Anna Mehlig

deutsche Pianistin From Wikipedia, the free encyclopedia

Anna Mehlig (später verheiratete Falk-Mehlig, * 11. Juni 1846 in Stuttgart; † 20. Juli 1928 in Berlin[1]) war eine deutsche Pianistin.

Anna Mehlig (1892)

Leben

Anna Mehlig wurde am 11. Juni 1864 als Tochter von Heinrich Mehlig und Emilie Mehlig (geb. List) in Stuttgart als erstes von fünf Kinder geboren. Ihr Vater war als Chorist am Hoftheater Stuttgart angestellt.[2] Von ihm erhielt sie ersten musikalischen Unterricht in der Kindheit. Bald wurde ihr Talent von Sigmund Lebert entdeckt, der zu diesem Zeitpunkt die Gründung einer Musikhochschule in Stuttgart plante. Da Anna Mehligs Eltern nicht über die finanziellen Möglichkeiten verfügten, die dafür nötigen Ausbildungskosten zu tragen, übernahm das Konservatorium diese während der gesamten Ausbildung.[3]

Schon bald galt Anna Mehlig als eine der besten Schülerinnen des Konservatoriums.[4][5] Im Alter von 12 Jahren trat sie das erste Mal öffentlich im Rahmen der Prüfungskonzerte der Lehranstalt auf.[6] Mit 15 Jahren, also im Jahr 1861, spielte sie das erste Mal im Abonnementskonzert der Stuttgarter Hofkapelle.[7] Ab 1862 erhielt sie zusätzlichen Unterricht bei Dionys Pruckner.[8]

1864 unternahm sie ihre erste Konzertreise, die sie nach Augsburg, München, Nürnberg und später nach Leipzig[9] führte. Hier spielte sie Ignaz Moscheles vor, der ihre von Lebert unterrichtete Anschlagsweise kritisiert.[10]

1866 wurde sie zur Hofpianistin von Weimar und Württemberg ernannt.[11] Im selben Jahr gastierte sie auch das erste Mal in London, wo sie für ihr Klavierspiel gefeiert wurde. Die englische Presse war so begeistert von ihr, dass sie von da an jedes Jahr im Frühling in die englische Hauptstadt reiste. Dort trat sie unter anderem bei den Popular Concerts im Crystal Palace auf. Im Herbst verbrachte sie zusammen dem Cellisten David Popper zwei Wochen in Friedrichshafen als Gäste des württembergischen Königspaars (Kloster Hofen).[12]

Im Frühling des Jahres 1869 hielt sie sich mehrere Monate in Weimar auf, wo sie bei Franz Liszt ihr Klavierspiel weiter verfeinerte. Zur selben Zeit waren auch Anton Rubinstein und Franz Servais dort, mit denen sie sich anfreundete.[13]

Von November 1869 bis Juni 1873 reiste sie auf Einladung von Steinway durch die Vereinigten Staaten, wo sie das zeitgenössische Klavierrepertoire (hauptsächlich Liszt, Schumann, Chopin) bekannt machte.[14][15] 1870 ernannte sie die New York Philharmonic Society zum Ehrenmitglied. Während ihrer Amerikatournee wurde sie meist von Theodore Thomas und seinem Orchester begleitet.[16] Während dieser Zeit hörte sie auch der amerikanische Schriftsteller Henry Wadsworth Longfellow in einem Konzert, was er in seinem Tagebuch festhielt[17]. Im November 1871 fuhr Anna Mehlig wieder kurz nach Deutschland, um an einer Konzertreihe des Konzertunternehmers Ullmann teilzunehmen. Sie ersetzte den Pianisten Alfred Jaëll, der auf Grund eines Vertrags mit dem Klavierhersteller Sébastien Érard während des Deutsch-Französischen Kriegs nicht in Deutschland auftreten konnte[18]. Anfang des Jahres 1872 fuhr sie wieder in die Vereinigten Staaten[19], wo sie in Boston, New York, St. Louis, San Francisco, Portland, Chicago, Baltimore, Philadelphia und Worcester auftrat.[20][21]

1874 reiste sie durch Ostpreußen[22][23]. Ein Jahr später, 1875, konzertierte sie in Wien[24] bei den Wiener Philharmonikern, in Prag und Budapest. Im März spielte sie in Mailand. Danach spielte sie in Florenz ein Konzert[25]. Im Oktober desselben Jahres gastierte sie in London[26][27], Glasgow und Brüssel[28][29] und trat mit August Wilhelmj[30], Sir Julius Benedict, Arthur Sullivan, Wilma Neruda[31], Annette Essipoff und Sophie Löwe auf. 1876 reiste sie zusammen mit Friedrich Grützmacher und Edmund Singer über Basel[32] nach Mailand, wo man ihr zu Ehren als „Mehlig-Concerts“ bezeichnete Kammermusikabende veranstaltete[33][34]. Danach spielte sie in Rotterdam, London[35], Dublin, Brüssel[36] und Manchester. Im Sommer war sie zu Gast bei den ersten Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth[37].

Im November 1876 trat sie in Brüssel[38], London[39] und Manchester auf, wo sie unter anderem mit Jenny Lind und Marie Krebs auf der Bühne stand. Im Frühling des Jahres 1877 spielte sie wieder in London und Manchester. Ihre Auftritte in der St.James's Hall mit Pablo de Sarasate am 11. April 1878 sowie am 18. April 1878 zählten zu den Höhepunkten der Konzertsaison[40][41]. Nach weiteren Reisen auf die Insel gastierte sie im Oktober 1878 im Baltikum, namentlich in Riga[42] und Reval (Tallinn)[43]. Im Januar 1879 spielte sie Konzerte in Prag. Danach reist sie wieder für die Frühlings-Konzerte nach Brüssel, Antwerpen, London[44] und Oxford. Im Herbst spielte sie in London, Manchester und Den Haag. 1880 gab sie ihre letzte große Tournee, die sie nach Den Haag, Amsterdam, Utrecht, Rotterdam, London und Manchester führte.[45]

Im Sommer 1880 heiratete sie den Antwerpen den Kaufmann Rudolf Falk.[46] Die Hochzeitsfeier fand in der Stuttgarter Hofkirche[47] und im Hotel Marquardt statt.[48] 1882 wurde ihr gemeinsamer Sohn Oscar geboren[49]. 1883 folgte ihr zweiter Sohn Franz[50]. Als Franz Liszt 1885 auf der Durchreise in Antwerpen Station machte und von den örtlichen Musikern gefeiert wurde, stellte Anna Falk-Mehligs Auftritt mit ihrer Interpretation seines ersten Klavierkonzerts den Höhepunkt der Festspiele dar.[51] Ab 1885 reiste Anna Mehlig auch wieder regelmäßig nach London, wo sie vielfach mit der Geigerin Wilma Neruda auftrat. 1889 veranstaltete sie ein großes Benefizkonzert in Antwerpen zum Wohle des Bonner Beethoven-Hauses.[52] 1890 konnte sie dessen feierliche Einweihung mitgestalten.[53][54] 1896 verliehen ihr die Königshäuser von Sigmaringen und Württemberg jeweils Ehrenmedaillen für ihr Lebenswerk ("Große goldene Medaille: Bene Merenti" der Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen und die "Große goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft am Bande des Friedrichsordens")[55][56][57].

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs zogen Anna Falk-Mehlig und Rudolf Falk nach Berlin, wo sie bis zu ihrem Tod lebten. Sie starb am 20. Juli 1928[58] und wurde in Baden-Baden beerdigt[59].

Ehrungen

Im Frühjahr des Jahres 1866 wird sie zur Hofpianistin des Hofes von Weimar ernannt. Im Herbst 1866 erfolgt ihre Ernennung in gleicher Position am Hofe zu Württemberg. 1870 wird sie Ehrenmitglied der New Yorker Philharmonic Society.[60] 1884 ist sie Ehrengast des Stuttgarter Tonkünstlervereins. Im Jahr 1891 wird ihr in einem Festkonzert eine silberne Lyra vom Stuttgarter Hofjuwelier überreicht, um ihren Einsatz für die württembergischen Witwen und Waisen zu würdigen. 1907 ist sie Ehrengast des Stuttgarter Musikfests.[61] Sie war Trägerin der Großen Goldenen Medaille Bene Merenti und der Goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft am Bande des Friedrichsordens. Die Haarlemer Bachvereinigung ernannte sie zu ihrem Ehrenmitglied [62].

Einzelnachweise

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