Angelika Mann
deutsche Schauspielerin, Sängerin (1949–2026)
From Wikipedia, the free encyclopedia
Angelika Mann (* 13. Juni 1949 in West-Berlin;[1][2] † 21. Januar 2026 in Berlin-Rudow) war eine deutsche Sängerin und Schauspielerin. Sie begann ihre berufliche Laufbahn in der DDR, und nach ihrer Entdeckung durch Klaus Lenz wurde sie zunächst als Sängerin an der Seite von Reinhard Lakomy bekannt. Nach Lakomys Rückzug 1977 von der Live-Bühne setzte sie ihre musikalische Karriere mit eigenen Bands fort („Angelika Mann und Band“, dann ab 1980 „Obelisk“). 1985 reiste sie nach einem Ausreiseantrag aus der DDR aus und ließ sich in West-Berlin nieder. Neben Film und Theater trat sie regelmäßig mit musikalischen Soloprogrammen auf.


Leben
Herkunft und Ausbildung
Angelika Mann, wegen ihrer Größe (1,49 m) genannt „die Lütte“,[3] wuchs mit einem jüngeren Bruder auf. Nach einer Ausbildung zur Apothekenfacharbeiterin absolvierte sie von 1969 bis 1973 in Ost-Berlin an der Musikschule Friedrichshain eine Ausbildung zur Sängerin und Pianistin.
1973–1985: Anfänge und Erfolge in der DDR
Mann wirkte nach ihrer Gesangsausbildung an Produktionen mit der Klaus-Lenz-Bigband, Uschi Brüning, Manfred Krug, Günther Fischer und Reinhard Lakomy (Traumzauberbaum, 1980) mit.
In den Jahren 1975 und 1976 gelangen Mann mit den Titeln Mir doch egal und Sieben Zwerge erfolgreiche Schlager-Duette mit Reinhard Lakomy.[4][5] Im selben Jahr unterzeichnete sie die sogenannte „Biermann-Erklärung“. Von 1980 bis 1984 feierte sie mit ihrer Band Obelisk unter dem Bandleader Andreas Bicking große Erfolge (1982 Goldmedaille beim VI. Interpretenwettbewerb der Unterhaltungskunst). Sie arbeitete weiterhin für das Kinderprogramm Kling-Klang und bekam 1982 eine eigene Fernsehsendung unter dem Titel Rockmusik zum Anfassen. Im Jahr 1984 stellte Mann einen Ausreiseantrag aus der DDR. Im April 1985 verließ sie schließlich die DDR und reiste nach West-Berlin aus.
1985–1999: Emigration nach West-Berlin und Engagements
Nach ihrer Emigration aus der DDR konnte Mann nahtlos an ihre Karriere im Osten anknüpfen. Sie war auch als Dialogbuchautorin der Synchronisationen von US-amerikanischen Fernsehserien wie California Clan (1984–1993) oder Frasier (1993–2004) tätig.
Von 1987 bis 1993 trat Mann als Lucy in Günter Krämers Inszenierung der Dreigroschenoper im Theater des Westens, in Hamburg, Köln sowie bei Gastspielen in Spoleto und Tokio auf. Sie spielte von 1994 bis 2000 die Hexe in Hänsel und Gretel im Berliner Friedrichstadtpalast und war von 1999 bis 2002 in der Insulaner-Revue Sehn’ Se, det is Berlin[6] zu sehen. Im Jahr 1999 wirkte sie zudem in Rosa von Praunheims Film Der Einstein des Sex mit.
Von 1999 bis 2015 war Mann Moderatorin des Advents- und Weihnachtsprogramms im ORB (später rbb) und gab für das dort gezeigte Kinder-Märchenrätsel die Hexe Ratesumbria.
Ab 2000: Weitere Karriere
2000 spielte Mann an der Berliner Tribüne die Hauptrolle in dem eigens für sie von Friedel von Wangenheim verfassten Stück Claire Waldoff. Stationen einer Cabaret-Karriere. Ab 2003 trat sie mit dem Pianisten, Texter und Komponisten Frank Golischewski auf, mit dem sie auf vielen Kleinkunstbühnen Deutschlands das musikalische Ost-West-Programm Hier kommt zusammen, was zusammen gehört gestaltet. Ab 2004 arbeitete sie im Ensemble des Berliner Kriminal Theaters in der Produktion Der Mörder ist immer der Gärtner.
Ab 2005 spielte sie die Snegurotschka, Babuschka, Mascha und die Amme an der Comödie Dresden in mehreren Folgen der Produktion Die Hexe Baba Jaga. 2008 trat sie mit Achim Mentzel im Kabarett Die Kneifzange mit dem Programm Ich will keine Schokolade auf. Ab Januar 2009 übernahm sie die Rolle des Gefängniswärters Frosch in der Operette Die Fledermaus im Landestheater Altenburg und den Bühnen der Stadt Gera.
Ab 2010 spielte Mann die Rolle der Hausfrau Doris Bertram in dem Erfolgsstück Heiße Zeiten – Wechseljahre (Uraufführung April 2010 in Essen, Theater im Rathaus) und war fortan mit dieser Produktion in Deutschland, in Österreich, der Schweiz und in Luxemburg auf Tournee zu sehen. 2013 und 2014 war sie in der Comödie Dresden in dem Theaterstück Kalender-Girls an der Seite von Renate Blume, Walfriede Schmitt, Viktoria Brams sowie Ursula Karusseit und Uta Schorn zu sehen. In der Rolle der Hausfrau stand sie im Heiße-Zeiten-Nachfolgestück Höchste Zeit im Theater am Kurfürstendamm 2014 wieder auf der Bühne.
Im Oktober 2015 wurde sie vom Freundeskreis des Essener Theaters im Rathaus zur „Beliebtesten Schauspielerin der Spielzeit 2014/2015“ gewählt.[7]
In dem Musical Der Mann mit dem Lachen[8] in der Staatsoperette Dresden (Welturaufführung am 27. April 2019) übernahm sie die Rolle der „Königin Anne Stuart“ und gewann mit dieser Rolle den „Deutschen Musical Theater Preis 2019“ als beste Darstellerin in einer Nebenrolle.[9] Ab Oktober 2019 war sie am Berliner Schlossparktheater engagiert und spielte in dem Stück „Ruhe! Wir drehen!“[10] die Filmdiva Anne an der Seite von Wolfgang Bahro und Karsten Speck.
Auch in Himmlische Zeiten, dem dritten Teil der zur Trilogie erweiterten Serie „Heiße Zeiten“, spielte Angelika Mann wieder die Rolle der Hausfrau.[11] Nachdem „Himmlische Zeiten“ sehr erfolgreich im Schlossparktheater[12] lief, hat Dieter Hallervorden das Stück zum Jahresabschluss 2022 auch in den Spielplan seines neuen Theaters „Mitteldeutsches Theater in der Marienkirche“[13] in Dessau-Roßlau aufgenommen.
Privates
Angelika Mann war verheiratet,[14] lebte zuletzt in Berlin-Rudow[15] und hatte eine Tochter, die Schauspielerin und Sängerin Ulrike Weidemüller.[16][17]
Im Jahr 2013 veröffentlichte Mann ihre Autobiografie unter dem Titel Was treibt mich nur? im Leipziger Militzke Verlag.
Im Juni 2022 wurde bekannt, dass sie an Brustkrebs erkrankt war.[18] Sie starb am 21. Januar 2026 im Alter von 76 Jahren infolge der Krebserkrankung.[19] Sie wurde auf dem Friedhof Stubenrauchstraße beigesetzt.[20]
Filmografie
- 1976: Die Leiden des jungen Werthers (Kino)
- 1977: Polizeiruf 110: Trickbetrügerin gesucht (Fernsehreihe)
- 1977: DEFA Disko 77 (Kino)
- 1977: Kieselchen (DEFA-Trickfilm, Gesang)
- 1981: Bürgschaft für ein Jahr (Kino)
- 1982: Gitarre oder Stethoskop (Fernsehfilm)
- 1989: Molle mit Korn (Fernsehserie, Folge 2: Dem Ende entgegen)
- 1997: Lüttes Lampenladen (Fernsehsendung, ARD)
- 1999: Der Einstein des Sex (Kino)
- 2000: Unser Charly (Fernsehserie, Staffel 6, Folge 2: Wenn die Wölfe heulen)
- 2003–2015: Märchenrätsel (Fernsehsendung, rbb) als Märchenhexe Ratesumbria
- 2005: Küss mich, Hexe! (Fernsehfilm)
- 2008: Schausteins letzter Film (Kurzfilm)
- 2009: Bundeskanzler Honecker (Kurzfilm)
- 2012: Little Thirteen (Kino)
Diskografie
Alben
- Was treibt mich nur? (Amiga, 1981)
- Lieder vom SchlackerSchnick (Funkuchen, 1987 / Jumbo-MC, 1994)
- Das Geburtstagspferd (Polydor, 1995)
- mit Gerlinde Kempendorff: Glanzlichter (Edition Berliner Musenkinder, 1996)
- Meine Lieder (Amiga/BMG, 1998)
- mit Frank Golischewski: Hier kommt zusammen was zusammen gehört (kip records, 2004)
- Märchenrätsel mit Angelika Mann (RBB Media, 2004)
- Ihre großen Erfolge (Sony BMG, 2008)
Mitwirkung an Alben
- Lacky und seine Geschichten mit Na und …?, Ich wünsch mir ein Baby (Amiga, 1974)
- Lacky’s Dritte (Amiga, 1975)
- Daß kein Reif… - Reinhard Lakomy (Amiga, 1976)
- Klaus Lenz Modern Soul Big Band (Amiga, 1977)
- Reinhard Lakomy’s Geschichtenlieder (Amiga, 1978)
- Der Traumzauberbaum – Geschichtenlieder von Reinhard Lakomy & Monika Ehrhardt (Amiga, 1980)
- Kinderfest (Amiga, 1980)
- Mimmelitt, das Stadtkaninchen – Geschichtenlieder von Reinhard Lakomy & Monika Ehrhardt (Amiga, 1983)
- Abenteuer im Drachenland (DSB, 1992)
- Drolly und das Ei – Rumpelstil im Drachenland (Kinderwelt, 1995)
- Hänsel und Gretel (Kinderwelt, 1995)
- Der Traumzauberbaum 2 – Agga Knack, die wilde Traumlaus – Reinhard Lakomy & Monika Ehrhardt (Kinderwelt, 2001)
- Henriette Bimmelbahn und ihre Freunde (James Krüss), Audiobook, Sprecher: Uwe Friedrichsen, Gesang: Angelika Mann (MDR & DAV, 2009)
- Ost-Rock Klassik – Die Gold Edition (BuschFunk, 2010)
- Das Beste vom Traumzauberbaum – Jubiläumsedition (Sony Music – EUROPA Family Music, 2015)
- Die Sonne – Reinhard Lakomy & Monika Ehrhardt (Sony Music – EUROPA Family Music, 2016)
- Die kleine Schnecke Monika Häuschen mit: Warum verreisen Gänse im Winter? (Karussell, 2016)
- Endlich Weihnacht – Frank Schöbel (BuschFunk, 2018)
Autobiografie
- Angelika Mann: Was treibt mich nur? Militzke Verlag, Leipzig 2013, ISBN 978-3-86189-863-4
Literatur
- Mann, Angelika. In: Wer war wer in der DDR? 5. Auflage. Band 2. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4 (bundesstiftung-aufarbeitung.de).
Weblinks
- Website von Angelika Mann
- Angelika Mann bei IMDb
- Angelika Mann bei Discogs
- Angelika Mann bei MusicBrainz (englisch)