachreflexion und Menschenbild. Entwürfe zum Verhältnis von Sprachlichkeit und Sozialität. In: Eichinger, Ludwig M. (Hrsg.): Sprachwissenschaft im Fokus. Positionsbestimmungen und Perspektiven, de Gruyter, Berlin 2015. S. 9–42.
  • Der Esstisch. Zur raumsemiotischen Nutzung eines Möbelstücks. In: Historische Anthropologie (Kultur - Gesellschaft - Alltag) 26, 3, 2018. S. 350–378.
  • Vom Reden bei Tisch zum Tischgespräch. Genregeschichte und Kulturgeschichte (1200-1700). In: Strosetzki, Christoph (Hrsg.): Der Wert der Konversation. Perspektiven von der Antike bis zur Moderne. Metzler, Berlin 2022, S. 261–300.
  • «Ob man in Conversation reden solle?» Ein kommunikationsgeschichtlicher Abriss zur Wertung konversationellen Schweigens von der Mitte des 17. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für germanistische Linguistik, Bd. 53 (2025), S. 395–429.

Einzelnachweise

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