Annegret Hahn

deutsche Dramaturgin, Regisseurin und Theaterintendantin From Wikipedia, the free encyclopedia

Annegret Hahn (* 1951 in Gramzow (Uckermark)) ist eine deutsche Dramaturgin, Regisseurin und Theaterintendantin. Sie war Interimsintendantin der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin von 1990 bis 1992. Von 2001 bis zu seiner Abwicklung als eigenständiges Haus im Jahr 2012 leitete sie als Intendantin das Thalia Theater Halle.

Leben

Annegret Hahn studierte Anfang der 1970er Jahre Theaterwissenschaften in Leipzig und arbeitete im Anschluss an ihre Ausbildung an mehreren Theatern als Dramaturgin und Regisseurin. Nach dem Studienabschluss zog sie zunächst nach Karl-Marx-Stadt, im Jahr 1990 nach Berlin.[1]

Während ihrer Studienzeit war Hahn Mitglied der Studentenbühne der Universität Leipzig, des Poetischen Theaters. Ihre erste Regiearbeit dort war im Jahr 1973 eine szenische Lesung des Hörspiels Scardanelli von Stephan Hermlin.[2.1] 1974 zeichnete sie zusammen mit Brigitte Friedrich für die DDR-Erstaufführung von Heiner Müllers Philoktet verantwortlich[3][2.2] und 1976 in Alleinregie für die Uraufführung von Volker Brauns Guevara oder Der Sonnenstaat.[2.1]

In der Übergangszeit der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin, nach der Abberufung Fritz Rödels und vor Übernahme durch Frank Castorf, in den Jahren zwischen 1990 und 1992, war sie zusammen mit Winfried Wagner und Marion van de Kamp Interimsintendantin des Hauses sowie Chefdramaturgin.[4][5] Anschließend leitete sie die Schillertheater-Werkstatt und inszenierte am frisch fusionierten Theater Greifswald-Stralsund. 1996 erarbeitete sie mit einer freien Gruppe eine Inszenierung für das Kunstfest Weimar.[1]

2001 übernahm sie die Intendanz am Thalia Theater Halle.[6] Mit der Schließung der eigenen Spielstätte in der Kardinal-Albrecht-Straße im Jahr 2012 wurde sie freigestellt, ihr Vertrag lief noch bis zum 31. Juli 2014. Sie hatte sich lange für den Erhalt der Eigenständigkeit des Theaters eingesetzt, dessen Schließung aus Kostengründen schon mehrere Jahre diskutiert worden war und zuletzt als weitere Sparte unter die Leitung der Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, zu der auch das Neue Theater Halle gehört, aufgenommen wurde.[7]

2005 führte sie Regie im Rahmen der Händel-Festspiele Halle mit der Uraufführung von Durs Grünbeins Vom Schnee oder Descartes in Deutschland, 2006 folgte die nächste Uraufführung mit der Inszenierung Paradise Lost von John Milton.[8]

Annegret Hahn war mit dem Schauspieler Ulrich Mühe (1953–2007) verheiratet. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor: der Fotograf Andreas Mühe (* 1979) und der bildende Künstler Konrad Mühe (* 1982).[9]

Werk

Während ihrer Zeit als Intendantin des Kinder- und Jugendtheaters in Halle initiierte sie auch soziokulturelle Projekte im Stadtraum.[7] Im Jahr 2002 entwickelte sie ein Konzept für die Einrichtung einer temporären Kinderstadt auf der Peißnitzinsel, die seitdem im zweijährlichen Rhythmus stattfindet. Die Kinderstadt folgt der Idee eines Planspiels, in dessen Rahmen Kinder zwischen 7 und 14 Jahren „spielerisch Fragen rund um das Stadtgeschehen“ nachgehen können und gemeinsam „einen Ort“ gestalten, „an dem alle gut zusammenleben“.[10]

2003 richtete sie in einem leerstehenden Hochhaus in Halle-Neustadt ein temporäres Hotel ein, das „Hotel Neustadt“, ein Raum, der von Jugendlichen geplant, eingerichtet und als Hotel geleitet wurde.[11] Annegret Hahn verstand das Projekt als „Einladung an Künstler, über den Stadtteil nachzudenken“.[12] Ein Festival nahm Bezug auf den Stadtraum und den Leerstand, es fanden Stadtführungen, Theaterstücke mit Bewohnerinnen und Bewohnern statt, sowie eine Fotoausstellung über Jugendliche im öffentlichen Raum. Zum Projekt veröffentlichte Annegret Hahn unter dem Titel Hotel Neustadt einen Sammelband im Alexander Verlag Berlin.[13] Das Projekt wurde 2004 im Rahmen der 9. Architekturbiennale Venedig als Teil des deutschen Beitrags unter dem Sammelbegriff Deutschlandschaft präsentiert.[14]

Das Festival Comic Meets Theatre aus dem Jahr 2006 befasste sich mit den Medienerfahrungen von Kindern und Jugendlichen in Inszenierungen, Performances und Workshops.[15] Auch zu diesem Festival erschien eine Publikation, die Hahn zusammen mit Berit Schuck herausgab und beim Verlag Theater der Zeit veröffentlichte.

2009 führte sie am Thalia Theater unter dem Titel Nouveaux Auteurs 2009 eine „Französische Woche“ durch, die Einblicke in die zeitgenössische Dramatik Frankreichs bot. Zur Eröffnung inszenierte Hahn das Stück Familienportrait von Denise Bonat. Auch das Konzept dieses Festivals bezog den Stadtraum, Cafés und Galerien als Spielstätten mit ein und involvierte Jugendliche als Teilnehmende zum Beispiel in einer französisch-deutschen Rap- und Slam-Werkstatt.[16]

Nach dem Ende ihrer Intendanz in Halle war Annegret Hahn weiter als freie Theaterregisseurin tätig, unter anderem am Volkstheater Rostock und Landestheater Mecklenburg in Greifswald.[17]

Ihr Sohn Andreas Mühe inszenierte Annegret Hahn in einer Fotoserie unter dem Titel Guck mal, Mutti. Eine Reise durch die Heimat. Hinter Panzerglas aus dem Jahr 2013, die unter anderem in der Kunsthalle Rostock zu sehen war, als Kanzlerinnen-Double[18] und erneut 2021 in der Serie Alles, was noch nicht gewesen ist, ist Zukunft, wenn es nicht gerade jetzt ist, die in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zu sehen war.[19]

Inszenierungen (Auswahl)

Publikationen

als Herausgeberin

Literatur

  • Andreas Hillger: Belagerung einer Stadt. Das Thalia Theater Halle unter seiner Intendantin Annegret Hahn. In: Theater der Zeit. Nr. 6/2003, S. 32–33.
  • Tristan Berger: Auftraggeber Kind. Tristan Berger im Gespräch mit Annegret Hahn. In: Theater der Zeit. Nr. 4/2004, S. 18.
  • Theater mit Leidenschaft. Die Studentenbühne an der Leipziger Universität. Passage Verlag, Leipzig 2009, ISBN 978-3-938543-59-7, S. 74–76, 158.
  • Gespräch mit Annegret Hahn und Publikum über „Ich will ein Kind haben“ als offene Versuchsanordnung. Moderiert von Liane von Billerbeck. In: Annette Leo (Hrsg.): „Ich bereite meinen nächsten Irrtum vor ...“. Bertolt Brecht und die Sowjetunion (= LfB-Texte. 9). Verbrecher Verlag, Berlin 2019, ISBN 978-3-95732-347-7.

Einzelnachweise

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