Annette Flade
deutsche Pastorin, Seelsorgerin und Mediatorin in Brandenburg
From Wikipedia, the free encyclopedia
Annette Flade (* 1950 in Wittenberge, Prignitz) ist eine Pastorin, Seelsorgerin und Mediatorin in Brandenburg.[1]

Leben
Annette Flade, Tochter eines Bäckers, erlernte neben dem Abitur in der DDR den Beruf der Rinderzüchterin. Anschließend studierte sie an der Humboldt-Universität zu Berlin Evangelische Theologie. Nach dem Vikariat heiratete sie den Pfarrer Stephan Flade 1973 und absolvierte 1976 ihr 2. Theologisches Examen.
Im Jahre 1976 zog das Ehepaar nach Pritzwalk und war im Pfarrdienst tätig. Annette Flade arbeitete in der evangelischen Jugendarbeit und rief u. a. eine Frauengruppe ins Leben. Beide waren dort in der kirchlichen Friedensarbeit engagiert.[2] Beispielsweise nahmen Flades mit einigen Mitgliedern der örtlichen Jungen Gemeinde an einer staatlichen Friedensdemonstration, am "Pfingsttreffens der Jugend", teil. Ihre Teilnahme mit Plakate wie "Christen für ein kernwaffenfreies Europa" sorgte innerhalb der FDJ-Kreisleitung für erhebliche Unruhe, wurde aber nicht verboten. "Vor dem Hintergrund ihres christlichen Friedensbekenntnisses übten die kirchlichen Demonstrationsteilnehmer damit lange vor dem "Olof-Palme-Friedensmarsch" vom September 1987 inmitten der SED-Diktatur Demonstrationsfreiheit ein."[3] Seit 1983 wohnte sie mit ihrer Familie in Potsdam-Babelsberg und war u. a. Dozentin an der „Ausbildungsstätte für Gemeindediakonie und Sozialarbeit“ im Zivil-Waisenhaus.[4] Auch in Potsdam war sie, gemeinsam mit ihrem Mann, sehr aktiv in der kirchlichen Friedensarbeit. Das Ehepaar Flade gründete das Neue Forum in Potsdam mit. Annette Flade war mit Detlef Kaminski Teil des provisorischen Sprecherrates, um die Vereinigung in Berlin am vertreten.[5] Am 3. Dezember trafen sich Vertreter des Neuen Forum aus der ganzen DDR in Grünheide bei Berlin. Noch am gleichen Tag fordert der DDR-Sprecherrat des Neuen Forum die Bürger auf, Kontrollgruppen in Wirtschaft und Staatsapparat zu bilden, denn Verantwortliche der DDR-Diktatur würden fliehen, Werte ins Ausland bringen und Akten vernichten.[6]
Am 4. Oktober 1989 fand in der Friedrichskirche auf dem Babelsberger Weberplatz die Vorstellung des Neuen Forums statt, zu der mehr als 3000 Menschen kamen.[7][1] Flades sowie der Gemeindepädagoge Hans-Georg Baaske informierten damals bis in die Nacht hinein über die Bewegung und richteten ein Kontaktbüro des Neuen Forums im Pfarrhaus in der Lutherstrasse 1 in Babelsberg ein. „Der Auftakt zum Widerstand gegen das SED-System ist eng mit dieser Kirche verbunden“. Die erste Großdemonstration des Neuen Forums am 4. November 1989 in Potsdam haben Flades mit organisiert.[8][9] Zehntausende demonstrierten für freie Wahlen, für Presse- und Versammlungsfreiheit und gegen die Einstufung des Neuen Forums als verfassungsfeindlich. Die zahlreichen Demonstrationen im Herbst 1989 in der ganzen DDR leiteten die friedlichen Revolution des Landes ein. Am 5. Dezember 1989 gründete sie mit Carola Stabe, Manfred Kruczek, Detlef Kaminski und Rainer Speer den Rat der Volkskontrolle, der den Übergang zu einer demokratischen Ordnung in Potsdam organisierte.[10]
Als Referentin für Gemeinwesenarbeit bei der Gossner-Mission organisierte sie soziale Projekte. Sie war von 1996 bis 2005 Ausländerseelsorgerin beim Kirchenkreis Potsdam.[11]
Flades absolvierten von 2006 bis 2009 einen Auslandseinsatz der Vereinten Evangelischen Mission in Indonesien.
Anschließend lebten sie in Groß Schönebeck in der Schorfheide, wo Annette Flade einen Eine-Welt-Laden[12] eröffnete und 2015 die Willkommensinitiative des Ortes mitbegründete.[13]
Im Jahre 2016 zog sie gemeinsam mit ihrem Ehemann zurück in die Prignitz, in ihre Heimatstadt Wittenberge. Dort gründete sie 2023 in der ehemaligen Bäckerei ihres Vaters (und Großvaters) einen Eine-Welt-Laden.[14] Im selben Gebäude initiierte sie 2025 gemeinsam mit weiteren Frauen das Projekt "Marthas Tisch"[15][16], einem Dritten Ort in Trägerschaft der Evangelischen Kirchengemeinde Wittenberge,[17] der als Begegnungsort und nichtkommerzieller Treffpunkt dient.
In den Jahren 2018 und 2019 lebten Annette und Stephan Flade in Dénia in Spanien. Dort übernahmen sie für zehn Monate die Tourismuspfarrstelle der EKD an der Costa Blanca.[18]
Annette Flade ist Mutter von zwei Töchtern und einem Adoptivsohn. Sie engagiert sich bei den Omas gegen Rechts in der Prignitz.[19]
Ehrungen
Im Juni 2006 erhielt Annette Flade für ihr ehrenamtliches Engagement für Flüchtlinge den Verdienstorden des Landes Brandenburg.[20][21]
Als Anerkennung für ihre Arbeit durften sich Annette Flade und ihr Mann Stephan Flade am 26. September 2023 in das Goldene Buch der Landeshauptstadt Potsdam eintragen.[22][1]
Veröffentlichung
- Geht dem Flüchtling mit Brot entgegen. Geschichten und Erfahrungen aus neun Jahren Ausländerseelsorge im Kirchenkreis Potsdam. In Zusammenarbeit mit Jutta von Freyberg (Eigenverlag), 2006