Anglity

Dorf in Polen From Wikipedia, the free encyclopedia

Anglity (deutsch Angnitten) ist ein Dorf im Powiat Elbląski (Kreis Elbing) in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Es ist der Verwaltungseinheit Gmina Pasłęk (Stadt-und-Land-Gemeinde Preußisch Holland) zugeordnet.

Ehemaliges Gutshaus Angnitten in Anglity (2010)
Schnelle Fakten Basisdaten, Wirtschaft und Verkehr ...
Anglity
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Anglity (Polen)
Anglity (Polen)
Anglity
Basisdaten
Staat: Polen Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Elbląg
Gmina: Pasłęk
Geographische Lage: 54° 5′ N, 19° 45′ O
Einwohner: 56 (2021[1])
Postleitzahl: 14-400
Telefonvorwahl: (+48) 55
Kfz-Kennzeichen: NEB
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Kopina → Anglity
Gulbity → Anglity
Warnikajmy → Anglity
Eisenbahn: kein Bahnanschluss
Nächster int. Flughafen: Danzig
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Geographische Lage

Das Dorf liegt im ehemaligen Ostpreußen, in der historischen Landschaft Oberland, etwa 85 Kilometer südsüdwestlich von Königsberg (heute russisch Kaliningrad), 23 Kilometer ostsüdöstlich von Elbing (polnisch Elbląg) und sieben Kilometer nordöstlich der früheren Kreisstadt Preußisch Holland (polnisch Pasłęk).

Geschichte

Ortsgeschichte

Die Ortschaft Angnitten wird urkundlich erstmals am 8. April 1335 in einem zu Marienburg vom Hochmeister Luther von Braunschweig ausgefertigten Dokument erwähnt, mit dem er den Söhnen des Herman Boryn die Hälfte der Güter Paskaynen (Peiskam) und die Güter Angliten (Angnitten) und Koke (Koken) sowie einen Teil der Güter Bonusdorff (Briensdorf) und in anderen Orten des Elbinger Gebiets zu kulmischem Recht bestätigt.[2]

Am Anfang des 17. Jahrhunderts saß Balzer von Radau („Radowen“) auf Angnitten und Koppeln, dem Kurfürst Johann Sigismund, Markgraf zu Brandenburg, am 27. Februar 1618 das Bauerndorf Caimen (polnisch Kajmy) erblich zu kulmischem Recht verschrieb.[3]

Im Jahr 1785 wird Angnitten, auch Anglitten oder Agnitten genannt, als ein adliges Vorwerk oder adliger Hof mit fünf Feuerstellen (Haushaltungen) bezeichnet, dessen Besitzer ein v. Rekowski ist.[4]

Wilhelm von Schrötter auf Angnitten heiratete am 19. Januar 1846 Friederike Marie Caroline Wilhelmine Reichsgräfin und Burggräfin von Dohna-Schlobitten (* 14. Mai 1818; † 8. Januar 1848). Aus der Ehe ging eine Tochter hervor, Amélie Friederike Karoline Freiin von Schrötter (* 29. November 1846 in Königsberg; † 20. Juli 1902 in Berlin). Sie wurde später Besitzerin des elterlichen Gutes Angnitten mit Warnikam (polnisch Warnikajmy) und Golbitten (polnisch Gulbity), zusammen etwa 408 Hektar. Am 2. Oktober 1865 heiratete sie auf Angnitten Ludwig Bodo Wilhelm Friedrich Freiherr von Minningerode. Ihr Mann wurde Reichstagsabgeordneter und war seit 1884 Mitglied des preußischen Staatsrats. Die Ehe blieb kinderlos. Das Gut Angnitten blieb bis 1945 im Besitz von Mitgliedern der Familie Minnigerode.

Am 1. April 1927 hatte das Rittergut Angnitten eine Flächengröße von 290 Hektar, und am 16. Juni 1925 hatte der Gutsbezirk 112 Einwohner.[5] Zu gleichen Zeiten hatten das benachbarte Rittergut Kaymen eine Flächengröße von 294 Hektar und 54 Einwohner sowie das benachbarte Rittergut Koppeln eine Flächengröße von 354 Hektar und 73 Einwohner.[6] Das benachbarte Dorf Golbitten hatte im Jahr 1913 eine Gemarkungsfläche von 279 Hektar[7] und im Jahr 1910 nur 78 Einwohner.[8] Am 30. September 1928 wurden die Landgemeinde Golbitten und die Gutsbezirke Angnitten (teilweise), Kaymen und Koppeln (polnisch Kopina) zur neuen Landgemeinde Angnitten zusammengeschlossen.[9]

Angnitten gehörte im Jahr 1945 zum Landkreis Preußisch Holland im Regierungsbezirk Königsberg im Gau Ostpreußen des Deutschen Reichs. Angnitten war Sitz des Amtsbezirks Angnitten.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Anschließend wurde Angnitten zusammen mit der gesamten südlichen Hälfte Ostpreußens von der Sowjetunion besatzungsrechtlich der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Der Ortsname wurde zu ‚Anglity‘ polonisiert. In der Folgezeit wurde die einheimische Bevölkerung von der polnischen Administration aus dem Kreisgebiet vertrieben.

Demographie

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Bevölkerungsentwicklung bis 1945
JahrEinwohnerAnmerkungen
1782auch Anglitten oder Agnitten genannt, adliges Vorwerk oder adliger Hof, mit fünf Feuerstellen (Haushaltungen), einem v. Rekowski gehörig[10]
1818035adliges Bauerndorf[11]
1832064Vorwerk, mit sieben Häusern[12]
1858094Rittergut, mit einer Gemarkungsfläche von 753 Morgen; davon 91 Evangelische und drei Katholiken, in sieben Wohngebäuden[13]
1864083am 3. Dezember, Gutsbezirk, mit einer Flächengröße von 719,95 Morgen und sieben Wohngebäuden[14]
1867092am 3. Dezember, Rittergut[15]
1871090am 1. Dezember, Rittergut, sämtlich Evangelische, in sechs Wohngebäuden[15]
1885098am 1. Dezember, Gutsbezirk mit einer Flächengröße von 189 Hektar; davon 95 Evangelische und drei Katholiken[16]
1895086am 2. Dezember, Gutsbezirk mit einer Flächengröße von 189,2 Hektar; sämtlich Evangelische, in sieben Wohngebäuden[17]
1910085am 1. Dezember[18][8]
1925112Gutsbezirk, am 16. Juni 1925[5]
1933265Landgemeinde[19]
1939277Landgemeinde[19]
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Amtsbezirk Angnitten 1874 bis 1945

Am 28. Mai 1874 wurde Angnitten Amtsdorf und damit namensgebend für einen Amtsbezirk im Kreis Preußisch Holland. Zunächst gehörten ihm fünf Orte an, am Ende waren es drei:[20]

Weitere Informationen Deutscher Name, Polnischer Namen ...
Deutscher NamePolnischer NamenAnmerkungen
AngnittenAnglity1928 vom Gutsbezirk zur Landgemeinde verändert
GolbittenGulbity1928 nach Angnitten eingemeindet
KaymenKajmy1928 nach Angnitten eingemeindet
KopiehnenKupin
RobittenRobity
nach 1883:
KoppelnKopina1928 nach Angnitten eingemeindet
WarnikamWarnikajmy1928 nach Angnitten eingemeindet
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Im Jahre 1945 bildeten nur noch Angnitten, Kopiehnen und Robitten den Amtsbezirk Angnitten.

Religion

Bis 1945 war Angnitten in die evangelische Stadtkirche Preußisch Holland in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union,[21] außerdem in die römisch-katholische Pfarrei St. Josef in der Kreisstadt eingegliedert.

Heute gehört Anglity evangelischerseits zur St. Georgs-Kirche Pasłęk, einer Filialkirche der Pfarrei Ostróda (Osterode) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, sowie katholischerseits – wie bisher – zur Pfarrei in Pasłęk im Dekanat Pasłęk I im Bistum Elbląg.

Verkehr

Anglity liegt nördlich der Woiwodschaftsstraße 513 und ist von Kopina (Koppeln) aus direkt zu erreichen. Straßenverbindungen von Gulbity (Golbitten) und auch vom einstigen Warnikajmy (Warnikam) enden in Anglity.

Eine Bahnanbindung besteht nicht.

Baudenkmäler

Das Gebäude des Gutshofes stammt aus dem Jahr 1796 und befand sich im 19. Jahrhundert im Besitz der Freiherren von Minnigerode. Der einstöckige Bau mit Walmdach liegt an einem Teich. An der Vorderseite befindet sich ein zweistöckiger, von vier Säulen getragener Vorbau mit offenem Erdgeschoss. Letzter deutscher Besitzer war August Friedrich Freiherr von Minnigerode (1882–1947), Herr auch auf Neu Münsterberg (polnisch Nowe Monasterzysko). Es ist heute in Privatbesitz.[22] Der Bau steht unter Denkmalschutz.

Persönlichkeiten

Literatur

  • Angnitten, Rittergut, Kreis Preußisch Holland, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Angnitten (meyersgaz.org)
  • Golbitten, Dorf, Kreis Preußisch Holland, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Golbitten (meyersgaz.org)
  • Kaymen, Gut, Kreis Preußisch Holland, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912 (meyersgaz.org)
  • Koppeln, Gut, Kreis Preußisch Holland, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912 (meyersgaz.org)
  • Koken, Dorf, Kreis Preußisch Holland, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Koken (meyersgaz.org)

Einzelnachweise

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