Anne Boleyn

zweite der sechs Ehefrauen König Heinrichs VIII., Mutter von Elisabeth I. (ca. 1501–1536) From Wikipedia, the free encyclopedia

Anne Boleyn[1] [ˈbʊlɪn, bʊˈlɪn] (* 1501 oder 1507, wahrscheinlich in Blickling Hall (Norfolk); † 19. Mai 1536 in London) war die zweite der sechs Ehefrauen Heinrichs VIII. und von 1533 bis 1536 Königin von England.

Anne Boleyn (postumes Gemälde)

Ihre Weigerung, sich dem König als Mätresse hinzugeben, führte zu dessen Scheidung von Katharina von Aragon und war einer der Auslöser für die Entstehung der anglikanischen Kirche durch Trennung der Kirche Englands von Rom. Doch wie auch Katharina gebar sie Heinrich VIII. nicht den erhofften männlichen Erben. Anne Boleyn fiel in Ungnade und wurde wegen vorgeblichen Ehebruchs und Hochverrats am 19. Mai 1536 enthauptet. Ihre Tochter Elisabeth I. (geboren 1533) indessen bestieg 1558 den englischen Thron und zählt zu den bedeutendsten und am längsten regierenden Monarchen Englands.

Annes Cousine Catherine Howard wurde vier Jahre nach Annes Tod die fünfte Ehefrau Heinrichs und 1542 wegen angeblichen Ehebruchs enthauptet.

Historische Bedeutung

Anne Boleyn als junge Frau (postume Miniatur von John Hoskins (um 1590–1665))

Da der Papst ihm keine Annullierung seiner Ehe mit Katharina von Aragon gewähren wollte, wandte sich König Heinrich VIII. von der römisch-katholischen Kirche ab, indem er die anglikanische (englische) Kirche abspaltete, um eine Heirat mit Anne Boleyn zu ermöglichen. Seine Scheidung gegen die päpstliche Dispens leitet den Beginn der englischen Reformation ein, und das Ende des alleinigen Einflusses des Papstes auf königliche Ehen und Scheidungen innerhalb der anglikanischen Landeskirche, die seit dem 6. Jahrhundert bestand, ein. Heinrich wurde später auch das Oberhaupt der englischen Kirche, das allein über religiöse Fragen entscheiden konnte(Siehe hierzu: Geschichte der anglikanischen Kirche).[2]

Anne Boleyn wurde später als Märtyrerin der englischen Protestanten gefeiert – vor allem in den Werken von John Foxe.[3] Ihr Aufstieg zur Favoritin Heinrichs und schließlich zur englischen Königin geschah ebenso schnell wie ihr Niedergang. Bis heute ist die bekannteste der sechs Frauen König Heinrichs VIII. von England wegen der ambivalenten historischen und neueren Darstellung eine der umstrittensten und faszinierendsten Frauen an dessen Seite.

Leben

Abstammung

In früheren Jahrhunderten dominierte das Bild Annes als einer Frau von niederer Herkunft, die dann an die Elite der Gesellschaft aufstieg. Moderne Historiker sehen Anne dagegen als der sozialen und politischen Elite zugehörig.[4] Anne entstammte väterlicherseits dem niederen Adel, mütterlicherseits der englischen Hocharistokratie. Die Herkunft der Familie Boleyn, ursprünglich Kleinbauern in Salle, Norfolk, lässt sich nur noch bis ins 13. Jahrhundert verfolgen.[5] Die Boleyns waren eine klassische Familie von Aufsteigern, die es in drei Generationen vermocht hatte, durch geschäftlichen Erfolg und kluge Heiraten in die gesellschaftliche Elite vorzustoßen. Geoffrey Boleyn war aus Norfolk in den 1420ern nach London gezogen. Er erwarb ein Vermögen als Kaufmann und Großhändler, indem er englische Stoffe in den flämischen Handelsstädten verkaufte; aus den Gewinnen kaufte er Luxusgüter wie Seide, Samt und Pfeffer, die er wiederum nach England importierte.[6] 1457–1458 avancierte er zum Lord Mayor. Der Reichtum seines Vaters ermöglichte es seinem Sohn William, sich in Norfolk als Gentleman zu etablieren. William sicherte sich die Hand von Margaret Butler, Tochter des anglo–irischen Earl of Ormonde.[7] Annes Vater, Thomas Boleyn, wird als selbstsüchtiger und gebildeter, sprachbegabter Hofbeamter beschrieben.[8] Er machte als Diplomat am Hof von König Heinrich VII. (England) Karriere. Ihre Mutter, Elizabeth Howard, war als Tochter von Thomas Howard, des 2. Duke of Norfolk der Spross einer der führenden Adelsfamilien des Landes. Das Familienoberhaupt, der Duke of Norfolk, ist der erste Peer und erblicher Earl Marshal von England.[9] Elizabeth zählte später zu den Hofdamen von Königin Katharina.

Geburtsdatum und Ort

Handschrift von Anne Boleyn 1514
Hever Castle, wo Anne ihre Kindheit verbrachte

Anne hatte zwei Geschwister, Mary und George. Anne Boleyns Geburtsdatum ist ebenso umstritten wie die Reihenfolge der Geburt der Boleyn–Kinder. Die Nachfahren ihrer Schwester Mary Boleyn lieferten widersprüchliche Angaben. In einer 1614 erschienenen Biographie über ihre Tochter Königin Elisabeth I. wird Annes Geburtsdatum mit 1507 angegeben. Der Historiker James Gairdner legte 1893 bzw. 1895 Annes Geburtsdatum auf 1507. Hugh Paget eröffnete die Debatte 1981 neu und votierte für 1501 als Geburtsjahr.[10] Neuere Forschungen lassen das Jahr 1501 als glaubhafter erscheinen. Annes Biograph Eric Ives formulierte 2004 den inzwischen geltenden Konsens, dass Mary die ältere, Anne die jüngere Schwester und George der jüngste der drei Boleyn–Geschwister ist sowie für Annes Geburtsdatum etwa das Jahr 1501 (±1) anzunehmen ist. Marys Enkel George, Lord Hunsdon, reichte 1597 ein Gesuch bei Hofe ein, in dem er Mary als die ältere Schwester angab. Für Ives ist es nicht plausibel, dass er sich bei der Eingabe geirrt habe.[11] Alison Weir schloss sich an.[12] Ein von Anne Boleyn im Jahre 1514 in Mechelen verfasstes Schreiben, an ihren Vater adressiert, ist Zentrum der Kontroverse.[13] Es ist eher einem 13 Jahre alten Mädchen zuzutrauen als einer Siebenjährigen, urteilte G. W. Bernard.[14] Retha Warnicke sah dagegen die zahlreichen Rechtschreibfehler und grammatikalischen Fehler als Hinweis, dass der Brief eher von einem Kind geschrieben wurde.[15] Wäre Anne 1501 geboren, wäre sie bei der Geburt ihrer Tochter Elisabeth bereits 32 Jahre alt gewesen, also aus damaliger Sicht recht alt für die Geburt eines ersten Kindes und etwa so alt wie Katharina von Aragón bei ihrem letzten Kind (Totgeburt 1518). Kürzlich in der Bibliothek des Queen’s College in Oxford gefundene Belege unterstützen diese These.[16] In einer Sammlung von Stammbäumen von Nicholas Charles, Lancaster Herald am College of Arms, wird Anne als jüngere Schwester vermerkt.[17]

Auch Anne Boleyns Geburtsort ist nicht mit Sicherheit zu bestimmen, wahrscheinlich kam sie entweder in Hever Castle oder Blickling zur Welt. Ives sieht Blickling im nordenglischen Norfolk als Geburtsort und verweist auf Aussagen von Matthew Parker, der Annes privater Kaplan war.[18]

Jugend

Etwa ab ihrem vierten Lebensjahr verbrachte Anne ihre Kindheit in Hever Castle in der englischen Grafschaft Kent. Hever Castle war von Geoffrey Boleyn erworben und umgebaut worden. Die Boleyns waren vertraut damit, Häuser zu erwerben und gewinnträchtig aufzuwerten.[19] Annes Biographen sehen ihr Verhältnis zu George enger als das zu ihrer Schwester Mary.

Niederlande und Frankreich

Innenhof des Palasts von Margarete von Österreich

Seit Mai 1512 war Thomas Boleyn Botschafter bei Margarete von Österreich, der habsburgischen Statthalterin der Niederlande. Es gelang ihm, eine ungezwungene Beziehung zu Margarete aufzubauen und seiner Tochter Anne einen Platz als Hofdamen an Margaretes Residenz in Mechelen zu sichern.[20] Dies stellte einen idealen Start für zukünftige Höflinge dar, um in kontinentalen Umgangsweisen ausgebildet zu werden und ein gutes Französisch zu lernen – beides waren Voraussetzungen, um den damaligen gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen. Für den ehrgeizigen Thomas Boleyn muss auch eine Rolle gespielt haben, dass sich für Anne hieraus später leicht die Möglichkeit ergeben konnte, am englischen Hof zu reüssieren.[21] Die junge Anne hinterließ sofort einen positiven Eindruck bei Margarete. Schriftlich äußerte sich in einem Brief an Thomas Boleyn über Anne: „...ich empfinde sie als so aufgeweckt und angenehm für ihr junges Alter, dass ich euch mehr verpflichtet bin dafür, dass Ihr sie mir gesandt habt, als Ihr mir gegenüber verpflichtet seid.“[22] Anne wurde von ihr unter die Aufsicht eines Tutors zum Studium der französischen Sprache gestellt und um die Kultiviertheit der höfischen Gesellschaft zu erlernen.[23] Flandern und Burgund stellten seit einem Jahrhundert das kulturelle Zentrum Europas nördlich der Alpen dar.[24] Sie erwarb sich dort, als Mitglied des königlichen Haushaltes, eine ausgezeichnete Bildung und vermittelte später europäische Einflüsse in Kleidung und Kultur am englischen Hof. Anne zeigte musikalisches Talent und wurde hierin am Hof gefördert, der zur damaligen Zeit die bekanntesten Musiker Europas anzog. Das Lied O Death, Rock Me Asleepe soll von Anne komponiert worden sein, was von heutigen Historikern allerdings in Frage gestellt wird.[25] Zwar werden Anne von vielen Biografen Eigenkompositionen zugeschrieben, aber bei keinem dieser Lieder und Gedichte ist die Urheberschaft zweifelsfrei nachgewiesen. Für ihre Biographen ist es Konsens, dass Annes spätere Erfolge der Ausbildung geschuldet waren, die sie ihren Jugendjahren auf dem Kontinent erwarb.[26]

Im August 1514 bat Thomas Boleyn Margarete darum, Anne wieder zurückzuschicken.[27] Anschließend wurde sie mit ihrer Schwester Mary an den französischen Königshof geschickt. Während Mary 1519 wieder nach England zurückkehrte, verbrachte Anne 7 Jahre in Frankreich, wo sie als Hofdame von Claude de France diente. Die meiste Zeit verbrachte sie an der oberen Loire in Amboise und Blois.[28]

Rückkehr nach England

Mutmaßliches Porträt Anne Boleyns

1521 kam es zu einer Verschlechterung der diplomatischen Beziehungen zwischen England und Frankreich. Als Folge davon kehrte Anne nach England zurück, wo sie, wie zuvor ihre Schwester, zur Hofdame Katharinas von Aragón, der ersten Gemahlin Heinrichs VIII., ernannt wurde. Ein weiterer Grund für ihre Rückkehr nach England dürfte der Plan ihres Vaters gewesen sein, Anne vorteilhaft zu verheiraten. Mit Unterstützung Heinrichs VIII. sollte sie James Butler, den vermögenden Erben eines Earlstitels, ehelichen. Ihr Debüt am Hof gab sie bei einem Maskenball im März 1522, wo sie mit der Schwester des Königs und ihrer eigenen Schwester Mary Boleyn einen kunstvollen Tanz vorführte. Anne Boleyn wurde schnell als die eleganteste und vollendetste Frau am Hof bekannt.[29] Ihre Kleidung wählte sie nach der Mode des französischen Hofes und fiel mit ausgeschnittenen Roben und französischen Hauben auf, die mehr Haar zeigten als die herkömmlichen Hauben der englischen Damen. Anne fiel nicht nur durch ihre äußere Erscheinung auf, die durch einen hellen Teint, rötliche bis dunkle Haare und einen langen, schmalen Hals beeindruckte, sondern auch durch ihren Witz, ihre außergewöhnliche Bildung und Schlagfertigkeit.[30] All das waren Eigenschaften, die im 16. Jahrhundert auf viele Männer besonders herausfordernd wirkten, da sich die meisten Damen gemäß der zeitgenössischen Sitte still, unterwürfig und demütig verhielten.

Etwa um Mitte 1522 lernte Anne Henry Percy, 6. Earl of Northumberland, einem reichen Junggesellen, kennen, der bei Kardinal Thomas Wolsey in Diensten stand. Beide verliebten sich ineinander und eine Ehe stand im Raum.[31] Die sich anbahnende Beziehung wurde allerdings vorzeitig beendet. Einige Biografen behaupten, die Heiratspläne hätten sich zerschlagen, als Kardinal Thomas Wolsey von der Beziehung der beiden in Kenntnis gesetzt wurde. Der genaue Ablauf, die zum Ende der Liaison führten, ist nicht bekannt, und auch die anerkannten Biografen von Anne und Heinrich sind sich unsicher, was der genaue Grund war.[32] Sicher ist, dass der als schwach und launenhaft beschriebene Percy dem Kardinal gegenüber zunächst an der Heirat mit Anne festhalten wollte,[33] dann jedoch unter dem gemeinsamen Druck seines Vaters und Wolseys nachgab und, wie von seinem Vater vorgesehen, Mary Talbot, der Tochter des Earl of Shrewsbury die Ehe versprach. Dazu zwang Kardinal Wolsey Percy, die Gesellschaft Annes zu vermeiden. Ebenfalls auf Betreiben von Kardinal Wolsey wurde Anne für eine Saison vom Hof zurück nach Hever Castle verbannt.[34] Laut George Cavendish, Kardinal Wolseys Biograph,[35] tobte und wütete die temperamentvolle Anne und äußerte, dass sie die Rechnung mit Wolsey begleichen würde, wenn sie eine Gelegenheit dazu haben sollte.[36]

Mary Boleyn

Obwohl ihr der englische Dichter Thomas Wyatt der bereits verheiratet war – mehrere Gedichte widmete, war er nur ein Verehrer von Anne. Erst später wurde beiden eine Affäre nachgesagt, um Anne als notorische Ehebrecherin zu brandmarken.[37] Wyatt wurde 1527 von Heinrich auf eine diplomatische Mission nach Rom geschickt. 1536 wurde er angeklagt, eine geschlechtliche Beziehung zu Anne gehabt zu haben, aber die Klage wurde fallen gelassen. Er wurde 1537 als englischer Botschafter nach Spanien geschickt.

Gedicht von Sir Thomas Wyatt Whoso List to Hunt, I Know Where Is An Hind[38] In diesem Gedicht nimmt Sir Wyatt schon Bezug auf das Interesse des Königs an Anne.

Wer da zu jagen wünscht, ich weiß ein Wild,
Nicht mir bestimmt, ach, ich vermag’s nicht mehr:
Ermüdet von vergeblicher Beschwer …
Wer da zu jagen wünscht …
Wie ich gar leicht verschwendet er die Zeit,
Graviert in Diamant und aufgereiht
Um ihren hübschen Hals man lesen kann:
Noli me tangere, Caesar bin ich geweiht,
Die zahm erscheint, doch wild die Fessel scheut.

Anne und Heinrich

"The Great Matter": Darstellung des Werbens Heinrichs um Anne Boleyn von Emanuel Leutze (1846)

Der König unterhielt zu dieser Zeit noch eine Liebesbeziehung zu Mary Boleyn, die er jedoch 1525 beendete. Ein Jahr nachdem Mary aus Frankreich zurückgekehrt war (1519), heiratete sie am 4. Februar 1520 Sir William Carey, einen reichen und gut situierten Höfling. Heinrich VIII. war als Gast zur Hochzeit eingeladen, und die Biografen Heinrichs wie auch Anne Boleyns vermuten, dass der König die Braut schon kurz nach der Hochzeit zu seiner Mätresse machte. Die Beziehung zwischen beiden dauerte zwei Jahre und wurde nicht öffentlich gemacht, so dass Mary aus ihrem Status keine Vorteile ziehen konnte, wie beispielsweise die Mätressen der französischen Könige es taten.[39] Kurz nach Beendigung der Affäre mit dem König brachte sie ihr zweites Kind auf die Welt – einen Sohn, den sie Henry nannte. Ihr erstes Kind, eine Tochter, wurde auf den Namen Catherine (1524–1568) getauft.

Da Heinrich die Boleyn-Familie auf seinen Reisen besuchte, traf er möglicherweise bei diesen Gelegenheiten schon auf Anne und wurde so auf sie aufmerksam. Für Annes Biographen Eric Ives ist die Anziehungskraft Annes auf Heinrich (und andere Männer) darin begründet, dass Anne eine unwiderstehliche sexuellen Anziehungskraft ausgestrahlt habe. Spätestens seit Ende 1526 war Heinrich VIII. in Anne Boleyn verliebt. Eine Legende behauptet, er habe das bekannte Liebeslied „Greensleeves“ für sie komponiert. Heinrich kommt jedoch als Komponist nicht in Frage, da das Lied im italienischen Stil der Romanesca komponiert ist, der sich in England erst nach seinem Tod verbreitete.[40] Heinrich versuchte zunächst, Anne als Mätresse zu gewinnen. Anne lehnte die Avancen Heinrichs jedoch ab. Aus den Jahren 1527 und 1528 sind 17 Liebesbriefe des Königs an sie erhalten geblieben. Als Anne einige Tage nicht bei Hofe sein konnte, verfasste der König folgenden Brief an sie:

„Meine Herrin und Freundin, ich und mein Herz geben sich in Eure Hände und bitten Euch, uns Eurer Gunst zu empfehlen und in Eurer Zuneigung zu uns nicht durch die Trennung nachzulassen. Es wäre zu grausam, unseren Kummer noch zu vergrößern, da Eure Abwesenheit uns schon genug bereitet […]. Da ich nicht selbst bei Euch sein kann, sende ich Euch, was meiner Person am nächsten kommt, mein Bild, in ein Armband gefasst […] und wünsche mich an seine Stelle, wann es Euch gefallen mag. Dies von der Hand Eures ergebenen Dieners und Freundes; H. R.“

nach Helga Thoma[41]
Porträt Heinrichs VIII. (Gemälde nach Hans Holbein)

Anne war das Schicksal abgelegter oder in Ungnade gefallener Mätressen durch ihren Aufenthalt in den Niederlanden, Frankreich, Österreich und durch das Beispiel ihrer eigenen Schwester bekannt. Die Geliebten des Königs konnten zwar am französischen Hof zu Macht, Reichtum und Einfluss gelangen, doch war ihr hoher Status immer von den Launen ihrer königlichen Liebhaber abhängig. Entzog der König seiner Mätresse die Aufmerksamkeit, fiel sie auch bei Hofe in Ungnade und wurde sogar von Dienern missachtet. Eine Absicherung mit Titeln, Gütern und Einnahmen war das Wichtigste, um sich ein späteres Leben in relativer Unabhängigkeit als ehemalige Geliebte zu sichern.

Ihr Beharren auf einer gültigen Ehe ist nicht nur ein Zeichen für ein großes Selbstbewusstsein Annes, sondern sie wollte für sich, ihre Familie und ihre zukünftigen Kinder die größtmögliche Sicherheit haben, die Heinrich ihr bieten konnte: eine offiziell und gültig geschlossene Ehe. Ferner wird Anne als stolze Frau beschrieben, die sich mit einer zweiten Position hinter der Königin nicht zufriedengegeben hätte, auch nicht mit einem Ausschluss ihrer Kinder mit Heinrich aus der Thronfolge. Für ihre Familie bedeutete ihr offizieller Status als Königin von England eine gesellschaftliche Aufwertung. Einige Historiker schreiben dieses Streben nach Absicherung einem maßlosen Ehrgeiz und eiskaltem Kalkül Anne Boleyns zu oder behaupten, dass Anne Heinrich systematisch verführte – einzig mit dem Ziel, englische Königin zu werden.[42] Ohne Mitleid schickte Heinrich VIII. selbst seine näheren Verwandten, Mitglieder der Familien Courtenay und Pole, wegen angeblicher Verschwörungen aufs Schafott, weil sie seinem eigenen Thronanspruch (genauer gesagt, dem seiner Kinder)[43] im Weg standen.[44]

Anne Boleyn ließ sich durch das beharrliche Werben des Königs nicht beeindrucken. Ihre geschickte Taktik des Sich-Verweigerns entfachte umso größere Sehnsucht im König, von Anne endlich erhört zu werden. Unermüdlich bettelte Heinrich um Annes Liebe und Aufmerksamkeit. Es sind keine Briefe von Anne an den König erhalten, doch ließ sie ihn offenbar oft auf eine Antwort warten, denn in seinen Briefen beklagt er sich:

„Obwohl es Euch, meiner Herrin, nicht gefallen hat, Euch an das Versprechen zu erinnern, welches Ihr mir bei unserer letzten Begegnung gegeben, dass ich nämlich von Euch Neuigkeiten erfahren und eine Antwort auf meinen letzten Brief erhalten solle, denke ich doch, es zieme sich für einen treuen Diener (da er doch anders nichts erfahren kann), sich nach dem Befinden seiner Herrin zu erkundigen. Um der Pflicht des treuen Dieners zu genügen, sende ich Euch diesen Brief und bitte Euch, mir über Euer Befinden Bericht zu geben […] und damit Ihr öfter an mich denkt, lasse ich Euch durch diesen Boten einen Rehbock schicken, den ich gestern Abend mit eigener Hand erlegt, in der Hoffnung, dass Ihr öfter an mich denkt, wenn Ihr ihn verspeist.“

Heinrich VIII.[41]
Eigenhändiger Brief Heinrichs VIII. an Anne Boleyn von 1527/1529 in der Briefsammlung Biblioteca Apostolica Vaticana, Vat. Lat. 3731A, fol. 15r

Heinrich seinerseits hatte sich bereits seit längerem von Katharina distanziert, bevor er sich in Anne verliebte. Ab 1524 gab er es auf, mit ihr Geschlechtsverkehr zu vollziehen. Laut vereinzelten Berichten spielte er schon ab 1522 mit dem Gedanken, eine Scheidung von Katharina in die Wege zu leiten. Zumindest jedoch seit Juni 1525, als er auch seinen illegitimen Sohn Henry Fitzroy zum Duke of Richmond machte und ihm damit den Vorrang vor allen Prätendenten außer einem möglichen legitimen Sohn gab, trat seine Intention deutlich hervor.[45] Ab dem Frühling 1527 war Heinrich immer stärker mit dem Gedanken beschäftigt, wie er seine Ehe mit Katharina beenden könnte, da Anne sich von ihm nicht zu einer königlichen Mätresse machen ließ. Nichtvollzug der Ehe schied als Grund für eine Annullierung der Ehe aus, da er nachweislich nicht bestand. Heinrich griff dann auf ein Argument des kirchlichen Eherechts zurück, das bei der Schließung der Ehe zunächst im Wege gestanden und nur durch eine päpstliche Dispens hatte ausgeräumt werden können:

„Wenn jemand die Frau seines Bruders nimmt, so ist das eine abscheuliche Tat. Sie sollen ohne Kinder sein, denn er hat damit seinen Bruder geschändet.“

3 Mos 20,21 LUT

Da Katharina von Aragón ihrem Mann nicht den ersehnten männlichen Thronfolger geboren hatte, wollte Heinrich aufgrund dieser Bibelstelle, die eine Heirat mit der Witwe des eigenen Bruders untersagte, seine Ehe annullieren lassen – völlig unberührt von der päpstlichen Dispens aus dem Jahre 1503. Papst Clemens VII. zeigte kein Interesse, die Dispens seines Vorgängers Julius II. aufzuheben, der die frühere Ehe mit Heinrichs Bruder annulliert hatte.[46]

Zudem war Papst Clemens VII. aufgrund der politischen Situation nicht frei darin, die Ehe von Heinrich VIII. mit Katharina von Aragón zu scheiden. Er hatte seine Annäherung an Karl V. aufgegeben und erlebte im Mai 1527 den Sacco di Roma, die Plünderung Roms durch deutsche Landsknechte und spanische Söldner in Diensten von Kaiser Karl V.[47] Der Papst wurde mehrere Wochen in der Engelsburg belagert und musste im Juni kapitulieren. Danach war er auf das Wohlwollen von Karl V angewiesen.[48]

Katharina, der Heinrichs Pläne nicht verborgen blieben, hielt an der Rechtmäßigkeit ihrer Ehe unerschütterlich fest. Im Mai 1529 entsandte Clemens VII. einen Vertreter, der gemeinsam mit Kardinal Thomas Wolsey den Vorsitz einer Kommission führen sollte, die mit der Untersuchung der Scheidungsfrage betraut war, bis Papst Clemens VII. anordnete, den Fall in Rom zu verhandeln. Der Zorn des Königs über diese päpstliche Entscheidung entlud sich über Kardinal Wolsey, der seiner Hinrichtung nur deswegen entging, weil er am 28. November 1530 starb.[49]

Während dieser Zeit erfüllte Anne dem König noch immer nicht seinen Wunsch nach einer sexuellen Beziehung. Heinrich behandelte Anne bei Hofe bereits als seine Ehefrau. So soll er sie vor aller Augen geküsst und überschüttete sie mit Geschenken. Bei Festen am Hof hatte sie den Vortritt vor den Schwestern von Heinrich, und ihr Vater wurde als Viscount Rochford in den Stand eines Peers aufgenommen. Die erste Stellung bei Hofe hatte neben dem König nur die Königin. Wenn der König eine andere Frau wie seine Ehefrau behandelte, beleidigte er öffentlich ihr Ansehen, ihre Familie und ihren Status. Der Skandal in Heinrichs Verhalten lag vor allem darin, dass er Anne zwar als Königin behandelte, aber weder von Katharina geschieden noch mit Anne offiziell verheiratet war.

Thomas Cromwell (Gemälde von Hans Holbein)

Bis Juni 1531 hielt Heinrich das Bild der problemlosen Ehe mit Katharina für das englische Volk aufrecht. Offizielle Auftritte wurden von König und Königin absolviert. Ab Juli 1531 übernahm Anne für alle sichtbar die Rolle der Königin. Im Oktober 1532 begleitete sie Heinrich zu einem Treffen mit Franz I. nach Calais. Kurz vor dieser Reise ernannte Heinrich sie am 1. September 1532 zur Marchioness of Pembroke. Es war das erste Marquessate, das an eine Frau verliehen wurde. Katharina musste für diese Reise ihre Kronjuwelen an Anne herausgeben, welche sie bei offiziellen Empfängen und auf Festen für alle sichtbar trug.

Es sind zwei unterschiedliche Daten für den Zeitpunkt der Eheschließung überliefert. Edward Hall berichtet von einer geheimen ersten Trauung am 14. November 1532. Eine weitere Zeremonie am 25. Januar 1533 fand in einer Kapelle in der Nähe des Greenwich-Palastes statt. Die Ehe wurde zunächst geheim gehalten, da Heinrich noch nicht geschieden war und somit in Bigamie lebte. Je nachdem welches der beiden Daten korrekt ist, wurde Elizabeth entweder vor oder nach der Eheschließung gezeugt. Es ist daher nicht auszuschließen, dass das frühere Datum nachträglich festgesetzt wurde, um keine Zweifel an der Legitimität des erstgeborenen Kindes zu lassen.

Eric Ives und auch Heinrichs Biografin Lucy Wooding unterstreichen die fast einzigartige Situation, die sich mit der Liebesheirat zwischen Heinrich und Anne ergab: Seit der normannischen Eroberung habe bis zum 20. Jahrhundert außer Heinrich lediglich Eduard IV. eine vergleichbare Liebesheirat geschlossen.[50]

Thomas Cromwell und der von Heinrich neu ernannte Erzbischof von Canterbury Thomas Cranmer wurden von Heinrich beauftragt, seine Ehe mit Katharina nun endlich – mit dem Anstrich der kirchenrechtlichen Korrektheit – scheiden zu lassen. Thomas Cranmer wurde am 30. März 1533 zum Erzbischof von Canterbury geweiht, da sich Heinrich von Cranmer Unterstützung für seine Scheidung von Katharina versprach. Außerdem war Cranmer der Familienkaplan der Boleyns, so dass seine Unterstützung für die Beseitigung der Hindernisse, eine Heirat zwischen Anne und Heinrich möglich zu machen, für Heinrich sehr naheliegend waren. Cranmer erklärte die im Januar 1533 geschlossene Ehe Heinrichs VIII. mit Anne Boleyn für gültig. Damit zog er den Zorn des Vatikans auf sich, der mit einer päpstlichen Bannandrohung und ein Jahr später mit Bann antwortete. Heinrich VIII. erklärte daraufhin die Loslösung der englischen Kirche von Rom und sich selbst zu ihrem Oberhaupt. Am 23. Mai 1533 erklärte ein Scheidungsgericht der englischen Kirche die Ehe mit Katharina von Aragón für ungültig. Mit diesem ohne Zustimmung des Papstes vollzogenen Akt war der erste Schritt zum Bruch mit der römisch-katholischen Kirche und zur Errichtung der anglikanischen Staatskirche getan.

Ehe mit Heinrich VIII.

Während die Agenten Kaiser Karls in Rom (zunächst erfolglos) die Exkommunikation Heinrichs forderten, waren Anne und Heinrich zuversichtlich, dass eine stillschweigende Zustimmung des Papstes erwirkt werden könnte.[51] Beide glaubten, dass ihre Position durch die Allianz mit dem französischen König Franz I. abgesichert wäre. Im Urteil von John Guy und Julia Fox hätten Anne und Heinrich die wahre Natur des Bündnisses mit Frankreich nicht voll durchschaut: Franz hätte mit ihnen durchaus sympathisiert und die Initiativen Heinrichs in Rom auch in Maßen unterstützt, gleichzeitig jedoch habe er ein größeres Spiel gespielt und sein eigentliches Hauptziel sei die Rückeroberung des Herzogtums Mailand gewesen.[52]

Als Königsgemahlin (Queen Consort) war Anne von Anfang an entschlossen, sich von ihren Vorgängerin(nen) abzusetzen. Katharina hatte sich außer ihrem Eintreten für eine Allianz mit ihrem Mutterland Spanien politisch wenig betätigt und sich gemäß der zeitgenössischen Sitte still, unterwürfig und demütig verhalten. Demgemäß hatte sie sich oft damit begnügt, in ihren Gemächern Hemden für ihren Gemahl zu sticken. Dagegen heuerte Anne sofort demonstrativ einen Hemdenmacher für diese Tätigkeit an.[53] Auch mit ihrer Auslegung des Hofprotokolls setzte sie sich von ihrer Vorgängerin ab. Wo Katharina lediglich einem kleinen inneren Kreis von männlichen Hofbeamten Zugang zu ihrer privy chamber erlaubte, gestattete Anne mit ihrer Vorliebe für alles Französische einen relativ freien Umgang beider Geschlechter in ihrer privy chamber.[54] Der Kreis ihrer Hofdamen, von denen die meisten identifizierbar sind, bildete sich aus zwei heterogenen Gruppen. Zum einen scharte Anne um sich einen Kreis Vertrauter, der sich aus Verwandten wie ihre Schwägerin Jane Parker, ihre Cousine Lady Mary Howard und ihre Lieblingstante Lady Anne Shelton sowie aus ihren Freundinnen wie Bridget Wiltshire und Elizabeth Browne zusammensetzte.[55] Zum anderen erlaubte Heinrich einigen Karriere–Höflingen und Hofdamen den Wechsel von Katharinas Diensten in den Haushalt von Anne. Darunter waren neben Jane Ashley und Jane Seymour auch Lady Elizabeth Boleyn (die Frau von Sir James Boleyn) und Lady Mary Kingston, die beide Katharina sehr zugeneigt gewesen waren und nicht zu Annes Freundinnen zählten.[56]

Heinrich hatte Anne bereits vor der Ehe umfangreiche Ländereien geschenkt; hinzu kam die übliche Ausstattung einer Königsgemahlin mit Ländereien. Dadurch verfügte Anne über enormen Grundbesitz, der ihr allein im Jahr 1535 jährliche Erlöse in Höhe von mehr als 5000 £ (nach heutigem Wert mehr als 5 Millionen Euro) einbrachte.[57] Anne verwendete die Einnahmen vor allem zur Förderung ihrer künstlerischen Vorstellungen und zur Unterstützung. So setzte sie jeweils für die Universitäten Oxford und Cambridge Stipendien aus.[58] Zur Umsetzung ihrer religiösen Vorstellungen und der Verwirklichung von Kirchenreformen sammelte sie eine ganze Gruppe von Kaplanen um sich herum.

Schon als Geliebte des Königs hatte sich Anne nicht viele Freunde gemacht, und es gelang ihr auch als Ehefrau von Heinrich nicht, Verbündete zu gewinnen. So soll sich Anne bereits früh herrisch aufgeführt haben und Höflingen gegenüber hochfahrend und zornig aufgetreten sein. Da Anne einen zuweilen zynischen und sarkastischen Humor hatte, können ihre Worte schon damals oft fehlinterpretiert worden sein. Ein Beispiel ihres sehr eigenen Humors war ihre Reaktion auf die Proteste, als sie Königin von England wurde. Für eine kurze Zeit wählte sie ein Motto, das sinngemäß bedeutete: Murrt, wie ihr wollt. So und nicht anders wird es sein.[59] Auch vom englischen Volk, das weiterhin Katharina von Aragón bewunderte, wurde sie nur akzeptiert, nicht angenommen.[60] So soll während einer feierlichen Prozession am 31. Mai 1533 durch die Straßen von London zwar die ganze Stadt Anne in ihrer geschmückten Sänfte bewundert haben, aber nur ganz selten sollen Hochrufe zu hören gewesen sein. Die Londoner machten sich sogar lustig über die verschlungenen Initialen des Königs und der neuen Königin, H und A, und riefen – anstatt zu jubeln: HA! HA! HA! Am 1. Juni 1533 fand Anne Boleyns Krönung zur englischen Königin statt, als sie bereits deutlich sichtbar schwanger war.

Wappen von Anne Boleyn als Königingemahlin (Queen Consort) von England

Zwei Wochen vor dem Geburtstermin zog sich Anne in ihr Wöchnerinnengemach nach Greenwich zurück. Am 7. September 1533 wurde sie von einem gesunden Mädchen entbunden, das den Namen Elizabeth nach Heinrichs Mutter – erhielt. Der König zeigte sich enttäuscht, dass ihm wieder kein Sohn geboren wurde. Ein für die Tauffeier geplantes Turnier wurde von ihm abgesagt. Elisabeth wurde als erstes legitimes Kind von Heinrich ausgegeben und die inzwischen siebzehnjährige Prinzessin Maria – seine Tochter aus der Ehe mit Katharina von Aragón – zum Bastard erklärt.

Maria als junge Frau (Gemälde von Master John)

Schon bald nach der Taufe von Elisabeth schrieb Heinrich seiner Tochter Maria, dass sie den Titel Fürstin von Wales an seine Tochter mit Anne Boleyn abgeben müsse, da Elisabeth nun vor ihr in der Thronfolge rangiere. Er verlangte von Maria weiter, dass sie die Gültigkeit seiner Ehe mit Anne anerkennen müsse, ebenso die Legitimität ihrer Halbschwester, was Maria ablehnte. Erzürnt von ihrer Weigerung, war Heinrich entschlossen, Marias Willen zu brechen. dass sie ihr Haus „Beaulieu“ räumen und nach Hatfield House ziehen musste. Auch soll Maria auf die Anordnung, ihrer kleinen Schwester Elisabeth die Aufwartung als Prinzessin von England zu machen, mit den Worten reagiert haben, sie kenne keine andere Prinzessin von England als sich selbst.[61]

Anne nahm sowohl Maria als auch Heinrichs illegitimen Sohn Henry Fitzroy als potenzielle Bedrohung für sich und ihre Tochter wahr. Sie bemühte sich trotzdem um eine Annäherung zu Maria, unter der Bedingung, dass Maria sie als Königin akzeptiere. Maria reagierte mit einer kränkenden Antwort auf Annes Einladung, sie bei Hofe zu empfangen.

“I know no Queen in England but my mother. But if you, Madam, as my father’s mistress, will intercede for me with him, I should be grateful.”

„Ich kenne keine Königin von England außer meiner Mutter. Aber wenn Sie, Madam, als meines Vaters Geliebte zwischen meinem Vater und mir vermitteln wollen, wäre ich dankbar.“

Maria Tudor[61]

Anne wiederholte ihre Einladung an Maria, die wieder ablehnte. Nach dieser Absage von Maria bemühte sich Anne nie wieder um die Freundschaft ihrer Stieftochter. Auf die beleidigende Replik hin schäumte Anne vor Wut und drohte, „dieses stolze spanische Blut fertig zu machen.“[62] Annes Äußerungen wurden später beim Prozess gegen sie wieder hervorgeholt und dienten als Beweis. Anne war die maßgebliche Kraft hinter der Eheschließung ihres Stiefsohns Henry Fitzroy mit ihrer Cousine Lady Mary Howard, die älteste Tochter von Thomas Howard, 3. Duke of Norfolk. Mit der Eheschließung sah sie Fitzroy als potentielle Bedrohung ausgeschaltet.

1536 schrieb Maria den von Heinrich geforderten Brief, in dem sie die Annullierung der Ehe ihrer Eltern, ihre eigene Illegitimität und Heinrich als Oberhaupt der englischen Kirche akzeptierte.[63]

Im März 1534 traf Papst Clemens VII. sein Urteil, in dem zu Gunsten Katharinas für die Rechtmäßigkeit ihrer Ehe mit Heinrich entschieden wurde. Als Reaktion darauf trieb Heinrich den endgültigen Bruch mit Rom voran.[64] Umgehend wurde vom englischen Parlament die Suprematsakte verabschiedet, welche den englischen König zum Oberhaupt der Kirche Englands erklärte, ein Nachfolgegesetz bestätigte außerdem die Gültigkeit der Ehe mit Anne Boleyn. Damit war im Januar 1535 der endgültige Bruch mit der römisch-katholischen Kirche vollzogen.

Anne bemühte sich auch weiterhin, Einfluss auf die Diplomatie zu nehmen. Als Gilles de la Pommeraie als Gesandter des französischen Königs eintraf, um ein Treffen zwischen den Königen zu bewerkstelligen, empfing Anne ihn und zeigte ihm ihre Tochter Elisabeth. Dabei machte sie ihm klar, dass sie entschlossen sei, Elisabeth mit zwölf Jahren mit einem französischen Fürsten zu verloben.[65]

Heinrich kümmerte sich liebevoll um seine jüngste Tochter Elisabeth, die er oft mit sich herumtrug und mit der er spielte, wenn er sie in ihrem Haushalt besuchte.[66] In dieser Zeit war Anne zweimal schwanger. 1534 endete eine Schwangerschaft der Königin mit einer Totgeburt im achten Monat.[67] Sicher ist, dass Anne Boleyn in den Jahren 1536 wiederum eine Fehlgeburt hatte, sie brach nervlich völlig zusammen und soll auf die zweite Totgeburt hysterisch reagiert haben. Sie muss damals schon geahnt haben, dass Heinrich ihr langsam entglitt und dass ihr Temperament, ihr Witz, ihre Diskutierfreudigkeit, die ihn vor Jahren fasziniert hatten, Heinrich nun zunehmend von ihr entfernten. Im Sommer schrieb der venezianische Gesandte, der König von England sei „dieser neuen Königin schon müde bis zum Überdruss“.[68] Anders als Königin Katharina von Aragón sah Anne nicht über Heinrichs Seitensprünge hinweg. Sie beobachtete eifersüchtig ihre Hofdamen und machte dem König Vorwürfe, er würde sie vernachlässigen, wenn er seine Aufmerksamkeit anderen Personen widmete. Solange sie Heinrich keinen Sohn geboren hatte, war ihre Position angreifbar und schwach. Solange Katharina von Aragón am Leben war, war Anne nicht die einzige Königin in England, und solange Maria lebte, war Elisabeth nicht die einzige potenzielle Thronerbin.

Anne fällt in Ungnade

Im Zuge der Auflösung der englischen Klöster kam es zu einem Konflikt zwischen Anne und Thomas Cromwell. Beide waren vormals indirekt Verbündete gewesen, da sie gleiche Ansichten hatten. Im März 1536 wurde die Aufhebung der kleineren Klöster mit einem Bruttoeinkommen von weniger als 200 £ pro Jahr per Gesetz in beiden Parlamenten beschlossen. Anne wollte, dass die Einnahmen aus der Auflösung für Bildungs- und Wohltätigkeitszwecke verwendet werden, statt das sie in die königliche Kasse fließen.[69] Auf ihre Initiative hin hielt ihr Almosenier, John Skypp, am Passionssonntag eine eifernde Predigt, in der er Cromwell und seine Ratskollegen vor dem gesamten Hofstaat anprangerte.

Jane Seymour
Margaret Wyatt, Lady Lee

Mit Jane Seymour trat eine Rivalin auf. Das Interesse Heinrichs an Jane Seymour scheint aus einem Kontra zu Anne erwachsen zu sein; Jane wird optisch und charakterlich als kompletter Gegenentwurf zu Anne beschrieben.[70] Ironischerweise war Annes größter Schutz, dass Katharina von Aragón noch lebte, denn Heinrich befürchtete, wenn er die Ehe mit Anne für ungültig erklärte, wäre die Ehe mit Katharina automatisch wieder gültig. Daher wurde durch den Tod Katharinas von Aragón Anfang Januar 1536 Annes Position deutlich schlechter. Annes zweite Fehlgeburt ereignete sich drei Wochen nach Katharinas Tod.

Mit der zweiten Fehlgeburt verschlechterte sich das Verhältnis zwischen Heinrich und Anne. Sie hatte die Hoffnungen des Königs zum zweiten Mal enttäuscht und war bei Hofe umgeben von Menschen, die auf jedes Zeichen warteten, dass das Interesse des Königs an Anne nachlassen würde. Selbst die königlichen Botschafter aus Frankreich hofierten Maria und Anne, wobei sie Maria als inoffizielle Prinzessin vorzogen, zuerst besuchten und Königin Anne damit offen düpierten.[61] Die einzigen Menschen, denen Anne vertraute, waren ihre engste Freundin und Hofdame Margaret, Lady Lee, die Schwester Thomas Wyatts, und ihr Bruder George Boleyn, Viscount Rochford. Dessen Frau, Jane Boleyn, Viscountess Rochford, machte später während ihres Verhörs eine Aussage, die Anne und George schwer belastete. Lady Rochford sagte allerdings nicht im Prozess gegen ihren Ehemann und ihre Schwägerin aus.

Der König fühlte sich durch Annes Totgeburten von ihr betrogen und verfiel in Selbstmitleid. Wie bei Katharina versuchte er sich herauszureden, er sei von Anne verhext worden. Dies sei auch der Grund, wieso ihm Gott einen Sohn versagte. Heinrich versuchte Argumente gegen Anne zu finden, die ihn normalerweise zu seiner Frau Katharina (hätte sie noch gelebt) zurückgeführt hätten.

Katharina von Aragón

Der oft vorgebrachte Gedanke, dass eine Syphiliserkrankung des Königs die Ursache für die Fehl- und Totgeburten seiner Frauen sein könnte, gilt unter Historikern als sehr unwahrscheinlich, da keines seiner überlebenden Kinder Symptome der Krankheit zeigte und der König selbst sich nie der damals üblichen sechswöchigen Behandlung mit Quecksilber unterzog.[71] Eine andere Hypothese für die vielen Fehlgeburten lautet, dass bei Anne und Heinrich eine Rhesus-Inkompatibilität vorlag. Bei solchen Paaren verläuft zwar die erste Geburt komplikationslos, alle nachfolgenden Schwangerschaften aber können durch Antikörper im Blut der Mutter zu Fehl- und Frühgeburten führen. Eine Studie aus dem Jahr 2011 stellt zudem die These auf, dass Heinrich im Unterschied zu Anne und auch Katharina Kell positiv gewesen sein könnte. Eine Kell-Inkompatibilität hat während einer Schwangerschaft sehr ähnlich Folgen wie eine Rhesus-Inkompatibilität.[72]

Der englische Hof reagierte schnell auf das nachlassende Interesse an Anne und den steigenden Stern von Jane Seymour. Die genauen Gründe für eine Intrige gegen Anne bei Hofe lassen sich heute nicht mehr genau nachvollziehen und überprüfen. Daher wird von einigen Historikern vermutet, dass die ehrgeizigen Brüder von Jane Seymour zusammen mit Thomas Cromwell schon länger die Absetzung und Anklage von Anne planten und gezielt Gerüchte und Verdächtigungen gegen Anne streuten, sie habe seit längerem Affären mit anderen Männern, zu denen auch ihr eigener Bruder gehöre.[61]

Am 1. Mai 1536 begleitete Anne den König zu einem Turnier in Greenwich. In der Pause zwischen den Kämpfen wurde dem König eine dringende Nachricht überbracht, deren Inhalt bis heute unbekannt ist. Daraufhin verließ Heinrich das Turnier. Anne sah ihren Mann nie wieder. Einen Tag später wurde sie in Greenwich verhaftet und vor eine Kommission unter dem Vorsitz ihres Onkels, des Duke of Norfolk, gebracht.

Prozess und Hinrichtung

Nach dem Tod von Katharina von Aragón stand der Ehe mit Jane Seymour nur noch Anne im Weg. Da Heinrich durch die vom englischen Parlament verabschiedete Suprematsakte an eine gültige Ehe mit Anne gebunden war, musste ein anderer Weg gefunden werden, Anne von ihm zu trennen. Hätte Heinrich der Suprematsakte offen widersprochen und seine Ehe annullieren lassen, wäre sein Ruf in ganz Europa gefährdet gewesen. Daher blieb ihm für die Trennung von Anne nur ein Weg: eine Anklage, auf die der Tod stand, und ein Prozess, der sicher mit dem Todesurteil enden würde.

Thomas Howard, 3. Duke of Norfolk, Onkel von Anne Boleyn (Gemälde von Hans Holbein)

Anne Boleyn wurde am 2. Mai 1536 des mehrfachen Ehebruchs, inzestuöser Beziehungen zu ihrem Bruder und des Plans, den König zu töten, angeklagt. Obwohl diese Anschuldigungen unbewiesen blieben, wurde sie wegen Hochverrats zum Tode verurteilt.

Am 6. Mai 1536 schrieb Anne einen Brief an Heinrich:

„Sire, das Missfallen Euer Gnaden und meine Einkerkerung sind für mich so seltsame Dinge, dass ich gar nicht weiß, was ich schreiben und wofür ich mich entschuldigen soll. […] Kein Fürst hat je eine treuere Gattin in aller Pflicht und Zuneigung gehabt, als Ihr in Anne Boleyn gefunden habt. […] Lasst mich verhören, guter König, aber gebt mir ein gerechtes Gerichtsverfahren, und lasst nicht meine geschworenen Feinde als meine Ankläger und Richter über mich zu Gericht sitzen. Ja, gebt mir ein öffentliches Gerichtsverfahren, denn meine Wahrheit wird keine öffentliche Schande zu fürchten haben. Dann werdet Ihr entweder meine Unschuld gereinigt, Euren Argwohn und Euer Gewissen zufriedengestellt, die Bosheit und Verleumdungen der Welt zum Schweigen gebracht oder meine Schuld öffentlich erklärt sehen, sodass, was auch immer Gott und Ihr über mich beschließen mögen, Euer Gnaden von einer öffentlichen Kritik befreit sein werden, und wenn meine Schuld dann gesetzlich erwiesen ist, wird Euer Gnaden sowohl vor Gott wie vor den Menschen freistehen, nicht alleine gesetzliche Strafe an mir als einer ungetreuen Gattin zu vollziehen, sondern auch Eurer Neigung, die bereits feststeht, zu folgen, um derentwillen ich da bin, wo ich jetzt bin […] Meine letzte und einzige Bitte sei, dass ich allein das Gewicht von Euer Gnaden Missfallen zu tragen habe und dass es nicht die unschuldigen Seelen der armen Edelleute treffen möge, die, wie ich höre, ebenfalls in strengem Gewahrsam sind um meinetwillen […] aus meinem kummervollen Gefängnis im Tower an diesem 6. Mai 1536, Eure allergetreuste und stets ergebene Gattin Anne Boleyn.“

nach Helga Thoma[73]
Thomas Boleyn, Vater von Anne Boleyn (Porträt von Hans Holbein)

Einen Tag nach Anne wurden ihre angeblichen Liebhaber verhaftet. Hierzu gehörten der Schatzmeister der königlichen Privatschatulle, Henry Norris, die Kammerherren Sir Francis Weston und William Brereton sowie der Musiker Mark Smeaton und Annes Bruder, George Boleyn, Viscount Rochford. Mit Ausnahme von Smeaton wiesen alle Männer die Vorwürfe zurück. Der Historiker Eric Ives vermutet, dass Smeaton versuchte, einem grässlichen Tod zu entgehen. Er war der einzige, der in Ketten vor das Gericht geführt wurde, und hatte als Nichtadliger als einziger unter den Angeklagten keinen Anspruch auf eine schnelle Hinrichtung durch Enthauptung. Seine einzige Rettung vor dem Tod durch Hängen, Ausweiden und Vierteilen war ein Geständnis. Nach gängigem Gesetz konnte der Angeklagte in einem Verräterprozess nur dann auf Begnadigung hoffen, wenn er sich schuldig bekannte und sich völlig dem Urteil des Königs überließ. Im Falle einer Verurteilung konnte der Angeklagte durch ein Geständnis bewirken, dass er einen weniger grausamen Tod erleiden musste.[74]

Der Satz „[…] wenn dem König etwas zustieße, würdet ihr mich haben wollen“, den Anne unbedacht zu Henry Norris sagte, wurde ihr im Prozess als Mordplan gegen den König ausgelegt. Der gesamte Prozess gegen Anne beruhte auf Erzählungen und Aussagen von Zeugen, die entweder vorbereitet wurden oder der Königin gegenüber schon lange feindlich gesinnt waren. So sagte Jane Boleyn, Viscountess Rochford – ihre eigene Schwägerin – aus, Anne habe ihr einmal gesagt, „[…] dass der König unfähig sei, mit seiner Gattin zu schlafen, und weder Geschick noch Manneskraft besäße.“ (nach Helga Thoma[75])

Henry Norris, Sir Francis Weston, William Brereton und Mark Smeaton wurden am 12. Mai 1536 in Westminster Hall zum Tode verurteilt. Anne und ihr Bruder George Boleyn mussten am 15. Mai vor das Tribunal, um sich der Anklage des Inzests zu stellen. Auch hier sagte Lady Rochford, die Frau von George, aus, dass es zwischen den Geschwistern zu „ungehörigen Vertraulichkeiten“ gekommen sei. Weder Annes Onkel Thomas Howard, 3. Duke of Norfolk, der den Vorsitz führte, noch ihr Vater Thomas Boleyn versuchten, den beiden zu helfen. Die Anschuldigungen gegen die Geschwister Boleyn wurden bereits von Zeitgenossen in Zweifel gezogen. Doch sie enthielten auch eine religiöse Komponente. Da George Boleyn bekennender Protestant war, wurde er von konservativen katholischen Kreisen noch lange Zeit als Verbrecher betrachtet. Als seine Witwe im Jahre 1542 selbst hingerichtet werden sollte, bekannte sie einer Legende zufolge, dass sie im Fall ihres Ehemanns gelogen habe:

“God has permitted me to suffer this shameful doom as punishment for having contributed to my husband’s death. I falsely accused him of loving in an incestuous manner, his sister, Queen Anne Boleyn. For this I deserve to die.”

„Gott hat mir dieses beschämende Schicksal auferlegt, weil ich zum Tod meines Ehemannes beigetragen habe. Ich habe ihn falsch beschuldigt, seine Schwester Königin Anne Boleyn in Blutschande geliebt zu haben. Dafür habe ich den Tod verdient.“

Thomas Cranmer, Erzbischof von Canterbury (Künstler unbekannt)

In der modernen Geschichtsschreibung gilt jedoch als gesichert, dass dieses Zitat erfunden wurde.[76]

Am 17. Mai 1536 wurden die fünf verurteilten Männer auf dem Tower Hill hingerichtet. Annes Hinrichtung wurde um zwei Tage verschoben, bis Thomas Cranmer ihre Ehe mit Heinrich für ungültig und die Tochter Elisabeth zum Bastard erklärt hatte.

Heinrich ließ zur Hinrichtung seiner Ehefrau am 19. Mai 1536 den Henker Jean Rombaud aus dem französischen Saint-Omer kommen, der für seine Fähigkeiten bei der Enthauptung mit dem Schwert bekannt war.[77][78] Eine Gruppe von Beamten hatte sich im Tower versammelt, um der Hinrichtung beizuwohnen.

Weitere Informationen Originaltext, Übersetzung ...
Auf dem Schafott hielt die Todgeweihte eine kurze Rede.
Originaltext[79] Übersetzung

Good Christian people, I am come hither to die,
for according to the law, and by the law I am judged to die,
and therefore I will speak nothing against it.
I am come hither to accuse no man,
nor to speak anything of that,
whereof I am accused and condemned to die,
but I pray God save the king
and send him long to reign over you,
for a gentler nor a more merciful prince was there never:
and to me he was ever a good, a gentle and sovereign lord.
And if any person will meddle of my cause,
I require them to judge the best.
And thus I take my leave of the world and of you all,
and I heartily desire you all to pray for me.
O Lord have mercy on me, to God I commend my soul.
To Jesus Christ I commend my soul; Lord Jesus receive my soul.

Gute christliche Leute, ich bin hierher gekommen, um zu sterben,
denn gemäß dem Gesetz und durch das Gesetz wurde ich verurteilt zu sterben,
und daher werde ich nicht dagegen sprechen.
Ich bin hierher gekommen weder, um einen Menschen anzuklagen,
noch irgend etwas darüber zu sagen,
weshalb ich angeklagt und zum Tod verurteilt wurde.
Aber ich bete: Gott schütze den König.
Möge er noch lange über euch herrschen.
Denn einen sanftmütigeren und nachsichtigeren Fürsten als ihn gab es nie.
Mir war er stets ein guter, freundlicher und gnädiger Herr.
Und wenn irgendeine Person sich in meine Sache einmischt,
so verlange ich von ihr, aufs Beste zu urteilen.
Und so nehme ich meinen Abschied von der Welt und Euch allen,
und ich wünsche mir herzlichst von Euch, für mich zu beten.
O Herr, habe Gnade mit mir, zu Gott empfehle ich meine Seele.
An Jesus Christus empfehle ich meine Seele, Herr Jesus empfange meine Seele.

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Anne gestand ihre Schuld nicht, vermied es aber auch, den König anzugreifen. Anne Boleyn wurde kniend, mit verbundenen Augen und erhobenem Kopf hingerichtet. Bereits elf Tage nach Annes Tod, am 30. Mai 1536, heiratete Heinrich seine dritte Frau, Jane Seymour.

Denkmal an der Hinrichtungsstätte auf dem Tower Green

Nahe der Hinrichtungsstätte Tower Green im Tower of London befindet sich seit 1866 eine Gedenktafel. Ihr Leichnam wurde ohne Erinnerungstafel unter dem Kirchenschiff der Kapelle des Towers St. Peter ad Vincula begraben. Im Zuge von Renovierungsarbeiten wurden 1876 die sterblichen Überreste der dort liegenden Personen identifiziert und ihr Leichnam in die Gruft der Kapelle überführt.[80] Die Historikerin Alison Weir hält es allerdings für möglich, dass es sich um die Überreste von Catherine Howard handelt.[81]

Verhältnis zu Elisabeth

Badge (= Bilddevise) Elisabeth I. von England; Anne Boleyn verwendete die Version ohne Blumen

Anne musste kurz nach der Geburt feststellen, dass es ihr nicht erlaubt war, Elisabeth selbst zu erziehen. Solange kein männlicher Sohn geboren war, war Elisabeth die Erbin des Throns und sie wurde, wie es damals der Sitte entsprach, mit einem eigenen kleinen Haushalt versorgt und von den Eltern getrennt erzogen. Von Elisabeth heißt es, sie habe in ihrem späteren Leben praktisch nie von ihrer Mutter gesprochen. Erinnerungen an ihre Mutter wird sie allerdings auch kaum gehabt haben, da sie bei Anne Boleyns Tod erst zwei Jahre und acht Monate alt war und zudem seit ihrem dritten Lebensmonat in eigener Hofhaltung lebte. Obwohl Elisabeth sich in der Öffentlichkeit stets mit ihrem Vater identifizierte und oft betonte, die Tochter Heinrichs VIII. zu sein, scheint sie privat auch das Andenken an ihre Mutter wachgehalten zu haben.[82] Auch nahm sie den Kaplan ihrer Mutter, Bischof Matthew Parker, in ihre Dienste. Darüber hinaus protegierte Elisabeth die Verwandten ihrer Mutter und übernahm Anne Boleyns Badge (eine heraldisch anmutende Bilddevise, aber nicht zu verwechseln mit einem Wappen). Die einzige Veränderung am Badge ihrer Mutter war, dass bei Elisabeth Blumen aus dem Baumstumpf sprossen.

Tilgung

Bereits vor der Hinrichtung Annes gab Heinrich Anweisungen, jeden Hinweis auf Anne Boleyns Leben aus den Aufzeichnungen über seine Herrschaft auszulöschen. Briefe Annes an ihn vernichtete Heinrich mutmaßlich selbst. In Hampton Court und den anderen royalen Residenzen wurden Steinmetze beauftragt, Initialen, Embleme, Mottos und viele der geschnitzten verschlungenen H&A zu entfernen. Inschriften über „Queen Anne“ wurden in „Queen Jane“ umgeändert.[83] Da Heinrich vormals ebenso aggressiv Hinweise und Vermerke auf Anne in jedem Winkel seiner Herrschaft anbringen ließ, entgingen einige Zeugnisse allerdings den hastig durchgeführten Tilgungsaktionen.[84]

Kinder

Kinder mit Heinrich VIII.

Heirat am 25. Januar 1533, die Ehe wurde 1536 annulliert

  • Elisabeth I. (* 7. September 1533; † 24. März 1603)
  • Henry (*/† 1534); Historiker sind sich unsicher, ob dieses Kind tot geboren wurde oder kurz nach der Geburt starb. Die Geburt selbst und das Geschlecht des Kindes sind nicht sicher belegt.
  • Edward (*/† 29. Januar 1536)

Rezeption

Stimmen der Zeitgenossen: Legende und Mythos

Einer Legende nach soll Anne Boleyn einen Ring, der das Porträt von ihr und Elisabeth zeigt, kurz vor ihrem Tod Elisabeth als Andenken übergeben haben. Der Ring wurde nach Elisabeths Tod 1603 von ihrem Finger entfernt und Jakob VI. von Schottland gegeben, um ihm den Tod Elisabeths zu beweisen. Der Ring befindet sich heute neben vielen weiteren Ausstellungsstücken im Museum by The Chequers Trust.

In den unmittelbaren Urteilen der Zeitgenossen sind selbst simple Fakten umstritten.[85] Zunächst zeigte sich eine scharfe Trennlinie zwischen katholischen und protestantischen Stimmen. Der Neffe von Sir Thomas Morus, William Rastell, setzte in seinem verlorengegangenen Leben seines Onkels das Gerücht in die Welt, das Anne Boleyn die Tochter von Heinrich VIII gewesen sei.[86]

John Foxe ein konservativer Protestant – verteidigte nach 1558 Annes Moral und ihre religiöse Hingabe und machte sie zur Schutzheiligen des englischen Protestantismus. Er behauptete, dass Gott ihre Unschuld und Tugend bewiesen habe, da später Elisabeth I. den englischen Thron erbte.[87] Bischof John Aylmer (1559) und John Bridges (1573) verteidigten ebenfalls Annes Andenken und erhoben sie zur Märtyrerin.[88]

Das 1585 in Köln veröffentlichte prokatholische Werk „De origine ac progressu schismatis Anglicani“ des aus England geflüchteten Jesuitenpriesters Nicholas Sanders bringt dagegen verschiedene Anschuldigungen gegen Anne Boleyn vor. So behauptete er, Anne sei eine illegitime Tochter Heinrichs VII. gewesen. Bei der Beschreibung ihres Äußeren gibt er zudem an, sie habe an der rechten Hand sechs Finger (Polydaktylie) gehabt.[89]

Forschung

Anne Boleyns Leben und ihr plötzlicher Fall genießt traditionell ein großes Interesse unter Historikern und ist regelmäßig Gegenstand von kontrovers geführten Debatten.

Im viktorianischen Zeitalter dominierte das Bild, wie es James Anthony Froude zeichnete: Während er Heinrich VIII. als großen König porträtierte, war demgegenüber Anne Boleyn für ihn eine Randfigur, deren Charakter er entsprechend der herrschenden viktorianischen Moralvorstellungen und Vorurteile in Zweifel zog. Aufgrund ihrer in seiner Sicht moralisch zweifelhaften Ausbildung am „vergifteten“ französischen Hof sei es unmöglich, ein verlässliches Urteil über ihren Charakter zu fällen. Damit seien auch Zweifel angebracht, ob die Vorwürfe, dass sie mit Henry Percy bereits 1522 eine gültige Ehe geschlossen hätte, nicht wahr seien.[90]

1884 bzw. 1886 erschien Paul Friedmanns zweibändiges Werk Anne Boleyn: A Chapter of English History, 1527-1536. Friedmans Studie bildete in seinen Anlagen die Grundlage für viele spätere Biografien von Anne Boleyn. Er interpretierte ihren Fall als Konsequenz aus Heinrichs nachlassendem Interesse an ihr; da er selbst jedoch nie die Courage besessen hätte, selbst aktiv zu werden, wäre es an seinem zuverlässigen Handlanger Thomas Cromwell gewesen, den Fall von Anne und der Boleyn–Fraktion am Hof zu besorgen.[91]

A. F. Pollard, dominierender Tudor-Historiker im Großbritannien der Zwischenkriegsjahre, prägte in seinen Publikationen wiederum das Bild Heinrichs als großem Reformer, der England aus dem Mittelalter in die moderne Welt führte. Umgekehrt zeichnete er Anne Boleyn als eine in Schönheit, Intellekt und Tugend wenig hervorragende Frau. Annes Platz in der englischen Geschichte sei allein dem Umstand geschuldet, dass sie den weniger kultivierten Teil von Heinrichs Natur ansprach.[92]

Beginnend in den 1980er Jahren veröffentlichte die Historikerin Retha Warnicke eine Serie von Artikeln über Anne Boleyn, die sie in ihrem 1989 erschienenen Buch The Rise and Fall of Anne Boleyn: Family Politics at the Court of Henry VIII bündelte. Warnicke stellte eine Reihe von Thesen auf: So legte sie Annes Geburtsdatum auf den Sommer 1507. Den kursierenden Thesen über angebliche Deformitäten Annes widersprach sie, da sich keinerlei Hinweis unter ihren Zeitgenossen finden lassen. Dabei sei es absolut unlogisch anzunehmen, dass die Gegner Annes – wie etwa der venezianische Botschafter oder der kaiserliche Gesandte – diese nicht dankbar aufgegriffen hätten, um sie propagandistisch gegen Anne zu verwerten. Diese Hinweise seien erst nach Anne Boleyns Fall in Umlauf gebracht worden, um sie in negativem Licht zu porträtieren. Die Ereignisse, die 1536 zur Hinrichtung von Anne Boleyn führten, wurden von Historikern traditionell im Sinne einer Fraktionsverschwörung erklärt, die von Heinrichs Minister Thomas Cromwell ausgeheckt wurde. Retha Warnickes Neuinterpretation konzentrierte sich hingegen auf die sexuellen Intrigen und Familienpolitik am Tudor–Hof. Warnicke sah Anne Boleyns Fall nicht als Ergebnis einer (eventuell von Thomas Cromwell betriebenen) Verschwörung, sondern vielmehr von Heinrichs Besorgnis um die Fortführung der Tudor-Dynastie. Warnicke legte das Augenmerk auf eine Fehlgeburt von Januar 1536, in der Anne einen deformierten Fötus zur Welt gebracht hätte. Dies, verbunden mit dem am Hofe herrschenden Aberglauben, habe Heinrich an ein böses Omen für seine Dynastie und Königreich glauben lassen. Weiter habe es dazu geführt, dass er Gerüchte begünstigte, die Anne als Hexe schilderten, die Heinrich verhext und mit fünf anderen Männern sexuell verkehrt habe.

Warnickes Thesen fanden keinen Anklang. David Starkey, Eric Ives, G. W. Bernard und Alison Weir widersprachen Warnickes Thesen.

Der britische Historiker Eric Ives veröffentlichte 1988 mit Anne Boleyn (2004 in überarbeiteter und erweiterter Fassung als The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy neu veröffentlicht) seine Biographie Anne Boleyns. Ives formulierte zu diversen Streitfragen den neuen akzeptierten Kanon in der Forschung. So legte er Annes Geburtsdatum auf 1501. Weiter interpretierte er Anne Boleyns Herkunft als den einer Frau, die dem niederem und dem Hochadel entstammte und widersprach damit lange formulierten Formeln, die Annes Familie von niederer Herkunft zu porträtieren suchten. Ives sah die Aufarbeitung von Anne Boleyns Leben als frustrierenden Fall für jeden Historiker, da sie kaum eigene Zeugnisse hinterlassen habe und sich ihr Einfluss schwer ermessen lasse. Da sie zudem eine provokative Person gewesen sei, seien im Ergebnis auch die Zeugnisse von Zeitgenossen entweder bewundernd oder äußerst feindselig. Ives sieht Anne als intellektuelle Frau, die sowohl in Theologie bewandert als auch die erste Königin war, die die Kunst der Renaissance in England befördert habe. Ihre religiösen Überzeugungen hätten den Grundstein für das protestantische England gelegt. Als effektive Politikerin habe sie den Sturz von Wolsey herbeigeführt. Um dem gleichen Schicksal zu entgehen, habe Thomas Cromwell ihren Fall mittels einer Hofintrige herbeigeführt. In seinem Fazit sieht Ives Anne als die einflussreichste Königsgemahlin, die das Land je gehabt habe. Ihr sei es durch schiere Persönlichkeit und Initiative gelungen, durch „die gläserne Decke“ zu stoßen, die Frauen in einer männlich dominierten Welt am Aufstieg hinderte. Damit sei ihr Status als eine feministische Ikone wohlverdient.[93]

Mit seinen Ergebnissen stellte er Warnickes Thesen in Frage. Warnicke widersprach Ives, so vor allem im Sommer 1993 in ihren im The English Historical Review veröffentlichten Debattenbeitrag The Fall of Anne Boleyn Revisited. Warnicke sah Ives' These zu Annes Sturz als das Resultat aus Ives' überproportionaler Nutzung spanischer Quellen, vor allem des Botschafters Chapuys. Dessen deutlich vorurteilsbeladene, oft widersprüchliche Berichte versah sie mit dem gleichen Fragezeichen wie etwa die Anekdoten von Foxe.[94] Warnicke war Ives auch vor, ein antiquiertes Bild von der höfische Minen zu haben.[95] Weiter urteilte sie, dass Ives' Theorie über Annes Geburtsdatum lächerlich sei. In der Folge entwickelte sich ein jahrelanger Historikerstreit. Während Warnickes Thesen keinen Anklang fanden, gelten inzwischen die Thesen von Ives in weiten Teilen als der akzeptierte Konsens in der Forschung.

Der britische Historiker G. W. Bernard wiederum unterstützte Ives' Forschung im Hinblick auf Annes Geburtsdatum. Anne Boleyns Fall sah er allerdings in seiner Schilderung (Anne Boleyn: Fatal Attractions) als Resultat ihrer sexuellen Untreue. Bernard stützte sich dabei vor allem auf ein Poem von Lancelot de Carles.

Susan Bordo spielte 2013 in The Creation of Anne Boleyn ironisch auf die völlig unterschiedlichen Interpretationen der historischen Figur Anne Boleyn an: Sie sei von unterschiedlichen Generationen in völlig unterschiedlichen Erscheinungen interpretiert worden, da sich wahlweise auf Anne Boleyn alles hineinprojizieren ließe. Je nach Quelle sei sie wahlweise deformiert oder eine Venus, sei freigeistige Intellektuelle oder hilfloses Opfer eines Tyrannen, protestantische Märtyrerin oder Erotomanin und kaltblütige Mörderin. So tauge sie in der Porträtierung als ein rebellischer Freigeist damit ebenso als Vorbild für die Generation der Swinging Sixties wie für moderne Frauen als feministische Ikone.

2025 veröffentlichten John Guy und Julia Fox ihr Buch Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII.. Die Ehe, die die Welt erschütterte. Sie legten ihren Fokus vor allem auf Annes junge Jahre an den Höfen in Frankreich und der habsburgischen Niederlande. Guy und Fox sahen Anne als Ausnahmeerscheinung. Als einzige Frau Heinrichs habe sie eine eigenständige Paralleldiplomatie gepflegt, habe Einfluss auf seine Herrschaft gehabt und sei eine Zeitlang von Heinrich wie eine Art Mitherrscherin behandelt worden.

Moderne Rezeption

Theater und Oper

Im Jahr 1830 komponierte Gaetano Donizetti eine Belcanto-Oper unter dem Titel Anna Bolena, die auf Anne Boleyns Biographie fußt. Sie wird zusammen mit Maria Stuarda (1834) und Roberto Devereux (1837) zu Donizettis so genannter Tudor-Trilogie gerechnet. Das zweiaktige Libretto von Felice Romani fokussiert auf den letzten Lebensabschnitt Anne Boleyns. Auf Schloss Windsor warnt sie ihre Rivalin Giovanna Seymour davor, den Verlockungen von Glanz und Macht zu erliegen. Gleichzeitig gesteht sie ihrem früheren Liebhaber, der hier Lord Riccardo Percy heißt, dass sie die Verbindung zu ihm nur aus Ruhmsucht aufgegeben hat. Als König Enrico VIII. ein Medaillon Annas im Besitz ihres Pagen Smeton findet, deutet er dies als Beweis ihrer Untreue. Smeton bestätigt in einer Falschaussage, der Geliebte Annas gewesen zu sein. Kurz vor ihrer Hinrichtung im Tower zu London – die Glocken anlässlich der Vermählung Enricos mit Giovanna sind schon zu hören – wird Anna wahnsinnig; vergleichbare Schlussarien der jeweiligen königlichen Protagonistin enthalten auch die beiden anderen Tudor-Opern.

Anna Bolena wurde am 26. Dezember 1830 im Teatro Carcano in Mailand uraufgeführt. Der Titelpart wurde seitdem unter anderen von Elena Souliotis, Maria Callas, Joan Sutherland, Beverly Sills, Edita Gruberová, Elena Moșuc und Anna Netrebko interpretiert.

Eine weitere Oper über Anne Boleyn und Heinrich VIII. komponierte Camille Saint-Saëns. Sein 1883 uraufgeführter Henry VIII handelt in künstlerischer Freiheit von der Beziehung der beiden und dem Kirchenschisma.

Bereits 1884 erschien das „Historische Trauerspiel“ Anna Boleyn von Carmen Sylva und Mite Kremnitz. Im Jahr 1947 publizierte Maxwell Anderson das Theaterstück Anne of the Thousand Days. Es wurde 1969 unter dem Titel Königin für tausend Tage von Charles Jarrott verfilmt. In dem Historiendrama um die Ehe zwischen Anne Boleyn und König Heinrich VIII. agierte die franko-kanadische Schauspielerin Geneviève Bujold als Titelfigur, während der renommierte britische Theater- und Filmschauspieler Richard Burton König Heinrich mimte. Der Film wurde im Jahre 1970 mit vier Golden Globe Awards prämiert und für zehn Oscars nominiert.

Musik

Franz Königshofer ließ sich von ihr 1955 zu einem Werk für Blasorchester, Anna Boleyn Symphonische Musik, inspirieren.

Der britische Rockmusiker Rick Wakeman zeichnet in seinem 1973 erschienenen Album The Six Wives of Henry VIII, im fünften Stück mit dem Titel Anne Boleyn/The Day Thou Gavest Lord Hath Ended, ein musikalisches Bild der Ehefrauen des Königs.

Die deutsche Folk-Rock-Band Ougenweide hat mit dem Song O Death Texte von Anne Boleyn aus der Inhaftierung vor ihrer Hinrichtung zitiert. Veröffentlicht wurde der Song 1996 auf dem Album „Sol“. Diese Texte wurden ebenso verwendet von Camerata Sforzesca auf dem Album „Live“ (2002), Lucy Ward auf dem Album Adelphi Has To Fly (2011) und Rosemary Standley & Helstroffer’s Band auf dem Album Love I Obey (2015)[96]

Die britische Pop-Band McFly verarbeitete 2006 die Thematik „Anne Boleyn“ humoristisch in ihrem Song Transylvania aus dem Album Motion in the Ocean. Die 2007 veröffentlichte Single erreichte Platz 1 der britischen Charts.

Anne Boleyn ist eine der Hauptfiguren des Musical Six, in dem die sechs Ehefrauen von Heinrich VIII. in einem Ausscheidungssingen für eine Girlgroup gegeneinander antreten.

Erzählende Literatur

Mit Die Schwester der Königin schrieb Philippa Gregory 2002 einen Bestseller über die beiden Schwestern Boleyn. Der Roman wurde 2003 mit Natascha McElhone verfilmt (englischer Titel: The Other Boleyn Girl). Die zweite Verfilmung Die Schwester der Königin mit Natalie Portman, Scarlett Johansson und Eric Bana wurde am 15. Februar 2008 auf der Berlinale 2008 vorgeführt.

In Hilary Mantels Romanen Wolf Hall (deutscher Titel: Wölfe, 2010) und Bring up the Bodies (deutscher Titel: Falken, 2012) wird die Zeit vor der Eheschließung von Henry VIII. und Anne Boleyn bis zur Hinrichtung Annes aus der Perspektive des Kanzlers Thomas Cromwell erzählt. Die beiden Romane wurden von der BBC als sechsteilige Serie unter dem Titel Wölfe (Original: Wolf Hall) verfilmt und 2015 gesendet. Anne Boleyn wurde von Claire Foy gespielt.

Film

Fernsehen

  • 2007–2010: Die Tudors – Diese Serie umfasst vier Staffeln (Staffel 1, 2 und 4 à zehn Folgen, Staffel 3 à 8 Folgen). Anne Boleyn wird hier von Natalie Dormer verkörpert.
  • 2015: Wölfe (Original: Wolf Hall). Claire Foy verkörpert Anne Boleyn.
  • 2021: Anne Boleyn. Jodie Turner-Smith verkörpert Anne Boleyn.

Literatur

  • Lacey Baldwin-Smith: Anne Boleyn: The Queen of Controversy. Amberley, Chalford 2013, ISBN 978-1-4456-1023-8.
  • Elizabeth Benger: Memoirs of the Life of Anne Boleyn, Queen of Henry VIII. Potter, 1885.
  • G. W. Bernard: Anne Boleyn: Fatal Attractions. Yale University Press, New Haven 2010, ISBN 978-0-300-16245-5.
  • Susan Bordo: The Creation of Anne Boleyn: A New Look at England’s Most Notorious Queen. Houghton Mifflin, Boston 2013, ISBN 978-0-547-32818-8.
  • William Hepworth Dixon: History of Two Queens. Catharine of Aragon. Anne Boleyn: Volume 3. Adamant, 2001, ISBN 0-543-95581-8.
  • John Guy & Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII.. Die Ehe, die die Welt erschütterte. CH Beck, 2025, ISBN 978-3406822018
  • Antonia Fraser: Die sechs Frauen Heinrichs VIII. Claassen, Berlin 1995, ISBN 3-546-00081-1.
  • Eric Ives: Anne Boleyn. Blackwell, Oxford 1988, ISBN 0-631-16065-5. überarbeitet 2004 und neu herausgegeben als
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  • Helga Thoma: Ungeliebte Königin. Ehetragödien an Europas Fürstenhöfen. Ueberreuter, Wien 2000, ISBN 3-8000-3783-1.
  • Retha M. Warnicke: The Rise and Fall of Anne Boleyn. Cambridge University Press, Cambridge 1989, ISBN 0-521-40677-3.
  • Alison Weir: The Six Wives of Henry VIII. Pimlico, London 1991, ISBN 0-7126-7384-9.
  • Alison Weir: The Lady In The Tower: The Fall of Anne Boleyn. Vintage, London 2010, ISBN 978-0-7126-4017-6.
Commons: Anne Boleyn – Album mit Bildern

Anmerkungen

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